7. September – Emanzipation

Lizzy schlang so schnell ihr Frühstück herunter, dass es ihrer besten Freundin Jane auffiel.

„Was hast du's denn so eilig?"

„Ich muss trainieren", erwiderte Lizzy mit vollem Mund.

Jane seufzte. „Das bringt doch nichts."

Lizzy bedachte sie mit einem bösen Blick und schluckte herunter. „Mit so einer Einstellung sowieso nicht."

„Aber noch nie hat es ein Mädchen in die Slytherin-Quidditch-Mannschaft geschafft."

„Dann werde ich eben die erste sein."

Jane sah immer noch nicht überzeugt aus, also holte Lizzy erneut aus.

„Wir leben im Ende des 20. Jahrhundert. Seit fast hundert Jahren haben wir Frauen das Wahlrecht, alle anderen Häuser hatten schon immer Mädchen in ihrem Team und demnächst gibt es bestimmt sogar eine weibliche Schulleiterin. Ich bin gut im Quidditch – seit ich klein bin, trainiere ich, und im letzten Sommer habe ich nichts anderes gemacht."

„Solltest du dich nicht lieber auf deine ZAGs vorbereiten?", murmelte Jane.

Doch Lizzy überging sie und meinte eindringlich: „Es ist mein äußerster Traum, bei den Hollyhead Harpies mitzuspielen, und das geht nur, wenn ich mindestens ein Jahr in Hogwarts gespielt habe. Manchmal wünschte ich, ich wäre in einem anderen Haus…"

Ein großer, stämmiger und grimmig dreinsehender Junge ging an ihnen vorbei.

„Wenn du mich entschuldigst", sagte Lizzy schnell, „ich hab was zu besprechen." Dann stand sie auf, lief zu dem Jungen und rief: „Hey, Urquhart, warte mal!"

Jane verdrehte nur die Augen und aß ihr Müsli weiter. Schon seit tausend Jahren gab es keine Mädchen in der Slytherin-Mannschaft – und daran würde auch Lizzy nichts ändern können.