So wie es jetzt war, so konnte es ruhig bleiben. Denn Ymir war glücklich. Zwar hatte der Gepanzerte Titan sie ziemlich heftig gepackt, und ein paar Rippen waren ihr aus der Reihe getanzt, doch sie heilte ja schließlich, und zudem ruhte ihr Kopf im Schoße einer gewissen, zierlichen Blondine.
Ymir hatte auf dem Ziegeldach gelegen, alle Viere von sich gestreckt, als Historia aus dem leeren Blau des Himmels herbei gesegelt und besorgt auf sie herabgeschaut hatte.
„Ymir!"
Sie hatte gegrinst. „Alles gut." Dabei war ihr ein dickes Wölkchen Dampf aus dem Mund entwichen, ein Nebenprodukt des Heilvorgangs, der irgendwo in ihrem Inneren stattfand. Für Historia schien es gleichbedeutend zu sein mit dem Spucken von Blut, denn sie war kreidebleich geworden. Nur etwas später hatte sie Ymirs Kopf dann auf ihren Schoß gebettet.
Ymir schaute lächelnd zu ihr auf. Ja, so konnte der Tag enden. Das hatte sie sich redlich verdient. Eine tüchtige Soldatin im Dienste der Menschheit war sie heute gewesen. Hatte ihren Körper regelrecht aufgeopfert für die ehrenwerte Sache. Dafür würde sie mehr verlangen als den üblichen Sold. Vielleicht wäre ein Topf voll Gold angemessen, oder besser noch, sie würde verlangen, dass man Historia in Gold aufwog. Das dürfte verschmerzbar für alle sein – sie verlangte ja nicht, dass man Reiner aufs andere Ende der Waage setzte. Obwohl ich das vielleicht tun sollte … sofern wir ihn heute noch fangen. Immerhin habe ich entscheidenden Beitrag geleistet.
Die Vorstellung brachte sie zum Lachen. Und dann zum schmerzerfüllten Knurren, denn ihr Zwerchfell bewegte ein paar Dinge in ihrem Unterleib, denen noch nicht wieder zum Lachen zumute war.
„Halt still", verlangte Historia in tödlichem Ernst. „Muss ich dich erst fesseln?"
Das war auch witzig. Ymir aber schluckte das Lachen herunter, grinste stattdessen süffisant. „Jawohl, Liebste." Verfolgte, wie die andere rot wurde. Ihre Wangen erglühten. Ymir hob die Hand, streckte sich, legte sie auf Historias Schulter ab. Ließ sie in den Nacken gleiten. „Weißt du, es gibt da so Legenden von blonden Schönheiten, welche die Seelen gefallener Krieger vom Schlachtfeld aufsammeln, über eine Regenbogenbrücke und so weiter …"
Dann war da leider das Klappern von Haken und das dumpfe Aufsetzen von Soldatenstiefeln. Kurz darauf erschien Abteilungsleiterin Hanji in Ymirs Sichtfeld.
„Du lebst noch! Ausgezeichnet!"
„Gleichfalls", erwiderte Ymir matt, mit einem pikierten Zug um die Mundwinkel. „Willkommen am westlichen Tor, Frau Abteilungsleiterin."
„Ich sehe es wohl." Hanji schaute sich um. Ymir musste sich nicht aufsetzen, um zu wissen, worauf der Blick der Abteilungsleiterin nun ruhte. Auf der Zerstörung ringsum. Auf dem Tor, das versiegelt worden war, und vor dem Eren in seiner Titanenform stand und wie ein Irrer auf die kristallinen Flächen einschlug. Er hämmerte und hämmerte, schnaubte und keuchte, und dann hämmerte er wieder. Schlug sich die Fäuste zu Knochenbrei. Vermutlich saß Mikasa noch immer auf seiner Schulter, war bei ihrer Ankunft direkt dorthin geflogen und hatte sich dort oben verankert.
„Das Tor", sagte Hanji schließlich, „Was ist passiert?"
„Die Polizei-Ratten von nebenan", entgegnete Ymir, „haben es zunächst mal einfach zugelassen, sodass alles davor festsaß. Dann hat sich Reiner dagegen gelehnt und ordentlich einen abgeseilt."
Hanjis Augenbrauen hüpften förmlich über die gesamte Stirn nach oben, bis zum Haaransatz hinauf. „Oh-HOOO?"
„Nein, nicht direkt so."
„Oh."
Ymir schilderte das Geschehen etwas weniger überzogen, etwas bodenständiger.
„Er hat es also wirklich versiegeln können, indem er die Substanz, aus der er seine Rüstung schafft, wie Kerzenwachs fließen ließ?", fasste Hanji schließlich zusammen. „Beeindruckend, wirklich! Es wirft ein deutlicheres Licht auf die Härtner-Technik, ganz ohne Zweifel! - Wo ist er jetzt?"
„Weg", erwiderte Ymir. „Irgendwohin. Mir egal."
