ᴇᴍɪʟʏ ʜᴜɴᴛᴇʀ
21. Oktober 1994
„Dieses Drecksviech!", fluchte ich, als der Knallrümpfige Kröter erneut explodierte, und das gefährlich nah an meiner Hand. Wenn dieses Vieh noch einmal auf die Idee kam, meinen Umhang in Brand zu stecken, dann würde ich es in die Luft jagen; nicht einmal dieser Panzer wird einer Ladung an Sprengflüchen standhalten können.
„Ha! Hat das Ding dir deinen Billigumhang in Brand gesteckt, wie schade!", höhnte Malfoy direkt hinter mir.
Das Lachen verging ihm aber schnell, denn sein Kröter setzte sich in diesem Moment in Bewegung und er landete mit dem Gesicht voran mitten im Schlamm. Ich brach in gackerndes Gelächter aus und lief auf ihn zu. Direkt über ihm beugte ich mich zu ihm herunter und sah ihn an. Er sah mit wütendem Gesicht zurück.
„Tja Malfoy, der Kröter wollte dich offensichtlich auf dein Niveau runterziehen", sagte ich schadenfroh.
Er wollte etwas erwidern, doch mein Kröter explodierte wieder und zog mich so weg. Wäre ich nicht mit gerannt, läge ich nun auch im Matsch. Malfoy machte ein ziemlich mürrisches Gesicht, doch er sagte zum Glück nichts, sondern blieb still und versuchte den Schlamm aus seinem Gesicht zu wischen.
Um mich herum rannten überall Schüler umher oder rappelten sich zum wiederholten Mal vom Boden auf. Harry, Ron und Hermine hatten auch ordentlich zu kämpfen und ich wettete mit mir selbst um 100 Galleonen, dass jeder auf dieser Wiese abgesehen von Hagrid, nach dieser Stunde eine Sitzung beim Therapeuten benötigte.
Nach hunderten von Jahren später kündigte Hagrid unter erleichterten Gesichtern, dass Ende der Stunde an und verkündete unter schlecht gelaunten Gesichter, dass wir nächste Woche genau dort weitermachten, da die Kröter bis dahin noch ein Stück gewachsen waren.
Super, ich konnte es kaum erwarten.
Um so schnell wie möglich von den Krötern wegzukommen, lief ich mit den dreien gemeinsam hoch zum Schloss. Hermine und ich hatten uns schon längst versöhnt, nach einem Ausbruch meinerseits, einer Entschuldigung ihrerseits und nachdem ich ihr ein Foto von unsere Hauselfen gezeigt hatte, auf dem sie sehen konnte, dass es unseren Hauselfen gut ging, weil ich dafür gesorgt hatte.
Ich glaubte, sie fühlte sich schlecht, weil sie so sauer war, aber ich war kein besonders nachtragender Mensch, es sei denn, etwas saß wirklich tief.
Nachdem wir die Portale passiert hatten und durch die Gänge in die große Halle liefen, hörte es zum Glück endlich auf so schrecklich zu ziehen. Nicht dass es wärmer wäre, ich fröstelte immer noch unter meiner dünnen Uniform und auf meinen Armen bildete sich eine Gänsehaut.
Nach Pflege magischer Geschöpfe hatten wir Zaubertränke, ein Fach, dass so schon schrecklich war und durch die eisig kalte Luft im Kerker nicht besser wurde. Bibbernd rieb ich mir meine Hände und sah mich um. Alle warteten noch vor dem Raum auf Snape, der glücklicherweise auf sich warten ließ.
Leider war Snape aber nicht auf dem Weg zur Tür verstorben, denn er öffnete sie uns, sah uns an als würde er uns am liebsten alle erdrosseln und rauschte dann zurück zum Pult. Seufzend trat ich ein und ließ mich an einem Platz in der vorletzten Reihe nieder. Das Glück meinte es wirklich nicht gut mit mir, denn ausgerechnet Malfoy setzte sich mit Zabini und seinen Freunden im Schlepptau direkt hinter uns. Wahrscheinlich um uns alle zu nerven.
