Kapitel 11

Ohne sie noch weiter zu beachten ging er durchs Tor, außerhalb des Schlosses, um im nahen Wald spazieren zu gehen, und seinen Gedanken nachzuhängen. Er hatte keine Lust auf den Mitternachtsball. Denn Freunde hatte er dort keine, somit war es Sinnlos sich dort von den anderen ignorieren zu lassen. Wenn sie ihn nicht gerade wie Luft behandelten, machten sie sich über ihn lustig, wodurch sie manchmal übermütig wurden. Er war nicht gerade beliebt. Keiner wollte jemals etwas mit ihm zu tun haben. Nur sie. Doch seit Jahren lief sie diesem Grafen hinterher.

Cosette hatte dem Fremden noch kurz nachgesehen, ehe sie sich wieder zu ihren Holzfiguren setzte. Kaum saß sie, überkam sie eine bleierne Müdigkeit. Gähnend rieb sie sich ihre Augen und legte sich hin. Ihre Figuren an sich gedrückt. Kurz danach kam Koukol herein. Kurz musste er lächeln. Die Kleine wollte unbedingt wach bleiben und nun schlief sie während dem Spielen ein. Sanft nahm er sie auf den Arm, trug sie zu ihrem Himmelbett, und deckte sie zu. Dann sammelte er die Figuren auf und räumte sie zurück in die Schublade. Ihm war aufgefallen das eines fehlte. Der Löwe war nirgends im Zimmer zu finden. Kurz sah er in die Glut im Kamin. Wahrscheinlich hatte Cosette ihn aus versehen im Feuer fallen lassen, während sie die Figuren mal wieder herumwarf.

Herbert hatte gerade mit seinem schönen Klavierspiel geendet, lehnte am Fenster und sah hinaus. Auch er war durch das Gespräch mit Charles ein wenig bedrückt. Vom Fenster aus konnte er seinen Vater zum großen Schlossgarten laufen sehen. Herbert wusste genau wohin er ging. Auch er würde jetzt gerne das Grab seiner Mutter besuchen, doch er wollte sich seinem Vater nicht aufdrängen, er wusste das er die Ruhe jetzt brauchte. „Hallo mein Schöner", flüsterte eine verführerische Stimme hinter ihm. Ein Körper schmiegte sich von hinten an ihn ran. Herbert wusste sofort wer es war. Der Braunhaarige, der Herbert während dem Klavierspiel beobachtet hatte, legte einen Arm um Herberts Hüfte. „Heut nicht Devin, ich bin nicht in der Stimmung", sagte Herbert abweisend. „Ich könnte dafür sorgen das du in Stimmung kommst", erwiderte Devin, und küsste sich an Herberts Hals hinunter. „Ich sagte du sollst aufhören", knurrte Herbert und verschwand aus dem Saal.

Der Graf währenddessen stand noch immer am Grab seiner Frau. Tief in Gedanken versunken betrachtete er liebevoll das Grabbild. Er vermisste sie sehr. Schon viele Frauen hatte er seither gehabt, doch keine konnte ihm das geben was sie ihm geben konnte. Und es war nicht nur Herbert. Er hatte immer das Gefühl gehabt verstanden zu sein, und eine stützende Schulter, wenn das Grafenleben wieder einmal zu viel wurde. Sie war liebevoll, intelligent, sanft, stark und die schönste Frau, die er gesehen hatte. Gewiss, sie war nicht die einzige schöne Frau der Welt, aber sie hatte so eine besondere Ausstrahlung. Bedrückt seufzte er.

„Breda", sagte eine weibliche Stimme. Der Graf drehte sich nicht um, er wusste genau wen er bei sich hatte. „Guten Abend Anna, was führt dich zu mir?", fragte er, obgleich er die Antwort kannte. Verunsichert stand Anna in ihrem rotschwarzen Kleid da, strich sanft darüber, da sie es einst von ihrem geliebten Grafen bekommen hatte. Es bedeutete ihr viel. Sie wunderte sich warum er nur so bedrückt und abweisend ihr gegenüber war. „Breda, ich … ." Wütend biss sie sich auf die Unterlippe, sie hasste es verunsichert zu sein. Doch bevor sie noch anfangen würde vor Nervosität, die sie plötzlich ergriff, an ihren Nägeln zu kauen, überlegte sie sich was sie sagen konnte. „Ist es nicht eine schöne Nacht?", fragte sie, um mit ihm langsam ins Gespräch zu kommen. Sie hatte ihn bisher nur selten so erlebt, und wusste nie was sie tun sollte. „Ja, sehr schön", antwortete der Graf gedankenlos. Er wusste genau was sie wollte. Schon seit vielen Jahren spürte er die begehrenswerten Blicke. Zunächst gab er nichts darauf, doch war er nach einiger Zeit darauf eingegangen. Es war nicht so das er sie nur als Spielzeug benutzte. Er schätzte sie sehr, doch konnte sie ihm nie mehr geben. Jedenfalls nicht viel.

