29. August – Berlin

Chos Familie war nicht besonders reich, aber jeden Sommer fuhren sie, ihre Eltern und ihre drei Brüder für eine Woche an einen fremden Ort. Sie waren unter anderem schon in London, Stockholm, Paris und Rom gewesen. Dieses Jahr fuhren sie nach Berlin.

„Glaubt ihr, die Deutschen verstehen Englisch?", hatte ihre Mutter auf der Hinreise besorgt gefragt, doch damit hatten sie bisher keine Probleme gehabt.

Sie hatten sich das Brandenburger Tor, die Siegessäule, den Bundestag (mit ganz neuer Glaskuppel), den Alexanderturm, den Potsdamer Platz und sogar ein paar alte Mauerreste angesehen. Berlin war groß, laut und voller Geschichte.

Cho überlegte, ob sie nach der Schule Geschichte für Zauberei studieren sollte, weil sie Geschichte im Allgemeinen sehr spannend fand. Da ihr Vater ein Muggel war, wusste sie auch das Wichtigste über Muggelgeschichte und auch diese interessierte sie, weil sie oft mit der magischen zusammenhing. Es war ja schließlich kein Zufall, dass Grindelwald im gleichen Jahr wie Hitler besiegt worden war. Erst wenn man beide Geschichten miteinander verband, wurde ein vollständiges und richtiges Bild aus den Ereignissen. Sie konnte es daher überhaupt nicht verstehen, wenn Geschichtsgelehrte die Muggelgeschichte ignorierten.

Berlin war schön. Besonders in der Dämmerung blühte die Stadt auf und die Menschen hier schienen sich zu entspannen. Cho spazierte gerne abends allein durch die Straßen (nicht für lange Zeit und natürlich auch nicht allzu weit weg vom Hotel, wie sie ihrer Mutter versprechen musste). Sie genoss es, denn so fühlte sie sich unabhängig und frei.

Nur manchmal kam ihr der Gedanke, wie schön es wäre, zusammen mit Harry diese Straßen zu durchlaufen, und das stimmte sie traurig. Es sollte wohl einfach nicht sein.

Und dann legte sich plötzlich ein Lächeln auf ihr Gesicht, als ihr einfiel, dass sie nun Micheal Corner hatte.