Harry und ich tauschten einen vielsagenden Blick, als Snape zu sprechen begann und mit düsterem Blick die Reihen auf und ab schritt. „Gifte und Gegengifte sind ein wichtiger Bestandteil der Kunst des Brauens. Sind sie nicht 100 prozentig richtig, kann das schwere Folgen haben. Merkt euch das, ich habe euch gewarnt." Er starrte Harry besonders lange an und rauschte dann wieder zurück zu seinem Pult.
Mit einem Schnippen seines Zauberstabes erschien eine lange Liste auf der Tafel. „Der Christophuskraut- Trank. Sie haben 90 Minuten Zeit. Nun brauen sie oder wollen sie eine schlechte Note!"
Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Schnell sammelte ich alle Zutaten aus dem Schrank ein und begann damit zu brauen. Schon nach wenigen Minuten stand im ganzen Raum schon der Dampf und die Temperaturen hatten sich erheblich gesteigert.
Leider waren die meisten Schüler konzentriert und arbeiteten still, sodass ich keine Probleme damit hatte, das Geflüster von Malfoy und Zabini hinter mir zu hören.
„Dieses Jahr, wenn die Französinnen kommen, da werden wir ordentlich zuschlagen!"
„Natürlich, die Franzosen sollen ein tolles Temperament haben. Mal sehen ob sie im knutschen genau so gut sind wie im Baguette backen."
Bei Merlin, das war jetzt nicht deren Ernst! Ein Gespräch über Malfoys Sexfantasien zu hören, war das letzte was ich jetzt noch wollte.
Genervt drehte ich mich um und starrte die beiden an. „Wirklich Malfoy? Du rechnest dir Chancen bei den Französinnen aus? Schau mal in den Spiegel!", höhnte ich leise, damit Snape es nicht hören konnte.
„Das das ausgerechnet von dir kommt Hunter!", giftete Malfoy leise zurück. „Guck du mal in den Spiegel. Nicht mal ein Troll würde sich dazu bereiterklären mit dir auszugehen!"
„Pah", rief ich und starrte ihn zornig an. „Also wirklich. Guck dich doch mal an! Keine Frau würde sich so von dir behandeln lassen, sie sind doch nicht deine Zielobjekte! Mal davon abgesehen, dass du komplett stecken geblieben bist und keine Frau einen kleinen, verzogenen Kotzbrocken wie dich küssen würde!"
„Wie überaus reif Hunter, wirklich", spottete er zurück und starrte mich arrogant an „Hunter erklärt mir die Werte einer Frau, wie niedlich. Was kommt jetzt? Deine Muggel Kamasutra Bücher?"
Malfoy's Gift sah tadellos aus. Er würde bestimmt eine Woche in den Krankenflügel müssen, wenn nicht noch länger, wenn ich es schaffen würde es irgendwie über ihn zu schütten und dabei noch seinen Froschmund zu treffen.
„Arrogantes Arschloch!", keifte ich.
„Dumme Schnepfe!"
„Abgehobener Wichser!", schrie ich nun schon fast. Da. Er hatte es wieder geschafft. Jedes Mal wenn ich mir ganz fest vornahm Malfoy einfach zu ignorieren, schaffte er es mich wieder auf die Palme zu bringen. Und zwar so richtig.
„Miss Hunter, würden sie so freundlich sein und ihre Konversation mit Malfoy auf später verschieben. Fünf Punkte Abzug für Gryffindor für unangebrachtes Verhalten im Unterricht." Na super, jetzt zog diese Fledermaus mir auch noch Punkte ab.
Malfoy bekam einen Blick von mir zu sehen, den er immer zu sehen bekam, aber er sollte ja nicht denken, dass ich ihn nicht weniger hasste als er mich. Dieses Gespräch war noch nicht beendet!
