8. Traps

*four hours ago*

Skills sah ihn abwartend an. Er rührte sich nicht vom Fleck, hockte vor der Höhle und wartete auf den nächsten Befehl. Immerhin etwas. Er reichte ihm bis zum Oberschenkel, aber nur wenn er, wie jetzt, hockte, und sich auf seinen breiten Affenfäusten abstützte. Wenn er stand, reichte ihm Skills bis zu den Schultern.

„Warte hier", sprach Draco ruhige Worte. Dann deutete er mit dem Zeigefinger nach oben, und gehorsam kletterte der Affe behände den nächsten Baum empor, dass alle Äste knarrten, setzte sich auf den breiten Ast und stieß ungeduldig die Luft aus den blauen Nasenlöchern aus. „Bin gleich wieder da", versprach Draco tonlos, wandte sich ab und machte sich auf die Jagd.

Der Affe lernte nur langsam, denn scheinbar war er nicht wirklich dafür geeignet, abgerichtet zu werden, aber Draco belohnte ihn mit so viel gegrilltem Schweinefleisch, dass der Affe ihm den Gefallen tat, mehr oder weniger zu gehorchen. Und Draco fütterte ihn gut, damit Skills niemals in die Verlegenheit kommen würde, Dracos Bein zu verspeisen, während er schlief. Er konnte den Affen nicht einschätzen, aber er verlor zusehends alles Kindliche und wuchs in seinen gefährlichen Körper. Aber immerhin blieb er im Versteck, bis Draco zurückkam. Er wartete jeden Tag auf ihn. Wahrscheinlich bildeten sie die Symbiose, die auch dem Affen noch von Nutzen war.

Und doch wusste Draco, würde er in einigen Monaten wiederkommen – und Merlin, er hatte sich damit abgefunden, in solchen Zeitspannen zu denken –, würde Skills wahrscheinlich nicht mehr warten. Er würde begreifen, dass auch sie Feinde waren. Er wäre erwachsen, und Draco wäre wieder allein.

So war es mit allen wilden Dingen, sagte er sich. Zähmte man sie, verloren sie zwar äußerlich alles Wilde, aber tief im Innern waren sie nur einen Herzschlag von der Wildnis entfernt. Er würde Skills nicht aufhalten, nicht zurückholen, sollte der Affe entscheiden, zu gehen. So einfach war ihre Beziehung. So sollten alle Beziehungen funktionieren, dachte er dumpf. Nicht, dass er großartig andere Beispiele anbringen konnte.

Draco spürte die Klinge des Messers an seinem Schenkel, und es beruhigte ihn immer mehr. Natürlich hatte er auch den Zauberstab dabei, aber… das Messer war mittlerweile die Waffe der Wahl. Er verließ sich auf die Klinge und sein Gehör. Sein Auge war zwar gut verheilt, aber der Sehnerv hatte minimal Schaden genommen, und weite Distanzen verschwammen vor seinem Fokus.

Es war nicht tragisch, denn er kannte die Wege der Schweine, kannte ihren Bau, ihre Verstecke. Und bisher gab es genug von ihnen. Nur heute stieß er allerdings auf kein Exemplar. Er strich mehrere Kilometer nach Osten, achtete darauf, den Wind nicht im Rücken zu haben, und er lauschte dem ungewöhnlich ruhigen Dschungel. Neben den Schweinen, war das Ziel der höchsten Priorität natürlich ein anderes.

Das Schlammblut hatte ihm Teile seiner Sehkraft genommen, und zu gerne würde er sich revanchieren.

Er war besonders leise, aber kein Schwein kreuzte seinen Weg. Ab und an war er sich den Schatten gewahr, die durch sein Blickfeld huschten. Mordeos waren heute unterwegs. Aber er schlief jede Nacht neben dem Affen, und der Geruch verlieh ihm instinktiv etwas Bedrohliches, von dem sich die meisten Tiere fernhielten.

