15. Dezember – Belastung

„Ich schaff's nicht", murmelte er immer wieder vor sich hin. „Ich schaff's nicht."

Er war allein im Bad der Vertrauensschüler, was vermutlich vor allem daran lag, dass es mitten in der Nacht war. Den ganzen Abend hatte er versucht, das Verschwindekabinett im Raum der Wünschte zum Laufen zu bekommen, doch es wollte einfach nicht funktionieren!

Draco blickte in sein bleiches Spiegelbild und Panik stieg in ihm auf. Ihm wurde heiß, Schweiß benetzte seine Stirn, daher zog er sich seinen Umhang und Pullover aus. Er ließ kaltes Wasser über seine Hände fließen und Tropfen in sein Gesicht spritzen, doch die Panikattacke wollte nicht enden. Immer wieder trat ihm der Dunkle Lord vor seinem geistigen Auge entgegen, schüttelte enttäuscht mit dem Kopf, hob seinen Zauberstab – und dann nur noch grünes Licht…

Draco wusste, dass er nur den Sündenbock für seinen Vater spielte, da dieser Potter am Ende des letzten Schuljahres im Ministerium hatte entwischen lassen, und obwohl ihm dies zu Anfang nichts ausgemacht hatte, er sogar stolz der Mission entgegengeblickt hatte, fürchtete er nun den Zorn des Dunklen Lords umso mehr. Es war eine so schrecklich schwere Aufgabe: Dumbledore töten. Wie sollte er das nur tun? Er wusste, wie Avada Kedavra theoretisch funktionierte, aber nur den Spruch zu sagen, reichte nicht – man musste auch die nötige magische Kraft aufweisen. Und den nötigen, entschlossenen Willen…

Des Weiteren konnte er nicht einfach beim Schulleiter anklopfen und ihn mal eben so kurz umbringen, denn er wollte auch dem Schloss entfliehen können, bevor Auroren ihn nach Askaban bringen konnten! Seine Mutter würde es sicher nicht ertragen, Mann und Sohn im Gefängnis zu sehen…

Seine Atmung ging immer hektischer, bis ihm plötzlich Tränen in die Augen stiegen und er laut schluchzte. Neuerdings wurde ihm immer deutlicher bewusst, dass der Dunkle Lord ihm absichtlich solch eine unmögliche Aufgabe gestellt hatte, damit er scheiterte und die Familie Malfoy noch weiter gestraft werden konnte.

Draco atmete ein paar Mal tief ein und aus und rief sich ins Gedächtnis, dass er noch immer genügend Zeit hatte, das Kabinett zu reparieren, und auch noch andere Pläne nebenher in Gang gesetzt hatte. Außerdem halfen Crabbe und Goyle ihm, so gut sie es mit ihrer begrenzten Intelligenz vermochten – aber als Bodyguards und Wächter waren sie perfekt geeignet. Sogar in Mädchen hatten sie sich mit Hilfe des Vielsafttrankes für ihn verwandelt.

Doch was immer auch geschehen würde, eines wusste er ganz genau: Sollte er es nicht schaffen, Dumbledore vor Ende des Schuljahres aus dem Weg zu räumen, musste er sterben…