17. August – Immer wieder

Severus versteckte sich hinter einem Baum und beobachtete die beiden Mädchen auf dem Spielplatz. Die jüngere mit den roten Haaren schaukelte immer höher, bis sie herabsprang und langsam im wahrsten Sinne des Wortes herunterschwebte.

Er lächelte; sie war so elegant. Er machte einen Schritt nach vorne und trat auf einen Ast, der laut knackend zerbrach.

Die Mädchen blickten erschrocken zu ihm, bis Lily ihn erkannte, lächelte, winkte und auf ihn zulief.

Severus wartete mit ausgestreckten Armen auf sie.

Während sie lief, wurde sie älter und älter bis sie die Zwanzig erreicht hatte. Immer noch strahlend vor Freude kam sie auf ihn zu, doch als die beiden nur noch fünf Meter voneinander trennten, trat eine Gestalt in einem schwarzen Umhang zwischen sie: der Dunkle Lord.

Lily blieb völlig erstarrt stehen und blickte den Zauberer vor sich mit angsterfüllten Augen an.

Voldemort hob seinen Zauberstab langsam an.

„Nein!", schrie Severus, doch da schnellte auch schon ein grünes Blitzlicht aus dem Zauberstab hervor und Lily Evans fiel tot zu Boden.

Die Szene veränderte sich.

Severus war im Zaubereiministerium, hinter einem Brunnen versteckt, und beobachtete einen gewaltigen Kampf: Der mächtigste Zauberer der Welt Albus Dumbledore stand dem boshaftesten Schwarzmagier der Neuzeit Tom „Voldemort" Riddle gegenüber. Beide hatten ihre Zauberstäbe erhoben und feuerten einen Zauber nach dem anderen los.

Der Brunnen zerbarst plötzlich in tausend Stücke und Severus bedeckte sein Gesicht. Als er wieder aufblickte, war der Spuk vorbei: Der Dunkle Lord lag tot am Boden.

Wieder veränderte sich die Szene.

Dieses Mal stand Severus nirgends versteckt, sondern in der Großen Halle auf dem Mittelgang.

Alle Schüler saßen beim Abendbrot an ihren Tischen und unterhielten sich vergnügt.

Der Schulleiter Professor Dumbledore saß auf seinem Thron am Lehrertisch und lachte über einen Witz von Flitwick.

Severus holte seinen Zauberstab aus der Tasche und richtete ihn auf den alten Mann mit dem weißen Bart.

Die Halle verstummte, alle Schüler und Lehrer sahen ihn erschrocken an, das Licht der Fackeln verdunkelte sich.

Dumbledore stand auf und sah ihn bittend an.

„Avada Kedavra!", rief Severus und der Schulleiter fiel tot zu Boden.

Snape erwachte laut schreiend und keuchend. Nur geträumt, nur geträumt, rief ihm sein Gehirn zur Beruhigung zu. Er ließ sich wieder aufs Kissen fallen.

Immer wieder wurden Menschen, gute wie böse, getötet, das schien der normale Lauf der Natur zu sein. Doch sein Unterbewusstsein hatte ihm aufgezeigt, worüber er den ganzen Tag nicht hatte nachdenken wollen: Er musste Dumbledore töten…