9. When the Tigers come

Es war nicht das erste Mal, dass der Affe ihn weckte. Aber es war das erste Mal, dass es noch stockfinstere Nacht war. Er öffnete blinzelnd die Augen. Ihm fiel mit Schrecken ein, dass er ja das Schlammblut hatte bewachen wollen, was in seiner Falle festsaß, aber er musste eingeschlafen sein, die geflochtene Blattdecke um seine Schultern.

Instinktiv griff er neben sich nach seinem Zauberstab, und seine Hand suchte vergebens den erdigen Boden neben der Höhle ab – er hatte keinen Zauberstab mehr! Und im Dunkeln wirkte seine vertraute Umgebung… nicht mehr so vertraut.

Skills bewegte sich neben ihm. Er konnte ihn nur schemenhaft erkennen, aber etwas war nicht in Ordnung! Ganz und gar nicht. Der Affe machte leise Geräusche einer eigenartigen Unbehaglichkeit.

„Was ist?", flüsterte Draco rau, aber nervös lief der Affe umher, mal zum Eingang der Höhle, mal in die Nähe der Grube. Draco kniff die Augen zusammen. Er konnte nichts in der Dunkelheit erkennen. Und er bemerkte die Stille. Es war eine andere Stille als die, die er mittlerweile von dem weißen Wesen kannte. Kein Wispern erfüllte die Luft. Etwas anderes lag in der Dunkelheit, und seine Augen gewöhnten sich an die Schwärze.

Es war, als warteten die nachtaktiven Tiere des Dschungels angespannt auf das, was kommen würde.

Er war sich nicht sicher, ob der Affe ihn geweckt hatte, um ihn zum Gehen zu bewegen, um ihn aufmerksam zu machen, auf eine neue Gefahr.

Draco wusste nur, sein Verstand arbeitete schnell.

Ab und an hörte er die Dschungel-Frösche quaken. Verhalten, vereinzelt. Er spitzte die Ohren. Etwas schlich durch sein Terrain. Blätter bewegten sich fast lautlos. Irgendetwas jagte da draußen, nicht mehr vom Feuerschein abgehalten. Draco fragte sich mit wachsender Ungewissheit, wie viele Bestien er mit seinem Lagerfeuer jeden Abend, Nacht für Nacht, ferngehalten hatte.

Und so wie der Affe sich heute Nacht anstellte, musste tatsächlich etwas in den Büschen lauern, das selbst einem Riesengorilla Angst einjagte. Draco gefiel es nicht. Ganz und gar nicht. Mit seinem alten, stumpfen Messer würde er keinen Kampf gewinnen.

Von nicht allzu weit drang plötzlich ein Geräusch an seine Ohren, dass sein Blut gefrieren ließ.

Es war ein melodisch tiefes Knurren, was durch eine tierische Lunge hallte, verborgen im Schutz des Dickichts.

Daraufhin schwieg der Dschungel. Selbst die Frösche hielten den Mund. Gar nicht gut. Wirklich absolut gar nicht gut, erkannte er mit klopfendem Herzen.

Höher! Er musste höher, wusste er sehr schnell. Was auch immer gerade auf der Jagd war, jagte am Boden. Er wich an den rauen Fels der Höhle zurück, fand den hervorragenden Stein, kletterte blind höher, und wusste, über der Höhle hing ein Ast niedrig genug, dass Skills ihn mühelos erreichte. Er müsste das ebenso schaffen.

Allerdings war es stockfinster!

„Malfoy", hörte er seinen Namen, und fast glaubte er, es sei wieder das Wesen, aber… - natürlich nicht. Es war das Schlammblut in der Grube. Sachte hatte sie seinen Namen gesagt. Und fast wollte er nicht antworten. Sie lockte das Tier höchstwahrscheinlich nur in die präzise Richtung. Es war ein dämlicher Gedanke, denn dieser Jäger konnte im Dunkeln höchstwahrscheinlich besser sehen, als sie drei zusammen. Widerwillig atmete er aus, während er blind am Felsen hing.

„Was?", zischte er, laut genug, dass sie es hören konnte.

„Was ist das?", fragte sie heiser, und was bei Salazar glaubte sie, was er war? Ein verdammtes Tierlexikon für magische Tropeninseln?! Aber… sein Blick fokussierte plötzlich. Sie hatte den Zauberstab! Aber… sie kam nicht aus der Grube.

Fuck. Er hatte nicht viel Zeit. Nein, er hatte überhaupt gar keine Zeit, um abzuwägen, dachte er panisch, während sein feiger Affe es ihm längst gleichgetan hatte und den Felsen hochgeflüchtet war. Er konnte scheinbar im Dunkeln besser sehen als Draco. Und das Schlammblut schien begriffen zu haben, dass er nicht antworten würde.

