Dieses Kapitel widme ich meiner Schwester, die heute Geburtstag hat und sich diese Geschichte gewünscht hat. Alles Gute! :)

7. Juni – Das fliegende Motorrad

Lupin wusste, dass Sirius es hasste, eingesperrt und in seinen Augen nutzlos zu sein. Daher kam er ihn so oft wie möglich im Grimmauld Platz besuchen. Doch die Laune seines besten Freundes blieb weiterhin schwarz. Murrend stocherte in seinem Tee herum und hörte sich nur halbherzig die neusten Neuigkeiten an.

„Erzähl mir nochmal, wie du und James damals mit deinem Motorrad der Muggel-Polizei entwischt seid", schlug Remus nach einer Weile fröhlich vor. Das würde Sirius bestimmt auf andere Gedanken bringen.

Dieser sah ihn jedoch mit verwundeter Miene an: „Aber die Geschichte kennst du doch schon."

„Ich hab die Einzelheiten vergessen", log Remus.

„Das war kurz nachdem wir unseren Abschluss in Hogwarts gemacht haben", begann Sirius zu erzählen. „Wir waren alle in diesem Pub in der Nähe von Manchester, wie du dich vielleicht noch erinnerst."

Remus nickte.

„Du und Peter, ihr seid irgendwann nach Hause gegangen, aber James und ich haben noch ordentlich weitergemacht." Er grinste breit bei der glücklichen Erinnerung an damals. „Und dann sind wir auf die Idee gekommen, mit meinem Motorrad eine kleine Spritztour zu machen. Ich hatte es ja immer geschrumpft in meiner Tasche dabei, also vergrößerte ich es wieder, wir stiegen auf und fuhren los. Die Muggel-Autobahnen sind so spät abends fast vollkommen frei und so konnten wir die Straßen entlangrasen, wie wir wollten. Wir hatten einen Heidenspaß, bis plötzlich so ein Muggel-Auto neben uns auftauchte, mit blauen Lichtern und einem schrecklich lauten Geräusch. Da wussten wir sofort, dass das Ärger geben würde und haben natürlich noch mehr Gas gegeben."

„Natürlich", murmelte Remus leise lachend.

„Wir verließen die Autobahn, fuhren über die Landstraße – die Polizisten immer noch dicht auf den Fersen – und schließlich in einen kleinen Muggel-Ort. Dort versuchten wir die kleinsten Gassen zu nehmen, um unsere Verfolger abzuhängen, doch landeten am Ende in einer Sackgasse. Das Polizeiauto hielt mit quietschenden Reifen hinter uns und die Muggel hielten diese komischen Waffen – ich glaube, sie heißen Pistolen – auf uns gerichtet. Da haben James und ich uns angeguckt und sofort gewusst, was wir jetzt tun mussten. Also haben wir das Motorrad wieder gestartet und sind einfach über die Köpfe der Polizisten hinweggeflogen. Die haben vielleicht verdutzt geguckt." Er lachte laut darüber.

Remus schüttelte schmunzelnd mit dem Kopf. „Dass ihr nie angezeigt wurdet…"

„Glück im Unglück würd' ich sagen", grinste Sirius. „Vermutlich haben die Polizisten ihren eigenen Augen nicht getraut und lieber Stillschweigen bewahrt."

Remus lachte ebenfalls und freute sich, dass er seinen besten Freund ein wenig aufmuntern konnte. „Sag mal", fiel ihm da auf einmal etwas ein, „woher hattest du eigentlich dieses Motorrad."

Sirius zuckte mit den Schultern. „Im Grunde wollte ich nur meine Eltern ärgern, deswegen hab ich mir ein Muggel-Motorrad gekauft und es dann magisch modifiziert. Das hat sie auch wirklich zur Weißglut getrieben, aber zum Glück war ich eh schon fast immer bei James, deswegen konnten sie mich nicht bestrafen."

Remus lächelte halb glücklich, halb traurig. „Ihr beiden ward wie Pech und Schwefel."

Sirius seufzte. „Ja…"

Einen Moment herrschte Schweigen, dann offenbarte Sirius leise: „Manchmal wünsche ich mir, tot zu sein."

„Warum denn das?!", wollte Remus erschrocken wissen. War sein bester Freund vielleicht deprimierter als befürchtet?

„Damit ich wieder bei James sein kann. Und bei Lily. Und wenn du auch mitkommst, dann sind wir alle wieder vereint."

Remus lächelte nur milde, weil er nicht wusste, was er darauf erwidern könnte…