Hanji zog eine Grimasse, nickte dann und marschierte zu dem Hauptgefreiten Levi hinüber, der auf einem Schornstein hockte wie ein Eremit auf einem Berggipfel. Seine Miene war dazu geschaffen, Milch sauer zu machen.
„Mit den geistlosen Titanen haben wir aufgeräumt", verkündete Hanji ihm. „Und stell dir vor, wir hatten sogar die Hilfe des Weiblichen Titanen."
„Nicht zu überhören gewesen", erwiderte Levi frostig. „Und, wo ist das Gör nun?"
„Gleich hinter uns!"
Ymir gab unterdessen einen Seufzer von sich. „Wo war ich gerade, Schatz?", säuselte sie.
Historias Wangen waren noch immer gerötet. Sie blickte verunsichert drein, suchte wohl nach Ironie in den völlig ernst gemeinten Worten Ymirs. Die Wandlerin schnaubte verdrossen. Selbst Historia hatte den Bogen noch nicht völlig raus, was Ymirs ganz speziellen Sinn für Ironie und Humor anging.
„Jeden Moment", kam es von Hanji, „kommt sie ums Eck. Gleich muss sie da sein."
„Ich hatte Sorge um dich", sagte Historia nun, ihre Unsicherheit überspielend. „Keiner wußte, wo du warst."
„Beschissene Geheimhaltung eben."
„Wo ist sie nur? Wo ist sie?!"
„Erstklassig, Vierauge. Ganz erstklassig."
„Moblit!"
„Ich weiß es auch nicht, Frau Abteilungsleiterin!"
Und dann, dann explodierte wieder irgendwas. In weiter Ferne erklang Donner, und eine Dampfwolke stieg gen Himmel.
Ymir wünschte, der Tag würde endlich enden.
In der Tiefe unter Stohess fühlte sich Armin seltsam abgeschottet von all dem, was an der Oberfläche vor sich ging, viele Meter über ihm. Was ihn erreichte, waren einzig Nachrichten von Soldaten, die durch die Gänge hasteten, und der schreitende Lärm von riesenhaften Füßen. Und die Schreie, die Schreie hallten durch die Unterstadt. Von Menschen, von Flüchtenden, aber auch von Titanen. Einige dieser Schreie kamen ihm bekannt vor.
Wie im Wald der Baumriesen. Nein, schlimmer. Diese Feindbegegnung war bereits verheerender als die 57. Expedition, selbst wenn sie hier und jetzt endete, mit nichts Geringerem als einem Sieg. Erwin Smith musste gewusst haben, dass die Rechnung derartig blutig ausfallen musste. Trotzdem hatte er die Monster gerufen, mit denen sie nun fertig werden mussten.
Wo der Kommandant inzwischen wohl war? Wie schlugen sich seine Kameraden? Armin fürchtete die Antwort, aber mochte das Nichtwissen auch nicht. Er wäre gern bei ihnen, doch stattdessen saß er auf einem Klappstuhl, mit gekreuzten Armen vor einer Zelle, in der Pastor Nick und seine zwei Leibwächter einen Gebetskreis abhielten. Der Pastor stand, seine Gefährten knieten und hielten seine segnend ausgestreckten Hände. Sie murmelten halblaute Sprechgesänge, Preisungen an die Göttinnen und Bitten um Gnade und Vergebung im Himmelreich. Seitdem oben der Chor der Titanenschreie ausgebrochen war, schwang in ihrem Gemurmel der Unterton der Panik mit.
Bislang hatte der Pastor eisern geschwiegen. Vermutungen waren laut geworden, dass nur Folter seine Zunge lockern würde, doch der Kommandant hatte abgelehnt. Folter war nicht das Beste aller Mittel. Insbesondere nicht bei einem Mann wie Pastor Nick. Erwin Smith hatte dies verstanden. „Der richtige Zeitpunkt", hatte er gesagt, „wird entscheidend sein."
Und dieser Zeitpunkt, so hatte er weiter ausgeführt, würde einer sein, zu dem Hanji an anderer Stelle gebraucht werden würde. „Er fürchtet die Hölle", hatte Erwin gesagt, „Darum betet er. Und wenn die Hölle losbricht, wird er sprechen."
Darum war Armin hier. Zunächst hatte Moblit die Wache sein sollen, der das kostbare Wissen auffing. Doch Hanji hatte sich dagegen ausgesprochen.
„Moblit brauche ich bei mir", hatte sie erklärt. „Aber ich hätte jemand anderen im Auge."
Und so war Armin in diese Sache hinein geschliddert. Hanji war an ihn heran getreten. „Du bist ein heller Kopf, Armin. Und diesen Kopf brauchen wir nun."
„Aber wozu?"
„Nun, du hast doch Fantasie? Immerhin warst du unter den gemeinen Soldaten einer der Ersten, der überhaupt daran dachte, dass es mehr Wandler wie Eren geben mochte. Du hast auch eine erstklassige Beobachtungsgabe. Wer fähig ist, ein Manövergerät anhand seiner Kratzer und Macken wiederzuerkennen, ist einfach ein toller Schnüffler. Und einen tollen Schnüffler können wir brauchen, um das Nützliche aus dem Geschwafel zu sieben, das unser ehrenwerter Pastor Nick von sich geben mag."
