10. Eisherbst (Tag 57 seit meiner Ankunft in Morrowind)

Geras Indaram ist wirklich ein schwieriger Kunde. Wenn er sich immer so aufführt - und aus den Gerüchten in Molag Mar ahne ich, dass dem so ist - bemitleide ich alle, die mit ihm Geschäfte machen müssen. Eine Kriegswappenträgerin namens Ervesa Romandas hatte mir den Rat gegeben, einen seiner Brüder um Hilfe zu bitten - und selbst mit deren Wort bestand er darauf, ich sollte im Duell beweisen, dass er seine Schulden wirklich bezahlen müsste. Ich habe dem selbstverständlich zugestimmt. Der Grund mag hanebüchen gewesen sein, aber eine Herausforderung ist Ehrensache - außerdem hatte ich Tuveso Beleth mein Wort gegeben, das Geld für sie zu besorgen.

Ich habe bei der Gelegenheit herausgefunden, dass Duelle hier in Morrowind etwas anders ablaufen, als in Cyrodiil (das, oder Giras hatte es einfach nur sehr eilig damit, den Kampf zu beginnen): So wie ich das bisher kannte, sucht man sich einen geeigneten Ort, Sekundanten und einigt sich auf die zu benutzenden Waffen. Hier scheint man nach der Annahme der Herausforderung einfach mit dem drauf los zuschlagen, was man hat. - Ich gebe zu, dass Giras mich mit seinem ersten Zauber ziemlich hart erwischt hat. Aber als ich erst einmal auf Schwertreichweite dran war, hatte ich ihn schnell in der Defensive - Schwertkampf ist etwas, von dem ich ohne Prahlerei sagen kann, dass ich mich bestens darauf verstehe - zu meiner Erleichterung hat er aufgegeben, nachdem er einige Hiebe eingesteckt hatte. So schwierig, wie er sich aufführte, hatte ich schon befürchtet, ich würde ihn töten müssen.

Nach dem Kampf hat er mir die 2000 Draken ohne Umschweife ausgehändigt. Ich weiß wirklich nicht, was er sich bei der ganzen Nummer gedacht hat! Wenn er das Geld nicht gehabt hätte, wäre sein Verhalten ja zumindest verständlich gewesen, aber er hatte es ja die ganze Zeit in der Tasche! Wie jemand sich auf der einen Seite als Ehrenmann geben, aber auf der anderen Seite ehrlich arbeitende Leute um ihren Lohn prellen kann, ist mir unbegreiflich!

Nun ist diese Aufgabe zumindest erledigt. Ich verbringe diese Nacht in Vivec, ehe ich morgen früh den Teleport nach Ald'ruhn nehme, um Tuveso Beleth ihr Geld zu geben. Und anschließend geht es für mich zu den Urshilaku... wo ich als möglicher Nerevarine vorstellig werden soll, ich, ein Fremdländer, der nicht einmal sicher ist, ob er selbst daran glaubt... es bedarf wohl keiner ausführlichen Erklärungen, weshalb ich fürchte, dass sie das als tödliche Beleidigung auffassen werden. Aber ich habe einen Eid als Klinge geleistet - und wenn Cosades will, dass ich mich von Aschländern aufspießen lasse, dann führt da nichts dran vorbei. Und sollte das nicht passieren... dann werde ich bald vermutlich vor den Ordinatoren auf der Flucht sein - und da Haus Redoran zum Tempel hält, werde ich allem Ansehen dort dann auch auf Wiedersehen sagen können... und das, wo ich gerade Hoffnung geschöpft hatte, ich könnte auf Vvardenfell einen Platz für mich finden. Ich hätte es besser wissen sollen. Die Klingen sind des Kaisers, und den liebt niemand hier in Morrowind - ich war hier vom ersten Tag an ein feindlicher Spion, und es ist eh nur eine Frage der Zeit, ehe ich zwischen widersprüchlichen Eiden gefangen sein werde... hat nicht irgendwer mal festgestellt, tragische Helden, die an widersprüchlichen Loyalitäten zu Grunde gehen, seien das beliebteste Motiv dunmerischer Literatur? Nun, ICH kann auf die Titelrolle verzichten... ich werde grüblerisch. Ich sollte besser drüber schlafen. Morgen sieht die Welt vielleicht schon wieder ganz anders aus.

10. Eisherbst (Nacht)

Ich hatte wieder einen dieser Träume mit der goldenen Maske. Aber dieser war anders. Diesmal sprach die Person zu mir und ich verstand jedes Wort... ja, ich könnte die Ansprache selbst jetzt, da ich wach bin, Wort für Wort wiedergeben - so sehr hat sie sich mir eingebrannt.

Er redete mich als Nerevar an und gab sich selbst als Dagoth Ur zu erkennen. Ich weiß nicht, was von beidem beunruhigender ist.

Vor allem, wie hat er von meinem vermeintlichen Status als Nerevarine erfahren? Weiß außer dem Kaiser, seinem Schreiber, Cosades und mir denn noch einer davon? Vielleicht hat er es, als er in meinen Träumen umhergeisterte, aus meinen Gedanken gelesen... oder er weiß, dass ich in der Tat der bin, für den er mich hält? Gleich was wahr ist, seine Worte gehen mir nicht aus dem Kopf und ich glaube nicht, dass ich so bald wieder einschlafen werde... also notiere ich sie hier:

"Fürst Nerevar Indoril, Hai Resdaynia [ist das nicht der traditionelle Name Morrowinds?]! Lange vergessen, neu geformt! Drei enttäuschten Euch, drei verrieten Euch! Einer, den Ihr verrietet, war dreimal treu! Fürst Voryn Dagoth, Dagoth Ur, treuer Lehnsmann, wahrer Freund, bittet Euch, zu kommen und den Roten Berg zu erklimmen! Unter dem Roten Berg, überwindet Eure Fesseln, streift die verfluchte Haut ab und säubert Morrowind von den N'wah!"

