25. Dezember – Socken?

Als der erste Sonnenstrahl langsam über den Horizont kroch und den neuen Tag einläutete, bedeutete das für die meisten Kinder Englands nur eines: Geschenke. Aufgeregt eilte man zu seinem Strumpf und öffnete die bunt eingepackten großen und kleinen Pakete. Staunen, Freude, auch Enttäuschung erfüllten die Kinderzimmer und Wohnstuben; man probierte die neuen Spielzeuge aus und zeigte sie stolz seinen Geschwistern, während die Eltern und Santa Clause selig über die Kleinen lächelten.

Doch nicht nur die Kinder erhielten Geschenke, auch die Erwachsenen und auch schon sehr alte Menschen – so wie Albus Dumbledore zum Beispiel. Er schlug erst die Augen auf und dann die Decke von sich, fischte seinen Strumpf vom Bettende und leerte ihn, noch immer im Nachthemd, mitten auf seiner Matratze aus. Ein paar größere und kleinere, runde und eckige, schlicht und äußerst grell verpackte Geschenke kamen zum Vorschein und er begann sogleich voller Vorfreude, sie auszupacken. Bei jedem Paket hoffte er wie jedes Jahr auf Socken – denn auch wenn das niemand dachte: Socken waren immer praktisch, wurden ständig löchrig, sodass man neue benötigte, und konnten wunderbar weich und warm sein, sogar kunstvoll – doch wie in jedem Jahr wurde er wieder aufs Neue enttäuscht – anscheinend wagte es niemand, dem mächtigen Genie Dumbledore so etwas Banales wie Socken zu schenken... Bücher, ein Umhang, eine besondere Feder, noch mehr Bücher, ein magischer Stein, Zaubertränke, weitere Bücher, besonders aufwendig verzierte Kekse, und – natürlich – noch viel mehr Bücher; die Hälfte von ihnen befanden sich bereits in Hogwarts...

Dumbledore seufzte und versuchte, nicht allzu enttäuscht zu sein; schließlich hatten sich alle Geber etwas Gutes bei der Auswahl ihrer Geschenke gedacht und er selbst hatte es bisher auch nie kundgetan, dass er sich am meisten über Socken freuen würde. Doch es fiel ihm schwer, besonders bei dem Gedanken, dass dies vermutlich sein letztes Weihnachtsfest sein würde...

Er stand vom Bett auf und wollte sich anziehen, als ihm ein winziges Päckchen auf dem Teppich auffiel, das wohl zu Boden gefallen war. Er hob es auf und las auf einer kleinen Karte: Von Dobby. Für Dumbledore, Sir. Der Schulleiter lächelte erfreut – Dobby war vermutlich der einzige Hauself, der einem Menschen ein Weihnachtsgeschenk machte. Neugierig öffnete er das Geschenk und entdeckte – Socken! Mehr schlecht als recht gestrickt, vermutlich von dem Elfen selbst, mit roter Wolle und eigentlich auch ein wenig zu klein für ihn, aber es waren unmissverständlich Socken.

Wie ein kleines Kind hüpfte Dumbledore im Schlafzimmer umher, hob die Socken triumphierend in die Luft und dankte dem Hauselfen von Herzen für dieses beste aller besten, da schon lang ersehnte Geschenk.