„Ich soll ihn verhören?" Der Gedanke war absurd, auch für Armin selbst. Er war klein geraten und kein bisschen einschüchternd, hatte schmale Schultern und ein glockenhelles Stimmchen. Er wirkte harmlos, nicht ernst zu nehmen.
„Nein, du sollst zuhören", hatte Hanji geduldig erläutert. „Reden wird er von allein. Du hörst zu und bringst mir das Wissen, das uns nützlich sein wird."
„Wie soll ich erkennen, was nützlich ist und was nicht?"
„Da verlasse ich mich ganz auf dich", hatte Hanji erwidert und so vertraulich gelächelt, dass Armin ganz schlecht geworden war, ganz schwindlig vor Verantwortung, die ihm so plötzlich auf die Schultern gelegt worden war. „Immerhin bist du nicht nur der Kerl, dessen bester Freund ein Titan ist und der von einem Weiteren verschont wurde, während andere Soldaten gnadenlos niedergetrampelt wurden. Nein, dich haben wir auch über die ganze Strecke, von Utgard bis Stohess, zusammen mit Annie aufs gleiche Pferd gesetzt. Da habt ihr doch sicherlich viel geredet, nicht wahr?"
„Vielleicht ein wenig ..."
„Na na. Nicht abwiegeln." Hanjis Augen hatten unheilvoll geleuchtet. „Gestehe, Armin. Du weißt inzwischen doch sicherlich mehr über die Titanen und das Drumherum als ich selbst."
Armin war nicht der gleichen Meinung gewesen, doch Hanji hatte keinen Widerspruch geduldet.
„Du bist mein Spürhund, Armin. Also hör auf, den Schwanz einzuziehen, und reck dein Näschen in den Wind."
Also saß Armin vor der Zelle des Pastors. Er lauschte der kleinen Predigt, horchte auf die trommelnden Schritte riesiger Füße mehrere Meter über ihm. Und stand plötzlich auf.
Die Gefangenen bemerkten die Bewegung. Pastor Nick stockte in seinem Gebet. Wachsam verfolgte er, wie Armin an die Gitterstäbe heran trat. Sich dagegen lehnte und hinein schaute.
„Nun, Junge?", fragte der Pastor. „Wirst du uns endlich hier herauslassen?"
Armin schüttelte stumm den Kopf.
„Möchtest du dich unserem Gebet anschließen?"
Erneutes Kopfschütteln. „Bedaure. Ich bin nicht gläubig."
„Bedauerlich." Der Pastor schaffte es, offen und ehrlich dabei zu klingen. Er wollte sich wieder seinen beiden Anhängern widmen, die sich während des kurzen Gesprächs nicht erhoben hatten. Einer der beiden massierte sich verstohlen die Oberschenkel.
„Aber", erhob Armin die Stimme, „mein Großvater war es. Er glaubte an die Göttin Maria, und er betete jeden Abend. Als ich noch jünger war, betete ich mit ihm, weil es ihm eine Freude machte."
„Dann seie er gesegnet", sagte Nick nach einem Moment misstrauischen Schweigens. „Seine Seele ist bereits im Himmelreich, nehme ich an?"
Darauf ging Armin nicht ein. „Mein Großvater … wäre er nun hier, dort oben bei Eurer Gemeinde, Herr Pastor, dann wäre er in diesem Moment sicherlich in heller Panik."
Nicks Augen verengten sich ein wenig. „Furcht ist eine Prüfung auf den Glauben, mein Sohn. Wir alle müssen uns dieser Prüfung stellen, und meine Gemeinde wird dieser Aufgabe gewachsen sein."
„Vielleicht", versetzte Armin leise, behutsam. „Doch was, wenn nicht? Sind Gläubige nicht wie eine Herde von Schafen, und der Schäfer, der seid ihr?"
„Wovon redest du, Junge?"
„Schafe sind furchtsame Wesen, wenn sie keinen Beschützer haben", fuhr Armin mit sanfter Stimme fort, „Sie verirren sich in den Wäldern, wo die Wölfe leben. Was, wenn sich Eure Schäfchen in diesem Moment verirren, Herr Pastor?"
Der Pastor schaute, runzelte die Stirn und schwieg schmallippig.
Armin legte bedachtsam nach. Ließ die Sanftheit verschwinden. „Glaube ist leicht in der schönen Zeit. Doch man muss auch glauben, wenn das Ende naht. Wer diesen Test nicht besteht, gelangt auch nicht ins Himmelreich, habe ich nicht recht? Und Eure Aufgabe, Herr Pastor, ist doch nicht damit erfüllt, dass ihr Eure Schäfchen bloß im Sonnenschein über die Weide führt? Nein, Ihr habt sie auch dann zu behüten, wenn Sturm und Gewitter übers Land fegen, oder etwa nicht?"
