15. September – Todestiere

Normalerweise fand man Hermine an einem solchen Nachmittag wie heute entweder lesend in der Bibliothek, Aufsätze schreibend im Gryffindor-Gemeinschaftsraum oder lernend auf ihrem Bett. Doch an diesem Tag schlug sie einen vollkommen anderen Weg ein, als die letzte Unterrichtsstunde geendet hatte: Sie ging zum Verbotenen Wald. Selbstverständlich nicht, um etwas Verbotenes zu tun, sondern wie es ihrem Charakter entsprach, um etwas herauszufinden. Denn zu Beginn des neuen Schuljahres hatte sie etwas gesehen, das sie vorher noch nie gesehen hatte, weil sie es vorher nie hatte sehen können, obwohl es schon immer da gewesen war: Thestrale. Jetzt war sie in der Lage, die Tiere, die jedes Jahr die Hogwartskutschen zogen, zu sehen, weil sie Sirius sterben gesehen hatte…

Luna hatte ihr erzählt, wo man die Herde im Wald finden konnte, und Hermine wollte mehr über diese geheimnisvollen Wesen herausfinden. Vorsichtig huschte sie durch das dichte Gebüsch, bis sie die Tiere fand. Auf Lunas Rat hin hatte sie ein paar Stücke Fleisch vom Mittagstisch eingesteckt, die sie nun ein paar neugierigen Tieren zuwarf.

Die Thestrale sahen wirklich unheimlich aus, mit ihren fledermausähnlichen Flügeln und ihrem schwarzknochigen Aufbau, doch andererseits waren sie zahm und wirkten wie eine ganz normale Pferdeherde.

Nach einer Weile traute Hermine sich nach vorne und die Tiere waren gewillt, sich streicheln zu lassen. Sie mochte sie auf Anhieb, denn sie waren anders – so wie sie.

Plötzlich schoss ihr der tröstliche und gleichzeitig irgendwie makabre Gedanke durch den Kopf, dass trotz all des Leids auf der Welt, trotz der Gewalt, trotz des Mordens und sinnlosen Sterbens, der Tod auch eine positive Seite hatte: Wäre Sirius noch am Leben, könnte Hermine nun diese wunderbaren Tiere nicht bestaunen…