Westküste. Lassen Volcanic National Park. Ein halbes Jahr später in der Vergangenheit 2057. Unter der Erde.
"Das läuft ja gut mit der Erweiterung der Energieversorgung unserer kleinen Zuflucht." sagte Einstein zu Tesla. " Ja stimmt." antworte Tesla ihm "Der Bunker ist wirklich gut durch die Grundstruktur erweiterbar. Und mit den Materiallieferungen läuft auch. Ich möchte nicht wissen, was Hobbs und Archemedis oben im Rechenzentrum anstellen, das das nicht auffällt." "Das sind doch Vollprofis, so lange wie die in ihrem Bereich in der Regierung tätig waren" sagte Einstein wiederum respektvoll. "Kaum zu glauben, das alles im Moment so gut läuft. Bis vor einem halben Jahr habe ich echt gedacht, es wäre aus und vorbei." Einstein schien über den derzeitigen Verlauf der Dinge recht angetan.
"Darüber möchte ich lieber nicht nachdenken. Wer weiss was die mit uns angestellt hätten. Die hätten uns doch offiziell wegen Hochverrat angeklagt. Wer weiß, in welches Hochsicherheitsgefängnis sie uns danach gesteckt hätten." sagte Tesla und fröstelte bei dem Gedanken. Er wollte sich nicht vorstellen, was mit Ihnen dort angestellt worden wäre. Dafür hatte sie alle zu tiefe Einblicke in die Gegenseite gehabt. Da wäre der Tod durch eine Giftspritze oder den elektrischen Stuhl noch human gewesen.
Tesla und Einstein waren nicht die richtigen Namen der beiden. Im Bunker war es üblich, dass die Leute, die der kleinen aber stetig wachsenden Gruppe angehörten sich Decknamen zulegten und ihre alten Namen ablegten. Das Konzept diente dazu, die wahre Identität für die Außenwelt zu verschleiern und eine Kommunikation zu gewährleisten, wo jeder in der Gemeinschaft wußte, wer wer ist. Der Feind draußen, aber nichts damit anfangen konnte. Ihm wurde damit die Möglichkeit, Druck auf andere, der Gruppe nahestehende Menschen aufzubauen. Im Moment waren es etwa knappe hundert Personen, die im Bunker untergekommen waren. Die Gruppe hatte vorher weitesgehend dezentral bis auf einen kleine Zuflucht agiert.
Die Mitglieder der kleinen verschworenen Gemeinschaft kamen aus allen möglichen Bereichen. Das Militär war mit wenigen, aber teils hochdekorierten Offizieren vertreten. Von der politischen Seite waren neben einigen ehemaligen Senatoren und Gouverneuren auch zwei ehemalige Ex-Präsidenten dabei . Aus dem Bereich von Wissenschaft und Forschung fanden sich auch einige namenhafte Vertreter. Alles im allen eine sehr bunt gemischte Gruppe mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten. Fast allen gemein ein hoher moralischer Grundkonsens und ein gemeinsames Ziel.
Sie hofften, dass sie die ominöse Schattenregierung irgendwie stoppen könnten. Da Entscheidungen getroffen werden mussten, verständigte sich die Gruppe darauf, das fünfzehn gewählte Personen, die aus den unterschiedlichen Sparten kamen, die Dinge regelten und Entscheidungen trafen. Alle waren gleich stimmberechtigt. Dieses Prinzip funktionierte für lange Zeit recht gut. Und es zählte in der Hauptsache, dass was jeder konnte. Der soziale Stand, der exitsitierte bevor man in die Gruppe kam, geriet immer weiter zu Nebensache. Das Entscheidungsgremium bekam den Namen Ältestenrat. Eigentlich nur als temporärer Name gedacht, wurde er aber hinterher von allen nur noch so genannt.