Die Augen des Pastors weiteten sich wieder. Steifbeinig schritt er zwischen seinen beiden Gläubigen hindurch und zur Zellentür hin. Er beugte sich vor, um mit Armin auf Augenhöhe zu kommen.
„Junge. Was verstehst du schon vom Glauben?"
Armin hielt dem Blick stand. „Ich verstehe, dass er erschüttert werden kann. Der Glaube meines Großvaters zum Beispiel, er zerbrach. Als die Titanen nach Shiganshina kamen, da verlor er den Glauben, da verfehlte er die Prüfung, denn kein Pastor war da, um ihn zu bestärken im Vertrauen auf die Göttinnen. Er sah sie durchschlagen, die Mauer, und er verlor seinen Glauben, also verlor seine Seele auch ihre Reise in den Himmel."
Einer der Leibwächter des Pastors fuhr plötzlich auf. „Hören Sie ihm nicht zu, Eure Exzellenz! Er ist nur ein Versucher. Er will Euch zweifeln lassen. Er ist Eure Prüfung!"
„Ich", schoss Armin sofort zurück, „bin der Enkel eines Mannes, der sein Leben lang fromm war, doch im letzten Moment keine Unterstützung durch einen Priester hatte und so in die Hölle fuhr!"
Armin log. Sein Großvater war nie gläubig gewesen, und er war auch nicht in Shiganshina gestorben, sondern erst später, als Soldat in der großen Befreiungsarmee. Und in diesem Moment wäre er nicht stolz auf seinen Enkel, doch gesagt werden musste es trotzdem. Armin brauchte das Wissen.
„Seid Ihr so überzeugt von Eurer Gemeinde, Herr Pastor?" Armins Stimme war seidig weich. „Seid Ihr so überzeugt, dass sie in diesem Moment, in dem Mauer Sina durchbrochen ist, keine Unterstützung braucht?"
Die Hände des Pastors griffen durch die Gitter. Starke Finger packten Armins Kragen und zerrten ihn mit heftigem Ruck so dicht an die Tür, dass er sich den Kopf stieß. Durch den dumpfen Schleier aus Schmerz, der sich um seinen Kopf zu legen schien, drang die Stimme des Geistlichen.
„Junge!", herrschte er ihn an, „Du hast eine Teufelszunge. Ich sollte sie dir herausreißen und in Weihwasser einlegen, um das Böse daraus zu verbannen. Doch … Ich werde dreimal drei Messen für die Seele deines Großvaters lesen, wenn du mich nun hier herauslässt!"
Armin blinzelte. Gab sich Mühe, den Schleier zu vertreiben. „Dafür müsst Ihr sagen, was Ihr wisst, Herr Pastor", brachte er mühsam hervor. Spürte, wie die Finger an seinem Kragen kraftlos wurden, schließlich losließen.
„Ich kann nicht sprechen." Pastor Nicks Stimme schien plötzlich hohl. „Diese Sache, sie ist zu groß für mich allein. Für mich wie auch für meine Brüder im Glauben wäre es frevlerisch, auch nur ein Wort darüber zu verlieren. Die Kirche der Mauern folgt nur dem großen, mächtigen Willen."
„Wessen mächtigem Willen? Dem der Göttinnen?"
„Auch darüber kann ich bereits nichts mehr sagen. Doch … kann ich dir den Namen einer Person nennen, die es vielleicht kann."
Je länger die Schlacht, umso schlechter seine Stimmung. Dabei hatte er einen kurzen Moment lang sogar den Sieg riechen können. Von der östlichen Mauerkrone aus hatte Zeke zugesehen, wie Reiner zwar seinen ersten Auftrag erfüllte und sogar Eren auf das Spielfeld lockte, dann aber Piecks Unterstützung brauchte und trotz dessen zurückgeschlagen wurde.
Schade, Reiner. Ein ruhmreicher Erfolg wäre es geworden. Ein Erfolg, den der Junge bitter nötig hatte. Er war ein unglaublich grüblerischer Kerl geworden, für den das Glas stets halb leer war. Dabei war er doch einst ein so lebensfroher, kleiner Knirps gewesen. Der schwächste Welpe im Wurf, aber den hatte man ja bekanntlich stets am liebsten.
Einst war Zeke der Jüngste gewesen. Nun war er der Älteste. So war es dem Tier-Titan bestimmt. Vom Maskottchen zum Veteranen. Vom Neuen zum Alten. Denn die Dienstzeit des Tier-Titanen endete nun schon seit Generationen zwei Jahre vor der der übrigen Titanen. Zeke hatte die frühere Generation noch als echte, erfahrene Wandler erlebt. Und dann zuschauen müssen, wie sie abtraten, ihre Titanen abgaben. Der letzte Gang, den hatten seine Kameraden ohne ihn angetreten. Sie waren hinter der massiven Stahltür verschwunden, hinter der die Übergabe vollzogen wurde, und herausgekommen war eine Gruppe verängstigt und unsicher dreinschauender Kinder. Von da an war Zeke der Anführer gewesen. Oder besser, er hätte es sein sollen. Doch das Militär hatte ihm seine Untergebenen genommen, indem es vier der Kinder nach Paradis schickte. Und für fünf lange Jahre hatte niemand mehr etwas von ihnen gehört.
