7. Dezember – Liebesvorhersagen

Parvati freute sich, denn heute hatte sie ihr Lieblingsfach: Wahrsagen. Zusammen mit Lavender machte sie sich auf den Weg die lange Wendeltreppe nach oben und stieg durch die Falltür hinauf ins Klassenzimmer. Mittlerweile war ihr der Geruch nach Kräutern und Weihrauch so bekannt wie ihr eigener und er erfüllte sie sogleich mit einem zufriedenen Befinden. Hier in diesem Raum fühlte sie sich am Wohlsten, hier erbrachte sie ihre besten schulischen Leistungen und lernte ihrer Meinung nach das Wichtigste für ihr späteres Leben. Sie freute sich schon darauf, einmal ihren Kindern die Tarotkarten deuten zu können oder ihnen ihren zukünftigen Weg durch Teeblätter und Kristallkugeln vorhersagen zu können. Doch am meisten interessierte sie das Feld der Traumdeutung, denn sie war der festen Überzeugung, dass ihre Träume einen Sinn hatten.

„Willkommen", ertönte Professor Trelawneys rauchige Stimme.

Die Klasse bestand mittlerweile nur noch aus acht Schülern – mehr hatten anscheinend nicht die nötige Begabung zum Wahrsagen.

„Heute möchte ich mit Ihnen einen Blick in die Kunst der Wortvorhersagen machen. Kann mir jemand dazu etwas sagen?"

Parvati meldete sich schnell, Lavender ebenfalls. Die beiden lasen oft in ihrer Freizeit alles, was mit Wahrsagerei zu tun hatte.

„Miss Patil."

„Es handelt sich dabei um eine Gruppenvorhersage. Jeder schreibt eine gewisse Anzahl von Wörtern auf, diese kommen dann auf einen Haufen, jeder zieht wieder für sich eine bestimmte Anzahl von Wörtern und dein Partner interpretiert diese Worte dann für dich."

„Ganz genau", lobte Professor Trelawney. „Und das wollen wir jetzt machen."

Jeder bekam zehn Papierschnipsel, auf denen er Substantive und Adjektive schreiben durfte, die ihm gerade so einfielen. Diese kamen alle in einen Stoffbeutel und wurden gut durchmischt, schließlich zog jeder vier und legte sie in der Reihenfolge, in der sie gezogen worden waren, vor sich aus und der andere interpretierte sie nun.

Vor Lavender lagen die Worte: rot, Schmerz, Sex, glücklich.

„Wer zur Hölle hat denn bitte Sex aufgeschrieben!", empörte sich Parvati, doch Lavender grinste breit.

„Los, sag was", forderte sie aufgeregt.

„Okay, gut." Parvati sah sich die Worte an. „Rot interpretiere ich für Ron, da er rote Haare hat. Anscheinend wird er dir sehr weh tun, aber dann habt ihr… Sex und werdet glücklich zusammen."

„Toll!", freute sich Lavender. „Jetzt du."

Parvati hatte die Worte: beste Freundin, Blind Date, lang, Liebe.

„Deine beste Freundin, also ich", begann Lavender, „schickt dich auf ein Blind Date. Hmm… lang… Entweder der Typ ist lang, also groß, oder etwas Bestimmtes an ihm ist lang…" Sie wackelte mit den Augenbrauen.

„Kannst du deine Gedanken bitte aus der Gosse holen!"

„Ja, ja, schon gut. Vielleicht habt ihr ja auch einen langen Weg vor euch. Aber am Ende liebt ihr euch und das ist doch das Wichtigste."

„Wirklich?" Parvati lächelte zufrieden.

„Oh Gott, jetzt muss ich ja jemanden für dich finden!", ging es Lavender plötzlich auf und sie lachte.

Parvati lachte mit. „Aber jemand Ordentliches, wenn ich bitten darf!"