Es waren nicht bloß Worte, nein, da war so viel Überzeugung dahinter - oder Überzeugungskraft mindestens. Wie er mich... wie er Nerevar des Verrats beschuldigte und noch im gleichen Atemzug sich als mein treuer Freund bezeichnete, ich kann mich genau darauf besinnen, dass ich mich bei dieser Anklage im Traum schuldig gefühlt habe, ohne auch nur zu wissen, um welche Taten es geht, und selbst jetzt werde ich den Gedanken nicht los, ob ich zu Verrat in der Lage bin, ob ich vielleicht wirklich jemanden in einem früheren Leben verraten habe... jemanden, der jetzt einhellig als Teufel Morrwoinds bezeichnet wird und eine seltsame, traumwandelnde Anhängerschaft in allen Städten zu haben scheint...

Ich habe in den letzten zwei Monaten ja viel über die Geschichten um Nerevar, das Tribunal und die Schlacht am Roten Berg erfahren. Aber... Dagoth Ur ist der Erste, der behauptet, Nerevar habe dort jemanden verraten. Vermutlich ist das also auch nur eine weitere zurechtgebogene Wahrheit, wie vermutlich all die anderen auch - es sollte mir viel mehr zu denken geben, wie er in meine Träume eindringen kann! ...trotzdem, 'treuer Lehnsmann, wahrer Freund'...

Zumindest mangelnde Rhetorik kann man dem 'Teufel unter dem Berg' nicht anlasten!

13. Eisherbst (Tag 60)

Ich kann nicht behaupten, dass es leicht war, mit Nibani Maesa zu sprechen. Das Grab, in das mich der Ashkhan schickte, war einer der wundersamsten Orte, die ich je gesehen habe, und wahrhaft gefährlich, doch ich habe überlebt und ich habe ihm den Bogen seines Vaters präsentiert und nun habe ich also mit der Weisen Frau gesprochen.

Eines ist mir am meisten hängen geblieben: "Ihr seid nicht der Nerevarine. Ihr könnt es aber werden." und "Wollt Ihr der Nerevarine sein?"

Ich begreife nicht, wie man die Wiedergeburt eines Helden WERDEN kann, ich meine, entweder IST man eine alte Seele oder eben nicht, oder? Vielleicht habe ich aber auch falsch verstanden, was Wiedergeburt eigentlich meint. Oder es ist metaphorisch gemeint und wer auch immer Nerevars Seele trägt, kann erst dann der Nerevarine sein, wenn er sich entscheidet, sich auch so zu verhalten? Sehr schwierig, sehr verwirrend. Ich weiß schon, warum ich kein Philosoph geworden bin. Aber das ändert nichts daran, dass dies alles mich betrifft... betreffen könnte. Ich habe Nibani Maesa auch von meinen Träumen berichtet. Sie nannte Dagoth Urs Worte eine 'sehr gute Lüge' - und wenn sie denn gelogen sind, dann kann ich dem nur zustimmen...

Es bleibt die Frage, WILL ich der Nerevarine sein? Cosades wird zweifellos sagen, ich muss. Und das MACHT es zur Pflicht. Und wenn ich wirklich wiedergeboren bin, dann habe ich vielleicht sogar eine Pflicht, die noch viel älter ist - aber wie kann man schon ein Wort halten, an das man sich nicht erinnert?

Aber ich denke, ich werde diesen Weg weitergehen, ich könnte jetzt wie die Dinge stehen, auch sonst keine Ruhe mehr finden... ich frage mich, was Elvil in Suran jetzt von mir denken würde...

Ich habe mich auf dem Weg nach Maar Gan verlaufen... und diesmal sogar völlig ohne Aschsturm. Ich bin auf eine dieser alten Dunmer-Festungen gestoßen... der Inschrift nach Falasmaryon (ich werde langsam besser im Entziffern daedrischer Schrift). Ich hatte schon erwartet, dass auch diese Festung von irgendwelchen Tunichtguten besetzt sein würde...

doch was ich hier bisher gefunden habe, ist abartiger und gruseliger als ich mir hätte träumen lassen. Ich sitze gerade in einer leeren Halle und versuche, mich wieder ein wenig zu sammeln. Der ganze Ort wispert, wie von den Stimmen der Geister, doch was mir hier begegnet ist, sind nicht die wandelnden Toten, sondern irgendetwas... Anderes. Wesen, die aussehen wie Dunmer - aber mit Löchern, wo ihre Gesichter sein sollten oder seltsamen Rüsseln. Ich weiß es nicht - sind das fremdartige Wesen aus dem Reich des Vergessens? Oder durch Magie entstellte Leute...? Eines der Geschöpfe trug Insignien bei sich, die es als Mitglied des Sechsten Hauses auswiesen - und das lässt mich zu letzterer Annahme tendieren - auch wenn ich den Gedanken WIRKLICH nicht weiter verfolgen möchte... selbst die entstellten Opfer der Pest ekeln mich nicht halb so sehr. Und von den Dingen, die ich durch eine der Türen in dieser Festung erspäht habe, möchte ich gar nicht erst reden... es war einer dieser Dagoth-Schreine, wie ich sie in Vivec und in Hanarais Haus in Ald'ruhn schon gesehen habe... aber größer... und die MONSTER, die dort herumlauerten...

