15. Oktober – Kein Interesse

„Hallo, Granger."

Hermine schreckte aus ihren Gedanken hoch. Sie kam gerade aus der Bibliothek, es war abends, sie wollte zurück zum Gryffindor-Turm und dort ihren Aufsatz beenden. Dass jemand auf dem Flur sein würde und dann auch noch anscheinend auf sie gewartet hatte, hatte sie nicht gedacht. Als sie sich zu der Stimme umdrehte, entdeckte sie Cormac McLaggen, der entspannt an einer Säule gelehnt stand und sie selbstgefällig anlächelte. „Hallo, Cormac", grüßte sie höflich zurück und ging weiter.

Er folgte ihr schnell, ging neben ihr und fragte sie betont beiläufig: „Bist du auch auf dem Weg zum Gemeinschaftsraum?"

„Ja", erwiderte sie nur. Wohin sollte sie zu dieser Zeit auch sonst unterwegs sein?!

„Darf ich dich begleiten?"

Sie zuckte nur mit den Schultern. Seit wann sprach er überhaupt mir ihr?!

„Hier, lass mich deine Bücher tragen." Und ohne dass sie etwas sagen konnte, schnappte er ihr die Bücher aus der Hand und hielt sie stolz vor sich.

Hermine beäugte ihn argwöhnisch. „Was wird das hier, wenn's fertig ist?"

Er grinste sie verschmitzt an. „Hoffentlich deine Zusage zu einem Date."

„Was?! Du willst mit mir ausgehen?!"

„Klar, warum denn nicht."

Hermine blinzelte ein paar Mal verdutzt. „Seit wann denn das?"

Cormac zuckte mit den Schultern. „Ich habe dieses Jahr irgendwie festgestellt, wie schön du geworden bist. Außerdem steh ich auf Intelligenz." Er zwinkerte ihr zu.

Hermine wurde schlecht. Cormac McLaggen verließ sich nur auf seine Muskeln, war unglaublich arrogant – und strohdoof! Ganz sicher würde sie nicht mit ihm ausgehen! Egal, wann, egal, wohin!

„Also, was sagst du?", hakte er schließlich nach.

„Worüber?", tat sie dumm.

„Na, ob du mit mir ausgehst oder nicht."

„Ähm, lieber nicht."

Er sah sie verwundert an. „Was, echt. Aber warum denn nicht?"

„Ich möchte einfach nicht."

„Ja, aber warum denn nicht?"

„Du bist einfach nicht mein Typ", sagte sie.

„Ich dachte, du stehst auf Quidditch-Spieler."

„Wie kommst du denn darauf?", erwiderte sie irritiert.

„Na ja, Harry, Ron, Krum – alles Quidditch-Spieler."

Sie rollte mit den Augen. Wenn sie ihre Bücher selber tragen würde, würde sie ihn jetzt einfach hinter sich lassen oder sich umdrehen oder in einem Seitenkorridor verschwinden. Dieses Gespräch war ihr zuwider! „Das hatte doch nichts damit zu tun!", rief sie.

„Ich hab auch noch andere Vorzüge", eröffnete Cormac dann und wackelte lasziv mit den Augenbrauen.

Hermine verzog das Gesicht. Allein die Vorstellung, mit ihm… Bäh! „Nein, danke!"

„Ach komm schon, gerade du hast doch bestimmt noch nie-"

Weiter kam er nicht, denn sie schrie empört: „WIE BITTE?!" Sie riss ihm die Bücher aus der Hand und schritt erhobenen Hauptes von ihm weg.

Cormac hielt leicht Schritt. „Sorry, so war das doch nicht gemeint. Wir können's ja auch langsam angehen lassen."

Hermine seufzte, drehte sich zu ihm und zischte ihm langsam damit verständlicher ins Gesicht: „Cormac McLaggen, ich kann dir versichern, dass es nichts an dir gibt, was mich interessiert. Du bist arrogant und bisweilen sogar grausam. Ich werde nie zustimmen, mit dir auch nur irgendetwas zu unternehmen, also bitte hör auf, mich zu belästigen!"

Cormac sah sie zuerst verblüfft, dann wütend an. „Dann geh doch!", rief er. „Aber es soll nicht meine Schuld sein, wenn du als alte Jungfer stirbst!"

Es kostete Hermine ihre ganze Willensstärke, ihm keine Ohrfeige zu geben, sondern stattdessen sich umzudrehen und zu verschwinden – dieses Mal blieb Cormac zum Glück stehen. Doch seine Worte hatten sie tief getroffen und so wischte sie sich verzweifelt die Tränen vom Gesicht, damit sie niemand sehen konnte.