29. September – Der Wundertrank

Madame Pomfrey hatte sich fünf Jahre lang zur Heilerin ausbilden lassen, hatte danach ein paar Jahre im St Mungo-Hospital für magische Krankheiten und Verletzungen auf verschiedenen Stationen gearbeitet und war seitdem nahezu täglich in Hogwarts im Einsatz. In ihrer langen Laufbahn als Medihexe hatte sie schon unzählige gebrochene Knochen, Verbrennungen, Flüche, Krankheiten und Zersplinterungen geheilt. Einem Mädchen war mal ein drittes Auge durch einen Fluch eines Mitschülers gewachsen, ein Junge hatte mal alle seine Knochen verloren und ein früherer Kollege hatte solch schrecklichen Durchfall gehabt, dass er einen Monat nicht unterrichten konnte. Sie alle hatte sie heilen können. Selbst gegen Liebeskummer hatte sie etwas im Schrank, und sie war sogar in der Lage, bei den Nachwirkungen des Cruciatus-Fluches zu helfen (wie Severus des Öfteren zu spüren bekam).

„Madame Pomfrey?", schrillte eine hohe Stimme durch den Krankenflügel.

Poppy seufzte gequält. Sie war eindeutig überqualifiziert für die Probleme dieses Mädchens… Dennoch war es ihre Pflicht, sich um jeden Schlossbewohner intensiv zu kümmern und so erhob sie sich von ihrem Schreibtisch in ihrem Büro und trat in den zurzeit leeren Bettenraum des Krankenflügels.

„Oh, Madame Pomfrey", machte Lisa erleichtert, als sie die Heilerin entdeckte.

„Was kann ich für Sie tun, Miss Barren?", sagte Poppy betont ruhig. Schon wieder, fügte sie gereizt in ihren Gedanken hinzu.

„Ich verspüre so ein schreckliches Kratzen im Hals. Ich glaube, ich werde krank."

Poppy widerstand dem Drang, mit den Augen zu rollen. Mindestens drei Mal in der Woche war das Mädchen jetzt schon bei ihr gewesen mit den allerkleinsten Wehwehchen, die sich schon bald als haltlos erwiesen – das war extrem häufig für eine kerngesunde Hufflepuff-Erstklässlerin! Ob es daran lag, dass Lisa so zimperlich war oder den Unterricht schwänzen wollte oder wirklich der Meinung war, sie werde todkrank, es spielte keine Rolle: Jedes Mal versuchte sie, ihr zu versichern, dass alles in Ordnung mit ihr sei, und jedes Mal stand das Mädchen ein paar Tage später wieder in der Tür. Aber Poppy konnte ihr ja auch nichts verschreiben, da sie nicht krank war! Sie seufzte kurz und schloss die Augen. Und plötzlich hatte sie eine ganz wunderbare Idee.

„Einen Moment kurz", sagte sie lächelnd und verschwand wieder in ihrem Büro. Dort nahm sie sich eine kleine dunkelblaue Flasche, füllte sie mit Wasser, einem Teelöffel Zucker und ein paar Pfefferminzblättern. Sie schüttelte sie und war zufrieden mit ihrem ‚Wundertrank'.

„Hier, bitte." Sie überreichte dem Mädchen die Flasche. „Jeden Morgen und jeden Abend einen kleinen Schluck, dann sollten Ihre Beschwerden verschwinden."

„Vielen, lieben Dank", strahlte Lisa und verließ glücklich den Krankenflügel.

Poppy schüttelte nur leicht mit dem Kopf – aber wenn's hilft, warum nicht.