16. Oktober – Sorgen

Tonks lag in ihrem Bett, aber sie konnte nicht schlafen. Sie machte sich Sorgen. Nicht um sich selbst – sie war sicher in Hogwarts und stolz darauf, dass sie Teil der Auroren war, die halfen, das Schloss und seine Bewohner zu schützen –, sondern um Remus. Er war zu anderen Werwölfen gegangen, um sie auf die Seite des Lichts zu bringen, sodass sie Dumbledore und nicht dem Dunklen Lord folgen würden. Doch diese Werwölfe waren wild und gefährlich, sie verabscheuten die Zivilisation und sahen sich selbst mehr als Tier denn als Mensch. Und in diesen Kreis von Raubtieren hatte er sich freiwillig begeben – blöder Gryffindor-Mut!

Nahezu jede Nacht lag sie wach und betete, dass es ihm gut ging. Er war so freundlich und gutherzig, dass er viel zu vertrauensselig war. Was, wenn die Werwölfe ihn nachts überfielen oder ihm eine Falle stellten? Wie sollte er sich gegen solch eine Horde verteidigen, er, der so darauf bedacht war, Konflikte mit Worten statt Gewalt zu lösen…?

Wenn er wenigstens ab und zu schreiben würde, wie es ihm ging, das würde sie schon sehr beruhigen, doch selbst Dumbledore bekam keinen Brief von ihm. Weil es zu gefährlich sei zu schreiben – doch diese Ungewissheit machte sie wahnsinnig. Er könnte schon lange tot sein und niemand würde es bemerken…

Tränen kamen ihr in die Augen und sie versuchte, sich Positives vorzustellen. Wie er bald wiederkommen würde, völlig unversehrt, am besten noch mit ein paar Werwölfen, die nun auf ihrer Seite standen. Wie er sie sehen würde, sie fest umarmen würde und ihr sagen würde, dass er die Zeit im Wald genutzt hätte, um über sie beide nachzudenken, und dass er sie ebenfalls liebte.

Sie lächelte kurz, doch die Tränen rollten weiter stumm über ihre Wange. Sie hatte ihm im Sommer gestanden, dass sie ihn liebte, doch er hatte sie abgewiesen. Er sei zu alt, zu arm, zu krank, zu gefährlich – sie verdiene jemand besseren. Solch dämliche Ausreden! Sie konnte es ihm ansehen, dass er sie zurückliebte, und er wehrte sich dagegen, um sie zu schützen! Wenn er weniger selbstlos oder nobel wäre, könnten sie jetzt gemeinsam hier liegen – doch sie wusste, dass es gerade diese Selbstlosigkeit und Aufopferung für andere war, weswegen sie sich überhaupt in ihn verliebt hatte. Und sie befürchtete, dass er diese Haltung für immer bewahren würde, auch wenn es ihnen beiden wehtat.

Sie dachte an seine warmen Augen, sein liebes Lächeln, seine weichen Hände – und schlief schließlich ein, nur um erneut zu träumen, wie er von Werwölfen zerfleischt wurde…