25. Oktober – Vor der Lehrerkonferenz

Die monatliche Lehrerkonferenz würde in zehn Minuten beginnen und die ersten Lehrer trudelten nach dem Abendessen im Lehrerzimmer ein.

Professor McGonagall setzte sich auf ihren Platz am großen Tisch und breitete ihre Notizen vor sich aus. Es gab ein paar wichtige Punkte, die sie ansprechen wollte. Ein paar Jungs aus Slytherin hatten in letzter Zeit viel Unsinn getrieben, ein Mädchen aus Hufflepuff schien zu schlafwandeln und sie überlegte sich, wie man Hermine Granger mehr fordern könnte.

Professor Flitwick bat einen Hauselfen um Kaffee und Knabbergebäck (Salzstangen, etc), da er befürchtete, dass es ein langer Abend werden könnte. Die Sicherheit der Schüler musste dauerhaft gewährleistet sein, jetzt, wo sich draußen immer mehr Todesser sammelten. Und er wollte ankündigen, dass sein Chor gerne vor den Weihnachtsferien beim letzten Abendessen etwas vortragen wollte.

Professor Snape saß in dem Sessel vor dem Kamin und las im Abendpropheten. Er hasste diese Konferenzen, aber sie waren leider Pflicht. Immer wieder musste er sich das Gemecker der anderen Lehrer über seine Slytherins gefallen lassen und mitberaten, wie man schwachen, dummen oder gemobbten Schülern helfen konnte. Jedes Mal fragte er sich, warum ihm damals zu seiner Schulzeit niemand geholfen hatte, obwohl doch einige seiner jetzigen Kollegen schon damals unterrichtet hatten…

Professor Sinistra saß ebenfalls an ihrem Platz, doch sie hatte den Kopf auf ihre verschränkten Arme auf dem Tisch gelegt und wollte am liebsten einfach nur schlafen. Sie hatte letzte Nacht unbedingt eine besondere Sternkonstellation beobachten wollen, die so nur alle 76 Jahre auftrat. Sie hatte von Anfang an gewusst, dass sie müde sein würde, aber dass es so schlimm werden würde, hätte sie nicht gedacht. Und die Lehrerkonferenz am heutigen Abend hatte sie auch nicht miteinberechnet… Bald, hoffte sie, bald darf ich schlafen.

Professor Slughorn kritzelte auf einem Stück Pergament herum und überlegte angestrengt, wie er seine diesjährige Weihnachtsfeier veranstalten sollte. All die Jahre im Ruhestand verlangten nach einem ordentlichen Comeback! Vielleicht könnte er Sanguini bitten zu kommen – ein Vampir war immer etwas Interessantes. Und Feen könnten umherschwirren und mit leisen Glöckchen klingen. Und…

Professor Hooch stürmte herein, ihren Besen in der Hand, Schlamm und Regen auf dem Umhang, Schweiß auf der Stirn. „Bin ich zu spät?", rief sie aufgeregt, doch Professor Babbling, die versuchte, eine besonders schwierige Textstelle aus dem Alten-Runen-Text von Midgard Melboom zu übersetzen, schüttelte mit dem Kopf, und Madame Hooch seufzte erleichtert, setzte sich an den Tisch und versuchte, wieder zu Atem zu kommen.

Professor Sprout kam nun ebenfalls herein, erblickte Hagrid, der sich am Kaminfeuer wärmte, und erzählte ihm aufgeregt von ihrer neusten Pflanzenzüchtung, die just heute gewachsen war.

Professor Trelawney wirkte desorientiert, als sie den Raum betrat, so als wüsste sie nicht, was sie hierher verschlagen hatte, doch sie setzte sich geflissentlich so weit weg von Firenze wie möglich und blickte demonstrativ zur Seite.

Professor Binns schwebte durch die Wand und blieb dann einfach regungslos und gelangweilt mitten im Raum stehen.

Es war Punkt acht Uhr, als der Schulleiter Professor Dumbledore erschien, und alle ließen von ihren Tätigkeiten ab und versammelten sich um den langen Holztisch. Gerade als er jedoch ansetzen wollte, sie alle zu begrüßen, stürmten die letzten herein.

Professor Vektor und Professor Burbage sahen aus, als hätten sie eben viel zu lachen gehabt, blickten nun aber schuldbewusst drein, murmelten ihre Entschuldigungen und setzten sich brav auf ihren Platz.

„Gut", machte Dumbledore fröhlich, „dann können wir ja nun beginnen. Bevor wir jedoch zum Ernst des Abends überleiten, verteile ich erst die traditionellen Zitronenbonbons."

Einige stöhnten genervt auf, andere freuten sich – so oder so wussten sie: Egal wie schlimm die Welt auch sein mochte, Dumbledore würde sich wohl nie ändern, und das war ein äußerst beruhigender Gedanke.