Doch in einem Raum habe ich auch die Leiche eines anderen Kriegers gefunden. Zweifellos einer der hier hausenden Bestien zum Opfer gefallen. Im Gegensatz zu vielen anderen Leichen, die ich auf meinen Reisen gefunden habe, hatte er einen Ahnenring bei sich, der ihn als ein Mitglied der Familie Nervion identifizierte. Er muss sehr wohlhabend gewesen sein, da er Rüstung aus Vulkanglas trug. Es graust mir bei dem Gedanken, was diese Monster womöglich mit seiner Leiche anstellen werden, doch selbst wenn ich lebend hier wieder herauskomme, kann ich ihn unmöglich mitnehmen. Aber sollte ich seine Familie finden, werde ich ihnen von seinem Schicksal berichten, das ist das Mindeste, was ich tun kann.

Die Monster sind tot. Ich gehe aber nicht in die Kanalisation - ich bin völlig erschöpft. Besser, ich finde den Weg nach Mar Gaan. Was ich hier gesehen habe...

18. Eisherbst (Tag 65)

/Bei diesem Eintrag ist eine Ecke umgeknickt, wie um ihn für einen etwaigen Leser zu markieren, außerdem ist ein Brief von Dagoth Ur an den Nerevarine hier zwischen die Seiten gelegt (Anm. d. Hrsg.)/

Dies ist vermutlich einer meiner letzten Einträge. Cosades hatte mich vor dieser Mission ausdrücklich vor den wartenden Gefahren gewarnt, doch alle Vorbereitung und Vorsicht hat mir doch nichts genützt: Dagoth Gares, der 6.-Haus-Priester, den ich töten sollte, hat mich mit seinem letzten Atemzug verflucht.

Es ist etwas, das den Geist stumpft und den Körper stärkt, fast fühlt es sich an, wie eine Droge, doch kein Heiltrank nützt etwas - und nach den Dingen, die ich hier in Ilunibi gesehen habe, fürchte ich, dass es sich um die Anfänge von Corprus handelt - die, wie mir alle berichten, unheilbar ist und Monstren aus vormals stolzen und gesunden Leuten macht. Ich habe mir vorgenommen, es nicht so weit kommen zu lassen. Wenn es wirklich keine Heilung gibt, werde ich mich selbst töten, ehe mein Verstand mich gänzlich verlässt - ich habe die Opfer gesehen und selbst die meisten Prinzen im Reich des Vergessens denken sich keine solch schlimmen Schicksale für Sterbliche aus.

Ich muss alles daran setzen, Cosades meinen Bericht zu liefern, ehe die Krankheit mich übermannt - das war's wohl mit einem großen Schicksal...

Doch für den Fall, dass ich es nicht mehr nach Balmora schaffe, schreibe ich hier die Ereignisse des heutigen Tages nieder, in der Hoffnung, irgendeine treue Seele möge dieses Buch zu Caius Cosades in Balmora bringen.

Die Schmuggler-Höhle Ilunibi ist ein Gängesystem auf der Insel Khartag, nördlich von Gnaar Mok. Anscheinend hat der Ort außerdem für einige Orks eine besondere Bedeutung - jemand hat sich hier wohl auf legendäre Weise in den Tod gestürzt. Der Eingang der Höhle ist recht unwegsam, da man auf einer natürlichen Treppe aus glitschigen Steinen hinabsteigen muss. Große Teile des vorderen Abschnitts der Höhle stehen etwa brusthoch unter Wasser.

Die Gänge waren alle mit roten Kerzen ausgeleuchtet. Ich stieß auf mehrere Dremora, Atronache und einen Hunger, auf mehrere der "Träumer" des 6. Hauses, ähnlich der Mörderin in Vivec (jedoch alle nackt und nur mit Keulen bewaffnet), und auf verschiedene humanoide Kreaturen, die als entstellte Personen zu erkennen waren. Manche davon waren Corprus-Opfer, sie gingen schleppend und mit verzerrtem, leerem Blick, es war offensichtlich, dass der Tod eine Gnade für sie bedeutete. Sie schienen ohnedies bereits mehr wie Zomies denn wie Lebende. Es ist wichtig zu bemerken, dass Wunden bei ihnen übernatürlich schnell verheilen - fast wie bei den Trollen von Himmelsrand, falls Euch der Vergleich etwas sagt.

Die anderen Monstren waren:

Zombiehaft schlurfende Leute, die leicht gebückt gingen, jedoch über Zauberfertigkeiten verfügten, Geschöpfe, denen ein Teil des Gesichts fehlt, die eher schlicht in ihrem Kampfstil schienen und manchmal fast tierhaft brummten und Gestalten, deren Gesicht durch eine Art Rüssel ersetzt war, während ich es bei den anderen nicht sicher sagen kann, besitzen diese offensichtlich ein volles menschliches Maß an Vernunft. Von ihnen benutzten alle vorwiegend Magie im Kampf, da dies nicht mein Fachgebiet ist, kann ich nicht beurteilen, ob sie magisch mächtiger sind, als gewöhnliche Leute.

Dagoth Gares gehörte selbst dieser Kategorie von Geschöpfen an, erwähnte mir gegenüber, dass er aber nur ein vergleichsweise schwacher Diener Dagoth Urs sei und nannte als mächtigere Gechöpfe Aschedichter, Aschvampire und Erwachte Schläfer. Er sagte, die körperlichen Veränderungen hingen mit den Segnungen und Kräften zusammen, die Dagoth Ur seinen Dienern gewähre.

