24. Dezember – Heiligabend im Eberkopf

Aberforth Dumbledore hatte schon seit Ariannas Tod kein richtiges Weihnachtsfest mehr gefeiert. Jedes Jahr wieder lud Albus ihn nach Hogwarts ein und jedes Jahr wieder ignorierte er diesen Brief. Er hatte keine Lust, mit seinem Bruder Friede, Freude, Eierkuchen zu spielen. Daher hatte der Eberkopf heute normal geöffnet wie an jedem anderen Tag auch.

Man könnte annehmen, dass die Kneipe an einem solchen Abend kaum besucht wäre, doch eher das Gegenteil war der Fall: All die einsamen Seelen, die niemanden hatten, mit dem sie das Weihnachtsfest verbringen konnten oder wollten, verirrten sich früher oder später hierher – es war schließlich das einzige Geschäft in Hogsmeade und Umgebung, das heute geöffnet hatte.

Im Laufe der Jahre hatte sich sogar eine Art Stammkundschaft entwickelt: Die alte, hässliche Frau dort in der Ecke zum Beispiel kam seit 23 Jahren an Heiligabend hierher, trank ein Bier, dankte Aberforth für seine Gastfreundschaft und ging wieder – er kannte nicht einmal ihren Namen. Vor drei Jahren hatte sich sogar ein junges Paar hier kennengelernt; sie hatten Aberforth zu ihrer Hochzeit im nächsten Sommer eingeladen; er war sich noch unschlüssig, ob er hingehen würde.

Er war froh, auch an diesem Abend eine sinnvolle Beschäftigung zu haben, und so füllte er Gläser, wischte Tische und plauderte mit Gästen, als wäre heute kein besonderer Tag.

„Ach, Capra", sagte er irgendwann zu seiner treuen Ziege. „Weihnachten – wozu soll das gut sein?"

Die Ziege meckerte und deutete auf den gut besuchten Raum.

„Ja, ich weiß, ich helfe ihnen, indem ich ihnen einen Ort zum Verweilen gebe. Aber es ist doch nichts Besonderes."

Wieder gab Capra einen Laut von sich und zeigte dieses Mal auf drei Männer, die sich vorhin kennengelernt hatten und nun freudig miteinander scherzten.

Aberforth lächelte unwillkürlich. „Ja, du hast ja recht", murmelte er.

Da lief Capra aus der Hintertür und kam ein paar Minuten später mit einem kleinen, aufwendig verzweigten Ast wieder, den sie ihrem Freund vor die Füße legte. „Määä", machte sie und sah ihn erwartungsvoll an.

„Für mich?", erwiderte Aberforth erstaunt.

„Määää."

Er nahm den Ast – er war wirklich schön, fast wie verzaubert. „Danke." Er holte aus einem Schrank eine Schüssel mit besonders leckeren Kräutern, die er der Ziege hinstellte.

Capra wackelte erfreut mit dem Schwanz und begann sogleich, die Kräuter zu vernaschen.

Aberforth streichelte die Ziege am Kopf und diese schmiegte sich zufrieden an ihn. „Was würde ich nur ohne dich machen…?"