4. Oktober – Überraschungsbesuch

Minerva McGonagall saß vergnügt in ihrer Wohnung und blickte auf die vielen, lieben Geburtstagsgeschenke, Blumensträuße und Glückwunschkarten, die sie heute von ihren Freunden und Kollegen erhalten hatte.

Albus hatte ihr gleich beim Frühstück herzlichst gratuliert und ihr eine besondere Ausgabe von Robert-Frost-Gedichten geschenkt, einem ihrer Lieblingsdichter. Pomona hatte sie geknuddelt und Filius mit seinem Chor für sie gesungen. Unzählige Eulen waren zu ihr geflogen; selbst ein paar Schüler hatten ihr aufrichtig gratuliert. So konnte man doch gerne älter werden.

Nun war das Abendessen vorbei und Minerva stöberte in Albus' Buch.

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Some say the world will end in fire,

Some say in ice.

From what I've tasted of desire

I hold with those who favor fire.

But if it had to perish twice,

I think I know enough of hate

To say that for destruction ice

Is also great

And would suffice.

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Es klopfte an der Tür.

Verwundert legte Minerva das Buch zur Seite und ging zur Tür. Wer könnte das jetzt noch sein? Die meisten hatten ihr doch schon gratuliert? Als sie die Tür öffnete, wollte sie zuerst ihren Augen nicht trauen. „Severus?!" Aber sicher brauchte er nur etwas von ihr oder wollte etwas für den Unterricht besprechen.

Severus stand vor ihr und nur jemand, der ihn gut kannte, konnte bemerken, dass er verlegen war. „Hier für dich." Er überreichte ihr eine braune Papiertüte. „Alles Gute zum Geburtstag."

„D-danke", stammelte sie. Er hatte ihr noch nie zum Geburtstag gratuliert! Sie schaute in die Tüte und entdeckte mehrere Tränke.

„Das sind verschiedene Heiltränke", erklärte Severus. „Gegen Husten, Schnupfen, Kopfschmerzen, und so weiter. Ich dachte, wo bald der Winter anfängt, könnte das recht praktisch sein."

Minerva fasste sich wieder. „Das ist wirklich praktisch", lächelte sie. „Vielen Dank."

Severus sah aus, als wolle er etwas Wichtiges verkünden. Er brauchte drei Anläufe, bevor er fest sagte: „Auch wenn wir uns oft streiten, bin ich froh, dich als Kollegin zu haben." Und dann tat er etwas, dass er definitiv noch nie gemacht hatte: Er umarmte sie!

Minerva war im ersten Moment zu geschockt, doch dann traten ihr gerührte Tränen in die Augen und sie umarmte den Jungen zurück. Für sie würde er immer der kleine Severus bleiben, dem sie in der Schulzeit versucht hatte zu helfen, indem sie Potter und Black bestraft hatte. „Ich danke dir."

Er löste sich wieder von ihr und sah nun noch verlegener aus. „Aber erzähl's bitte keinem", murmelte er leise.