Als ich Gares begegnete, eröffnete er nicht unmittelbar den Kampf, sondern richtete mir ein Angebot von Dagoth Ur aus, ich solle mich ihm am Roten Berg unterwerfen. Anschließend beantwortete er (ich glaube zumindest, er war männlich) erstaunlich geduldig meine neugierigen und skeptischen Fragen. Es fällt auf, dass die Rhetorik Dagoth Urs und seiner Anhänger sehr überzeugend ist und sie als patriotische Kämpfer für die Freiheit Morrowinds erscheinen lässt - und große Idealisten - doch ihre Worte stehen in heftigem Gegensatz zu der Gräuel-Realität ihrer Taten.

Trotz der erstaunlichen Freundlichkeit und der Aufforderung, mich am Roten Berg Dagoth Ur anzuschließen, griff der Priester mich an, als deutlich wurde, dass unser Gespräch beendet war. Ich hatte, obwohl ich bereits verwundet war, keine Schwierigkeiten, ihn zu töten - jedoch gelang es ihm, wie erwähnt, mich zu verfluchen. Ich weiß nicht, was er damit bezweckte.

Da Corprus angeblich von Dagoth Ur geschaffen wurde, kann ich mir vorstellen, dass die Möglichkeit einer Heilung als unausgesprochenes Druckmittel zu verstehen ist, mich Dagoth Ur anzuschließen - aber nach dem, was ich gesehen habe, kann ich mit Überzeugung sagen, dass ich lieber einen grausamen Tod sterbe.

Gares hatte einen Brief von Dagoth Ur an mich - bzw. den Nerevarine (er scheint mich als solchen zu sehen) bei sich, den ich diesem Tagebuch beifüge. Er ist interessant, beunruhigend und wirft Fragen auf - dieselben, die ich auch durch die Träume schon habe. Außerdem hatte Gares ein Amulett mit den Insignien des 6. Hauses bei sich, das bei Benutzung den Träger enorm schwächt - es war bereits eingesetzt worden. Im Schrein-Raum selbst fand ich ein weiteres Amulett dieser Art. Zusammen mit der Tatsache, dass die 6.-Haus-Anhänger anderthalben Päckchen mit corprusbefallenem Flesch mit sich herumtragen, malt das ein wahrhaft verstörendes Bild. Ansonsten war in dem Schrein ein großes metallenes Glockenpiel auffällig - ein großer Hammer gehörte offenbar dazu - beides schien aber nicht magisch zu sein. Nachdem ich mich umgesehen hatte, habe ich die Höhle verlassen und diese Zeilen verfasst. Ich werde mich nun auf den schnellsten Weg nach Balmora begeben.

- gez. Madseth Llelwyn.

19. Eisherbst (Tag 66)

Ich habe das Gefühl, ich bin eines Wunders teilhaftig geworden. Als ich nach Balmora kam, sah man mir die Krankheit bereits an, aber sie war glücklicherweise noch nicht allzu weit fortgeschritten. Cosades erzählte mir, es gäbe da einen Telvanni-Zauberer, der eine Heilung für Corprus entwickle. Ehrlich gesagt hörte sich das für mich wie ein Euphemismus für 'Telvanni, der Opfer für Experimente sucht, die niemand vermissen wird und die obendrein interessant sind' an. Ich gestehe, Cosades musste gehörig auf mich einreden, ehe ich den Versuch wagte. - Auch wenn Cosades letztendlich recht behalten sollte, stehe ich dazu, dass meine Überlegung die wahrscheinliche war - schließlich hätte ich mit der Krankheit alle um mich gefährdet. - sich fern aller Zivilisation ins Schwert stürzen und jemanden bitten, die Leiche gründlich zu verbrennen WÄRE die logische Option gewesen... aber ich muss auch gestehen, dass ich nicht sonderlich zum Optimismus neige.

Wie dem auch sei, Divayth Fyr - der Telvanni-Meister, zu dem Cosades mich geschickt hat - hatte tatsächlich gerade einen neuen Trank entwickelt, mit dem er hoffte, die negativen Aspekte von Corprus zu kurieren - und dabei die Alterslosigkeit und Krankheitsimmunität zu behalten. Und um es kurz zu machen: Der Trank hat gewirkt. Divayth Fyr hat nichts als Gegenleistung verlangt, außer, dass ich den Trank unter seiner Beobachtung einnehme und mich einer gründlichen Untersuchung zur Verfügung stelle (die glücklicherweise keinen Seziertisch beinhaltete... Telvanni traue ich alles zu - und dabei bin ich erst seit zwei Monaten in Morrowind!) Der Mer wird mir niemals sympathisch werden, er hat seltsame Obszessionen, und umgibt sich mit jungen Frauen, die er anscheinend alchemisch zusammengebraut hat - aus seinem eigenen Fleisch - es hat mehr inzestuöse Tendenzen, als dass ich darüber nachdenken will. Und jeder, der einen Haufen Corprusgeschöpfe im Keller hat und sie 'faszinierend' findet, KANN mir nicht geheuer sein. Aber es bleibt Fakt: Ich schulde diesem Mer meinen Verstand, mein Leben - und ich bin nicht der Einzige, er hat der Welt einen großen Dienst erwiesen.

Ich weiß nicht, wie ich jemals wettmachen könnte, was er für mich getan hat.

Als mir klar wurde, dass ich geheilt bin - nein, sogar mehr als geheilt (D. Fyr hatte auch gesagt, der Nerevarine sei den Legenden nach gegen Krankheiten immun... kommt denn ALLES auf diese Weissagung zurück?)... - es ist ein unbeschreibliches Gefühl, als wäre mir ein zweites Leben gegeben worden (oder technisch gesehen vielleicht ein drittes...?) Ich fühle mich noch immer ganz leichtsinnig.

Gerade versuche ich, einen Spuk hier im Torbogen-Gasthaus in Sadrith Mora zu ergründen.