Zeke hatte sich darauf gefreut, sie wiederzusehen. Hatte den Moment herbeigesehnt, in dem er wieder ihr Anführer sein konnte. Nicht nur der Vorgesetzte von Pieck, sondern der Kommandant einer Streitmacht, die unaufhaltsam wäre auf der ganzen Welt. Doch nun sah er seine glorreiche Zeit wieder wie Sand zwischen den Fingern zerrinnen. Denn hier auf Paradis war alles anders gekommen als gedacht. Marcel war tot, Annie abtrünnig, Reiner schwach im Kopf, Berthold weich im Herzen und der Feind so zäh wie Leder.
Zeke zwang sich selbst zur Ruhe. Ein kühler Kopf war der Schlüssel zu einem zwanglosen Sieg, auch wenn diese Art von Sieg nun gar nicht mehr möglich war. Reiner und Pieck waren schließlich abgedrängt worden, und die geistlosen Titanen waren vernichtet. Um die beiden Wandler sorgte Zeke sich nicht, auch wenn die Entfernung selbst für seine scharfen Augen zu groß war, um Einzelheiten zu erkennen. Nein, sie waren sicherlich nicht tot. Er hatte Vertrauen in Pieck, in sein treues Eselchen. Sie hatte einen klugen Kopf und wußte stets, sich zu helfen.
Ärgerlicher war der Verlust der Geistlosen. Sie zu ersetzen, war in diesem Moment so gut wie unmöglich. Pieck hatte inzwischen eine andere Aufgabe, und Zeke trug zwar mehreren Dosen des Titanen-Serums bei sich, doch er konnte nun schlecht losziehen und die Menschen einzeln verwandeln. Er musste wohl oder übel auf seine Bauern verzichten.
Immerhin hatte er die 30-Meter-Titanen noch. Sie hatten inzwischen rund ein Drittel von Stohess zerstört und schritten unermüdlich weiter aus. Eine Mauer aus Fleisch, unaufhaltsam wie ein Gletscher. Und Berthold war auch noch im Spiel, auch wenn Zeke nur wenig auf ihn gab.
Ehe sie nach Stohess aufgebrochen waren, hatte Berthold ihn angefleht, eine eigene Aufgabe übernehmen zu dürfen. Zeke hatte zugestimmt.
„Sobald du zu Beginn des Ganzen die Mauer gesäubert hast, kannst du tun, was du magst." Allerdings hatte er ihm Bedingungen auferlegt. So durfte Berthold sich nicht vollständig wandeln. Der Koloss-Titan war viel zu zerstörerisch, wenn er in ganzer Pracht erschien. Zeke wollte kein Inferno, sondern einen Jagdgrund. Ein Spielfeld, auf dem er den Gründer-Titan jagen konnte, und dabei konnte er kein Inferno gebrauchen, das die Stadt verschlang und den Mauerteufeln jeden Grund nahm, hier zu bleiben und sich zum Kampf zu stellen. Nein, die Zerstörung von Stohess musste langsam vonstatten gehen. Die Mauerteufel mussten einen Hauch von Hoffnung riechen können. Andernfalls verkrochen sie sich nur wieder, und all dies würde nur umso länger dauern.
Und bislang ging dieser Plan auch auf. Die scharfen Augen des Tier-Titanen richteten sich auf die dahinhuschenden Gestalten, die als grüne Schemen durch die Straßen flitzten. Beim ersten Mal hatte er noch völlig freie Sicht auf sie gehabt. Auf diese Truppen aber konnte er nur einen Blick werfen, indem er zwischen den 30-Meter-Titanen hindurch spähte. Der Blickwinkel war einfach nicht mehr gut. Doch die Reichweite stimmte noch immer. Zeke war zuversichtlich, dass er seine Arbeiter-Titanen auch über diese große Entfernung hinweg verteidigen konnte. Letztlich war es doch noch immer das Gleiche: Die Mauerteufel mussten die Nacken attackieren, und dabei würden sie sich entblößen. Ein Hagelschauer scharfer Steinsplitter würde sie vom Himmel fegen.
Zeke hielt bereits wieder je drei steinerne Kugeln in den riesigen Pranken. Er drückte sie zusammen, mit genau bemessener Kraft, und ein scharfes Knacken ertönte, als sie zu grausig spitzen Geschossen wurden. Zeke Jäger war bereit. Der Feind sollte ruhig kommen.
Doch eine kleine Explosion weiter hinten lenkte ihn ab: Eine Dampfwolke jagte dort drüben am Fluss in die Höhe. Dieses Geschehen war weit genug entfernt, um im guten Blickwinkel zu sein; er konnte ungehindert hinschauen. Und was er sah, gefiel ihm nur mäßig. Der ausgestreckte Arm des Koloss-Titanen war erschienen. Offenbar kämpfte Berthold, und dies wiederum bedeutete, dass die Diplomatie gescheitert war.
