4. The Debt
*one month, three weeks and six days ago*
Sie blieb erschöpft vor dem riesigen Schiffwrack stehen. Die hohen Segel waren das Weiße, was sie von der Baumspitze aus gesehen hatte! Ihr Verstand fand keine gute Erklärung, weshalb ein riesiges Schiff mitten im Dschungel liegen konnte, aber es war unwichtig, denn es dümpelte in einem Tümpel! Wasser! Sie stürzte praktisch nach vorne zum Rand des Tümpels, fiel auf die Knie, und hoffte einfach, dass es keine Überlebenden im Inneren des Schiffes gab.
Es war kein modernes Schiff. Keiner dieser Muggel-Stahl-Container, keine Yacht, kein Motorboot. Es war ein Dreimaster, ganz aus Holz, so uneben verarbeitet, dass sie stark davon ausging, dass es ein von Menschenhand gebautes Schiff war. Alt genug, dass diejenigen, die auf ihm herkamen, bereits vor mindestens vierhundert Jahren verstorben waren.
Ihre hohlen Hände fassten zitternd das Wasser, tranken vorsichtig, um zu testen, ob es sich um Salzwasser handelte, aber es schmeckte süß! Es rann ihre trockene Kehle hinab und gierig trank sie vier, fünf Hände voll.
Die Vögel sangen über ihr, die Blätter der Bäume bewegten sich im sanften Wind und sie versuchte, genau zu lauschen, ob sich irgendetwas näherte, ob irgendetwas anderes im Dschungel war, außer sie.
Sie wischte sich mit dem Handrücken den Mund ab, benetzte ihr Gesicht, ihren Nacken, denn ihre kaputte Jacke war bereits wieder getrocknet, unter der sengenden Hitze der Nachmittagssonne. Die Zeit konnte sie nur an ihrem Schatten ausmachen, der bereits wieder länger vor sie fiel. Sie starb vor Hunger, dachte sie betrübt, aber sie erkannte keine Früchte an den Bäumen.
Dann hörte sie ein anderes Geräusch. Fast wäre sie nach hinten gefallen vor Schreck. Aus dem Innern des Schiffes drangen tatsächlich dumpfe Geräusche. Jemand war dort drin! Ihr Verstand sagte ihr klar, dass niemand dort überlebt haben konnte, aber es waren keine tierischen Geräusche. Jemand schien Kisten zu durchwühlen.
Gebückt bewegte sie sich rückwärts, denn garantiert würde sie sich nicht zu erkennen geben.
Doch das Blut gefror in ihren Adern, als von hinten ein Schatten über sie fiel. Der Schatten war sehr groß, und sie rührte sich nicht. Sie vernahm tiefe Atemzüge, und langsam wandte sie den Kopf. Oh nein!
Kaum erwachte sie aus ihrer Starre, kaum rauschte das Adrenalin wieder durch ihren müden Körper, hatte der blaue Gorilla ausgeholt und traf sie mit dem haarigen Arm an der Schulter, als sie zu spät auswich. Er brüllte markerschütternd laut, und sie konnte nur zur Seite hechten, während sie sich stöhnend die schmerzende Schulter hielt. Sie hatte ihn nicht einmal kommen hören!
Sie bemerkte über ihrem Kopf einen roten Funkenflug, der den Gorilla in die Brust traf. Malfoy! Seine Gestalt ragte aus einem halbhohen Loch in der Schiffswand, und sie krabbelte mühsam in Deckung. Der Gorilla bemerkte ihren Versuch, zu fliehen, und da von ihr weniger Gefahr ausging als von Malfoy, verfolgte er sie keuchend.
„Petrificus Totalus!", schrie Malfoy, und bevor der Gorilla sie packen konnte, um sie höchstwahrscheinlich einfach in zwei zu brechen, sah sie die Panik in seinen giftig purpurnen Augen, als sich seine vielen Extremitäten durch den Zauber versteiften.
