22. Juni – Alte Wunden

Ich gehe durch Hogwarts. Es ist Nacht, doch ich kann nicht schlafen. Irgendetwas bedrückt mich. Da höre ich plötzlich ein Geräusch – ein paar Menschen kommen auf mich zu. Es sind vier und obwohl ich nur ihre Schatten sehe, erkenne ich sie sofort. Ich drehe mich auf der Stelle um und renne davon. Panik steigt in mir auf, als ein grüner Fluch haarscharf an mir vorbeisaust.

„Du entkommst uns nicht, Schniefelus!", höhnt Potter und Black lacht bösartig.

Ich suche in meiner Hosentasche nach meinem Zauberstab, doch ich kann ihn nicht finden. Ich verlasse das Schloss und renne in den Verbotenen Wald, um mich in der Dunkelheit zu verstecken. Ich gehe immer tiefer in den Wald und habe weniger Angst vor seinen gefährlichen Tieren als vor den Rumtreibern hinter mir. Plötzlich entdecke ich zwei Menschen, die auf einer kleinen Lichtung stehen: meine Eltern.

„Ich hasse Magie!", schreit mein Vater und verpasst meiner Mutter eine so gewaltige Ohrfeige, dass sie zu Boden stürzt.

„Dein Zauberstab!", rufe ich ihr zu. „Benutz deinen Zauberstab!" Warum nur tut sie nichts gegen ihn? Sie ist mit ihrer Macht doch viel stärker als er!

Da dreht sich mein Vater zu mir um und kommt bedrohlich auf mich zu, einen Strick in seiner Hand. „Und jetzt bist du dran!", sagt er und ich renne wieder davon, immer tiefer in den Wald hinein.

Auf einmal renne ich in eine Person und falle rücklings auf den Boden. Als ich zu ihr hochsehe, erkenne ich Lily, so schön wie eh und je.

Sie schüttelt enttäuscht mit dem Kopf und zeigt anklagend auf mich. „Ich kann mich nicht mehr verstellen, Todesser. Du hast deinen Weg gewählt, ich den meinen."

Mit einem Ruck erwachte Severus Snape und saß kerzengerade im Bett. Schwer atmend hatte er immer noch Lilys grüne Augen im Kopf, die ihn hasserfüllt anblickten.

Und als er sich langsam beruhigte, kamen ihm die Tränen und er weinte bitterlich.

Da wurde ihm endgültig bewusst, dass es Wunden gab, die niemals heilen würden.