Annie widersetzte sich also. Dabei hatte Zeke gnädig sein wollen. Er hätte sie vor Marleys Militär-Führung verteidigt, wenn sie nun zu ihm zurückgekehrt wäre. Ja, er hätte sich für sie eingesetzt. Am Ende hätte andernfalls noch irgendwer behauptet, Zeke würde einen Groll gegen Annie hegen, wegen deren Vorgänger. Mit Erik, dem letzten Besitzer des Weiblichen Titanen, war Zeke niemals richtig warm geworden. Man mochte sogar sagen, sie hatten einander nicht aufs Fell schauen können.
Berthold verlor. Zeke verfolgte es. Er sah es deutlich genug. Er sah, wie Annie zur Mauer stürmte, etwas aus der Luft fing … und dann verschlang. Und sie hatte sogar den Nerv, dabei in seine Richtung zu blicken!
Mit der linken Hand drückte Zeke etwas zu fest. Die Wurfsplitter zermahlten zu Bröckchen und Steinmehl. Grollend warf er den nutzlosen Schutt beiseite. Dann richtete er den Blick auf zwei Arbeiter-Titanen, die weit rechts in der Reihe marschierten.
„Ihr Zwei", rief er, „Eine Aufgabe für euch! Holt euch das Gör, schlagt es nieder und bringt mir das Mädchen, das in ihrem Nacken sitzt!"
Die Angesprochenen hielten sogleich in ihren Hämmerschwüngen inne. Zeke hatte gar nicht so genau ausführen müssen, wen er eigentlich gemeint hatte. Sein Wille ging über seine Stimme auf die geistlosen Titanen über, und sie wußten sogleich, was zu tun war. Sie stürmten los, machten sich zielstrebig auf den Weg.
„Ihr Übrigen, schließt die Lücke! Rückt mal ein bisschen auf!"
Die Arbeiter-Titanen, die weiterhin Gebäude zerstören sollten, taten wie geheißen. Die ganze Reihe verschob sich ein klein wenig in Richtung der Lücke, und schon ging es weiter. Die Monster bewegten sich in vollendeter Disziplin, ohne Trödelei oder Widerworte.
So, dachte Zeke, muss es früher auf jedem Schlachtfeld gewesen sein. Damals, zur Zeit des Alten Eldia. Vermutlich hatte jeder einzelne Wandler königliches Blut gehabt, und sie alle hatten geistlose Titanen befehligt wie monströse Fußsoldaten. Was für eine glorreiche Zeit.
Kurz darauf waren die Mauerteufel wieder im Fokus seiner Aufmerksamkeit: Sie huschten vor der Linie der Titanen nach links und rechts, hatten sich in zwei Ströme aufgeteilt und eilten nach Nord und Süd, der Mauer entgegen. Unter den wachsamen Blicken des Tier-Titanen erklimmten sie die Mauer und versammelten sich auf der Krone. Es waren wohl jeweils fünfzig Mann, eine Gruppe im Süden und eine im Norden.
Wollt ihr die Höhe nutzen und euch von dort oben auf meine Titanen stürzen? Zeke lächelte ein wenig. Mutig. Aber letztlich sinnlos. Es spielte keine Rolle, aus welchem Winkel sich die Soldaten in den grünen Umhängen auf die Arbeiter-Titanen stürzten. Ihr Ziel war noch der Nacken, und ihr Ende wäre das Gleiche.
Sie taten es wirklich. Zeke hörte einen gebrüllten Befehl von der Nord-Truppe, dann von der Süd-Truppe, und beide warfen sich die Mauer hinab, in halsbrecherischem Tempo auf die Titanen herunter. Die Bewegung war strömend, fließend. Elegant.
Zeke warf. Er schoss sie runter. Erst mit breiten Salven, deren Splitter sich auffächerten wir Schrot aus einer Vogelflinte. Er verteilte seine Würfe auf Nord und Süd, immer im Wechsel, und der Hagel kam. Es spielte keine Rolle, dass auch die Köpfe einiger Titanen im Schussfeld lagen. Für die Titanen waren die Treffer nur Nadelstiche. Für die Menschen kamen sie Kanonenschlägen gleich. Fleisch und Knochen zerreißend. Kampfgebrüll wurde zu Schmerzensschreien, die ab und an einfach abrissen.
Wie schade, dachte Zeke bei sich, Offenbar reicht auch großer Mut nicht, wenn man überlegener Feuerkraft gegenüber steht. Er fragte sich, ob vielleicht auch der Kommandant der Kundschafter unter den Opfern war. Reiner und Berthold hatten ehrfürchtig von ihm gesprochen und behauptet, dass er sich nicht nur hinter seinen Männern versteckte.
Dann kam das Zischen. Zeke horchte auf. Das Zischen von Gas, das Flattern von Umhängen. Es kam von unten, und von hinten.
Der Tier-Titan wandte den Kopf gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie ein halbes Dutzend Mauerteufel hinter ihm in die Höhe stieg – sie waren an der Außenseite der Mauer entlang geflogen und hatten sich in seinen Rücken geschlichen!
