9. Juni – Pech im Spiel, Glück in der Liebe

Oliver Wood stieß sich vom Boden ab und flog mit seinem Besen in die Luft. Eintracht Pfützensee spielte gegen die Holyhead Harpies. Dass er endlich einmal als Hüter spielen durfte und nicht schon wieder nur als Ersatzspieler auf der Bank sitzen musste, reichte ihm noch nicht an Aufregung, denn bei den Holyhead Harpies spielte eine gewisse Jägerin namens Charlotte Avon mit und seiner Meinung nach war sie das schönste und klügste und lustigste Mädchen, das er je kennengelernt hatte.

Er hatte sie zum ersten Mal letztes Jahr bei der Eröffnungsveranstaltung der verschiedenen Quidditch-Mannschaften gesehen und sich sofort in sie verguckt. Sie hatte ihre langen, braunen Haare offen getragen und das lieblichste Lachen, das es gab, der Welt geschenkt, während ihre grünen Augen wie eine sonnendurchflutete Waldlichtung geleuchtet hatten. Er war sogar so mutig gewesen, sie zum Tanzen aufzufordern, und sie hatte zu seiner großen Freude mit erröteten Wangen zugestimmt. Sie hatten sich gut unterhalten, doch als er sie am Ende des Abends gefragt hatte, ob er sie einmal zum Essen einladen dürfte, hatte sie ihm gestanden, dass sie einen festen Freund habe… Seitdem hatten sie sich nicht mehr gesehen oder gesprochen – bis zu dem heutigen Spiel.

Er war so fasziniert von Charlotte, dass er gar nicht bemerkt hatte, dass das Spiel schon angefangen hatte, und sie mit dem Quaffel in der Hand rasend schnell auf ihn und seine drei Torringe zuflog. Oliver überlegte fieberhaft, ob er den Ball abwehren oder durchlassen sollte, als sie ihn auch schon warf. Erst im letzten Moment stieß er mit der Faust gegen den Quaffel, der gerade noch gegen den äußersten Ring donnerte, sodass es kein Tor wurde.

Oliver atmete erleichtert auf. Reiß dich zusammen!, rief er sich selbst zur Ordnung, als Charlotte plötzlich wenige Meter vor ihm zum Stehen kam und ihm ein bezauberndes, liebevolles und vor allem aufrichtiges Lächeln schenkte, bevor sie wieder davonflog.

Der Hüter von Eintracht Pfützensee war von diesem Lächeln so verhext, dass er einen Ball nach dem anderen durchgehen ließ, sodass sie am Ende mit 220 zu 80 Punkten verloren.

„Mensch Olli, was war denn mit dir heut los?", fragten ihn seine Mitspieler nach dem Spiel verwundert. „Du bist doch sonst nicht so drauf!"

Oliver zuckte nur mit den Schultern und schlüpfte schnell unter die Dusche. Er beeilte sich, damit er Charlotte abfangen konnte, um sich mit ihr zu unterhalten, denn dass sie ihn mochte, war offensichtlich. Doch zu seinem großen Erstaunen stand sie wartend vor der Umkleide, sodass er fast in sie hineingerannt wäre, und lächelte ihn schüchtern an.

„Hallo Oliver."

Er fing sich und grüßte hastig zurück.

„Tut mir leid, dass ihr verloren habt", meinte sie schuldbewusst, so als sei sie ein gewöhnlicher Fan und nicht die Gegenspielerin.

„Ja, tja", meinte Oliver nur und zuckte mit den Schultern. „Dafür habt ihr gewonnen."

Charlotte lächelte und erwiderte dann schnell: „Ich wollte dich eigentlich fragen, ob du mit mir einmal Essen gehen möchtest."

Er sah sie verwundert an. „Aber ich dachte…", begann er, doch sie schüttelte mit dem Kopf.

„Ich hab mit ihm vor ein paar Monaten Schluss gemacht. Er war einfach nicht mein Typ."

„Ähm, ja, klar, gerne", stammelte Oliver überrascht.

„Toll", freute sie sich und strahlte ihn offen an. „Vielleicht heute Abend?"

„Das klingt perfekt", erwiderte er glücklich.