3. Juni – Ein neuer Grindelwald?

Bathilda Bagshot machte sich in aller Ruhe einen Tee. Sie war vielleicht alt, aber nicht dement, und so konnte sie noch sehr gut alleine leben, wenn sie nur alles gemächlich tat, und das störte sie nicht. Sie hatte ein englandweit anerkanntes Schulbuch über 3000 Jahre der magischen Geschichte geschrieben – da kam es nicht darauf an, ob ihr Tee in zwei Minuten bereit sein würde oder erst in zehn. Sie hatte Zeit.

Während sie darauf wartete, dass das Teewasser kochte, schweifte ihr Blick durch die Küche und blieb wie schon so oft an einem Bild ihres Neffen hängen. Sie hatte den Jungen sehr geliebt und als Kind und Jugendlicher war er immer freundlich und höflich gewesen und sie hatten viele schöne Stunden miteinander verbracht. Doch dann wurde er nahezu besessen von der Idee der Heiligtümer des Todes. Unzählige Male hatte sie ihm versichert, dass sie als Geschichtsexpertin nie einen Hinweis darauf gefunden hatte, dass diese Gegenstände wirklich existierten. Sie waren ganz eindeutig ein Märchen. Doch Gellert hatte nie auf sie hören wollen und hatte sich durch seinen besten Freund Albus bestärkt gefühlt in seinem Glauben. Doch irgendwann war seine Besessenheit in Boshaftigkeit umgekippt. Er hatte begonnen zu glauben, dass die magische Welt sich nicht verstecken sollte, sondern stattdessen ganz klar die Oberhand über die Muggelwelt haben sollte. Alles, was er getan hatte, hatte er mit dem Gedanken an das Größere Wohl gerechtfertigt. Immer wieder hatte Bathalda – und mittlerweile auch Albus, der zum Glück noch rechtzeitig verstanden hatte, in welche Richtung Gellert strebte und sich davon distanziert hatte – versucht, ihn zum Umdenken zu bewegen, doch keiner von beiden war zu dem Jungen durchgedrungen und er war immer gefährlicher und düsterer geworden. Er hatte Anschläge verursacht, die die Muggel auf Hexen und Zauberer aufmerksam gemacht hatten, und hatte immer wieder einen Krieg provoziert – bis er den Großen Krieg (die Muggel bezeichnen ihn als den Zweiten Weltkrieg) ausgelöst hatte! Daher war nicht nur Bathalda froh, als Albus ihn 1945 stoppte. Die Welt konnte wieder aufatmen und Bathalda war Albus unglaublich dankbar dafür, dass er ihren Neffen nicht getötet hatte, sondern nur ins Gefängnis gebracht hatte. Sie schrieben sich noch immer ab und zu Briefe.

Doch nun war ein neuer dunkler Zauberer auf die Bühne der Welt getreten, um Gellerts Platz einzunehmen – Lord Voldemort. Gellert, so wusste sie aus seinen Briefen, verspottete ihn und er meinte, er sei bisher nichts im Gegensatz zu ihm damals und seine Taten seien lächerlich. Doch er unterstütze seine Idee, dass Muggel unter den Zauberern stünden. Bathalda versuchte auch hier erneut, ihren Neffen wieder zu richtigen Gedanken zu verhelfen, doch es war zwecklos.

Und sie wusste leider auch, dass die Geschichte sich immer wiederholte und es wohl bald erneut zu einem Krieg kommen würde…