„Nun sei nicht so bedrückt", sagte Anna sanft, lehnte sich von hinten an seinen Rücken und schlang die Arme um sie rum. Breda, der Graf Krolock, lehnte sich ebenfalls seufzend zurück, noch immer dachte er sehr an seine Frau, und war noch so in den Erinnerungen vertieft, dass er für einen Moment glaubte sie sei die Frau hinter ihm. „Soll ich dich vielleicht ablenken?", flüsterte sie verführerisch.

Zur Verdeutlichung griff sie spitzbübisch in seinen Schritt. Scharf zog er die Luft ein, und ein Knurren entfuhr seinem Mund. Plötzlich schossen Bilder seiner Frau durch den Kopf. Bilder wie diese sich windend unter ihm lag. Das trieb seinen Libido noch weiter voran. Mit schwerer Atmung packte er Annas Handgelenk, zog sie vor sich und drückte sie an den Baum, der neben dem Grab stand.

Kurz erschrocken blickte sie ihn an. Sie hatte nun nicht erwartet, das er so leidenschaftlich darauf reagieren würde. Für Breda änderte sich plötzlich das Bild. Nun stand nicht mehr Anna vor ihm, sondern seine Frau. Er hatte mit Herz und Seele nur an sie gedacht, womit er sie nun vor sich hatte. Zumindest in seinen Augen. Jedoch wusste Anna nicht, das er nicht sie selbst, sondern seine Frau vor sich hatte.

Breda drückte ihr einen sanften Kuss auf die Lippen und strich mit der Hand über ihre Wange, hinunter zum Hals. Zärtlich strich er über die Halsschlagader. Freiwillig legte Anna seufzend ihren Kopf zur Seite. In der Erwartung das er seine Eckzähne hineinstieß, da er es immer tat, war sie sehr verwundert darüber das er sie nur Küsste und dann der weißen Haut saugte. Seufzend drückt Anna Bredas Kopf zu sich hin.

Daraufhin drehte er sie mit der Brust zum Baumstamm, und hob ihr Kleid an. „Gehen wir doch lieber hinein", sagte Anna, „es ist kalt." Das stachelte Bredas Beule, der es in der Hose schon recht eng war, noch mehr an. Auch seine Frau war bei dem Thema recht schüchtern gewesen, hatte ebenfalls immer Angst das man sie hören oder sehen würde. „Dann sorg ich dafür das dir wieder warm wird", flüsterte er in ihr Ohr, während ein Finger in ihr eindrang.

Das quitierte Anna mit Stöhnen. Mit ihrer Hand faste sie nach hinten und griff ihm zwischen die Beine, was ihn ebenfalls stöhnen ließ. Instinktiv begann er nach vorne zu stoßen. Ruckartig drehte Anna sich um, und wollte sich schon vor ihm hinknien um ihn mit ihrem Mund in den Himmel zu befördern. Doch hielt er sie sanft auf, was sonst nie der Fall war. Breda kniete sich vor ihr hin und begann über ihre Vagina zu lecken. Solange bis Anna schon begann zu betteln, er solle endlich eindringen.

Er öffnete seine Hose, und hob ihr Kleid hinauf, hob ein Bein von ihr um seine Hüfte und glitt sanft hinein. Beide stöhnten auf und klammerten sich wie ertrinkende aneinander. Zunächst stieß er langsam und behutsam hinein. Nun spürte Anna die Kälte tatsächlich nicht mehr so intensiv. Immer stärker stieß Breda ihr sein Phallus hinein.

„Sie mich an", sagte er, „ich will sehen … wenn du für mich kommst." Hingebungsvoll sah sie ihm in die Augen. „Du bist … wunderschön", sagte er, was sie über den Berg brachte. Ihre Vagina begann zu zucken, was nun Breda den Himmel eröffnete. „Elise", stöhnte er und ergoss sich. Anna durchfuhr ein stechender Schmerz im Herzen. Nun hatte sie verstanden weshalb er so hingebungsvoll und zärtlich war. Denn für gewöhnlich war er sehr dominant.

Die Nachwirkungen des Orgasmus' konnte sie nun nicht mehr genießen. Es brach ihr fast das Herz. Plötzlich wurde ihr wieder bewusst das es Winter war und sehr kalt. Kurz hatte sie geglaubt es wäre Sommer und die Sonne schien heiß auf ihre Haut, ohne das sie verbrannte. Doch nun war die Illusion erloschen. Und nur der tiefe Schmerz blieb zurück.

Als Breda sich wieder erholt hatte, während ihm einfiel was er getan hatte, ließ er von ihr ab. „Es tut mir leid, Anna", sagte er reuig. „Schon gut", seufzte sie traurig, „Mir war von Anfang an klar das ich gegen sie nicht ankommen würde." „Danke", sagte er, hatte aber dennoch ein schlechtes Gewissen. Für eine Weile standen sie sich nichtssagend gegenüber. Die Stille wurde unangenehm. Eigentlich hatte Breda vor, sie um etwas zu bitten, doch war es nicht angemessen, nachdem was er getan hatte. „Meinst du das mit dem Mädchen ernst?" Breda war erleichtert darüber das sie von sich aus mit dem Thema begann.

