11. Dezember – Auch Gemälde haben Gefühle

„Passwort?", fragte die Fette Dame die drei Jungen, die in den Gryffindor-Gemeinschaftsraum wollten.

„Mistelzweig", sagte einer.

Sie nickte, schwang die Leinwand nach vorne und die Jungen konnten eintreten.

„Sie ist genauso langweilig, wie sie dick ist", lachte der eine.

„Die Fette Dame eben", ein anderer.

Traurig schloss die Fette Dame den Eingang wieder. Eine Weile starrte sie nur ins Nichts, gefangen in ihren eigenen düsteren Gedanken. Sie seufzte schwer.

„Wertes Fräulein!", rief da auf einmal jemand.

„Sir Cadogan", lächelte sie.

„Jawohl, der bin ich!" Der Möchtegern-Ritter betrat ihr Gemälde. „Liebe Freundin, wie ist Euer Befinden heute?"

„Gut", log sie. „Und bei dir?"

„Bestens, bestens. Doch was ist das? Entdecken meine Augen etwa ein Tränchen auf Eurer holden Wange?"

„Was?!", rief sie erschrocken und wischte sie weg.

„Was ist denn geschehen?", wollte der Ritter nun wissen und setzte sich zu ihr auf eine niedrige Mauer.

„Ein paar Jungen haben mich langweilig und dick genannt", gab sie leise zu.

„Diese Lausbuben!", rief Sir Cadogan empört.

„Aber sie scheinen ja Recht zu haben. Im Schloss kennt man mich nur unter dem Namen der Fetten Dame. Niemand weiß, dass ich eigentlich Charlotte heiße." Erneut seufzte sie.

„Ich weiß es", meinte da der Ritter und nahm ihre Hand. „Und ich weiß auch, dass Ihr wunderschön seid und eine Stimme wie eine Nachtigall habt und ein gütiges Herz besitzt."

Charlotte sah ihn erst verwundert an, dann lächelte sie sanft. „Ich danke dir, Reginald."