Oh, und was ich in all der Aufregung der letzten Tage fast vergessen hätte zu erwähnen: Divayth Fyr hat in seinem Keller einen lebenden, atmenden DWEMER - der trotz Corprus bei Verstand ist. Es ist faszinierend und der arme Mer ist fürchterlich einsam - er hat mich praktisch darum gebeten, allen Historikern von seiner Existenz zu erzählen, damit er jemanden zum Reden hat. Er ist wirklich zu bedauern, selbst wenn es ihm doch noch besser geht als den leidenden Fleischbrocken, die dort unten sonst zu treffen sind - hätte dieser Trank nicht gewirkt - nichts und niemand hätte mich dazu gebracht, mich diesem Leiden auszusetzen, statt einen schnellen Tod zu wählen. Aber das Schicksal meinte es gut mit mir - oder hat mich für noch widrigere Umstände aufgehoben. Nur die Zeit wird es zeigen.

Sadrith Mora ist wirklich eine faszinierende Stadt, auch wenn ich die Pilzhäuser insgeheim etwas albern finde - wenigstens haben die meisten nicht so eine Kopf- und Augen-verwirrende Gestaltung wie Tel Fyr (oder der Schwindel und das Augenflimmern lag auch nur am Corprus, wer weiß).

Ich nehme die Stadt erst jetzt recht wahr. Als ich gestern Nacht ankam, war ich bei Leibe nicht in der geistigen Verfassung, um meine Umgebung zu würdigen. Ich werde aber sicher nicht lange bleiben, ich fühle mich unter so vielen Magiern, die ihren eigenen, obskuren Regeln folgen, nicht so richtig wohl.

20. Eisherbst (Tag 67)

Ich glaube, ich habe eine Lösung für das Rätsel gefunden, warum der Kaiser die Nerevarinische Prophezeiung unterstützt. Es beweist, dass er sich wirklich um seine Untertanen sorgt ... oder ein Spinner ist: Cosades meinte, wenn der Kaiser stirbt, würde das Reich mit völliger Sicherheit untergehen - und der Kaiser ist alt und krank - Morrowind seinen Retter zukommen zu lassen, sieht er vielleicht als Möglichkeit, wenigstens in einer Provinz für die Zukunft zu sorgen.

Es fällt mir schwer, solche Überlegungen zu machen - aber das werde ich in Zukunft müssen! Cosades muss nach Cyrodiil zurück und hat mich als seinen Stellvertreter ernannt. Ich habe noch keine Ahnung, was ich jetzt mache - schließlich ist Cosades der, der hier so viele Kontakte hat - ich kenne sicherlich nicht einmal die Hälfte. Ich werde es wohl einfach wie sonst auch machen: Freundlich grüßen und alle Leute so lange fragen, bis mir irgendwer etwas sagt.

Außerdem hat Cosades mir einen letzten Befehl vor seiner Abreise erteilt: Ich soll von Mehra Milo die verlorenen Prophezeiungen holen. (Anscheinend hatte Cosades das schon beim letzten Mal, als ich bei ihm war, erwähnt, aber ich war da wohl nicht so aufnahmefähig... die Corprus-Sache war irgendwie wichtiger...). Anschließend soll ich die Prophezeiungen zu Nibani bringen und dann unter ihrer Führung die Prophezeiung erfüllen. (Letzteres fällt zweifellos unter die Kategorie 'leichter gesagt als getan'.)

Was mir Sorgen bereitet ist, dass die Ordinatoren Mehra Milo bereits dicht auf den Versen zu sein scheinen - zumindest haben sie und Cosades offensichtlich schon einen detaillierten Plan für den Krisenfall entwickelt. Ich hoffe, es wird nicht nötig - Leuten lästige Fragen stellen und Artefakte aus dunklen Höhlen holen ist ja eines - aber Mantel-und-Degen-Geschichten hinter dem Rücken von Ordinatoren - das ist WIRKLICH Geheimagentenarbeit, und ich bin vielleicht Kundschafter, aber ob ich DEM gewachsen bin, bleibt zu sehen.

Ich hätte nicht unken sollen! Mehra ist offensichtlich ins Ministerium der Wahrheit gesperrt worden und ich muss ihr zur Flucht verhelfen - ihr Brief war etwas umschreibend, aber für jeden verständlich. Eigentlich hätte sie sich auch klar ausdrücken können. Dass der Brief an 'Amaya' adressiert ist, ist ja das eigentliche Stichwort... aber ich schweife ab. Tatsache ist: Ich muss nun in eines der bestbewachten Gebäude (und ich benutze den Begriff großzügig, schließlich ist das Ding ein MOND) ein- und wieder ausbrechen. In ein SCHWEBENDES Gebäude wohl bemerkt - ich habe keine Ahnung, wie ich das hinkriegen soll, ohne, dass mich ganz Vivec beobachtet - und selbst wenn Mehra und ich dann entkommen würden, wäre ich in Morrowind für immer ein gesuchter Mer. Es soll ja Leute geben, für die das normal ist, aber obwohl ich schon mal im Gefängnis war, heißt das noch lange nicht, dass ich weiß (oder wissen WILL) wie man sich als Krimineller verhält. Aber die Pflicht verlangt es.

Ich habe bisher nur vage Pläne (die viel Unsichtbarkeitsmagie beinhalten).

Nein, das ist nicht ganz wahr - eigentlich habe ich gar keinen Plan, Mehra hat (hoffentlich) einen.

