23. September – Pudding

Luna hatte einen guten Tag hinter sich, als sie zum Abendbrot in die Große Halle trat. Ihre Aufsätze hatte sie mit guten Noten zurückerhalten, in Verwandlung hatte sie eine Frage so klug beantworten können, dass Professor McGonagall sie mit zehn Punkten für Ravenclaw belohnt hatte, niemand hatte sie geärgert oder Loony genannt, Ginny hatte mit ihr zusammen die Hausaufgaben für Zaubertränke gemacht und am Nachmittag hatte sie einem Rotkehlchen, das sich ins Schloss verirrt hatte, wieder hinaus geholfen. Außerdem hatte die Sonne geschienen und ihr war nicht kalt gewesen.

Nun setzte sie sich neben Cho Chang an den Ravenclaw-Tisch und unterhielt sich mit ihr, bis das Essen serviert wurde. Seit die beiden zusammen in der DA gewesen waren, verstanden sie sich viel besser als vorher, auch wenn sie vermutlich nie wirklich gute Freunde werden würden.

Zwischendurch drehte Luna sich um und blickte zu ihren Freunden am Gryffindor-Tisch: Ginny winkte ihr zu, Neville lächelte leicht und Harry grinste breit. Manchmal war es schade, wenn die besten Freunde in einem anderen Haus waren: Man konnte nicht für die gleiche Quidditch-Mannschaft jubeln und nicht zusammen im Gemeinschaftsraum sitzen oder gar Hauspartys feiern. Die Ravenclaws waren in dem einen hohen Turm und die Gryffindors in einem anderen der vielen Türme in Hogwarts.

Da erschien das Abendessen auf dem Tisch und alle Schüler und Lehrer begannen hungrig, sich ihre Teller aufzufüllen und zu essen. Es gab Kartoffeln, Fleisch, Reis, Mais, Erbsen, Möhren und eine braune Soße. Luna war stets zufrieden mit dem Essen in Hogwarts, doch jeden Abend wartete sie gespannt, dass der Nachtisch erscheinen würde. Dieser wechselte nämlich und in den vier Jahren, die sie nun schon Hogwarts besuchte, hatte sie das Muster nicht erkennen können, in dem sich Kuchen, Eis, Pudding, Milchreis und andere Leckereien abwechselten. Es war, als würden die Hauselfen morgens würfeln, was sie abends auf den Tisch brächten.

Als die letzten Speisereste des Hauptganges verschwanden, wartete Luna gespannt auf das Erscheinen des heutigen Nachtisches. Erst erschienen kleine Glasschüsseln und Löffel vor jedem Schüler – das war schon mal ein gutes Zeichen, doch es könnte immer noch Eis bedeuten – und dann schließlich, endlich!, größere Schüsseln mit Schokoladen- und Vanillepudding.

„Ja!", rief Luna und jubelte vor sich hin. Sie liebte Pudding über alles und jeder Puddingabend war ein guter Abend. Voller Begeisterung füllte sie sich von der Schokolade und Vanille in ihre Schüssel und genoss jeden einzelnen Löffel, als wäre es ihr letzter.