Nach dem Unterricht war ich so nett, auf Malfoy zu warten, um unsere unterbrochene Konversation weiterzuführen. Im Nachhinein konnte ich nicht mehr genau sagen, als was wir uns gegenseitig alles betitelt hatten, aber es reichte auf jeden Fall aus, um zwei Erstklässler so dermaßen zu erschrecken, dass sich einer davon in die Hose machte.
Das unterbrach unseren Streit und wir rauschten uns nicht eines Blickes würdigend in die große Halle. „Was?", murrte ich als alle am Gryffindortisch mich ansahen.
„Ein Erstklässler ist mit vollgepinkelter Hose hier reingerannt und hat geschrien, dass draußen die Welt untergeht", sagte George und grinste amüsiert. „Sag schon, wer hat gewonnen?"
„Unentschieden."
„Schade."
„Ich hasse ihn. Er ist so ein Arsch", keifte ich und starrte böse zum Slytherintisch, wo Malfoy saß und mich ganz gekonnt ignorierte.
„Beim nächsten Mal gewinnst du", meinte Harry, höchstwahrscheinlich um mich aufzumuntern, aber ich war immer noch zu sauer auf Malfoy und sagte einfach nur „Sicher".
Nach dem Essen hatten wir glücklicherweise Zauberkunst mit den Ravenclaws. Das letzte was ich jetzt noch sehen wollte, war Malfoy's Gesicht. Nach einer Stunde, in der ich es erfolgreich geschafft hatte, mein Buch perfekte Pirouetten drehen zu lassen, stand ich auf und verließ mit den dreien das Klassenzimmer, um in den Gemeinschaftsraum zu gehen.
Hermine lief neben mir her und deutete mit einem etwas genervtem Kopfnicken nach hinten. „Sie wollen immer noch am Turnier teilnehmen. Es ist so dämlich!" Sie seufzte resigniert.
„Dumbledore wird das nicht zulassen", sagte ich und hoffte, dass sie das etwas milder stimmte.
Sie seufzte. „Ich weiß, es ist nur... Jeder will an diesem Turnier teilnehmen, auch die Zwillinge."
Das Sprichwort „wenn man vom Teufel spricht", bekam in diesem Moment eine ganz neue Bedeutung, denn direkt neben uns lüftete sich auf einmal ein Wandteppich und Fred und George sprangen mit verschmitzten Gesichtern heraus.
„Sie mal an, George, wen haben wir denn da?"
„Zwei reizende Damen allein auf dem Flur, was verschafft uns die Ehre? Ihr habt doch nichts gegen die Gesellschaft von zwei umwerfend aussehenden Jungen?"
Als George mich angrinste, konnte ich nicht verhindern, dass mein Magen Purzelbäume schlug und ich zurück lächelte. Hermine war da etwas objektiver.
„Wir haben gerade darüber gesprochen, dass eine ungesunde Menge an diesem Turnier teilnehmen will, unter anderem ihr!"
„Ach komm schon Hermine, das macht doch Spaß! Außerdem brauchen wir das Geld für-", erwiderte Fred, wurde aber durch George unterbrochen, der ihm seinen Ellenbogen in die Seite rammte.
„Für was?!", hakte Hermine sofort nach.
„Für nichts", sagte George rasch, „Wir sind in Gryffindor, es ist unsere Aufgabe unseren Mut zu beweisen!"
„Zwischen Mut und Leichtsinn verläuft aber eine Grenze!", meldete ich mich nun zu Wort und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Nicht du auch noch, Emily!", riefen beide im Chor und sahen mich entrüstet an.
„Ich meins ja nur gut", sagte ich und zuckte mit den Schultern. „Aber selbst wenn- ihr seid 16!"
„In wenigen Monaten werden wir 17!"
Hermine verdrehte nur die Augen und wandte sich mir zu. „Komm, wir müssen los!"
„Wir sehen uns", seufzend wandte ich mich ab und lief mit Hermine gemeinsam den Gang entlang in Richtung Gemeinschaftsraum.
Hermine sah mich den ganzen Weg lang von der Seite an und grinste verdächtig. „So, du und George also?"