„Der Kadaver", sagte sie schließlich. „Es muss den Kadaver riechen!", ergänzte sie dumpf aus der Grube, und Draco nahm jedoch schwer an, dass dieses Tier eher an der lebendigen Beute interessiert war.

Dann sollte es das Schlammblut haben, entschied er sich spontan.

War es das Tier, was den Mordeo mitten im Dschungel verspeist hatte? Dann würde es diesen Ort aber leider nicht wieder verlassen, sondern gemütlich fressen. Vielleicht verspeiste es das Schlammblut samt seinem Zauberstab? Sie würde sich nicht wehren können. Generell nicht, und garantiert nicht von der Grube aus. Zornig atmete er aus. Er hatte nicht genug Informationen. Und er hatte nicht genug Zeit.

Er wusste weder, wie hungrig dieses Tier war, noch, wie gefährlich es wirklich sein könnte. Scheiße!

Er kletterte den halben Felsen wieder hinab. „Gib mir meinen Zauberstab", knurrte er jetzt und wagte sich langsam näher an die Grube.

„Nein!", erwiderte sie sofort. Sein Kiefer spannte sich an vor Zorn. Er hatte keine Zeit zu diskutieren.

„Gib ihn mir, oder wir sind gleich beide tot!", warnte er sie, und er meinte die Worte ernst. Wirklich ernst.

„Hol mich hier raus!", lenkten sie seine nächsten Worte ab. „Oder ich zerbreche deinen Zauberstab!", drohte sie jetzt. Das Rascheln näherte sich. Er konnte es hören. Eine Gänsehaut kroch über seinen Nacken. Was immer dort lauerte, war genauso böse, wie er glaubte. Er spürte es.

„Was?", entfuhr es ihm zornig. „Bist du komplett bescheuert?", fuhr er sie an, und wusste, sie log. „Das würdest du nicht tun!"

„Sicher", widersprach sie kalt. „Hier unten kann ich mich nicht verteidigen. Ich komme nicht raus. Sterben werde ich dann sowieso!"

Innerlich stöhnte er auf. Er war nicht geschaffen für diese Situationen. Schon im Krieg war er nicht geschaffen gewesen, für spontane Entscheidungen, für kluges Handeln. Er war kein Stratege. Genau deshalb saß er jetzt hier auf dieser scheiß Insel fest!

Sollte sie, dachte er plötzlich, während die Gänsehaut seinen gesamten Körper befiel, als er keine drei Meter entfernt, ein Rascheln der Blätter vernahm. Die Stille war erdrückend geworden. Sollte sie ihn zerbrechen! Sollte dieses Monster ihnen beiden ein Ende setzen, Merlin noch mal! Dann wäre es endlich vorbei!

Aber es war ein Elend, mit dem dämlichen Überlebensinstinkt, dachte er mit klopfendem Herzen. Fuck!

Und fast resignierend atmete er aus. Es war ein Fehler, und er wusste es schon vorher. Immerhin, dachte er dumpf, während er sich flach auf den Boden warf, die wenigen Zentimeter zur Grube robbte und seinen Arm hinabstreckte.

„Beweg dich!", knurrte er tonlos, und ihre kühlen Finger fanden innerhalb von Sekunden sein Handgelenk, umschlossen es hart, und er zog. Mit aller Kraft zerrte er sie aus dem Loch, während ihre Füße nutzlos an den präparierten Wänden abglitten. Schweiß trat auf seine Stirn, als er aus den Augenwinkeln plötzlich zwei helle Schlitze bemerkte, direkt auf seiner niedrigen Augenhöhe. Giftig gelb blitzten sie zwischen den Blättern hervor, und mit allen Kraftreserven zog er sie hoch, zog sie so heftig, dass sie praktisch auf ihn stürzte.

„Gib mir meinen-!", verlangte er keuchend, und etwas Mächtiges erhob sich aus dem Gebüsch, hatte zum Sprung längst angesetzt, und das Schlammblut schwang den Zauberstab so kraftvoll, dass er das Holz im Innern noch etwas mehr bersten hörte.

Accendio!", brüllte ihre Stimme jetzt, und der Zauber entfaltete höchsten halbe Wirkung, aber er war so eindrucksvoll, dass Dracos Mund sich stumm öffnete, als die Flammen gleißend hell und kochend aus der Spitze des Zauberstabs brachen, und die Bestie vor ihnen in ein schreckliches Licht tauchten.