Er hatte heute einen neuen Weg eingeschlagen, nachdem er erfolglos gesucht hatte. Er wusste er verließ sein gewohntes Terrain und begab sich auf direktem Weg zum Strand. Dort würde er keine geeignete Beute finden. Er würde sich weiter einwärts halten müssen.

Es verging eine fruchtlose Stunde. Etwas war anders heute. Dracos Aufmerksamkeit ließ nie nach. Er machte nie mehr Geräusche als nötig, blieb nie zu lange im offenen Dschungel als nötig, aber er war sich einer seltsamen Präsenz bewusst. Er dachte unablässig an das weiße Monster, an das Wispern in den Bäumen. Was war es? Gehörte es hier hin, oder… - er hatte es sich schon öfter gefragt – war es mit ihnen hier gelandet? War es hier so fremd wie sie?

Auf magischen Inseln wusste man nie. Sein Blick fiel prüfend auf einen Kadaver, den er beinahe übersehen hätte. Aber es war ein Mordeo-Skelett. Sauber zerteilt, bis auf die Knochen abgenagt. Das war… ungewöhnlich, hatte er doch angenommen, die Mordeos wären die größten Raubtiere im Wald. Zwar tippte er noch auf wilde Hirsche, wie er sie aus dem Verbotenen Wald kannte, allerdings waren Hirsche für gewöhnlich Vegetarier. Hier wusste er es natürlich nicht genau. Hier war alles möglich. Hier verschlang ein halbwüchsiger blauer Gorilla ein Schwein am Tag allein.

Vielleicht war ein weiteres Weibchen dem Rudel in die Quere gekommen, aber das Skelett war zu klein. Ungewöhnlich war, dass es mitten im Dschungel lag. Für gewöhnlich brachten alle Raubtiere ihre Beute in Sicherheit. Es wäre zu gefährlich, Beute offen zu verspeisen. Denn der Dschungel hatte seine Augen überall.

Entweder war das Tier, was hier am Werk gewesen war, unvorsichtig gewesen oder… die übrigen Tiere stellten keine Bedrohung dar. Und Draco konnte nur raten, was wahrscheinlicher war. Mittlerweile war er weit ab von seiner Höhle. Die Sonne stand schon hoch.

Gesetz dem Fall, es gab ein weiteres größeres Raubtier im Dschungel, dann hatte es sich bisher noch nicht gezeigt. Draco hegte die Vermutung, dass in den Tümpeln im Westen Alligatore lebten. Und in einem Dschungel, der Mordeos beherbergte waren für gewöhnlich Katzen nicht weit. Eine Wildkatze war ihm noch nicht untergekommen, das hieß aber nicht, dass sie nicht da war.

Und dann merkte er, was ihm wieder seltsam vorkam. Die Vögel hörten auf zu schreien. Das letzte Mal war das weiße Monster aufgetaucht, hatte den Dschungel in Dunkelheit und Donner gestürzt, und er hatte sich fast in die Hose gemacht vor Angst.

Kam es wieder? Jagte es ihn? Er wusste es nicht, und er wusste zu wenig über dieses Wesen. Er wusste, er sähe es lieber tot als lebendig. Wie so vieles hier!

Behutsam ging er weiter, behielt die Sträucher und Bäume im Auge, aber nichts Weißes verbarg sich darin. Unwillkürlich dachte er an das Schlammblut. Er hatte von ihr geträumt letzte Nacht. Es war aber nicht verwunderlich, denn er träumte häufiger von ihr. Von ihr oder von Zuhause. Allerdings war sie seit zwei Wochen nackt in seinen Träumen.

Er verzog missmutig den Mund bei diesem Gedanken. Sein Unterbewusstsein gab sich nicht einmal die Mühe, subtil zu arbeiten. Es war eine Abwechslung. Eine widerliche, aber eine Abwechslung. Er schüttelte sachte den Kopf.

Blätter verwirbelten plötzlich vor seinen Füßen, aber er spürte keinen Wind. Sein Blick glitt nach rechts und nach links, und fast wollte er wütend aufschreien, als er das vertraute Wispern der Blätter hörte.

