23. Dezember – Pflege

„Aragog." Hagrid stapfte durch den Wald, vorbei an riesigen Spinnen, auf dem Rücken einen Seesack mit allerlei Heilkräutern und -salben.

„Hagrid?", fragte eine alte, brüchige, tiefe Stimme. „Bist du das?"

„Natürlich, alter Kumpel." Hagrid durchschritt die Lichtung, bis er vor dem König der Riesenspinnen stand. „Wie geht's dir denn heute so?", fragte er betont beiläufig, während er schon die erste Salbe herausholte und auf einem der acht Beine verstrich.

„Hagrid", sagte Aragog beschwichtigend. „Wir beide wissen, dass ich alt bin und dass es bald Zeit für mich ist zu sterben."

„Nein, das lass ich nicht zu", entgegnete Hagrid entschlossen und mischte einen Trunk aus verschiedenen Kräutern zusammen.

„Hagrid."

„Nein! Aragog, du bist mein ältester Freund, ich lass dich nicht sterben."

Die Spinne seufzte. „Es ist nicht deine Schuld und es gibt nichts, was du dagegen tun kannst. Das ist nun einmal der Lauf des Lebens: Neues wird geboren und Altes stirbt."

„Nein…" Der Halbriese schüttelte vehement mit dem Kopf. „Hier, trink das."

Der Spinnenkönig tat ihm den Gefallen, auch wenn er wusste, dass es nichts nützen würde. „Es ist besser, wenn du nicht mehr hierherkommst."

Hagrid sah ihn entgeistert an. „Warum denn das?"

„Wenn ich tot bin, werden meine Kinder dich nicht mehr schonen."

Der Wildhüter sah sich um, zu den tausenden von kleinen und großen Spinnen, die ihn am liebsten auf der Stelle zerfleischen würden. Doch sein Entschluss geriet dadurch nicht ins Wanken. „Ich komm weiter hierher und pfleg dich gesund." Wie ein trotziges Kind begann er nun, das nächste Bein einzuschmieren.

„Hagrid", versuchte es Aragog noch einmal.

„Lass mich…", Hagrid schniefte, „Lass mich wenigstens bei dir sein, wenn es soweit ist…"

Die Spinne lächelte innerlich. „Ich danke dir, alter Freund."