Ich stöhnte und vergrub meinen Kopf zwischen den Händen. „Ist das so offensichtlich?"
„Nun, für Außenstehende schon, aber keine Sorge- George hat keine Ahnung, er ist quasi blind."
„Na immerhin."
Wir waren vor der fetten Dame angekommen, die uns gruselig anstarrte. Ihr Gesichtsausdruck verriet ganz deutlich, dass sie ganz kurz davor war, ein Lied anzustimmen. Hermine nannte schnell das Passwort (Löwenpfote) und die fette Dame schwang missmutig zur Seite. Der gewohnte Gemeinschaftsraum mit den scharlachroten Sesseln und dem Kamin an der Wand empfing mich.
Wir ließen uns in einer Ecke auf ein Sofa nieder und begannen mit den Hausaufgaben.
OoOoOo
ᴅʀᴀᴄᴏ ᴍᴀʟꜰᴏʏ
„Nicht dein Ernst!"
„Leiser Blaise!", flüsterte ich leise und deutete auf die Schüler um uns herum, die uns alle anstarrten. Wir saßen in einer Nische des Gemeinschaftsraumes auf zwei Sesseln und hatten uns leise unterhalten, bis Blaise etwas, nun ja, lauter geworden war.
„Sorry, ich meine nur... Ich fasse es nicht. Hunter und der Weasley Zwilling. Bist du sicher?"
„Ich bin nicht blind!"
Blaise seufzte und sah mich mitleidig an. Mir gefiel dieser Blick ganz und gar nicht. Ich brauchte kein Mitleid.
„Hör auf mich so anzustarren!", fuhr ich ihn an, nachdem er immer noch keine Anstalten machte, etwas zu sagen und mich stattdessen immer noch so anstarrte, als sei jemand gestorben.
„Ich mein ja nur... Hast du gesehen welcher Zwilling es war?"
„Genau Blaise, bei zwei absolut identischen Zwillingen soll ich auf hundert Meter Entfernung sehen, auf welchen genau Emily steht. Sicher! Das ist total einfach!"
Blaise sagte darauf nichts mehr und rieb sich die Schläfen. „Vielleicht hast du das alles auch einfach falsch gedeutet Draco. Hunter ist mit den Zwillingen befreundet, du interpretierst da zu viel rein. Sieh mal", unterbrach er mich, weil ich schon antworten wollte, „Du bist in sie verknallt-"
„Ich bin nicht verknallt!"
„und jetzt hast du Angst, dass sie jemand anderen mag und du siehst Dinge, die gar nicht da sind", fuhr er fort, ohne auf meinen Zwischenruf zu achten.
Ein schwacher Hoffnungsschimmer glomm in mir auf. Vielleicht hatte Blaise recht und ich hatte mir das nur alles eingebildet. Emily war schon immer mit den beiden befreundet gewesen und ich hatte auf die Entfernung das alles falsch gedeutet.
„Danke Blaise, aber du liegst in einer Sache falsch", sagte ich. Blaise sah mich nur mit erhobener Augenbraue an. „Ich bin nicht in Hunter verknallt. Gib mir zwei Monate, dann werde ich das alles bereits vergessen haben."
Er sah nicht ganz überzeugt aus, aber antwortete mit einem: „Wenn du meinst."
Ich deutet auf eine Gruppe von Mädchen, darunter Pansy und Daphne. „Was meinst du, sollen wir unseren Plan in die Tat umsetzten? Auch was das keine Französinnen sind?"
„Ich wusste nicht, dass du das ernst gemeint hast; sei ehrlich, du wolltest nur Hunter's Aufmerksamkeit erlangen."
„Nein, ganz sicher nicht!", sagte ich scharf und stand auf. „Ich geh jetzt da rüber!"
Ich sah nicht mehr Blaise's nachdenkliches Gesicht, hinter mir, als ich den Raum durchquerte und auf die Gruppe zulief, die mich schon freudig empfing.