„Ok!", rief er gereizt. „Komm raus! Stell dich gefälligst, damit ich dich töten kann!", drohte er mit barscher Stimme. Das Wispern nahm zu. Er versuchte, die Worte zu verstehen, aber sie ergaben keinen Sinn. Und plötzlich spürte er es. Und er wusste, es stimmte, denn manchmal wusste man diese Dinge. Die Nackenhaare standen ihm zu Berge, und er wusste – es war direkt hinter ihm.

Ein wenig neigte er den Kopf, aber der blendend weiße Schimmer, ließ ihn zusammen zucken, und bevor es den Arm – oder was auch immer – nach ihm ausstrecken konnte, rannte er.

Es war so eine irrationale Angst, und es war absolut feige, zu rennen, aber es war etwas sehr Primitives, was ihn sprinten ließ.

Die Angst kroch in seine Glieder, der weiche Unterboden gab unter seinen schweren Tritten nach, und zwischen den Bäumen blitzte die weiße Gestalt des Wesens auf, als es ihm folgte. Scheiße! So mutig wie er tat, war er wohl doch nicht.

Die Blätter wisperten seinen Namen, er war sich sicher! Draco Malfoy! Er konnte es in seinen Ohren praktisch spüren! Das Wesen kannte seinen Namen!

Doch er wollte nicht wissen, was geschah, wenn das Wesen ihn berührte! Er wollte es nicht herausfinden! Er hasste dieses Monster, was kein Fell besaß, was er nicht töten konnte! Dann brach die Gestalt plötzlich aus dem Dickicht, und Draco schlug einen Haken. Die Gestalt war so blendend hell, dass er weder Gesicht noch Form ausmachen konnte, aber sie wirkte so menschlich!

Der Dschungel lichtete sich. Vor sich erkannte er das weite Blau des unbekannten Ozeans, und Erleichterung putschte das Adrenalin höher. Er warf den Blick im Laufen zurück, aber die Gestalt folgte ihm nicht mehr. Sie war stehen geblieben, wurde schmaler und schmaler, und hätte er nach vorne gesehen, hätte er die verdammten Fallstricke bemerkt, über die er jetzt schmerzhaft stolperte.

Sie rissen Kratzer in seine Haut, und er schrie auf, als er nach vorne stürzte.

Was zur…? Er hockte auf allen Vieren im Sand, während seine Scheinbeine schmerzten. Sein Atem ging rasselnd schnell, und der Sturz war unsanft gewesen. Er rappelte sich mühsam auf.

Wer sollte hier…?

Doch er bemerkte den fremden Schatten, der von hinten vor ihn fiel. Langsam wandte er den Blick zurück, doch bevor seinen Feind erkennen konnte, spürte er einen betäubenden Schmerz. Etwas traf ihn hart auf den Hinterkopf, und er verlor das Bewusstsein so schnell, dass der Fluch auf seinen Lippen gefror, als er nach hinten kippte.

*now*

Sein Kopf schmerzte dumpf, als er den Rückweg antrat. Weg vom Strand, wieder in den Dschungel. Und er hatte seinen Zauberstab schwerst unterschätzt. Er konnte nur raten, wo Norden war, orientierte sich an den letzten Sonnenstrahlen, und er wusste, er durfte nicht trödeln, durfte nicht bis zur Dämmerung brauchen.

Und alles, was ihm jetzt als Waffe diente, war ein scharfer Stein und ein einigermaßen dicker Ast. Er fühlte sich praktisch nackt. Er verschwendete keinen Gedanken mehr an das scheiß weiße Wesen, was ihn – seiner Ansicht nach – überhaupt erst in diese Gefahr gebracht hatte!

Das elende Schlammblut würde doch noch gewinnen, indem er auf seinem Rückweg von Wildkatzen überfallen wurde, die ihn nur zu gerne verspeisen würden.

Seine Beine schmerzten, wo ihn die scharfen Späne geschnitten hatten, aber viel schlimmer schmerzte sein Kopf. Zornig wartete er nur auf das weiße Monster, was ihn immer in die Nähe des Schlammbluts brachte! Denn so sah er es. Das nächste Mal…! Aber was schwor er sich überhaupt? Erst mal musste er zu seinem Versteck. Erst mal musste er dem Schlammblut jede Aussicht auf den Sieg nehmen.

