17. Dezember – Euleneier

„Hey Leute", grüßte Ginny und ließ sich neben Dean und Lavender aufs Sofa fallen. „Wusstet ihr, dass Dumbledores morgendliche Spiegeleier aus Euleneiern gebraten werden?"

„Ist das nicht verboten!", keuchte Lavender erschrocken auf.

„Woher hast du das denn?", wollte Dean wissen.

Ginny zuckte mit den Schultern. „Parvati hat es zufällig von McGonagall gehört und mir eben auf dem Flur erzählt."

„Man sollte nicht alles glauben, was man so hört", meinte Dean weise, doch Lavender war schon in ihren eigenen Vorstellungen gefangen.

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„Won-Won!", rief Lavender den Korridor herunter.

Ron drehte sich grinsend um und wartete auf sie.

„Ich geh schon mal vor", murmelte Harry und lief schnell weiter.

Lavender sprang Ron um den Hals und gab ihm einen dicken Kuss. „Won-Won! Ich habe etwas Schreckliches gehört: Dumbledore isst Euleneier!"

„Was?!", rief Ron. „Aber das ist doch verboten!" Sein Bruder Charlie hatte ihm das mal erzählt.

„Deswegen gibt es auch den Eulenturm – für die ganzen Euleneier!", ergänzte Lavender entsetzt.

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„Harry?", fragte Ron beim Abendessen.

„Ja?"

„Wenn jemand Großartiges etwas Verbotenes und Abscheuliches tut, muss man es trotzdem melden, oder?" Ron sah wirklich zerknirscht aus.

„Was ist passiert?", fragte Harry sofort angespannt und sah sich aufmerksam um.

Ron schluckte und flüsterte dann: „Dumbledore isst Euleneier zum Frühstück. Deswegen hält er so viele Eulen im Eulenturm. Und abends brät er sie bestimmt."

Harry sah ihn ungläubig an. „Wo hast du das denn aufgeschnappt?"

„Von Lavender, die hat es von Ginny, die es von Parvati hat, und die hat es wiederum von McGonagall selbst!"

Harry sah noch immer nicht überzeugt aus. „Aber so was würde Dumbledore doch niemals tun. Das ist doch vollkommen unmoralisch."

„Und verboten", fügte Ron hinzu. „Eulen sind eine bedrohte Tierart, deswegen darf man ihren Eiern nichts tun, geschweige denn sie töten." Erneut schluckte er.

Harry blickte zu seinem Idol am Lehrertisch und grübelte. Was, wenn es doch stimmte?

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Harry war in der Bibliothek, auf der Suche nach seiner besten Freundin. Endlich fand er sie an einem Tisch in der Verbotenen Abteilung, den Kopf tief in einem Buch vergraben. „Hermine."

Sie sah erschrocken auf, lächelte dann jedoch. „Hey, Harry. Was gibt's?"

Harry nahm sich einen Stuhl und setzte sich zu ihr. Leise raunte er ihr ins Ohr: „Es wird gesagt, dass Dumbeldore Eulen tötet."

Hermine stöhnte auf. „Nicht du auch noch. Lavender wollte mir auch schon weiß machen, dass Dumbledore der Teufel persönlich ist. Das ist doch nur ein dummes Gerücht, das irgendjemand in die Welt gesetzt hat, weil ihm langweilig ist!" Sie sah wirklich wütend aus.

Harry schwieg einen kurzen Moment. „Und wenn es doch stimmt?"

Sie schnaubte verärgert, schnappte sich danach Harrys Arm und zog ihn mit sich. „Dann las uns Hagrid fragen, der würde das doch sicherlich mitbekommen!"

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Unter dem Tarnumhang versteckt, klopften Harry und Hermine an Hagrids Tür. Der Halbriese öffnete sie, ließ sie herein und sie setzten sich alle an den großen Tisch.

„Hagrid", sagte Hermine fest, „wie geht's den Eulen?"

„Den Eulen?" Er sah sie verwundert an. „Den geht's gut, wie immer."

„Und ihren Eiern?", hakte Harry nach.

„Auch. Sind inem Brutkasten, ganz normal."

„Siehst du!", meinte Hermine triumphierend zu Harry.

„Hey, sagt mal, was geht hier vor sich?", wollte Hagrid wissen. „Ihr seid schon die vierten, die mich heute nach den Eulen fragen."

„Es gab ein Gerücht", erwiderte Harry ausweichend und sah beschämt zu Boden.

Hermine rollte mit den Augen. „Es wurde verbreitet, dass Dumbledore Euleneier frühstücken und die Tiere sogar braten würde."

„Was?!", rief Hagrid erbost. „Wer hat sich denn son Schwachsinn ausgedacht? Und ihr habt das geglaubt?"

Ich nicht", betonte Hermine.

„Sorry", murmelte Harry nur.

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Am nächsten Morgen setzte sich Hagrid beim Frühstück neben Professor Dumbledore. Er erzählte ihm vom dem Gerücht.

Der Schulleiter sah ihn verdutzt an, bevor er in schallendes Gelächter ausbreitete. „Ich und die Eulen?", lachte er. „Ich bin doch gegen Eulen allergisch!"

Das brachte nun wiederum Hagrid zum Staunen und der Halbriese stimmte bald in das fröhliche Gelächter mit ein.