Eine Stimme erklang. Eine Stimme wie ein Speer. Die Stimme eines Kommandanten. „Angriff!"
Sie fuhren auf ihn los, und Zeke schnappte zu. Er fing einen Mann in der Hand und zerdrückte ihn, doch die restlichen Fünf kurvten um seine Pranke herum und stießen weiter auf ihn nieder.
Es war das erste Mal für Zeke im Schatten dieser Freiheitsflügel. Diese Geschwindigkeit, diese Bewegungen, sie waren etwas gänzlich anderes als das, was Reiner und Berthold in den kurzen Vorführungen zuwege gebracht hatten. In diesen Manövern, vom Himmel herabschießend, lag Schärfe.
Zeke fasste nochmals zu, umschloss einen weiteren Soldaten mit den langgliedrigen Fingern, doch der Mann schlitzte und wirbelte und schleuderte seine Klingen durch die Zwischenräume. Ein Schwert schwirrte an dem Ohr des Tier-Titanen vorbei, das andere fuhr in seinen Augapfel! Zeke brüllte auf, mehr aus Ärger als aus Schmerz. Im nächsten Moment schoss eine Frau dicht an seinem Gesicht vorbei, und die ausgestreckten Klingen fraßen sich in das andere Auge.
Es wurde erst blutig, dann dunkel. Zeke war noch immer verblüfft, überrascht. Er wich zurück, instinktiv. Bis an den Rand, den Innenrand der Mauer, und dies war ein Fehler, denn plötzlich wurden die Innenseiten seiner Kniescheiben getroffen, und als die Sehnen von scharfen Schneiden durchtrennt wurden, taumelte der riesige Körper, kippte und fiel.
Zeke stürzte, ungläubig. Fünfzig Meter weit ging es runter, in freiem Fall, und in blinder Schwärze noch dazu. Er schlug auf, schwer wie ein Berg, und ohne sich abfedern zu können, brach er sich noch etliche Knochen. Sein menschlicher Körper biss die Zähne derartig fest aufeinander, dass sie splitterten.
Für lange Sekunden lauschte er nur der dröhnenden Stille. War allein mit sich und der Erschütterung, von der Mauer gestürzt zu sein. Der Affe ist von seinem Baum gefallen, ging es ihm durch den Kopf, und fast hätte er gelacht. Doch dann war da keine Stille mehr.
Um ihn herum ein Zischen, als wäre er mitten in eine Schlangengrube gesprungen. Schreie. Haken schossen aus jeder nur erdenklichen Richtung herbei und fraßen sich in seinen Körper, in Arme und Beine und Bauch und Brust und Hals und Kopf.
„Er ist unten! Er ist hier!"
„Jetzt lasst ihn bluten!"
„Angriff!"
Zeke blieb gerade noch genug Zeit, um zu erfassen, dass er die ersten Angreifer, die frontal herangekommen waren, wohl doch nicht so gründlich vernichtet hatte wie gedacht. Nein, offenbar hatten zahlreiche Überlebende die ganze Zeit über in den Trümmern am Fuß der Mauer gelauert. Nun jagten sie auf ihn los, mit Wutgeheul und singenden Klingen. Sie schnitten durch Fell und Haut und Muskeln, und sie brüllten dabei.
Auch Zeke brüllte. Er warf sich herum, schlug mit allen Gliedmaßen um sich, ob gebrochen oder nicht, und tötete sie, wo er sie zu fassen bekam. Er schlug sie nieder und auf scharfkantige Trümmer, zerdrückte und zermalmte. Er härtete die Körperstellen, in denen er Haken spürte, und hielt die Anker fest. Dann wälzte er sich herum und zerquetschte sie mit seinem Gewicht. Und sie kamen immer noch, hörten einfach nicht auf. Auf dem Rücken liegend und aus etlichen Wunden dampfend, konzentrierte er sich auf seine zerschnittenen Augen. Er wollte wieder sehen. Er musste wieder sehen!
Irgendwo hinter ihm dröhnte ein massiger Körper, der schwer aufschlug.
Die Arbeiter-Titanen. Sie werden noch immer angegriffen.
Kalte Furcht loderte auf. Er brüllte. „WEHRT EUCH! IHR ALLE! FANGT IHRE DRÄHTE UND TÖTET SIE! TÖTET SIE A-"
Haken fuhren in seinen weit aufgerissenen Rachen, ein Stechen in Gaumen und Zunge. Ein Soldat rauschte in seinen Mund, mit heller Stimme schreiend. Zeke schloss die Kiefer, doch war der Eindringling schon hinter den Zahnreihen. Klingen im Rachen vergrabend. Die Schwerter stießen weit hindurch, eine berührte sogar seinen echten Körper und stach ihm in den Bauch.
Zeke presste mit der Zunge, bis es knackte.
Nun umschwirrten Soldaten seinen Kopf. Wieder hackten Schwerter auf seine Augen ein, und mehrere Haken verankerten sich an den Seiten seines Halses.
