28. November – Noch immer Freunde

Filius betrat das Lehrerzimmer und glaubte, es sei schon verlassen. Er kam gerne abends hierher, um die letzten Aufsätze zu korrigieren, da er die Stille mochte, das Feuer noch gut brannte und er sich leichter dazu bewegen konnte weiterzumachen, weil sein Bett nicht gleich nebenan war…

Er steuerte wie gewohnt zu der Sofaecke vor dem Kamin, als er plötzlich jemanden bemerkte. „Oh", machte er nur erschrocken.

Pomona blickte von ihrem Buch auf und strahlte fröhlich. „Na, Fili."

„Stör ich dich gerade? Ich will nur noch ein paar Aufsätze durchgehen."

„Nein, ganz und gar nicht." Sie hielt ihr Buch hoch – Die giftigsten Pflanzen Europas. „Ich les nichts Wichtiges."

Filius nickte nur und setzte sich. Es war ihm schon ein wenig unangenehm, mit ihr allein zu sein, aber einfach wieder zu gehen, erschien ihm unhöflich. Eine Weile versuchte er, sich zu konzentrieren, doch es wollte ihm nicht gelingen. Immer wieder schossen ihm Bilder durch den Kopf, wie sie beide früher ihre Zeit miteinander verbracht hatten… Schließlich gab er auf und fragte nach dem Buch.

Pomonas Augen begannen sofort zu leuchten und leidenschaftlich erzählte sie ihm von den verschiedenen giftigen Pflanzen.

Wegen dieser Lebensfreude und Leidenschaft hatte er sich damals in sie verliebt.

Als sie ihren Bericht geendet hatte, grinsten sie sich nur breit an.

„Ich bin froh, dass wir noch immer Freunde sein können", gab er nach einer Weile leise zu.

„Ich auch", erwiderte sie sogleich. Kurz zögerte sie, dann fügte sie hinzu: „Auch wenn ich dich wirklich geliebt habe."

Er lächele glücklich. „Ich dich auch. Aber ich denke, wir haben das Richtige getan."

Sie nickte, doch sie fragte: „Bereust du es?"

Er schüttelte mit dem Kopf.

„Fragst du dich manchmal, wie es wäre, wenn wir zusammengeblieben wären?", hakte sie nach.

„Ja, das schon – aber ich denke trotzdem, dass wir zu unterschiedlich sind, um dauerhaft glücklich miteinander zu sein."

Jetzt sah sie erleichtert aus. „Es tut gut, dass du das Gleiche denkst wie ich."

„Du bist meine beste Freundin, Poma, und daran wird sich auch nie etwas ändern."

Da legte sie ihre Hand völlig unverfänglich auf seine. „Du meiner auch, Fili."