21. Eisherbst (Tag 68)

Ich schreibe diese Zeilen in den Räumen des Klosters Holamayan. Es ist das Hauptquartier der abtrünnigen Priester. Seit meinem letzten Eintrag ist einmal wieder sehr viel passiert. Die Befreiung Mehras ist mir mit Hilfe vieler Heimlichkeitsverzauberungen und einer großen Anzahl Dietriche geglückt. Anschließend brachte eine weitere Mitverschwörerin mich hier her, wo ich vom Abt eine Zusammenstellung von Informationen Nerevar und den Nerevarine betreffend bekommen habe. Darunter auch die geheime Version der Ereignisse am Roten Berg. Ich hatte schon einmal gehört, dass der Rote Berg ein Produkt des Einschlags von Lorkhans Herzen sei - doch anscheinend wurde es von den Dwemer in seinen Tiefen entdeckt und eine Methode entwickelt, seine göttliche Kraft zu nutzen - eine unweise Entscheidung, und das prompte Resultat war das Verschwinden der Dwemer. Nerevar und Voryn Dagoth fanden die notwendigen Artefakte und während Nerevar ging und Rat einholte, überkam Dagoth Machtgier - oder das Herz und die Artefakte übten Einfluss auf ihn aus und verführten ihn, das wird nicht so ganz klar - aber wenn man bedenkt, für was Lorkhan berühmt ist, würde mich Letzteres nicht wundern... jedenfalls gab er sich selbst mit dem Herzen große Macht und kämpfte als Nerevar mit dem Tribunal wiederkam gegen sie und wurde geschlagen. Das Tribunal nutzte dieselben Werkzeuge, um sich zu Göttern zu machen, aber erst nach Nerevars Tod und moderater als Dagoth Ur, sodass sie nicht ganz so wahnsinnig wurden. Sie scheinen sich dessen zu schämen - zumindest ist das die Deutung der abtrünnigen Priester, warum sie es geheim halten.

Mir scheint es, das ist die mindestens fünfte Version der Ereignisse am Roten Berg, die mir zu Ohren kommt. Sicherlich ist sie etwas wahrer als die anderen - sie stammt schließlich von Leuten, die dabei waren - aber bloß, dass sie geheim ist, macht sie auch nicht absolut richtig, oder? Zumindest gibt der Bericht mir einigen Kontext zu den Botschaften Dagoth Urs.

Außerdem habe ich jede Menge Nerevarine-Prophezeiungen bekommen (naja, drei, aber das fühlt sich wie eine Menge an. Ehrlich, mir ist schon EINE Prophezeiung ziemlich viel!) Wie es scheint, hatte Divayth Fyr Recht, dass der Nerevarine gegen Alter und Krankheiten immun sein soll. Ob ich wirklich nicht altere, wird sich zeigen... und ich mag über die möglichen Folgen jetzt noch nicht nachdenken, erst mal muss ich den ganzen Wahnsinn überleben, der mir bevorsteht, wenn ich herausfinden will, ob ich nun der Nerevarine bin oder nicht - und nach diesen sieben Flüchen zu urteilen sollte ich mich beeilen und beten, dass ich der Richtige bin - denn sonst hat Dagoth Ur die Kontrolle, ehe jemand etwas tun kann - und DARUM scheint es wirklich zu gehen. Vom Fremde Rausschmeißen ist in den verschollenen Prophezeiungen nichts zu lesen.

Mal wieder habe ich viel zum Nachdenken. Ich werde nun nach Vivec zurückkehren und hoffen, dass die Ordinatorin, die mich ins Ministerium reingelassen hat, Stillschweigen bewahrt hat. Geheimagent ist wirklich nichts für mich - aber für die Erkenntnis ist es jetzt auch zu spät.

23. Eisherbst (Tag 70)

Bin wieder im Urshilaku-Lager und habe mit der Weisen Frau gesprochen. Sie hieß mich die verlorenen Prophezeiungen so oft vorlesen, bis sie sie auswendig konnte. Anschließend sprach sie mit mir über die 'Sieben Prüfungen' und was sie bedeuten könnten. Eins und Zwei passen auf mich. Aber die erste ist vage. Und das Andere muss nichts heißen. Mir gehen die Zeilen der 6. Prüfung nicht aus dem Sinn: "Er ehrt das Blut des nicht betrauerten Stammes. Er isst ihre Sünde und wird wieder geboren." Nibani erklärte mir, jemandes Sünden zu essen hieße, für sie zu büßen, irgendwie machen mich diese Zeilen beklommen.

Doch Nibani sagt, sie würde erst, wenn die Monde gekommen und gegangen sind (ich habe gar nicht auf die Mondphasen geachtet, - wie lange ist das hin?) wissen, was die Prophezeiungen für mich bedeuten, da sie Zwiesprache mit den Ahnen halten muss. Ich denke, ich werde eingie Tage hier bleiben, um die Leute im Stamm besser kennenzulernen, dann werde ich Faral Retheran in Vivec Bericht erstatten und sehen, ob es dort oder in Ald'ruhn Hausangelegenheiten gibt, bei denen ich behilflich sein kann. Vielleicht frage ich sogar Athyn Sarethi, ob er mich für einen höheren Rang im Haus Redoran sponsert. Ich bin nur nicht sicher, ob mir nach höheren Rängen der Sinn steht - aber vielleicht sollte ich mich besser an größere Verantwortung gewöhnen, statt sie immer nur dann anzunehmen, wenn jemand sie mir aufdrängt.