Unspektakulär stürzte er wie eine haarige Riesenspinne mit Gorillakopf auf den Rücken. Sein Atem ging hastig durch die Nase, während sein Mund durch den Zauber verschlossen blieb, und echte Panik in seinem tierischen Blick stand. Trotzdem ragten die raubtierartigen Hauer weit über seine Unterlippe hinaus, und Hermine hatte keine Ahnung, wie viele Kombinationen aus gefährlichen Tieren sich in diesem Geschöpf vereinigten.
Sie lag noch immer auf dem Boden, keinen Meter von seinen mächtigen Beinen entfernt, und konnte nicht fassen, dass sie noch lebte. Malfoy sprang aus dem Loch, und mit gezielten Schritten kam er auf sie zu. Sie erkannte ein langes Messer in seiner Hand, teilweise rostig, und es wirkte nicht so, als wisse er, was er tat.
Und sie nahm an, das war das Ende. Sie schloss die Augen, schluckte schwer und wartete nur noch darauf, dass sie spürte, wie die rostige Klinge sie durchbohrte. Es vergingen einige Sekunden. Verstört öffnete sie die Augen wieder, aber Malfoy schenkte ihr wenig Aufmerksamkeit. Er stand vor dem Gorilla, und sie sah, dass dessen Beine langsam wieder zuckten. Der Zauber verlor bereits wieder an Wirkung.
Malfoy haderte kurz mit sich selbst. Dann hob er das Messer mit beiden Händen über den Kopf. Sie sah, wie der Gorilla die Augen weit aufriss. Tatsächlich stand sanfte Erkenntnis im Blick des Tieres, was sich nicht rühren konnte, was ausgeliefert auf dem Rücken lag, und sie war sich zuerst nicht sicher, ob sie tatsächlich sprach.
„Nein!", rief sie verzweifelt, als Malfoy die Klinge mit Schwung hinabsausen ließ, direkt in die Brust des Gorillas, sie knirschend zwischen seine Rippen schob, wo sie mit einem widerlichen Geräusch stecken blieb, während Malfoys Rücken sich unregelmäßig hob und senkte. Er lag halb über dem riesigen Tier, und sie hatte die Hand vor den Mund geschlagen.
Er ließ den Griff des Messers los, stützte sich auf der haarigen Brust des Tieres nach oben, und der Petrificus hatte keine Macht mehr. Der Gorilla wand sich im Todeskampf, röchelte, und dann sank sein Kopf zur Seite. Die purpurnen Augen tot und leer. Er atmete nicht mehr. Geschockt starrte Hermine in das ungewöhnliche Gesicht des Tieres.
„Nein?", riss sie Malfoys keuchende Stimme aus ihrer Starre, als er ihre Worte ungläubig wiederholte, und ihr siedend heiß wieder einfiel, dass sie wahrscheinlich sein nächstes Opfer sein würde. Allerdings stützte er sich schwer atmend auf seine Knie und sah sie zornig aus kalten Augen an, während sie den schweren Sonnenbrand auf seiner Haut erkannte. „Es wäre dir lieber, wenn dieses scheiß Vieh uns in Stücke reißt, ja?", knurrte er erschöpft.
Sie war sich nicht sicher, was jetzt passieren würde. Das Messer steckte noch immer unschön in der Brust des Tieres, und seinen Zauberstab konnte sie nicht entdecken. Ihre Schulter pochte schmerzhaft, aber sie wagte nicht, sich zu rühren.
Und sie konnte nicht fassen, dass sie sprach!
„Vielleicht war er der letzte seiner Art." Es musste die Erschöpfung sein. Dass sie überhaupt schaffte, maßregelnd zu klingen. Er richtete sich auf, fuhr sich über das schweißnasse Gesicht, und sein Mund öffnete sich ungläubig. Dann verengte er zornig die Augen.
„Das hoffe ich", bemerkte er bitter. „Und jetzt-", begann er unfreundlich und zog den Zauberstab aus seinem hinteren Hosenbund. Scheiße, dachte sie unglücklich.
Aber dieses Mal hörte sie das Geräusch aus dem Unterholz. Sie hielt die Luft an. Auch Malfoy rührte sich nicht, starrte blind an ihr vorbei in die Dichten des Dschungels, und sie glaubte fast, sie hörte ein Schnurren.