Sein Atem gefror, als sich die schlitzartigen gelben Augen des Raubtiers instinktiv schlossen, während es im Sprung strauchelte, vor dem Feuer zurückscheute, und es Maß bestimmt drei Meter in seiner Länge, den massiven Schwanz mitgemessen. Der Kopf war breit, vorne flach, wie der Kopf eines Tigers, aber diese Raubkatze war schwarz, und nur nebelartig konnte Draco im Licht des Feuers, sanfte Fellfärbungen auf dem Schwarz ausmachen.

Die Zähne waren lang, gefährlich scharf, und die Pranken zeigten die Krallen selbst in einem Zustand, wo das Tier nicht angriff. Es knurrte tief, während das Schlammblut den Zauberstab mit beiden Händen umfasste. Die Flammen wurden kleiner, aber das Tier scheute das Feuer noch immer, schenkte ihnen einen so hasserfüllten Blick aus den giftigen Augen, und dann wich es lautlos zurück, und nach einem Augenzwinkern war es im Dickicht des Dschungels verschwunden.

Das Schlammblut richtete die letzten Flammen in die Grube, wo sie den Kadaver nahezu sofort entzündeten, ehe sie keuchend auf den Boden zurück fiel, Schweißperlen auf der schmutzigen Stirn. Hoch züngelten die Flammen in der Grube, und er sah sie an. Schemenhaft beleuchtete das Feuer ihr Gesicht.

Dann drehte sie den Kopf. Sein Mund öffnete sich, und fast war er sich absolut sicher, dass sie ihn jetzt verfluchen würde.

Es vergingen qualvolle Sekunden, und dann fiel ihr Blick, während sie noch immer mit offenem Mund nach Luft schnappte.

Mit einem Plumps landete Skills hinter ihnen. Das Schlammblut zuckte zusammen, aber Draco sah schwer atmend zu seinem Hausaffen auf, der wenigstens genug Anstand besaß, sich scheu zu nähern und ihn zu beschnuppern.

„Du bist gut für gar nichts", knurrte er außer Atem, und der Affe keckerte leise. „Feiges Vieh", zischte er kopfschüttelnd. Der Affe kam näher und schnupperte an dem Schlammblut. Sie sah völlig fassungslos aus.

„Ist das…?" Sie sprach nicht weiter, aber Draco sah die Falten auf ihrer Stirn. „Es ist einer von den Monster-Gorillas?", wisperte sie, und Draco atmete aus.

„Das… Tier am Schiff", sprach er widerwillig, „war ein Weibchen gewesen. Das ist eines ihrer Jungen", erläuterte er, obwohl er nicht wusste, weshalb. Wahrscheinlich war er dankbar, dass sie ihn nicht auch direkt verbrannte. Mit Feuer schien sie umgehen zu können.

„Und du hast es mitgenommen?" Sie sah ihn gänzlich verstört an. Er sagte nichts. „Wieso?", entkam es ihr ungläubig. Ihre Augen zogen sich zusammen. „Mitleid?", verließ das Wort fassungslos ihre spröden Lippen, und Dracos Kiefer spannte sich an.

Sie war so nahe, dass er ihre Beine an seinen spüren konnte. Der einzige Grund, warum sie noch bei Bewusstsein war, war, dass sie seinen Zauberstab in der Hand hielt. Und er hatte kein Mitleid! Mit gar nichts!

Aber ihr Blick war wieder gefallen. Und dann wurde sie ernst. Sie hob den Zauberstab wieder. „Kann er töten?", wollte sie direkt von ihm wissen, mit Blick auf seinen Zauberstab, und Draco war kurz überrascht von der Kälte in ihrer Stimme. Fast wünschte er, der Zauberstab könnte es. Dann wäre es endlich vorbei.

Seine Augen fixierten kurz die Spitze seines Zauberstabs, die sie auf ihn gerichtet hielt.

„Nein", entgegnete er tatsächlich wahrheitsgemäß. Der Affe stieß nervös die Luft aus, schien nicht viel mit der Situation anfangen zu können, aber Draco hatte kein Kommando, woraufhin Skills dem Schlammblut den Kopf abreißen würde. Sein Affe war dumm. Und er befolgte keine Befehle. Keine wichtigen zumindest.

„Wirklich?", vergewisserte sie sich kühl.

„Ja", bestätigte er finster.

Kurz sah sie ihn ausdruckslos an. „Dann ist es eine metaphorische Geste", murmelte sie kalt. Der eisige Blick ihrer Augen erinnerte ihn an die Mordlust des Tigers vor wenigen Minuten, und fast hielt er die Luft an, als sie sprach.