27. Eisherbst (Tag 74)

Ich habe in Vivec einige Erledigungen für die Schatzkämmerin Faral Retheran gemacht und werde heute noch mit Zwischenhalt in Caldera nach Ald'ruhn weiterreisen. Die letzte Aufgabe hier in Vivec war übrigens, Rothis Nethan zu überzeugen, sich dem Duell mit Brethas Deras, einem Hlaalu-Aldigen zu stellen, Die Gerüchte, ein Redoran sei in Vivec nicht zu einem Duell erschienen, hatte ich schon gehört, ehe Retheran mich um die Aufgabe bat. Rothis Nethan schien sich seiner Feigheit wenigstens zu schämen und eine Erinnerung, dass nicht nur seine, sondern auch die Ehre des Hauses auf dem Spiel stünde, überzeugte ihn leicht. Ich weiß nicht, weshalb niemand sonst ihn hatte überzeugen können - vielleicht war es einfach die Beschämung, dass selbst ein Fremdländer ihn darauf anspricht... jedenfalls bat er mich, Zeuge des Duells zu sein - kurz gesagt - er hatte zumindest Grund genug, sich zu fürchten. Ich stehe dem Opportunismus, auf den die Hlaalus ja sehr offenkundig stolz sind, skeptisch gegenüber. Aber Serjo Deras kann unbestreitbar kämpfen. Nun ist Rothis Netahn tot, aber zumindest nicht in Schande gestorben. Wenn man eine Herausforderung annimmt, dann geht man auch bis zum Sieg oder zum bitteren Ende. Ich weiß im Übrigen nicht, worum es in diesem Händel ging. Aber es war auch nicht an mir, zu fragen.

Ich bin gerade in Ald'ruhn. Ich bin auf Serjo Athyn Sarethi zugegangen, um ihn um Sponsorschaft für eine Hausmitgliedschaft zu ersuchen - da ich bereits einmal für ihn gearbeitet hatte, ging ich davon aus, dass er von allen Ratsherren am ehesten geneigt sein würde, mich zu fördern.

Er eröffnete mir, sein Sohn würde von dem obersten Ratsmitglied, Serjo Bolvyn Venim, in dessen Haus gefangengehalten, wohl, um Druckmittel gegen ihn zu haben. Er bat mich, den Sohn, Varvur, zu befreien. Er erklärte mir auch, da es sich um keine legale Gefangenschaft handle, würden lediglich die persönlichen Wachen der Familie Venim sich dabei gegen mich stellen.

Ich finde es höchst bedenklich, dass selbst unter den Leuten, die sich Ehre als höchstes Gut auf die Fahne schreiben, solche Erpresser zu finden sind - doch wenigstens scheint es hier die Ausnahme, wo es andernorts die Regel ist.

Ich brauchte einige Zeit, um mir einen Plan zurechtzulegen, aber das ganze Mantel-und-Degen-Spielen in den letzten Tagen hat mich wohl gut darauf vorbereitet. Zunächst sah ich mich im Haus Venim um, unter dem Vorwand, mit Leuten zu reden und mehr über die verschiedenen noblen Familien der Stadt zu erfahren. Ich hatte Glück, denn die Wächterin, die ein Auge auf Varvurs Gefängnis haben sollte, hatte die Nachricht mit ihren Anweisungen sowie den Schlüssel zu der hinter einem Wandteppich verborgenen Zelle auf einer Bank liegen lassen, wo ich sie unbemerkt einstecken konnte. Ich schlich mich in die Zelle, wo ich Varvur fragte, wie es um seine Schleichkünste bestellt sei. Wie ich bereits erwartet hatte, war er, als Adliger und Krieger erzogen, kaum mit Heimlichkeit vertraut. Nach kurzem Überlegen lieh ich ihm schließlich den Ring der Khajiit - ohne genauere Erklärung, wo ich ihn her hatte... die Sache ist definitiv einer meiner dunkelsten Momente gewesen - sowie mein Glasschwert. Den Ring, um unbemerkt zu bleiben und das Schwert, falls Heimlichkeit scheitern sollte. Ich selbst schlich mich mit Unterstützung durch Cosades' Schleichkleidung hinaus, wobei ich einige Male nur in letzter Sekunde hinter einer Topfpflanze verschwinden konnte. Ich bin mir dabei vielleicht wie ein Dieb vorgekommen, aber dennoch froh, dass ich die Sache so ohne Blutvergießen lösen konnte. Bolvyn Venims Handlungen in dieser Sache sind verwerflich, aber sein Hausvolk handelt nur aus Loyalität, und wenn diese Sache ans Licht gebracht und für Gerechtigkeit gesorgt werden soll, dann ist ein Massaker durch einen fremden Eindringling keines Falls die richtige Methode.

Serjo Athyn Sarethi zeigte sich äußerst erleichtert, seinen Sohn wieder zu haben. Varvur selbst dankte mir ebenfalls, auch wenn er mich unverhohlen fragte, weshalb ich im Besitz von Fähigkeiten und Artefakten sei, die dem Diebeshandwerk dienlich seien. Ich beschloss, das nicht als Beleidigung aufzufassen, da ich meine Fähigkeiten ja gerade TATSÄCHLICH für einen Einbruch benutzt hatte - auch wenn ich definitiv nichts gestohlen habe (selbst den Zellenschlüssel habe ich stecken lassen). Glücklicherweise akzeptierte der junge Sarethi meine ehrliche Antwort, dass ich als Kundschafter gelernt hätte, die gefährlichen Bestien nicht aufzuscheuchen, wenn es nicht unbedingt nötig sei.

Als Dank für meine Hilfe hat Athyn Sarethi mich zum Angehörigen des Hauses Redoran ernannt.

Nach dem Mondstand zu schließen ist es an der Zeit, dass ich zu den Urshilaku zurückkehre, um hoffentlich endlich zu erfahren, ob das Schicksal eine große Vergangenheit und Zukunft für mich bereithält, oder ob ich auch nur einer vieler Hoffnungsvoller in einer immer drängenderen Zeit bin.