Sie sah, dass sein Atem konzentrierter ging, er den Zauberstab von ihr fort richtete, hinter sie, und sie besaß genügend restlichen Verstand in seine Richtung zu krabbeln, sich aufzurichten, und dann wandte sie sich um. Ihr fiel gar nicht auf, dass sie praktisch hinter Malfoy in Deckung gegangen war.
Es waren zwei… Füchse? Wölfe? Sie wusste es nicht sicher. Die Tiere waren hell. Nicht weiß, aber definitiv nicht rot, wie Füchse es waren. Und sie waren bestimmt dreimal so groß, wie normale Füchse. Hündisch knurrten sie, zeigten ihre scharfen Zähne, und erinnerten sie doch eher an Wölfe. Füchse waren katzenartig, und bestimmt nicht so riesig.
Sie hatten wohl das Blut des Gorillas gerochen, nahm sie panisch an. Aber zwei Stück würde Malfoy töten können, dachte sie ängstlich. Und wenn solche Tiere im Dschungel herumliefen, würde sie nur noch auf Bäumen schlafen!
„Scheiße", entfuhr es ihm gepresst. Langsam tauchten zwischen den Bäumen weitere Fuchs-Wölfe auf, definitiv mehr, als Malfoy auf einmal würde töten können. Und dann gab er den Angriff auf, ließ sie stehen, während er zurück zum Schiff hechtete. Kurz war sie überrascht, aber die Fuchs-Wölfe setzten zum Sprung an, und sie erwachte aus der Starre, folgte Malfoy, und entging dem Gebiss des größten Fuchs-Wolfs hinter sich, als sie hastig das Schiff erklomm.
Sie folgte Malfoy auf das Deck, aber die Fuchs-Wölfe folgten, setzten ihnen nach, und sie tat, was Malfoy tat. Er kletterte den mittleren Mast empor, und sie nahm den linken davon. Ihre Finger rutschten immer wieder von den uralten Tauen ab, aber verzweifelt, den Zähnen der Fuchs-Wölfe entgehend, kletterte sie höher, zog ihren Körper die maroden Trittstufen hinauf, obwohl ihre Muskeln noch protestierten von ihrem Baumaufstieg zuvor.
Die Fuchs-Wölfe heulten frustriert, ehe sie die Verfolgung aufgaben. Drei weitere hatten bereits begonnen, den Gorilla zu reißen, und Hermine zählte von hier oben etwa zwölf Stück insgesamt, denn es näherte sich scheinbar das gesamte Rudel.
„Was ist das?", wollte sie angsterfüllt wissen, aber Malfoy reagierte nicht auf sie, starrte wütend hinab auf den Gorilla und schoss einen zornigen Stupor auf die Fuchs-Wölfe.
„Das ist meiner, ihr Scheißviecher!", schrie er, und kurz stoben die Fuchs-Wölfe auseinander, um dem Fluch auszuweichen, aber schnell kamen sie zurück, um zu fressen. „Fuck!", rief er wütend. Sie sah zu ihm herüber, fragte sich, wie lange der alte Mast sie halten würde, und er erwiderte ihren Blick. Hier oben saßen sie erst mal in der Falle.
Kurz glaubte sie, dass er sie verfluchen würde, aber dann schien er es sich anders zu überlegen. Erschöpft schwang er das Bein rittlings über den Quermast, der seinen Mast mit ihrem verband und lehnte sich gegen das knarrende Holz.
„Und jetzt?", wagte sie unter Schmerzen zu fragen, denn ihre Schulter protestierte jetzt schlimmer als vorher. Und tatsächlich schien er einzusehen, dass es jetzt gerade vollkommen egal war, dass sie Feinde waren. Jetzt gerade waren sie nämlich Fuchs-Wolf-Beute. Und sie wollte nicht mit ihm hier festsitzen, aber sie wollte auch nicht von ihm verflucht werden, stürzen und – bei ihrem Glück – bei vollem Bewusstsein von Fuchs-Wölfen verspeist werden. Wenn es denn gerade nicht sein müsste.
„Jetzt werde ich sie fressen lassen", informierte er sie bitter, „und dann den scheiß Affen in Brand setzen", schloss er kalt. Und es war… wahrscheinlich nicht dumm. Wahrscheinlich war es klug, dass die Fuchs-Wölfe satt wären, und sie in Ruhe ließen.
