9. Oktober – Besenflugstunde

Am Rand der Wiese, auf der die Kinder das Fliegen lernten, gab es einen kleinen Schuppen. Aus diesem holte Madame Hooch nun die Schulbesen und ein paar große Ringe heraus und verteilte sie auf dem Rasen. Langsam trudelte die Klasse ein. Die Erstklässler nahmen sich jeder einen Besen (stritten sich kurz um die besonders guten) und stellten sich wie immer in einer Reihe am Rand auf.

Als alle Schüler versammelt waren, begrüßte Madame Hooch die Klasse und ließ sie ein paar Runden über dem Rasen fliegen, um sich wieder an den Besen zu gewöhnen. Einige sausten geschickt umher, während andere noch sehr wacklig oder nur ein paar Meter über dem Boden vorankamen. Madame Hooch hatte währenddessen stets ihren Zauberstab bereit, falls es zu einer Kollision kam oder jemand von seinem Besen fiel.

Danach mussten die Schüler wieder auf dem Boden landen, was bei allen bis auf zwei gut funktionierte, und Madame Hooch verzauberte die Ringe, die ungefähr einen Durchmesser von zwei Metern hatten, so, dass sie in der Luft schwebten und dadurch einen Parcours ergaben.

Erst zeigte sie den Schülern, wie die Reihenfolge der Ringe gedacht war (mit scharfen Wendungen, Höhensprüngen und sogar einem Looping), anschließend sollten die Schüler den Parcours langsam durchfliegen, um ihn zu erforschen, und danach flogen sie einzeln ein paar Mal hindurch, um diesen luftigen Hindernislauf zu üben.

„Ich sehe, dass die meisten von euch ganz wunderbar mit diesem Parcours zurechtkommen", verkündete sie nach einer Weile. „Daher lasst es uns spannend machen. Wer am schnellsten durch alle Ringe korrekt fliegt, darf beim nächsten Quidditch-Spiel die Kiste mit den Bällen aufs Spielfeld tragen."

Da leuchteten die Augen der Schüler aus allen vier Häusern auf, denn Quidditch war das Highlight des Schuljahres.

„Wer möchte beginnen?"

Ein großer Junge aus Gryffindor meldete sich und bestieg selbstbewusst seinen Besen.

Madame Hooch pfiff und startete die Stoppuhr; der Junge stieß sich vom Boden ab und schoss durch die Ringe. Die ersten drei schaffte er mühelos, auch die scharfe Wendung klappte, doch dann machte er einen Fehler, ließ einen Ring aus Versehen aus, musste daher zurückfliegen – und verlor viel Zeit! Laut landete er vor Madame Hooch auf dem Rasen und machte ein frustriertes Geräusch. „Kann ich's nochmal versuchen?"

„Erst dürfen die anderen."

Einer nach dem anderen stellte sich der Herausforderung. Nach der Hälfte der Schüler führte ein Junge aus Slytherin.

„Madame Hooch?", sagte da ein Mädchen aus Hufflepuff.

„Ja, Marianne?"

„Ich trau mich nicht." Zwei Mädchen aus Ravenclaw, ein Junge aus Slytherin und ein weiteres Mädchen aus Hufflepuff standen hinter ihr und sahen ebenfalls besorgt aus.

„Keine Sorge, ihr müsst nicht", versicherte Madame Hooch gutmütig. „Dies ist nur ein Spiel."

Die Kinder atmeten erleichtert auf und schauten nun fröhlich ihren Klassenkameraden zu.

„So, wer fehlt noch?", fragte Madame Hooch fast am Ende der Stunde.

„Ich", sagte Greta aus Ravenclaw. Sie trug zwei geflochtene Zöpfe und eine Brille.

Tim, der Junge aus Slytherin, der noch immer führte, lachte laut. „Dann hab ich ja schon gewonnen."

Madame Hooch blickte ihn böse an.

Greta setzte sich entschlossen auf ihren Besen und wartete auf das Startzeichen.

Madame Hooch pfiff und das Mädchen sauste los. Anscheinend hatte sie die anderen gut beobachtet, denn sie nutzte immer den kleinstmöglichen Winkel zwischen den Ringen und konnte somit wertvolle Zeit sparen. Als sie wieder den Boden erreichte, blickten alle Madame Hooch gespannt an.

„Eine Minute und 37 Sekunden. Das sind zwei Sekunden weniger als Tim."

Das Mädchen und alle anderen Mädchen oder Klassenkameraden aus Ravenclaw jubelten, während Tim und die anderen Slytherins geschockt aussahen.

Ausgerechnet ein Mädchen sollte nun beim Quidditch-Spiel die Bälle hereintragen?!