19. Juni – Schlangen

Duddley Dursley ging sehr gerne in die Schule. Er war angesehen in der Klasse, da er oft den Klassenclown spielte oder die Streber verprügelte. Seine Noten könnten besser sein, aber die Anerkennung seiner Kameraden war ihm wichtiger.

Heute gab es an seiner Schule einen Biologie-Projekttag, an dem jeder sein Haustier mit in die Schule bringen und vorstellen durfte. Dudley hatte kein Haustier, aber das machte nichts, denn er mochte Tiere nicht besonders. Es nervte ihn schon, wenn Harry seine Eule im Sommer mit nach Hause brachte…

Die Klasse war lauter als gewöhnlich mit all dem Bellen, Miauen, Gackern, Gurren, Zischen, Schrapen und anderen Tiergeräuschen, und es stank auch ein wenig.

Dudley setzte sich auf seinen Platz in der ersten Reihe (zu dem die Lehrer ihn verdonnert hatten, damit sie ihn genau im Auge behalten konnten…) und ließ sich gespielt enthusiastisch von seinem Kumpel Pierre seinen Leguan zeigen.

„Das ist Dr Evil", erklärte Pierre. „Er ist eigentlich harmlos, aber ich wollte, dass er einen tollen Namen hat."

„Der ist mega cool", unterstützte Dudley ihn und Pierre grinste zufrieden.

Da kam die Lehrerin in die Klasse, begrüßte alle, und die Schüler mit Haustieren durften nach vorne kommen und etwas über sie erzählen – ihren natürlichen Lebensraum, ihre Nahrung und anderes Interessantes.

In den nächsten eineinhalb Stunden wurden drei Katzen, zwei Hunde, eine Schildkröte, drei Meerschweinchen, Pierres Leguan und ein Wellensittich vorgestellt. Dann jedoch kam Rupert an die Reihe – und Dudleys Albtraum begann.

Rupert hatte einen dunklen Schuhkarton dabei, dessen Deckel er nun öffnete – und eine Schlange zum Vorschein holte. „Das ist Blindy, meine Blindschleiche." Er lachte kurz auf. „Ich hab sie letztes Jahr bei uns im Garten gefunden und da sie sich ein wenig verletzt hatte, aufgepäppelt und dann behalten."

Rupert erzählte noch mehr, doch Dudley konnte ihm nicht mehr zuhören. Seine Brust hob und senkte sich schnell, während seine Augen die Schlange fixierten und er immer panischer wurde. Er rückte auf seinem Stuhl so weit wie möglich nach hinten zurück, doch die Schlange war immer noch viel zu dicht. Schweiß breitete sich auf seiner Haut aus.

Als Rupert dann auch noch die Schlange in seine Hand nahm und in der Klasse umhergehen wollte, um sie den anderen Mitschülern zu zeigen, schrie Dudley laut auf und rannte aus der Klasse, aus der Schule und den ganzen langen Weg bis nach Hause. Auf der Hälfte des Weges fing er an zu weinen, als ihm bewusstwurde, dass nun alle seine Schwachstelle kannten und sie bestimmt gegen ihn verwenden würden. Seine Tage als beliebter Kamerad waren vorbei.

Dafür würde Potter büßen!