14. September – Rettung

„Ey, Loony Lovegood", rief ein Junge auf dem Flur und rempelte Luna an, sodass ihre Bücher auf den Boden fielen und sich verstreuten.

„Was willst du, Derrick?", erwiderte sie betont beherrscht und sammelte kniend ihre Bücher wieder auf.

Derrick stand nun vor ihr und blickte geringschätzig auf sie herab. „Die Hausaufgaben für Verwandlung. Du hast den Aufsatz doch sicher schon geschrieben, oder?"

„Na und?", meinte sie und stand auf. Sie versuchte, ihn böse anzustarren, aber das war nicht so einfach, da er über einen Kopf größer war als sie.

Na und?!", äffte er sie nach und verschränkte die Arme vor der Brust. „Gib mir den Aufsatz – und zwar sofort!"

„Nein!" Sie versuchte, an ihm vorbeizugehen, doch er versperrte ihr den Weg.

„Weißt du, wie lächerlich du bist, Loony Lovegood, mit deiner Korkenkette und deinen Radieschen-Ohrringen? Und an welch seltsame Viecher du glaubst." Er schüttelte theatralisch mit dem Kopf. „Aber da kannst du vermutlich gar nichts für, was? Der Apfel fällt halt nicht weit vom Stamm." Derrick lachte abschätzig.

Luna stiegen die Tränen in die Augen und sie überlegte, wie sie gegen ihn vorgehen könnte. Doch bevor sie sich zu einer Tat entscheiden konnte, wurde Derrick plötzlich von hinten gepackt und an die nächste Wand gedrückt.

Ginny, die nicht viel größer als Luna war, stand nun vor ihm und presste ihm ihren Zauberstab an den Hals.

„Hey, was soll das?!", rief Derrick. „Lass mich los!"

„Derrick Lee Stanson", zischte Ginny giftig, „du hörst mir jetzt mal genau zu. Wenn ich noch einmal mitkriege, dass du Luna was zu leide tust, sie ärgerst, bedrängst oder auch nur Loony nennst, dann kriegst du es mit mir zu tun."

„Aber ich hab doch nur-", versuchte Derrick, sich zu verteidigen, doch Ginny brachte ihn zum Schweigen, indem sie ihren Zauberstab noch ein wenig weiter in seine Halsbeuge drückte.

„Sie ist vielleicht zu lieb, dir wehzutun", fuhr sie fort, „aber ich bin es ganz sicher nicht – und du weißt, was ich alles drauf hab."

Derrick schluckte einmal nervös.

„Also, haben wir uns verstanden, dass du von nun an einen großen Bogen um Luna machst?"

Er nickte schnell.

„Ich hab dich nicht gehört!"

„Ja!", schrie er förmlich.

„Gut", machte Ginny und ließ ihn abrupt los. „Und jetzt verschwinde!"

Derrick rannte geradezu davon.

Ginny ging zu Luna und legte ihr tröstend eine Hand auf die Schulter. „Alles klar bei dir?"

Luna blickte sie mit ihren großen Augen an und erwiderte ehrfürchtig: „Das war das tollste, das jemals jemand für mich getan hat." Und dann umarmte sie Ginny. „Danke!"

Ginny wusste zuerst nicht, wie sie darauf reagieren sollte, doch schließlich erwiderte sie die Umarmung und sagte leise: „Dafür sind Freunde doch da."