In den seltensten Fällen war das Glück ihm hold. Jetzt allerdings schien sich das schlechte Blatt zu wenden. Das arme Schwein wusste nicht, was es traf. Draco war hinter das riesige Exemplar geschlichen, und mit immenser Wucht hatte er den massigen Ast auf den Kopf des Schweins niedersausen lassen.

Es tat keinen Mucks mehr. Und Draco hoffte, es war direkt gestorben. Leblos hing ihm die Zunge aus dem Maul, und immerhin mit guter Ausbeute kehrte er zurück.

Und manchmal gönnte ihm das Glück noch ein bisschen mehr als genügend Beute, stellte er schließlich fest, als er den Weg wiedererkannte. Fast war es ironisch. Ohne Messer und Zauberstab fing er das größte Schwein seines Lebens.

Er ging zügig, so schnell seine Beine es erlaubten, damit das Fleisch nicht verdarb, denn er hatte keinen Zauberstab, um es zu konservieren, aber eine halbe Stunde später erreichte er im Stechschritt sein Refugium, ohne angegriffen oder verfolgt zu werden. Er dankte still dem Duft des Affen, der ihn immer noch umgeben musste.

Die Vögel schrien in gewöhnlicher Lautstärke, und er fragte sich, ob der Dschungel sich seine persönlichen Späße mit ihm erlaubte. Nach einigen Kilometern erklomm er die flachen Felsen, und seine Mundwinkel hoben sich minimal, trotz der bösen Schmerzen.

Denn… er hörte, dass seine Falle ihren Zweck nicht verfehlt hatte.

Wie ironisch es doch war. Das Schlammblut wog sich in Sicherheit, dabei war es ihm genau in seine Falle gelaufen. Fast war es schade. Aber er hatte die Narbe über seinem Auge nicht vergessen. Und er würde die nächsten Narben auf seinen Schienbeinen ebenfalls nicht vergessen.

Er begab sich auf die nächste Ebene, die auch die Mordeos nicht erreichen konnten. Er war schon mehr als beeindruckt, dass das Schlammblut überhaupt eine Ahnung hatte, wo sich sein Versteck befand. Aber er nahm an, dass sie einen Fährtenzauber angewandt hatte. Das wäre wahrscheinlicher. Denn er verbarg seine Spuren. Ganz im Gegensatz zu ihr.

Aber das Lächeln haftete mittlerweile überlegen auf seinen Zügen. Die Sonne versank langsam und tauchte den Dschungel in rötliches Licht. Den ganzen Tag hatte er gebraucht, wiederzukommen.

Keine zehn Meter von seinem Höhleneingang entfernt, klaffte ein Loch in der Erde. Denn er hatte sich die Mühe gemacht, nicht lediglich kleine Fallstricke zu spannen. Nein. Er hatte eine ganze Grube ausgehoben, hatte sie magisch getarnt, und mit dem kaputten Zauberstab konnte sie nicht einmal raus apparieren. Selbst die Wände hatte er magisch bearbeitet. Sie wäre nicht in der Lage hinaus zu klettern.

Endlich mal ein guter Tag. Ansatzweise.

Er hörte ihre zornige Stimme und fragte sich, wie lange sie schon in der Falle hockte. Skills saß unbewegt neben dem Loch und starrte zögerlich hinab. Er schien mit einem Menschen nicht viel anfangen zu können. Er war keine Killer-Maschine. Noch nicht. Aber immerhin bewachte er die Beute, dachte Draco feixend. Vielleicht könnte er jetzt dem Schlammblut ein paar Schmerzen zufügen. Die Waage befand sich schließlich in einem Ungleichgewicht, überlegte er bitter.

Er erreichte das Loch. Dumpf hörte er ihren Zorn aus der Grube. Dann beugte er sich lächelnd vor.

