22. August – Ein Licht im Dunkeln

Percy Weasley saß am kleinen Küchentisch seiner Wohnung in London und trank eine Tasse Kaffee, während er den Tagespropheten las. Das Ministerium steckte tief in der Krise, da die Todesser die Bevölkerung immer mehr bedrängten und niemand in der Lage war, den, dessen Name nicht genannt werden darf, zu finden.

Percy blickte kurz auf das Datum des heutigen Tages, aber ignorierte es sofort wieder. Er wollte nicht darüber nachdenken, dass er heute Geburtstag hatte, da es sowieso niemanden gab, der ihn mit ihm teilen würde: Mit seiner Familie hatte er sich verkracht, im Ministerium wusste niemand von seinem Geburtstag und Penelope… Penelope hatte ihn verlassen, weil sie seinen Ehrgeiz nicht verstehen konnte…

Er seufzte und blickte nach draußen in den immer-grauen Himmel Londons. Als er über die Dementoren nachdachte, die alles verdunkelten, sah er, wie eine Eule auf ihn zugeflog. Er öffnete das Fenster und ließ den braunen Waldkauz herein, der ihm einen Brief ablieferte und sofort wieder verschwand.

Percy blickte auf das kleine Papier. Sein Name stand auf dem Briefumschlag – in einer unverwechselbaren Handschrift!

Sofort riss er den Brief auf und las ihn geschwind:

Lieber Percy,

ich wünsche dir alles Gute zu deinem Geburtstag. Es muss dir seltsam vorkommen, dass ich dir nach all der langen Zeit wieder schreibe, aber ich habe eine Erkenntnis hinter mir, von der ich dir berichten möchte. Wie du vielleicht gehört hast, mache ich eine Ausbildung zur Heilerin im Sankt Mungos Hospital. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Job, doch letztens wurde meiner Ausbildungsgruppe eine besondere Aufgabe angeboten, die sehr viel mehr Ruhm und Anerkennung (und Galeonen) im Krankenhaus einbringt als unsere jetzige. Aber nur einem von uns, dem besten in der Abschlussprüfung. Daher habe ich so viel wie noch nie zuvor in meinem Leben für diese Prüfung gelernt, selbst mehr als für unsere UTZ damals. Und dabei bemerkte ich, wie ich meine Umgebung immer mehr vernachlässigte: Ich vergaß meine Blumen zu gießen, meine Katze zu füttern, mich mit meinen Freunden zu treffen oder meinen Eltern zu schreiben...

Was ich dir mit dieser Geschichte sagen möchte, ist, dass ich deinen Ehrgeiz nun nachvollziehen kann. Ich verstehe nun, wie man sich so sehr in eine Sache hineinhängen kann, dass man sogar seine Freunde vergisst… Oder seine feste Freundin...

Percy, ich weiß nicht, ob du mir jemals verzeihen kannst, aber ich liebe dich noch immer. Und ich würde es gerne wieder mit uns versuchen – solange wir beide mehr Zeit miteinander verbringen, als wir es früher getan haben. Wenn du möchtest, könnten wir uns ja mal auf einen Kaffee oder so treffen…

Ich kann es aber auch verstehen, wenn du nie wieder etwas mit mir zu tun haben möchtest…

In Liebe,

Penelope

Percy setzte sich geschockt auf den Stuhl; der Brief hing locker in seiner Hand, rutschte schließlich auf den Tisch. Vollkommen mitgenommen von diesen wenigen Worten – ihren Worten –, blickte er nach draußen, und als ein Sonnenstrahlen es durch das graue Dickicht der Wolken schaffte, erhellte sich sein Gesicht und er zeigte das erste wahre Lächeln seit einer gefühlten Ewigkeit.