„Ja, mein voller Ernst", sagte er und zur Verdeutlichung kam er etwas bedrohlig auf sie zu. „Tut mir leid, ich weiß ja das du die letzte bist, unter den Friedhofsvampiren, die einem Kind etwas antun könnte." Anna nickte und dachte kurzzeitig an ihr trauriges, früheres Leben zurück. „Ich hätte eine Bitte an dich", find Breda etwas unsicher an. „Ja?", fragte sie neugierig. Sie würde alles für ihn tun und das wusste er. „Cosette braucht eine Mutter. Ich weiß, es geht auch ohne. Bei Herbert ging das auch. Aber wenn sie einmal älter wird, werden wir sie nicht aufklären können über… ." „Frauenprobleme", lächelte Anna. „Genau. Ich schätze es wäre nicht sehr angenehm für eine junge Frau, sich von ihrem Vater aufklären zu lassen." „Vater", nuschelte sie vor sich hin. Innerlich schlug sich Breda die Hand gegen die Stirn. Wie konnte ihm das nur rausrutschen? Auch wenn er es sich inzwischen eingestanden hatte, das sie für ihn schon wie eine Tochter war, doch sollten es die anderen es nicht so deutlich merken, denn sonst könnten sie denken, er wäre schwach geworden, was sehr gefährlich sein konnte.

„Ich meine … ." „Mach dir keine Sorgen. Ich werde dir zur Seite stehen. Du kannst jeder Zeit zu mir kommen." „Danke, du kannst dir nicht vorstellen wie wichtig es mir ist", sagte er und zog sie in eine Umarmung. Seufzend schmiegte sie sich an ihn. Für sie war es keine freundschaftliche Umarmung. Und Breda wusste das auch. Doch er konnte ihr nicht geben was sie wollte. Nach kurzer Zeit schob er sie von sich. „Könntest du mich nun bitte wieder allein lassen?", lächelte er leicht. „Natürlich", sagte sie und ging schweren Herzens. Am liebsten wäre sie bei ihm geblieben. Es war nicht oft das sie mal allein sein konnten.

Als sie an einem Baum vorbeiging, in der Nähe des Einganges, bemerkte die dunkle Gestalt nicht, die sie die ganze Zeit beobachtet hatte. Sie wollte wieder zum Mitternachtsball und hatte die Stufen zum Tor fast erreicht. „Hat er schon genug von dir?", wurde sie von jemandem spöttisch angesprochen. Erschrocken drehe sie sich herum. „Was willst du?", blaffte sie ihn an.

„Dir scheint es sehr unangenehm zu sein diesmal nicht Jägerin, sondern die Gejagte zu sein." „Hast du nicht besseres zu tun als andere zu beobachten? Oder ist das eine perverse Lust von dir?" Gekonnt verbarg sie wie peinlich es für sie in Wirklichkeit war, denn den Triumph gönnte sie ihm nicht. „Perverse Lust? Wer hat es denn inzwischen auf kleine Kinder abgesehen, obwohl es verboten ist. Ja wohl dein geliebter Herr Graf",keifte er zurück. „Wie?", fragte sie zunächst verwirrt, doch dann fiel ihr ein, das sie ihn gar nicht beim Ball gesehen hatte. Innerlich zierte sie ein böses Grinsen. Nun hatte sie die Gelegenheit ihm eins auszuwischen, weil er so unverschämt zu ihr war und sie beobachtet hatte. „Das hat sich eben nun geändert. Es wird nicht mehr lange dauern, bis sie dran ist. Wenn du auch was abhaben willst, solltest du dich beeilen", sagte sie und ging wieder ins Schloss.

Verwirrt sah er ihr hinterher. Das konnte doch nicht wahr sein, was sie sagte. Oder doch? Er hatte ja nichts anderes erwartet als er die Kleine getroffen hatte. Kochende Wut stieg in ihm auf. Es quälte ihn nichts tun zu können. Ob er es wohl verhindern könnte? Wohl nicht. Selbst wenn er sie sicher aus dem Schloss bringen konnte, so würde bald die Sonne aufgehen und er würde verbrennen. Und die Kleine wäre verloren.

Aus einer spontanen Entscheidung heraus, beschloss er, sich die Kleine noch einmal anzusehen, bevor sie starb. Er kletterte geschickt die Fassade des Stalles hinauf, lief die Mauer entlang und fand dann auch einen guten Platz, von dem er den Balkon einigermaßen gut sehen konnte. Das Zimmer lag sehr weit oben. Nachdenklich sah er hinauf zu einen kleinen angebauten Turm, wo sich ihr Zimmer befand. In diesem brannte noch sehr schwach Licht.

Erschrocken atmete er die kalte Luft tief ein. Ein großer Schatten war zu sehen durch die Balkontüren. Und es bewegte sich in die Richtung in die das Bett stand.

Fortsetzung folgt …