„Na sieh mal einer an", bemerkte er kalt, aber sie reagierte schnell, zog den Zauberstab, und der Stupor verfehlte ihn nur knapp. Er lehnte sich nicht mehr vor. Skills war mit großen Augen zurückgewichen. „Ich würde dir raten, das zu lassen, Schlammblut", rief er kopfschüttelnd.

„Fick dich, Malfoy!", ertönte ihre Stimme zornig aus der Grube. Sein Lächeln vertiefte sich.

„Das ist nicht das Zauberwort", erwiderte er nachsichtig, schulterte das Schwein und beschloss, zunächst Essen zuzubereiten. Skills folgte ihm mit hungrigem Blick. „Ja, ich weiß", bemerkte in Richtung des Affen. Er starb ebenfalls vor Hunger.

Er hatte noch ein Ersatzmesser in seiner Höhle, hatte das Schwein gehäutet und ausgenommen, allerdings mangelte es ihm an Feuer. Denn dafür war sein Zauberstab da gewesen.

Er hatte eine ganze Weile überlegt, hatte wahllos Steine aneinander geschlagen, aber es half nichts. Er trat an die Grube heran, aus der mittlerweile kein Geräusch mehr Drang. Wenn sie tot war, könnte er sich seinen Zauberstab holen. Das wäre die beste Alternative. Er hatte vorgehabt, sie dort unten schmoren zu lassen. Vielleicht auch einfach nichts zu tun, und dem Schicksal seinen Lauf zu lassen.

Allerdings hatte er Hunger. Großen Hunger.

„Wir haben zwei Möglichkeiten", rief er barsch, aber nichts rührte sich. „Du gibst mir meinen Zauberstab freiwillig oder du verhungerst in diesem Loch", schloss er ernst. Noch immer rührte sich nichts. Die Dunkelheit legte sich über den Dschungel wie ein schwarzes Tuch, und er hatte noch keine Nacht ohne Feuer verbracht. Es beunruhigte ihn minimal. Vielleicht war sie tatsächlich tot, vermutete er hoffnungsvoll und lehnte sich ein Stück weit –

Sofort zog er den Kopf zurück, als der grelle Zauber wieder knapp an seinem Ohr vorbeischoss. Miststück.

„Wir können das die ganze Nacht lang tun, Schlammblut, aber du wirst verhungern", prophezeite er bitter.

„Dann verhungere ich!", rief sie heiser. Damit hatte er gerechnet. Und fairerweise würde er es genauso machen. Scheiße.

Er war noch nicht soweit, Deals zu machen.

„Dann viel Spaß dabei", knurrte er und wandte sich ab. Skills wirkte mittlerweile regelrecht angsterfüllt. Auch er konnte sich wohl an keine Nacht ohne Feuer erinnern. Fast überlegte er, den Affen in die Grube zu schicken, aber er traute dem Schlammblut zu, dass sie sein Haustier eiskalt abstach. Es war keine Option.

Also wieder zu den Steinen. Eisen. Er brauchte Eisen. Er griff sich die alte Klinge und einen losen Stein, schlug zehn bis zwanzig Mal dagegen, aber der minimale Funkenflug reichte nicht mal für Rauchbildung aus. Scheiße. Diese Erfahrung fehlte ihm. Der Affe keckerte unzufrieden. Draco konnte das Festessen nicht einmal konservieren. Die ersten Fliegen setzten sich auf das gehäutete Tier und widerwillig griff er auf seinen Vorrat an Früchten zurück, die er in der Höhle lagerte.

Wieder keckerte der Affe. Draco ruckte mit dem Kopf Richtung Kadaver. Und tatsächlich war das wohl die echte Ironie des Tages. Er machte den Fang seines Lebens, konnte aber kein Feuer machen, um ihn zu verspeisen. Scheiße.

„Tu dir keinen Zwang an", murmelte er entnervt. Skills beschnupperte das tote Tier, aber sein Hausaffe war mehr als verwöhnt, stellte Draco kopfschüttelnd fest. „Es wird dir roh genauso schmecken", schloss Draco kopfschüttelnd. „Du bist ein Tier, Merlin noch mal!" Aber Skills rührte das unzubereitete Fleisch nicht an. Unfassbar. Er warf dem Affen eine Banane vor die Füße, die er nicht fing und nur missmutig aß. Dann würden sie heute etwas hungern müssen.

