29. Dezember – Lehrerquidditch

„So", rief Rolanda in die Runde und ihre Kollegen wandten sich ihr zu. „Willkommen zum diesjährigen Lehrerquidditch."

Allgemeiner Jubel, wenn auch vereinzelt getrübt durch gelangweilte Stille oder unterdrückte Genervtheit.

„Da wir 13 Spieler mit mir zusammen sind", fuhr sie fort, „weil Hagrid und Albus lieber zuschauen wollen und Binns sich mal wieder raushält – aus verständlichen Gründen – schlage ich vor, dass sechs gegen sechs spielen, mit einem Klatscher und je einem Treiber weniger, und ich den Schiedsrichter mach."

Niemand schien etwas dagegen zu haben, doch Sybill fragte: „Warum noch einmal muss ich mitspielen?"

Minerva verdrehte die Augen. „Weil es Spaß macht."

„Ah, ach so…"

Filius kicherte leise.

„Wollen wir die Mannschaften wählen lassen, losen, verteilen oder nach Häusern gehen?", schlug Rolanda nun vor.

„Ich schlage Minerva und mich als Mannschaftskapitäne vor, die danach abwechselnd wählen", verkündete Severus und funkelte seine Lieblingsfeindin herausfordernd an.

„Sehr gerne", konterte die Hauslehrerin von Gryffindor und da der Rest einverstanden war, traten die beiden auseinander.

„Ladys first", meinte Severus übertrieben galant.

Minerva ging nicht darauf ein, sondern legte direkt los. „Aurora."

„Septima."

„Charity."

„Poppy."

„Filius."

„Irma."

Albus beugte sich zu Hagrid: „Severus hat bisher nur Frauen in seinem Team", kicherte er leise.

„Gibt ja auch nich so viele Männer, die gerad spielen", gluckste dieser, „wo wir und Binns ja nich da sind."

„Pomona", wählte Minerva weiter.

„Argus."

"Horace."

"… Sybill." Bei dem letzten Zuwachs zu seiner Mannschaft musste Severus einen Seufzer unterdrücken. Das konnte ja heiter werden…

Die beiden Teams beratschlagen sich einen Moment, wer auf welcher Position spielte, und schon bald standen die Mannschaften fest:

Team Rot mit Kapitänin Minerva als Jägerin, sowie Aurora und Charity als Jägerinnen; Horace als Treiber, Pomona als Hüterin, und Filius als Sucher.

Team Grün mit Kapitän Severus als Sucher, Irma im Tor, Argus mit dem Schläger, und Septima, Poppy und Sybill als Jägerinnen. Die beiden ersten wussten, dass sie das wenig vorhandene Quidditch-Talent der letzten ausgleichen musste.

Die Mannschaften setzten sich auf ihre Besen und flogen auf ihre Startpositionen. Severus sah auf sein Team und das andere – und wusste, dass er schnell den Schnatz fangen musste, da sie sonst nicht nur verlieren würden, sondern plattgemacht würden…

„Feuerst du Rot an und ich Grün?", schlug Albus Hagrid vor und der Halbriese nickte.

„Dann is es gerecht, weil ich lauter bin, aber Sie mächtiger."

Rolanda holte die Bälle aus der Truhe, ließ den Goldenen Schnatz entkommen und den Klatscher über der Mitte schweben. „Regeln wie immer", sagte sie laut für alle, „und ich hoffe auch, Fairness wie immer!" Sie blickte streng zwischen Minerva und Severus hin und her, die sich schon jetzt angriffslustig anfunkelten. „Die Schüler müssen nächste Woche ja wieder unterrichtet werden." Sie nahm den Quaffel, wartete einen Moment – und warf ihn hoch in die Luft. Das war das Startzeichen.

Septima war am schnellsten und konnte so den ersten Angriff starten, doch verlor den Ball schon bald an Charity.

Das Spiel ging knapp über zwei Stunden. Highlights waren: Auroras elf Tore; Sybill, die mitten im Spiel haltmachte, da sie eine ‚Vision' hatte; Argus' donnernder Klatscher in die Tribüne, sodass Holz splitterte; Filius, der die Flügel des Goldenen Schnatzes schon an den Fingerkuppen spüren konnte und ihn dann doch noch verlor; Pomonas glänzende, teilweise höchst spektakuläre Aktionen vor dem Tor; Horace, dem ein paar Reagenzgläser aus der Tasche fielen; und Poppy und Minerva, die fast zusammengeprallt wären, doch noch in letzter Sekunde aneinander vorbeirauschten. Insgesamt war das Spiel weit aus fairer und weniger gefährlich, als jedes normale Schülerspiel, doch dafür vermutlich auch ein wenig langweiliger – auch wenn Albus und Hagrid kräftig jubelten.

Kurz vor dem Ende stand es 170 zu 40 für Team Rot.

Und dann sah Severus den Schnatz. Leicht über dem Boden flog er und drehte ein paar Runden um die gegnerischen Torstangen; kaum zu sehen auf dem gelben Sand. Da Filius jedoch dichter dran war, flog Severus zuerst normal weiter in diese Richtung – und stürzte sich erst im letzten Moment hinunter.

Filius versuchte aufzuholen, doch er war zu weit weg.

Der Schnatz sah Severus auf sich zukommen und versuchte davon zu fliegen, doch schon schlossen sich die menschlichen Finger um den goldgelben Bauch und drückten zu, wodurch Severus jedoch von seinem Besen fiel und im Sand landete.

Im Nu waren alle um ihn herum und Poppy kniete sich zu ihm, um ihn auf Schäden zu untersuchen.

Doch Severus öffnete erst die Augen und dann stolz seine rechte Faust: Team Grün hatte gewonnen.