4. August – Belle

Hermine hatte sturmfrei, denn ihre Eltern waren bei Freunden eingeladen, und sie hatte sich daher etwas ganz Besonderes vorgenommen. Sie machte Popkorn in der Mikrowelle, goss sich ein Glas Limonade ein, verdunkelte das Wohnzimmer, sodass die Straßenlaternen sie nicht stören konnten, schaltete den Fernseher und Videorekorder an, legte ihre Lieblingsvideokassette ein, kuschelte sich aufs Sofa und drückte mit der Fernbedienung auf Start. Schon bei den ersten Tönen von Alan Menkens wunderbarem Soundtrack war sie in ihre Zeit vor Hogwarts zurückversetzt und konnte träumen.

In einem weit entfernten Land lebte einmal ein junger Prinz in einem wunderschönen Schloss", begann der Erzähler die sagenumwogene Geschichte.

Hermine schaute Die Schöne und das Biest von Disney, einen Film, in den sie sich sofort verliebt hatte, als ihre Eltern ihn mit ihr vor fünf Jahren im Kino gesehen hatten, nur ein paar Monate, bevor sie nach Hogwarts gekommen war. Belle war mit ihrer emanzipierten Art immer ein Vorbild für sie gewesen und früher hatte sie sich nichts sehnlicher gewünscht, als auch einmal ihre große Liebe zu finden. Als sie dann herausgefunden hatte, dass es wirklich Magie gab und sie auch noch eine Hexe war, konnte sie es nicht fassen. Und in der Welt der Zauberei konnte man sogar Menschen in Tiere verwandeln und andersherum…

Als Hermines Lieblingslied kam, konnte sie nicht anders als laut mitzusingen: „Madame Gaston! Ist so was möglich?! Madame Gaston! Sein kleines Weib! Mein Herr, nicht mich, das garantier ich. Es geht doch nicht, dass ich hier länger bleib! Ich möcht die ganze Welt für mich erfahren. Ich möcht viel mehr, als ich jetzt fühl! Vielleicht wird's mir so ergeh'n, dass mich jemand wird versteh'n. Ich möcht so viel mehr, als schon gescheh'n." Hermine seufzte einmal und sah dann den Rest des Films, weinte wie immer, als das Biest starb und danach durch den Kuss der Liebe wiedererweckt wurde.

Es gab doch nichts Schöneres als ein magisches Happy End.