27. Dezember – Todesserweihnachtsfeier

Snapes linker Unterarm brannte auf. Missmutig knurrend holte er seine Todessermaske und seinen Umhang und machte sich auf den Weg hinter die Appariergrenze Hogwarts. Es war spät am Abend und die wenigen Schüler und Lehrer, die über die Feiertage im Schloss geblieben waren, vermutlich schon im Bett.

Die frische Luft draußen tat ihm gut, der Schnee knirschte leise unter seinen Füßen, während ein paar neue Flocken vom Himmel fielen. Er steuerte auf den Verbotenen Wald zu und ein paar hundert Meter weiter hatte er die Grenze erreicht. Er drückte die Spitze seines Zauberstabs auf das Dunkle Mal und disapparierte.

Er befand sich nun im Großen Saal in Malfoy Manor. Ein gigantischer Weihnachtsbaum, geschmückt mit grellen weißen Lichtern und glänzenden schwarzen Kugel stand am Ende, davor eine lange Tafel mit viele Stühlen; ein Buffet war an der Seite aufgebaut und Girlanden in Form von Schlangen hingen an der Decke.

Der Saal wimmelte von Todessern und anderen Gefolgsleuten Voldemorts.

„Severus!", rief da eine hohe Stimme erfreut und der Gastgeber persönlich kam auf ihn zu.

Snape verbeugte sich und erwiderte unterwürfig: „Mein Lord."

Voldemort legte ihm kurz eine Hand auf die Schulter. „Willkommen auf unserer kleinen Weihnachtsfeier." Er machte eine ausschweifende Gestik auf den Raum. „Ist es nicht schön geworden? Ich habe es selbst dekoriert."

Snape nickte überzeugend – auch wenn er es scheußlich fand. Fehlten nur noch Fledermäuse und Särge…

„Ich dachte mir, wir machen dieses Jahr eine kleine Feier, nur für uns und unsere Freunde", fuhr Voldemort im Plauderton fort und führte seinen neusten Gast zum Punsch. „Und da Narzissa einverstanden war, ist dies der ideale Ort – groß genug und weit ab von feindlichen Lagern."

„Es ist wirklich gelungen", lobte Snape und nahm ein Glas Punsch entgegen.

„Auch wenn der Krieg noch nicht ganz gewonnen ist, haben wir uns meiner Meinung nach eine solche Belohnung verdient. Allein in diesem Jahr haben wir über 500 Muggel und 200 Zauberer ermordet, gefoltert oder entführt."

Snape machte ein positiv überraschtes Gesicht, während es ihm kalt den Rücken hinunterlief – er hatte nicht gewusst, dass die Todesser so aktiv gewesen waren…

Danach durfte Snape sich unter die Gästemenge mischen und traf schon bald auf Narzissa und Draco. Letzterer stürmte bei seinem Anblick wütend davon, doch dessen Mutter schien sich wirklich zu freuen.

„Severus!", rief sie und lief auf ihn zu.

„Narzissa, wie geht es dir?"

Ein trauriger Schleier legte sich auf ihr Gesicht. „Es ist sehr einsam hier…" Sie schluckte ein paar Tränen herunter.

Snape legte ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Nicht mehr lange, dann wird der Dunkle Lord ihn aus dem Gefängnis holen. Lucius ist zu wichtig, als dass man ihn in Askaban versauern lassen könnte." Er lächelte aufmunternd.

„Danke", hauchte sie und drückte einmal seine Hand.

Als Snape danach eine Runde durch den Raum machte, sprach er mal mit dem einen Todesser, mal mit dem anderen – und um Bellatrix, die sich unter einem Mistelzweig aufhielt, vermutlich, falls Voldemort vorbeikommen würde, machte er einen weiten Bogen. Allein die Vorstellung, ausgerechnet diese Frau küssen zu müssen… Er schüttelte sich leicht. Auch mit Fenrir Greyback vermied er es zu sprechen – man konnte nie wissen, ob er nicht plötzlich wild würde. Und so zu enden wie Lupin, war eine noch schrecklichere Vorstellung, als Bellatrix zu küssen…

Snape versuchte, so viele Informationen für Dumbledore und den Orden zu sammeln wie möglich, und da im Laufe des Abends einige immer betrunkener wurden, wurde dies für ihn immer leichter.

Das Essen war gut, die Weine ausgezeichnet und die Weihnachtsmusik im Hintergrund nicht allzu grässlich. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man sagen, dass sich diese Weihnachtsfeier von keiner anderen unterschied. Doch dem war natürlich nicht so, und dafür sorgte Voldemort um Mitternacht.

Er hatte sich Gehör verschafft und verkündet, dass er im Nebensaal eine Überraschung vorbereitet hätte.

Neugierig strömten die Todesser in den Nachbarraum. Auch Snape, doch was er sah, gefiel ihm nicht: Ungefähr 20 Männer und Frauen waren halb bewusstlos an die äußeren Säulen angekettet und warteten schon seit Stunden auf ihren Untergang…

„Habt Spaß!", lachte Voldemort nur und das Vergewaltigen, Foltern und Morden begann.

Snape war froh, schon vor einer ganzen Weile von diesen Aktivitäten befreit worden zu sein, da er behauptet hatte, dass ihm solch ein ‚Vergnügen' schwerfiele, vor Dumbledore zu verbergen… Daher lenkte er nun unbeirrt von dem Geschrei um sich herum seine Schritte auf Voldemort, dankte ihm für das wunderbare Fest und apparierte zurück in den Verbotenen Wald.

Die Stille, die ihn plötzlich umfing, war unheimlich, und auf dem Weg zurück ins Schloss musste er sich davon abhalten, den Orden zusammenzutrommeln, um zurückzukehren und diese armen Menschen zu befreien und die Todesser gefangen zu nehmen und Voldemort selbst zu töten! Dumbledore hatte ihm erklärt, wie wichtig es war, den richtigen Zeitpunkt für solch einen Angriff abzuwarten, und Snape würde sich niemals gegen dieses Genie, seinen Freund, wenden. Und vermutlich wären bis zu ihrem Eintritt schon alle Muggel tot und die Todesser verschwunden.

Doch es war nicht leicht, nichts zu tun…