26. November – Vertrauenstest

Die Lehrer und Lehrerinnen von Hogwarts hatten sich im Lehrerzimmer versammelt, auch Argus und Poppy waren heute anwesend.

Nachdem alles Wichtige besprochen worden war, alle Fragen geklärt, alle Meinungen gesagt, machte Albus eine Ankündigung: „Liebe Kollegen, bevor wir nun wieder alle in unsere eigene kleine Welt verschwinden, uns zurückziehen, um noch ein paar Aufsätze zu korrigieren oder noch schnell etwas für morgen vorzubereiten oder einfach nur den Abend gemütlich ausklingen zu lassen, habe ich noch etwas mit euch vor."

Stirne wurden in Falten gezogen, Verwunderung gemurmelt.

„Und was?", fragte Filius schließlich laut.

„Ich möchte mit euch einen Vertrauenstest machen." Albus lächelte zufrieden, die anderen jedoch wunderten sich stark.

„Und wie soll der aussehen?", wollte Pomona wissen.

„Ich habe dabei an eine Muggeltechnik gedacht, die Sich-Gegenseitig-Auffangen heißt." Albus stand auf und stellte sich zu Minerva. „Die Idee ist, sich mit dem Rücken zum anderen aufzustellen und sich dann leicht nach hinten fallenzulassen, und die andere Person fängt dich dann auf. So. Bereit, Minerva?"

Die Verwandlungsprofessorin nickte.

Albus neigte sich leicht nach hinten und nach zwanzig Zentimetern spürte er ihre Hände unter seinen Schultern. „Genau so", lobte er zufrieden. „Wichtig ist, nicht mit zu starkem Winkel zu fallen, da der andere einen sonst nicht mehr fangen kann, und auch nicht mit zu viel Schwung."

„Und wenn wir nicht gefangen werden?", äußerte sich Aurora ängstlich.

„Dann fällt man auf den Boden."

Alle sahen sich misstrauisch und skeptisch um, doch einer machte seinem Unmut laut Luft.

„Das mach ich nicht!", rief Severus. „Das ist Kinderkram, für so etwas habe ich definitiv keine Zeit!" Er stürmte zur Tür, doch Albus hielt ihn an der Schulter zurück.

„Solche Übungen sind wichtig, um das Kollegium zusammenzuschweißen, und gerade in den aktuellen Zeiten ist Vertrauen und Zusammenhalt wichtiger denn je. Bitte, Severus."

Der Zaubertränkemeister seufzte geschlagen und drehte sich wieder zur Gruppe zurück (auch wenn er die Arme trotzig vor der Brust verschränkte) – wenn der Schulleiter ihn um etwas bat, konnte er nichts ablehnen.

„Gut, bitte sucht euch einen Partner", meinte Albus nun und blieb bei Minerva.

Langsam fanden sich Zweierpärchen.

„Wollen wir?", bot Septima an und Severus nickte.

„Dann fangt an, erst der eine, dann der andere", orderte Albus.

„Willst du zuerst?", fragte Septima. Ihr Tonfall zeigte, dass sie diese ganze Aktion ebenso dämlich fand wie er.

„Mir egal", meckerte er.

„Gut, dann zeige ich dir mein Vertrauen, indem du mich zuerst auffangen darfst." Sie lächelte ihm kurz zu und stellte sich mit dem Rücken zu ihm.

„Du vertraust mir?", hakte er erstaunt nach.

„Bedingungslos", flüsterte sie und ließ sich nach hinten fallen.

Er fing sie auf, hielt sie unter den Armen und half ihr wieder auf.

Als sie sich umdrehte, stand sie dicht vor ihm. „Danke", hauchte sie.

Einen Moment blickten sie sich stumm in die Augen, dann wurde der Moment durch ein lautes Rumpeln zerstört – Sybill war einfach an Hagrid vorbeigefallen…

Severus räusperte sich. „Jetzt ich." Er drehte sich um, ließ sich nach kurzem Zögern nach hinten fallen und wurde ebenfalls direkt aufgefangen.

„Das hat doch toll geklappt", lachte Septima.

Severus sah sie an und wunderte sich plötzlich, warum er sie vorher noch nie wirklich wahrgenommen hatte…

„Und, Severus?", dröhnte da auf einmal Albus neben ihnen und ließ sie aufschrecken. „So schlimm war's doch gar nicht, oder?"

Severus blickte zuerst zu ihm und dann wieder zu seiner Partnerin. Ein nahezu nicht existentes aber dennoch vorhandenes Lächeln spielte auf seinen Lippen. „Nein. Nein, das war es nicht."