Sie kennen meine Schwachstelle, schoss es Zeke durch den Kopf. Sie wissen viel zu gut, wo ich bin. Er könnte seinen Nacken härten, doch sich einzuigeln würde ihm auf die Dauer nichts nützen. Nicht, wenn sie ihn einfach überall zugleich schlagen konnten und er schon längst überall zerschnitten und getroffen war.
Zeke öffnete den Nacken des Tier-Titanen, und in einem Schwall aus Dampf ließ er sich herausfallen, in die Tiefe. Er landete zwischen den Trümmern, in schweren Stiefeln und langer Hose und kurzärmeligem Hemd. Schwer atmend kniete er sich hin, nur für einen Moment. Dann hörte er schon wieder dieses unvergleichliche Zischen von Gas, und ein Soldat schwirrte im Tiefflug auf ihn zu.
Zeke warf sich dem überraschten Soldaten entgegen, hämmerte ihm die Fäuste ins Gesicht und das Knie in den Bauch. Die Energie dieser Schläge und des Tritts und der Bewegung selbst ließ Knochen bersten. Zeke prellte zurück, doch er fasste schnell wieder Fuß. Der Soldat aber stürzte, überschlug sich wie eine Marionette mit zerschnittenen Schnüren und blieb reglos liegen.
Als der nächste Soldat aus einer Staubwolke hervorkam, zu Fuß, zog Zeke eine Spritze vom Gürtel. Er nahm sie im Dolchgriff, die Spitze nach unten.
Der Soldat war über und über mit Staub bedeckt. Er sah aus wie ein Erdgeist, und seine Augen funkelten irre. Zeke wich dem Schwerthieb aus und fiel ihm entgegen, nahm den Rückhandschlag einfach hin. Das Schwert verbiss sich in seiner Seite. Er schlug dem Soldaten ins Gesicht, betäubte ihn und jagte die Spritze in seine Brust. Stieß ihn beiseite, schrie ihm einen unartikulierten Laut der Wut nach und schaute schon gar nicht mehr hin, als der Mann in einer kleinen Explosion verschwand. Dampf war überall. Ein weiterer Soldat schoss auf ihn zu, mit Gasdruck und ohne jede Verankerung. Er schlidderte einfach nur über ein glattes Stück Holzfußboden, wie auch immer dieses Ding hierher gekommen war. Zeke warf sich vorwärts, gegen die Beine. Schleuderte ihn über sich hinweg. In den Trümmern brach sich der Soldat die Knochen.
Und es kamen noch mehr. Zeke zog weitere Spritzen, stieß sie einer Frau in den Hals und einem Mann in den Arm. Beide blaffte er an, und als sie wandelten, vernebelte noch mehr Dampf die Sicht.
Er atmete schwer. Zekes Augen fuhren hinter den angebrochenen Brillengläsern umher wie die eines Tieres. Er wollte gern vorläufig untertauchen, wie es Pieck und Reiner sicherlich getan hatten. Doch dann fand ihn wieder ein Soldat, ein Mann mit auffälliger Amtskette. Zeke bleckte die Zähne, zog eine Spritze.
„Komm her."
Der Soldat nickte, sehr zu Zekes Erstaunen. Ohne Zögern stürmte der Mann los. Er holte zu einem wilden Überkopfhieb aus, mit beiden Schwertern zugleich, um Zeke mit einem Doppelschlag zu spalten, vom Scheitel bis zum Schritt.
Doch Zeke wich zurück. Die Schwerter schlitzten seine Brust bis auf das Schlüsselbein und die Rippen auf. Er stach darüber hinweg mit der Spritze zu, und der Soldat parierte mit dem rechten Arm. Zeke jagte die Spritze einfach hinein. Ein weiterer Titan für -...
Da schlug sich der Soldat den Arm ab. Mit der Klinge, die er links führte, durchtrennte er seinen eigenen Arm nahe über dem Ellenbogen. Und stieß dann vor. Stach zu. Das Schwert durchstieß Zekes Gesicht, ging durch die Nasenwurzel in den Schädel.
Er wandelte. Es ging gar nicht anders. Zeke beschwor seinen Titan zum zweiten Mal, und einen Moment später hockte er wieder als Ungeheuer zwischen den Trümmern. Nur wenige Meter entfernt lag sein alter Titanenkörper, noch im Auflösen begriffen.
Soldaten, Titanen, wimmelnde Gestalten, klein und groß. Dampf und Staub und Chaos und Blut. Um Zeke herum herrschte die Hölle, und dann erschütterte der Aufschlag eines viel massiveren Körpers den Boden. Als der Kriegsherr den Kopf drehte, erspähte er die Leiche eines Arbeiter-Titanen, und über den aufkochenden Dampf hinweg die Schemen zweier Monster der 14- und 15-Meter-Klasse. Der Größere besaß smaragdgrün funkelnde Augen.
„Er steckt bereits in seinem zweiten Leib", knurrte der Kleinere, „Die Gelegenheit ist hier. Töten wir ihn!"
Zeke fletschte die Zähne. Sollten sie es nur versuchen.
