6. November – Erinnerung an damals

Hermine saß in Geschichte der Zauberei und sah nach draußen. Normalerweise machte sie sich brav Notizen zu dem, was Professor Binns ihnen vorlas, doch heute hatte der Geist aus Versehen damit begonnen, die gleichen Absätze wie letzte Woche vorzulesen, sodass Hermine schon alle Notizen parat hatte. Als sie ihren Blick durch die Klasse schwenkte, bemerkte sie halb enttäuscht, halb resigniert, dass keiner ihrer Mitschüler diese tolle Gelegenheit nutzte, um sich doch noch etwas aufzuschreiben – die meisten dösten müde vor sich hin oder machten Hausaufgaben für die nächste Stunde.

Hermine blickte wieder aus dem Fenster. Der Himmel zeigte sein Novembergrau und es würde sie nicht wundern, wenn es jeden Moment anfangen würde zu schneien, auch wenn es dafür noch zu früh war.

Auf einmal trat etwas Blaues in ihr Blickfeld, sie blinzelte, sodass sie das sehr viel nähere Etwas betrachten konnte, und entdeckte, dass sich ein Wichtel vor das Fenster verirrt hatte. Dieser schaute kurz ins Klassenzimmer, schnitt danach eine Grimasse und flog davon.

Hermine musste sich ein Kichern verkneifen, als sie an Professor Lockharts Stunde dachte, in der er Wichtel auf sie losgelassen hatte, die vollkommenes Chaos verursacht hatten, sodass alle Schüler und selbst Lockhart geflohen waren und Harry, Ron und sie die Wichtel allein unter Kontrolle hatten bringen müssen. Doch mit einem Immobilus war das einfach gewesen.

Ach, Lockhart. Heute konnte sie über ihre Schwärmerei von damals nur den Kopf schütteln. Er war so ein Betrüger gewesen und eitel und manchmal recht dämlich, aber auch so schön mit einem so charmanten Lächeln… Doch sie war froh, dass sie ihn, als sie ihn letztes Jahr im Sankt Mungos getroffen hatte, einfach nur als alte Bekanntschaft hatte betrachten können und nicht mehr. Auch wenn sie zugeben musste, dass sie die Gute-Besserungskarte, die er ihr damals geschrieben hatte, als sie versteinert gewesen war, noch immer heimlich in ihrem Nachttisch zuhause bei ihren Eltern aufbewahrte…