30. Juli – Ein klarer Moment

„Guten Morgen, Herr und Frau Longbottom", begrüßte Schwester Sara sie am frühen Morgen.

Das Ehepaar hatte sich schon angezogen und aß nun Frühstück.

„Wer sind Sie?", wollte Frank da wissen.

Sara kannte dieses Prozedere schon und antwortete geduldig, während sie das Bett machte: „Ich bin Schwester Sara."

„Und wo sind wir hier?" Er sah sich verwundert um.

„Im Sankt Mungo Hospital."

„Ah, okay, gut."

Als Sara zu den beiden ging, um ihnen mit einem Zauber den Bluthochdruck und Ähnliches zu messen, fasste Alice sie plötzlich am Arm.

„Welcher Tag ist heute?!", fragte sie nahezu panisch.

„Der 30. Juli."

Einen Augenblick dachte Alice darüber nach, bevor sie mit vollkommen klarem Verstand verkündete: „Neville hat heute Geburtstag."

Sara blinzelte verdutzt. Normalerweise konnte sich das Ehepaar nicht einmal daran erinnern, dass sie überhaupt einen Sohn hatten. „Ja, das stimmt", erwiderte sie lächelnd.

„Und kommt er heute?"

„Ja."

„Gut." Alice ließ wieder los und aß an ihrem Brötchen weiter, als sei nichts gewesen.

Den ganzen Tag wartete Sara gespannt auf Neville Longbottom. Wenn sich seine Mutter wirklich an ihn erinnern sollte, dann würde das bedeuten, dass sich ihr Gesundheitszustand allmählich besserte – und das wäre ein Wunder!

Am Nachmittag kam der Junge schließlich, ausnahmsweise ohne die Begleitung seiner Großmutter, und betrat das Zimmer seiner Eltern.

Eigentlich lauschte Sara nicht an fremden Türen, aber hier ging es um die Wissenschaft!

„Hey, Mum. Hey, Dad", grüßte Neville sie und versuchte, die Traurigkeit aus seiner Stimme zu verbannen.

Frank reagierte überhaupt nicht, aber Alice stand auf und umarmte ihren Jungen. Dann ging sie zu ihrem Bett und holte ein gelbes Bonbonpapier aus ihrer Nachttischschublade. Sie streckte es Neville entgegen und murmelte: „Du hast Geburtstag, oder?"

Die Augen des Jungen weiteten sich. „Ja", hauchte er und nahm das Papier in die Hand. „Danke, Mum."

Sara wollte gerade einen Heiler holen, damit sie ihm dieses Schauspiel präsentieren konnte, als Alice die Augen verengte und irritiert fragte: „Was machen Sie denn hier in meinem Haus?"

Doch Neville lächelte trotzdem noch, presste das Bonbonpapier an sich, meinte: „Nichts, Mum. Ich gehe jetzt. Bis dann", und ging wirklich hinaus.

Sara konnte nicht rechtzeitig genug zurücktreten und so erkannte Neville, dass sie gelauscht hatte.

„Glauben Sie, ihr Zustand verbessert sich?", fragte er hoffnungsvoll.

Es tat ihr leid, dem Jungen wehzutun, aber sie konnte nicht lügen. „Ich weiß es nicht. Aber", fügte sie schnell hinzu, „ist es nicht toll, dass sich Ihre Mutter an Ihren Geburtstag erinnern konnte?"

„Ja", erwiderte Neville lächelnd und Sara ignorierte einfach die Tränen in seinen Augen.