Draco würde sich ablenken, bis das Schlammblut ihren ersten Fluchtversuch startete. Er nahm an, sie legte sich bereits einen bemitleidenswerten Plan zurecht. Kauend beobachtete er das Loch, was in Dunkelheit versank.

Er würde warten.

Ihr Knöchel schmerzte, und der Zauberstab war so angeknackst, dass er die Heilung nicht vollständig durchführen konnte. Er war nahezu nutzlos. Sie verzog den Mund, als sie sich aufrichtete. Sie musste vorsichtig sein. Apparieren war ebenfalls unmöglich. Ihre einzige Chance war, zu klettern. Sie hatte es schon versucht, wusste aber nicht mit welchem Zauber Malfoy die Wände der Grube so glatt bekommen hatte.

Sie schaffte nicht mal einen Treppenzauber mit seinem Zauberstab. Sie hockte hier, mit halb gebrochenem Knöchel und einem halb zerbrochenen Zauberstab in einer verdammten Grube, die so tief war, dass sie mit ausgetreckten Armen den Rand nicht erreichen konnte.

Lautlos entfachte sie den schwachen Lumos-Zauber. Er schien kaum weit genug aus der Grube raus, aber sie zielte letztendlich blind nach oben und wisperte die Worte bloß.

Accio Ranke!" Und tatsächlich! Der Accio funktionierte noch! Die Ranke löste sich von dem breiten Baum neben der Grube und schlängelte sich über den Rand, hinab.

Fast war sie euphorisch, steckte den Zauberstab in den Hosenbund, und griff um das schmale Holz und hoffte, es hielt. Aber kaum hatte sie den ersten Meter überwunden, hörte sie ein Reißen. Sie stürzte nach hinten und mit einem Keuchen fiel sie auf den Hosenboden zurück.

Sie hörte seine Stimme von oben. Er musste die Ranke durchgeschnitten haben.

„Netter Versuch, Schlammblut", lobte er sie spöttisch. Er schlief also nicht, fiel ihr auf. Wahrscheinlich wartete er nur, dass sie versuchte, raus zu kommen. Wichser.

„Hier. Ein bisschen Gesellschaft für dich", ergänzte er kalt, und sie hörte, wie er etwas warf. Sie schloss die Augen, aber etwas Hartes, Feuchtes traf sie dennoch an der Schulter. Hastig zog sie den Zauberstab, und vor Übelkeit musste sie würgen, als der Lumos ihr zeigte, was er hinab geworfen hatte.

Es war das Schwein, was er wohl hatte braten wollen. Es war bereits dunkel geworden, und Fliegen tummelten sich auf dem Körper. Sie wich an den äußersten Rand der Grube zurück und belegte den riesigen Schweinekörper mit einem Geruchlos-Zauber. Glücklicherweise wirkte dieser! Zumindest für ihre Nase! Sie konnte es nicht anzünden. Hier unten würde sie wahrscheinlich an einer Rauchvergiftung sterben.

Und jetzt musste sie sich den schmalen Platz hier unten mit einem Kadaver teilen.

Sie wollte fast weinen. Hätte sie ihn doch am Strand getötet! Oh hätte sie doch! Wie konnte sie jetzt hier festsitzen? Wie konnte sie seine Falle nicht erraten haben? Sie war zu leichtsinnig und arrogant gewesen. Schon wieder! Sie würde hier verhungern. Wenn sie nicht schon vorher vor Ekel starb.

Sie lehnte an der Wand, hatte die Knie an den Körper gezogen, deckte sich mit ihrer vertrauten Matte zu und wünschte sich fast, am Strand geblieben zu sein. Fast vermisste sie das Rauschen des Meeres. Sie träumte von Gruben und Schweinekadavern, die sie jagten, als sie in einen unruhigen und kurzen Schlaf fiel.