Avada Kedavra!", sagte sie die Worte bestimmt und ohne Zögern, mit dem passenden Blick und echter Absicht dahinter. Der Zauberstab zischte kurz, aber nicht ein grüner Funke verließ die Spitze.

Er hatte nicht gemerkt, dass er noch immer die Luft anhielt, und stoßweise verließ sie seine Lungen jetzt in einem einzigen Zug. Miststück! Sein Herz jagte in seiner Brust, obwohl er gewusst hatte, dass es nicht funktionierte.

„Du hast nicht gelogen", bemerkte sie bitter. Fast enttäuscht.

„Fick dich", knurrte er am Rande seiner Selbstbeherrschung. Würde er die Hände jetzt heben, würden sie zittern, wusste er.

„Das war für die Grube", entgegnete sie. „Und dass du mich da drin verrotten lassen wolltest", ergänzte sie, während sie sich schmerzerfüllt aufrichtete. „Und für-" Aber diesmal unterbrach sie sich, aber im Feuerschein erkannte er die Hitze in ihrem Gesicht.

Oh, er wusste, wofür. Und deshalb war es eigentlich schade, dass der Avada nicht mehr funktionierte. Wirklich schade. Denn nicht nur sie hatte dieses Zusammentreffen geschädigt! Er war mindestens genauso geschädigt! Und er sprach nicht einmal von seinem Auge! Sie ließ ihn am Boden zurück, während Skills seinen dicken Kopf an seiner Schulter rieb. Draco war so wütend, dass er den Affen zurückschob.

„Du fick dich auch", murmelte er gepresst, aber dem Affen waren die Worte herzlich egal. Er kam ebenfalls auf die Beine. Sie war vor seiner Höhle stehen geblieben, und die Situation überforderte ihn. Was passierte jetzt? Dann wandte sie sich ihm zu. Erschöpfung zeichnete ihre Gestalt. Aber ihre Neugierde siegte wohl über jede Vernunft.

„Wo sind wir hier?" Fast unwillig sprach sie die Worte, als wollte sie ihn gar nicht fragen. Aber dennoch sah sie ihn an, mit dunklen, fragenden Augen, und ihr Blick war so stechend, als wolle sie alleine durch Gedankenkraft eine Antwort von ihm erhalten. Sein Herzschlag beruhigte sich langsam. Skills setzte sich neben ihn und betrachtete das Schlammblut mit tierischem Interesse.

Sein Blick verließ ihr Gesicht, um den Dschungel zu betrachten, als sähe er ihn zum ersten Mal.

„Du hast den verdammten Portschlüssel zerstört, also sag du es mir", erwiderte er eisig, denn er hatte keine Sekunde lang vergessen, dass sie an dieser Situation hier Schuld hatte. Und zwar sie allein. Er verzichtete vorerst allerdings auf das Wort ‚Schlammblut', in Anbetracht der leidigen Tatsache, dass sie diejenige mit dem Zauberstab war.

„Richtig", entfuhr es ihr zornig. „Weil ihr scheiß Todesser überhaupt einen gottverdammten Portschlüssel erzeugen musstest, bin ich schuld, dass euer Plan nicht funktioniert hat! Du bist so erbärmlich, Malfoy!", rief sie, dass die Frösche kurz innehielten.

„Ich würde dir vorschlagen, noch lauter zu schreien, damit die wilden Tiere hier auch ja nicht überhören, dass Beute in der Nähe ist!", schrie er zurück, ohne sich abhalten zu können. Und es war eigenartig, aber – es tat gut! Es tat verdammt noch mal gut, seinem Ärger Luft zu machen – und nicht gegenüber Schweinen oder einem einfältigen blauen Gorilla – nein! Gegenüber der Person, die Schuld an seinem Leid trug!

„Ich glaube, ich habe bewiesen, dass ich mich sehr gut gegen jede Bestie, die hier rumläuft verteidigen kann, Arschloch!", würzte sie ihre Worte mit einem entsprechenden Blick auf ihn. Er war keine Bestie! Sie war ein widerliches Schlammblut!

„Genau!", erwiderte er außer sich. „Sich am Strand verstecken, beweist ziemlich viel Mut!", rief er spöttisch, und sie hob den Zauberstab, um ihn wieder auf seine Brust zu richten.

„Zumindest weiß ich, dass der Stupor noch funktioniert!", warnte sie ihn.

„Viel Spaß!", forderte er sie auf und hob die Hände. „Du überlebst hier keine Sekunde im Dschungel!", provozierte er sie wütend.