Und der Ältestenrat tagte im Moment. "Also wo waren wir,... ach ja Tagesordnungspunkt drei. Neue Namensgebung unserer kleinen Gemeinschaft" sagte Peabody "Irgendwelche Vorschläge? Und bitte Ernsthafte." Die fünfzehn diskutierten "...nein, das klingt zu abgehoben...Hawk, das ist nicht Ihr ernst, dann können wir ja uns auch gleich..., ja das ist ... nee doch nicht ... also wie wäre es irgendetwas mit Silber im Sinne von Verschwiegenheit...ach Sie meinen das alte Sprichwort Schweigen ist Silber, Reden ist Gold?... Was meinen, die anderen dazu?... Gut, das haben wir schonmal einstimmig angenommen...Dann fehlt uns nur noch was ergänzendes...nein, das klingt komisch ... soll sich die Enklave über den Namen tot lachen?... Das klingt wie eine Fussballmannschaft..." "Wie wäre es den mit einem mythologischen Wesen?" fragte er dazwischen. "Was schwebt Ihnen denn da vor?" "Nun, da wir ja nicht offiziell existieren, wäre es doch sinnig etwas zu nehmen, was auch nicht tatsächlich existiert. Einen Drachen beispielsweise." "Gutes Argument ... ja... Einstimming angenommen. Also wir nennen uns dann ab jetzt "Silver Dragons". Dann können wir weiter zu Tagesordnungspunkt vier. Personenrekrutierung..."
Zehn Jahre später 2067. Zehn Jahre vor dem großen Krieg
Ältestenratssitzung. "Haben sie noch irgendetwas aus ihm rausgekommen, bevor er die Kapsel zerbissen hat." fragte Hawk erschrocken. "Nein. Er hat unser Geheimnis mit ins Grab genommen. Sie haben keine Ahnung wo wir sind. Sie wissen mittlerweile zwar, dass sie ständig jemand an der Nase herum führt, aber bis jetzt waren wir vorsichtig genug" antwortete Peabody. "Wir sollten seiner Gedenken. Ohne Ironowls Hilfe wäre das Ganze nicht so groß geworden. Knapp tausend Leute ist schon eine ganz andere Hausnummer. Aber wir müssen nach Ironowls Tod umdisponieren." sagte Einstein, der beratend dabei war, aber nicht zum Ältestenrat gehörte. "Denke ich auch. Die Enklave hat sich zu tief festgesetzt. Ich befürchte, dass es tatsächlich zum Fall X kommen wird. Wir sollten uns darauf konzentrieren, weiter passende Leute zu rekrutieren und verhindern das sie in die Klauen der Enklave geraten. Und den Bunker für den... schlimmsten Fall vorzubereiten. Wir sollten anfangen, Wissen zu archivieren. Wenn es zum... Äußersten kommt, wird es beim Wiederaufbau helfen. Der Bunker ist mittlerweile so autark, das wir im Moment auch ohne Aussenverbindung auskommen. Die Einsätze können wir auch von hier koordinieren..." sagte Eagle.
2072. Fünf Jahre vor dem großen Krieg
"Samuel Rothschild, wie oft habe ich dir schon gesagt, du sollst dir die Schuhe abtreten..." "Jaja Rosie, ich glaube hmm.. gefühlte 200 mal seitdem wir verheiratet sind." sagte Samuel. "Ausserdem kommst du mal wieder zu spät zu unserem Familieabend. Und hast was bei den Betonköpfen in Washington was erreicht? Ich meine auf deine Fachexpertise müssten sie doch hören bzw. darüber nachdenken." Bemerkte Samuels Frau."Nachdenken und Betonköpfe, Rosie, das sind zwei Dinge die passen nicht zusammen. Und nein. Ich habe nichts erreicht. Eher habe ich die Befürchtung, dass ich mich jetzt sehr unbeliebt gemacht habe. Manchmal habe ich das Gefühl, das man diesen Krieg unbedingt weiter vorantreiben will. Mit allen Konsequenzen, die daraus resultieren." "Wenn..." warf Rosie ein und Samuel wußte was jetzt kommen würde.