„Was sind das für Tiere?", wiederholte sie ihre Frage, aber sein Blick war tödlich.
„Hör mir genau zu, Schlammblut", sagte er jetzt. „Der einzige Grund, warum du noch lebst, ist, dass du, nachdem ich den Affen angezündet habe, runter klettern wirst, um zu sehen, ob noch mehr wilde Tiere in nächster Nähe sind, hast du das verstanden?", knurrte er unfassbar zornig. Sie schluckte schwer, nicht sicher, ob es ein guter Deal war, aber immerhin kaufte es ihr ein wenig mehr Zeit.
„Das ist kein Waffenstillstand, glaub mir!", warnte er sie scharf.
Sie wandte den Blick von ihm ab, denn es gab darauf nichts zu sagen, und Übelkeit erfasste sie, während die Fuchs-Wölfe unter widerlichen Geräuschen Hautfetzen vom toten Körper des Gorillas zerrten, um sie geräuschvoll zu kauen.
Die Sonne versank hinter den hohen Bäumen, und mittlerweile zählte er zwanzig Mordeos, die sich um den Affenleib scharten. Noch nie hatte er lebendige Beiß-Füchse gesehen. In Blaises Haus stand auf dem Dachboden ein ausgestopftes weibliches Exemplar, mit funkelnden Augen. Aber es war so abscheulich, dass Blaises Mutter ein Tuch über das Vieh geworfen hatte. Blaises Großvater hatte als Hobby magisches Großwild gejagt, und es war sein kostbarster Fang gewesen, hatte er ihnen einst erzählt.
Dort unten befand sich kein Weibchen. Ein Rudel hatte meist nur ein Weibchen, denn sie waren größer und tödlicher als die Männchen. Das Weibchen besaß drei buschige Schwänze, so wie das Exemplar auf Blaises Dachboden. Und sie töteten die anderen Weibchen.
Draco kannte die Mordeos nur aus dem Kindermärchen ‚Die drei Schwänze des Mordeo', in welchem ein Junge ein Mordeo fing, ihm die Schwänze abschlug und von da an nie mehr Pech in seinem Leben hatte. Sein müder Verstand spulte diese unnützen Informationen träge ab, während er den Tieren zusah, wie sie ohne Rücksicht den Affen zerrissen.
Das Schlammblut schien die Tiere nicht zu kennen, aber das war nicht verwunderlich. Sie war ein Schlammblut - welches er noch immer nicht umgebracht hatte, fiel ihm nervigerweise wieder ein, aber ehrlich gesagt, hatte ihm das Affen-Massaker von vorhin gereicht. Fast hätte er sich übergeben. Rohe Gewalt war nicht sein Metier. Gefangen sein im Urwald, ohne die richtige Ausrüstung, ohne das Wissen zu überleben, war nicht sein Metier, verdammt!
Er hatte lang genug gewartet. Er wollte nicht wissen, wie groß dieses Rudel war. Er wollte nicht wissen, wie viele es noch von ihnen gab, aber er hoffte, sie wären vorerst satt. Hatte er glauben können, dass es hier keine Raubtiere gab? Nein. Er hatte sich einfach keine Gedanken gemacht, und das war dumm und töricht von ihm gewesen.
Er zielte mit dem Zauberstab. „Ignio!", sagte er widerwillig, denn er hatte den Affen extra betäubt, ehe er ihn getötet hatte. Das Fleisch wäre unverdorben gewesen. Es hätte besser geschmeckt, als geschocktes Fleisch, aber diese dämlichen Biester hatten ja unbedingt aus dem Dschungel stürzen müssen!
Großflächig brach das Feuer auf dem Affenkörper aus, und zufrieden sah er drei Tiere flüchten, deren Fell ebenfalls Feuer gefangen hatte. Gut so, dachte er bitter. Die Mordeos heulten auf, stoben davon, und schnell brannten die Flammen hoch, und es stank bestialisch nach verbranntem Fleisch.
Das Schlammblut neben ihm hielt sich sogar die Nase zu.