„Ach nein?", entgegnete sie hitzig und kam näher. „Ich kann mich nicht entsinnen, dass du den Riesentiger vorhin in die Flucht geschlagen hast!" Er nahm an, mittlerweile hatte jeder Mordeo auf fünf Meilen Entfernung ihr Geschrei vernommen. „Außerdem bin ich diejenige, die seit Wochen ohne Zauberstab überlebt! Ganz im Gegensatz zu dir! Du kannst ja nicht mal Feuer machen, ohne deinen verdammten Zauberstab!"

Sein Atem ging schnell, und seine Hände hatten sich zu Fäusten geballt. Und sie hatte bedauerlicherweise nicht Unrecht. Er konnte kein Feuer machen. Und diese Tatsache hielt ihn bis jetzt davon ab, sie davonzujagen. Nicht nur hatte sie sein gutes Messer, sie hatte auch seinen Zauberstab. „Na? Keine Argumente mehr, Arschloch?" Herausfordernd sah sie ihn an.

„Du bist keines meiner Worte wert", erwiderte er ruhiger, denn er sollte sich nicht mal die Mühe machen, sich über sie aufzuregen.

„Oh, tu nicht so!", spuckte sie ihm entgegen. „Wie oft hattest du die Chance, mich umzubringen, Malfoy?", wollte ihre nervtötende Stimme von ihm wissen, und seine Kiefer mahlten aufeinander.

„Halt dein Maul!", warnte er sie gepresst, aber das tat sie natürlich nicht.

„Viermal? Oder sogar öfter?", spottete sie weiter, und er atmete durch die Nase ein, denn er hatte seine Lippen fest aufeinander gepresst.

„Du hast mich heute auch nicht getötet, dabei hattest du dutzendfach die Chance!", knurrte er. „Nein, du hattest sogar Mitleid genug, mich aus der Sonne zu holen, du erbärmliches Miststück!", fuhr er bitter fort und sah sie schlucken. Sie schien darauf keine Antwort zu wissen. „Also komm mir nicht mit Chancen!", schloss er rau.

„Glaub mir", sagte sie plötzlich und kam näher, leuchtender Hass in den dunklen Augen, „wäre dieser Zauberstab zur mehr fähig als Feuer zu machen, würde ich dir auch die sportliche Chance von zehn Sekunden geben, bevor ich dir den Kopf wegblasen würde, ohne mir meine Hände schmutzig zu machen!"

Er bewegte unschlüssig seinen Kiefer. Gut, vielleicht schafften sie es doch noch, sich umzubringen.

Er bemerkte, wie der Morgen zu grauen begann. Erschöpfung und Müdigkeit steckten ihm in den Knochen sowie der Hunger. Er spürte wieder die Kopfschmerzen – an denen sie schuld war. Sie stanken nach Rauch und Ruß, und auch sie wirkte erschöpft. Ihr Knöchel schien angebrochen zu sein. Und er gönnte es ihr. Nur eines war jedoch offensichtlich, begriff er, fast erleichtert. Sie waren beide nicht wirklich in der Lage, eine große Distanz zwischen sich zu bringen. Sie nicht, weil sie nicht laufen konnte, und er nicht, weil er ihr seinen Zauberstab nicht kampflos überließ. Nicht auf Dauer.

Seine Augen überflogen ihr Gesicht, ihre Erscheinung, und dann schritt er in Richtung Höhle. Er brauchte eine Pause. Er überließ ihr seinen Zauberstab. Für den Moment. Es würde sie in genug Sicherheit wiegen, um nicht zu gehen, nahm er an. Ihr Blick folgte ihm. Fast glaubte er, würde sie ihn fragen, wohin er ging, aber sie sagte gar nichts mehr.

Vom Eingang der Höhle aus wandte er den Blick unauffällig über die Schulter zurück, aber sie blickte starr in den Dschungel, seufzte und ließ sich dann vor dem Feuer nieder.

Die angehaltene Luft verließ seine Lungen.

Das war kein Waffenstillstand. Es war nur… eine Pause.

Er nahm an, dass irgendwo in den Büschen das weiße Monster hocken musste und sich herrlich amüsierte. Denn das war doch genau das, was es wollte – er, dem Schlammblut unfähig ausgeliefert. Es war seltsam, dass die gefährlichen Monster auf dieser Insel farblich monochromatisch waren. Das Weiße und das Schwarze. Wobei er heute Nacht sagen musste, dass er das schwarze Monster mit den scharfen Zähnen und den gelben Augen bedrohlicher fand, als das weiße. Es war so ein Bauchgefühl.

Hastig folgte ihm sein Affe. Nicht, dass Skills auch nur im Ansatz in der Lage war, ihn vor irgendetwas zu beschützen. Nicht vor einem Tiger und garantiert nicht vor einem Schlammblut.