28. Eisherbst (Tag 75)

Nibani hat erklärt, ich solle den Weg der Sieben Prüfungen beschreiten. Da die erste (und eine seltsame Prüfung ist das - es geht wohl um Zeichen der Identität, nicht allein der Leistung, denn ein Waisenkind zu sein, ist wahrlich keine Leistung) und zweite bereits bestanden sind, muss ich mich nun der Prüfung in der Höhle der Fleisch-Gewordenen unterziehen, jedoch hält Sul-Matuul hierzu das nötige Wissen und unterzieht mich nun kriegerischen Prüfungen - er meinte, es sei diese Prüfung, die dritte, an der alle falschen Nerevarine gescheitert seien. Und dabei habe ich geglaubt, Kriegertum sei von allen am Leichtesten zu beweisen. Das Wissen um meine Vorgänger wird mich zumindest vor Leichtsinn bewahren. Und die erste Aufgabe des Häuptlings wirkt in der Tat düster und bedrohlich - und sehr, sehr symbolträchtig. Ich soll Dinge aus den Ruinen des Stammsitzes des Hauses Dagoth - Kogoruhn - holen. Darunter die Tränen eines Corprusopfers... ich habe noch immer Alpträume von meinen Erlebnissen in Ilunibi, die nichts mit Dagoths Urs Traummanipulation zu tun haben.

Und die Warnung vor 'den Lavahöhlen' unter Kogoruhn klingt auch, als werde ich mich vor dem Ende noch nach Feuerschild-Tränken sehnen.

Aber ich werde nicht zögern. Ich breche noch heute auf (allerdings hat Sul-Matuul mir geraten, den Aschsturm abzuwarten).

30. Eisherbst (Tag 77)

Meine Fähigkeiten als Krieger haben sich als ausreichend für den Kampf gegen Dagoths Diener in Kogoruhn erwiesen - offensichtlich, denn ich lebe noch. Ich glaube, ich habe auf der Suche nach diesen Artefakten die gesamte Burg durchsucht - übrigens ein sehr beeindruckendes Bauwerk, wenn zur Zeit des Ersten Rates alle Häuser solche Prachtbauten hatten, dann hat Morrowind über die Jahrtausende viel eingebüßt. Und es scheint, die Höhlen unter Kogoruhn führen bis direkt unter den Roten Berg - ich habe an dem Durchgang aber sehr schnell kehrt gemacht - Dagoth Urs Nachricht gibt mir immer noch so viel zu denken, dass ich sicherlich NICHT aus Neugierde hingehen werde. Allerdings hat mir die Reise nach Kogoruhn auch viel Klarheit verschafft - die Mitglieder des Sechsten Hauses sind nicht nur verzerrte Kreaturen, sie sind auch so gründlich wahnsinnig, dass ich mich frage, wie die ganze Bande nicht längst von Sheogorath beansprucht worden ist - in der ganzen Burg haben sie Türme aus Tischen und Stühlen gebaut und ihr Hauswappen mit Münzen auf den Fußboden gelegt oder fanatische Gedichte geschrieben... und anscheinend haben sie ohne ersichtlichen Grund in ihren Kellern verirrte Abenteurer eingeschlossen und verhungern lassen... ich bin froh, da wieder raus zu sein.

Sul-Matuul zeigte sich beeindruckt, dass ich die Gegenstände aus Kogoruhn holen konnte. Er meinte, ich könne sie behalten - ich bin zwar nicht sicher, was ich mit einem Kelch des Hauses Dagoth anfangen soll, außer ihn als Trophäe irgendwo hinzustellen (nicht, dass ich das unbedingt wollen würde) - aber es ist wohl alles eine Geste.

Die nächste Prüfung - oder eher der nächste Teil der Prüfung ist 'die Prüfung der Weisheit': Ich muss ein Rätsel lösen, um 'den Mond-und-Stern' (war das nicht laut den Telvanni ein magischer Ring, den nur Nerevar tragen konnte, ohne zu sterben?) zu finden. Ich nehme mal an, erkennen, dass man nichts weiß, und Andere fragen, ist auch eine Art von Weisheit...? Sul-Matuul meinte, ich sollte auch die Weisheit der Stämme mit einbeziehen - und die Jäger konnten mir den Teil des Rätsels, der den Ort bezeichnet, zumindest deuten. Ich suche das Tal des Windes, das von markanten Felsnadeln markiert ist und nahe bei einer daedrischen Ruine namens Zergonipal liegt.

In dem Tal werde ich dann die Azura heilige Höhle hoffentlich finden - aber ich wurde davor gewarnt, dass das Tal ein Ort der Geister ist, den man nicht stören sollte.

Ich muss zugeben, ich weiß nicht, wie man sich an einem Azura heiligen Ort verhalten muss. Und ich muss die Zeilen 'der Traum ist das Tor und der Stern ist der Schlüssel' immer noch lösen. Vielleicht muss ich an dem Ort schlafen und warten, bis ein Stern irgendwo drauf scheint? Vielleicht wird alles klarer, wenn ich dort bin. Das Tal wird schwer genug zu finden sein, die Beschreibungen waren alle sehr vage.


Notizen:

Ich habe diesen Text praktisch bei laufendem Spiel geschrieben - alle Verwirrungen und Fehlannahmen des Protagonisten lassen sich also auf meine eigene Trotteligkeit beim Spielen zurückführen. Ich habe lediglich dort Dinge verändert oder Erklärungen konstruiert, wo es sich sonst zu eindeutig um Videospiel-Logik gehandelt hätte.
Die Notizen sind bereits vollständig abgetippt (und auf AoOO auch schon hochgeladen) und werden hier auf FF .net bald folgen.