Er war sich nicht sicher, was gleich passieren würde, aber am besten brachte er es schnell hinter sich. Er würde sie runter schicken. Und dann würde er sie umbringen. Wofür mehr Zeit verschwenden? Sie war eine Gefahr. Noch eine von vielen Gefahren hier.
Sehr kurz ging seine Verstand in eine andere Richtung. Könnte sie nützlich sein? So nützlich ein Schlammblut eben sein könnte?
Er wandte den Blick. Wie gefangen blickte sie hinab in die lodernden Flammen, bemerkte seinen Blick nicht. Er wusste es nicht. War es dumm, alleine durch den Dschungel zu laufen? War es klüger, zu zweit zu sein?
Was, wenn sie gerettet wurden? Wäre es dann für ihn nicht besser, würde er in ihrer Nähe sein? Aber es wäre die widerliche Nähe eines Schlammbluts. Nichts konnte es rechtfertigen. Er erkannte wie dumm seine Gedanken waren. Aber er war bei weitem zu stolz, es ihr zu zeigen.
„Geh runter", befahl er schließlich rau, und sie schien sich wieder zu erinnern, dass er da war. Er hatte den Zauberstab direkt auf sie gerichtet. „Geh runter, oder ich fluche dich runter, Schlammblut", warnte er sie, sah sie schlucken, bevor sie den Mast fest ergriff, um wieder hinab zu klettern.
Sie war verletzt. Ihre Schulter wirkte merklich steif, ging ihm auf. Aber er schenkte ihren Verletzungen keine weitere Beachtung. Tatsächlich bot er ihr einen Ausweg an. Wenn sie klug war, würde sie anfangen zu rennen, sobald sie unten war, dachte er grimmig.
Und sie war nicht viel. Aber das Schlammblut war klug.
Sie musste tatsächlich Pause machen und klammerte sich an den Mast. Wahrscheinlich würde er ihre Wunde heilen können. Natürlich würde er es nicht tun, aber es war nett zu wissen, dass er verdammt noch mal überlegen war.
Dann setzte sie den Weg nach unten fort, sprang den letzten Meter und kletterte vom Deck des alten Schiffes. Er erkannte sie neben den Flammen. Sie schien sich knapp umzusehen, ehe sie den Blick wieder hob.
Und fast erwischte er sich dabei, wie er die Worte praktisch laut sagte. Lauf endlich, dachte er, denn… er würde sie töten. Würde sie töten müssen. Das war es, was er tat. Was Todesser taten. Und er wusste nicht mal, warum er es nicht tat. Er würde sie treffen können. Der Fluch würde treffen.
Er wusste nicht, ob er gerne hätte, dass seine Opfer einen guten Kampf lieferten, dass eine sportliche Chance bestand. Eine Art von… Fairness? War er so? Seinem Vater nach zu urteilen, war er feige. Aber er war nicht so feige, dass er jemanden, der verletzt und wehrlos war, einfach abschlachtete. Von dem Affen abgesehen, aber das verdammte Biest war auch nicht wehrlos gewesen!
Er spürte ihren Blick fast grausam deutlich, obwohl er nur gerade eben ihr Gesicht ausmachen konnte. Und wahrscheinlich ging ihr in diesem Moment auf, dass er sich nicht rührte, den Zauberstab nicht hob, und dann sah er nur noch, wie sie sich abrupt umwandte und rannte.
Sie rannte ins Dickicht, und nach einer Minute hörte er ihre Schritte nicht mehr.
Er lehnte den Kopf zurück gegen den Mast. Er hätte sie töten sollen, dachte er dumpf. Den Preis seines Zögerns würde er höchstwahrscheinlich doppelt und dreifach zurückzahlen müssen.
Es wurde Zeit, Schutzzauber zu legen. Er würde die Nacht beim Schiff verbleiben, denn im Innern hatte er, neben einer Handvoll rostigen Stichwaffen und unnütz viel Piratengold, ein umgekipptes Fass gefunden, in dem noch eine Pfütze Rum dümpelte. Der Tage war also nicht vollends vergeudet gewesen.
Und das Schlammblut würde er das nächste Mal töten.