Er unterbrach sein Frau schroff "...er noch Leben würde, hätte sie genauso wenig auf ihn gehört, wie auf mich. Er ist jetzt seit über fünfzehn Jahren tot. Und ich will jetzt auch nicht über die weiteren Wenn und Abers sprechen. Der Tag war lang genug und ich möchte einfach jetzt etwas Zeit mit meiner Familie verbringen. Ist John auch da?" Samuel hatte vor etwas mehr als fünfzehn Jahren zwei seiner besten Freunde bei einem Absturz eines Prototypen der Airforce verloren. Der plötzliche Verlust hatte ihn tief getroffen und reagierte bei diesem Thema immer noch gereizt.
Die drei waren gerade im Wohnzimmer. John und Samuel spielten Schach. Es war draußen schon dunkel geworden und es war ziemlich still. Samuels Haus lag am Ende einer kleinen Strasse, draußen in dem Randgebiet der betuchteren Vierteln von San Francisco. Der nächste Nachbar war etwa 100 Meter entfernt. Plötzlich flog mit einem lauten Knall die Haustür aus den Angeln und drei schwerbewaffnete, vermummte Männer standen im Wohnzimmer.
In diesem Moment begannen sich die Ereignisse zu überschlagen. John stellte sich schützend vor seinem Vater und bekam dafür ein Schuss ins Knie und in den Bauch verpasst. Er sackte unter Schmerzen zusammen. Rosie verstand die Welt nicht mehr und war kreidebleich. Samuel sprach die Männer wütend an "Was soll das? Wer sind Sie? Warum schiessen Sie meinen Jungen zusammen?" "Klappe!" ranzte der eine schwerbewaffnete Samuel an. "Wir haben Befehl Sie ... auszuschalten. Sie sollten wissen, wo Ihre Grenzen sind, Samuel. Aber es wird für Sie und Ihre Familie schnell gehen." grinste der Mann böswillig. "Das können Sie nicht machen. Das kommt raus" Samuel schien zu ahnen, zu wem diese drei Männer gehörten. " Ach ja? Sie und ihre Familie werden offiziell durch einen Raubüberfall ums Leben gekommen sein." Die drei Bewaffneten wollten die Exekution durchführen.
Mit einem Mal kamen durch die seitlichen Fenster drei Männer in pechschwarzen Kampfanzügen mit einem kleinen silbernen Emblem gehechten und legten die drei blitzschnell mit Schüssen aus einer Art Betäubungspistole lahm. Sie waren ebenfalls vermummt. "Wenn Sie leben wollen, kommen Sie mit uns. Schnell, die werden nicht ewig schlafen und es werden noch mehr kommen" sagt der eine Mann gehetzt, aber freundlich zu Samuel . "Was ist mit meinem Sohn, er braucht ärztliche Hilfe..." "Machen Sie sich keine Sorge, Sir. Wir können ihm bei uns helfen" Er wies die beiden anderen an, sich um den verletzten John zu kümmern. "Kommen Sie. Los. Schnell. Beeilung." In einiger Entfernung konnten sie eine Art Hubschrauber sehen, in dem der Pilot schon auf sie wartete. Die kleine Gruppe stieg ein und flog fast geräuschlos davon. "Wo fliegen wir hin?" fragte Samuel, immer noch unter Schock." "In Sicherheit, Sir. Es wird Ihnen alles erklärt werden."
Nach einigen Stunden Flugzeit waren sie angekommen. Sie waren irgendwo in den Rockies und steuerten auf einen kleinen Berg zu. Auf der Kuppe öffnete sich eine Lucke und der Hubschrauber verschwand darin. Samuel staunte nicht schlecht. Der Hubschrauber landete und sie befanden sich mit einem Mal mitten in einer riesigen Bunkeranlage.
Was ihn aber völligstens verblüffte, war derjenige der auf ihn zukam. "Du? Du lebst? Wie ist das möglich? Ich verstehe die Welt nicht mehr. Sind denn alle verrückt geworden." Samuel war in diesem Moment so durcheinander, dass er nicht wußte ob er seinem besten Freund, den er für eine so lange Zeit tot gehalten hatte, eine Scheuern oder in den Arm nehmen sollte. "Die Welt ist verrückt geworden, Samuel" sagte er.
