11. Oktober – Ein leeres Grab

Quirinia war sich nicht sicher, warum sie überhaupt hier war. Er (oder besser das, was von ihm übrig war), war nicht hier. Doch trotzdem betrat sie den Friedhof und ging über die Gänge bis zu seinem Grab.

Währenddessen dachte sie an ihre gemeinsame Kindheit. Wie sie zusammen auf Besen geflogen waren oder Feen im Garten gesucht hatten; wie er immer in den Ferien in Büchern gelesen hatte, während sie lieber gemalt hatte; wie sie zusammen mit ihren Eltern Urlaub in den Bergen gemacht hatten und dabei im Wald zum ersten Mal einem Troll begegnet waren; und wie er als bester Ravenclaw ausgezeichnet worden war und zuerst im Ministerium und dann in Hogwarts gearbeitet hatte, während sie nur eine mittelbegabte Gryffindor gewesen war, die nach der Schule lieber eine Familie gegründet hatte, statt Karriere zu machen.

Und dann musste sie unwillkürlich daran denken, wie sehr er sich verändert hatte während seiner Forschungsreise in Albanien. Plötzlich hatte er immer nur von Macht geredet und sogar das Fach Verteidigung gegen die dunklen Künste angenommen, obwohl er Muggelkunde geliebt hatte. Doch das Seltsamste war gewesen, dass er sich seine Haare abrasiert hatte und einen Turban getragen hatte – und einfach nicht erklären wollte, warum.

Mittlerweile hatte sie sein Grab erreicht und wunderte sich nicht, dass keine Blumen darauf gepflanzt waren. Er war nicht hier – sein Grab war leer! Als er gestorben war, war sein Körper zu Staub zerfallen und der Wind hatte ihn forttreiben können, weil sich niemand die Mühe gemacht hatte, ihn einzusammeln. Was vermutlich nicht besonders verwerflich war, da er der Böse gewesen war…

Quirinia kamen keine Tränen, sein Tod war schon über vier Jahre her, doch sie war noch immer geschockt. Sie konnte es einfach nicht fassen, warum sich ihr kleiner Bruder mit Voldemort eingelassen hatte, und konnte es einfach nicht verstehen, wie so ein hilfsbereiter, freundlicher, intelligenter Junge so einen falschen Weg hatte einschlagen können…