Epilog

Klonk. Klonk. Klonk.

Jedes Mal, wenn der Stock auf dem Steinboden aufkam, ertönte ein dumpfer Schlag. Mittlerweile hatte er sich daran gewöhnt - die Schüler leider auch. Wenn er abends seine Runde durch das Schloss zog, horchten sie schon immer nach dem auffälligen Geräusch.

Immerhin würde er ihn nicht mehr lange brauchen. Poppy hatte gesagt, dass sein Körper schon gut verheilte und er merkte ja selbst, dass er langsam stärker wurde und die plötzlich auftretenden Schwindelattacken immer seltener wurden - Merlin sei Dank!

Er trat aus dem Hauptportal des Schlosses und, umringt von den Rot- und Brauntönen der herbstlichen Ländereien, wartete schon ein breit grinsender Kingsley auf ihn. Seine purpurfarbene Robe passte dieses Mal überraschenderweise gut zu seiner Umgebung, sodass er nicht wie sonst aus dem Bild herausstach, wie eine Perle unter Murmeln.

Lächeln zog er Snape an sich und gab ihm einen raschen Kuss. "Na, bist du bereit?", fragte er aufgeregt.

Snape verdrehte die Augen. "Nein. Aber lass uns trotzdem gehen. Ich will es hinter mich bringen."

"Whoa, zügle bitte deinen Enthusiasmus. Wir wollen es ja nicht gleich übertreiben."

Snape musste ein Lächeln unterdrücken und zusammen machten sie sich auf den Weg.

"Aber ehrlich, Severus", sagte Kingsley schließlich ernster, nachdem sie schon einige Schritte gelaufen waren. "Ich bin dir sehr dankbar, dass du das tust. Ich weiß es ist nicht einfach für dich."

Snape schaute auf den Boden, wo Blätter in einem trägen Tanz über das Gras gewirbelt wurden.

"Ich habe gesagt, dass ich es für uns tun werde. Und ich mag zwar nicht immer alles richtig machen, aber ich werde stets mein Bestes tun, um deines Vertrauens würdig zu sein."

Kingsley sagte nichts, nahm stattdessen seine Hand - er war praktischerweise auf der Seite, auf der Snape nicht den Stock nutzte - und drückte sie.

Sie apparierten.

Grimmauldplatz hatte sich seit dem letzten Mal, als Snape dort gewesen war, nicht verändert. Wie eine dunkle, fade Erinnerung an die vergangenen Glanzzeiten der Blacks, erhob es sich aus dem Boden und ließ die beiden Häuser daneben weichen.

Sie waren recht spät erschienen - Snape hatte den anderen Leuten keine Chance geben wollen für eine nette Plauderei beim Warten, weswegen er Kingsley gebeten hatte, so spät wie möglich zum Ordenstreffen aufzubrechen. Sein Plan schien aufzugehen, denn sie waren alleine, als sie in den dämmrigen Flur eintraten. Das Bildnis von Walpurga Black schafften sie, wie durch ein Wunder, nicht zu stören.

Kingsley warf Snape einen ermutigenden Blick zu und zog ihn mit sich in die Bibliothek. Als die Tür aufging, drehten sich einige Köpfe der Anwesenden zu ihnen.

"Hallo King - Severus?!" Lily klang überrascht und erfreut. James begrüßte die beiden Neuankömmlinge mit einem Kopfnicken und strahlte sie ebenfalls an. "Was machst du denn hier?", fragte Lily und kam zu ihnen, um sie herzlich zu umarmen.

"Wir haben seit kurzem ein neues Mitglied in unseren Reihen." Dumbledores Stimme erhob sich über das Meer an Getuschel, das sich bei ihrer Ankunft ausgebreitet hatte. Seine Augen funkelten mit den Pailletten auf seiner Robe um die Wette.

Kingsley und Snape setzten sich neben Lily an den Tisch, an dem der Orden des Phönix stets seine Treffen abhielt. Snape sah in die Runde. Wider Erwarten begegneten ihm nicht viele böse Blicke. Black hob grüßend eine Hand. Mittlerweile gingen sie sich nicht mehr gegenseitig an die Gurgel - zumindest seit Lily Sirius vor einigen Wochen eine hitzige Standpauke gehalten und ihn angeschrien hatte, dass er Snape das Leben seines besten Freundes verdankte und er doch bitte "seinen viel zu aufgeblasenen Kopf aus seinem vom Quidditch schon komplett ausgeleierten Arsch ziehen soll". Das hatte gewirkt. Kingsley hatte seinerseits Snape gebeten, alle bissigen Kommentare zurückzuhalten, bis Sirius außer Hörweite war und versicherte ihm, sich auch geduldig alle Tiraden anzuhören, die Snape in Gedanken beim Aufeinandertreffen mit dem Rumtreiber ansammelte. Auch diese Strategie funktionierte.

Mad Eye Moody betrachtete Snape argwöhnisch mit seinem gruseligen Glasauge, doch er hatte ihm noch keinen Fluch auf den Hals gehetzt und das wertete er als gutes Zeichen.

Marlene McKinnon zwinkerte ihm zu.

Professor McGonagall…irrte er sich, oder war das tatsächlich Stolz in ihrem Blick? Nein, tatsächlich. Sie lächelte ihn an und das Lächeln wärmte ihn von innen heraus wie ein guter, schottischer Whiskey.

Kingsleys Arm legte sich als angenehmes Gewicht über seine Schultern, als Snape sich im Stuhl bequem zurücklehnte.

Er hob die Stimme.

"Ich habe meinem Partner ein Versprechen gegeben, also bin ich hier. Außerdem dachte ich, ich erhöhe mal eure Slytherin-Quote: Mit den ganzen anwesenden Gryffindors ist es ein Wunder, dass ihr bisher überhaupt etwas geschafft habt. Nicht nur, dass wir Slytherins wahnsinnig talentiert sind." Er warf Kingsley in seinen knalligen, umwerfenden Roben, die in der dunklen Bibliothek nun doch eindeutig herausstachen, ein schiefes Lächeln zu. "Slytherins haben doch auch so viel mehr Stil."