16. The Unicorn

Als er wach wurde, wusste er, sie hatte ihn nicht geweckt. Es war lichter Tag, und schmerzhaft erhob er sich von den gefütterten Blätterkissen, die sie geflochten haben musste. Draußen hörte er Geräusche. Er nahm allerdings nicht an, dass sie sich in einem Todeskampf befand.

„Guter Junge!", vernahm er dumpf ihre fröhliche Stimme, und mühsam schritt er zum Höhleneingang. Die Sonne blendete ihn. Das Wetter hatte sich gebessert und heute würde er den Pelz nicht tragen können. Es war regelrecht heiß.

Sein Blick fand sie, gerade als sie einen Stock mit voller Wucht von sich schleuderte. Er landete dutzende Meter weiter im Gras, und Skills hechtete schnaubend hinterher, überschlug sich fast, schnappte den Stock mit den scharfen Zähnen, ohne ihn zu zerbrechen und rannte auf allen sechs Beinen zurück zu ihr.

„Sehr gut!", lobte sie ihn wieder, und Draco runzelte die Stirn, als er langsam näher kam. Er pfiff durch die Zähne. Es war ein hoher Ton, und Skills reagierte sofort, ließ den Stock fallen und lief zu ihm. Draco tätschelte knapp den blauen Schopf des Tieres, und das Schlammblut folgte Skills im Laufschritt. Außer Atem erreichte sie ihn.

„Er ist wirklich clever ge- oh mein Gott, Malfoy!" entkam es ihr mit einem Mal schockiert, und sie betrachtete seine Wunde.

„Es sieht nur schlimm aus", tat er ihre Sorge ab.

„Nein, es ist auch schlimm!", beharrte sie und kam noch näher.

„Stopp!", warnte er sie ruhig, streckte die Hand aus, und sie verharrte. „Ich brauche deine Hilfe nicht, also…" Er wusste nicht, was er sagen sollte. Sie wirkte überfordert.

„In der Nähe wachsen Weißwurzeln. Ich kann sie trocknen, und sie werden die Entzündung stoppen." Er atmete entnervt aus.

„Ich habe einen Zauberstab", versicherte er ihr bloß.

„Ja, der einen Scheiß tut, nehme ich an", fuhr sie ihn an.

„Es ist ausreichend", erwiderte er, und Wut zierte ihr Gesicht.

„Du kannst ein Arschloch sein, Malfoy, oder du verhältst dich einfach vernünftig, und lässt dich behandeln", schoss sie zornig in seine Richtung. Er stöhnte auf.

„Fein", gab er sich missmutig geschlagen. „Tob dich aus. Aber es ist unnötig. Und das nächste Mal weckst du mich, wenn ich es dir sage", schnappte er kalt, aber er beeindruckte sie nicht, mit seiner Ablehnung, ging ihm auf.

„Ja. Halt einfach deinen Mund", entgegnete sie barsch, und sein Blick folgte ihrem Körper, der mit wütenden Schritten in Richtung der Bäume verschwand.

Er atmete aus. Es war ein Fehler gewesen mit ihr zu gehen. Ein mächtiger Riesenfehler. Skills schnaubte leise, wie zur Bestätigung.

„Ich weiß", murmelte Draco, der manchmal so tat, als führe er mit dem Affen eine Unterhaltung, „wir werden nicht lange hier sein, Großer", prophezeite er seufzend. Die letzten vier Wochen hatte er in den Schatten des Dschungels gelegen, hatte sich geschworen, nach seinem großen Fehler, Dumbledore umgebracht zu haben, würde er ihr nichts geschehen lassen. Denn es war sein Fehler gewesen. Seine verdammte Schuld. Dass sie gerannt war, dass er ein Arschloch war.

Es war sein Problem, wenn er von ihr träumte. Alleine seins. Er war immer noch ein Todesser. Sie war immer noch ein Schlammblut, und von ihr zu träumen war gegen jede Regel der Vernunft.

Es machte ihn schon jetzt nervös, dass sie seine Wunde behandeln wollte, dass sie ihm näher kommen wollte, als er ertragen konnte. Und er hasste sich ein kleines Bisschen mehr. Die letzten Wochen hatte er damit zugebracht, sich abzuhärten, alles zu töten, was ihm Angst machte, aber diese eine Sache… diese eine Furcht ließ sich nicht bekämpfen. Er hatte Angst, dass er es nicht abschüttelnd konnte, was die Träume mit ihm taten.

Träume bedeuteten wenig, wusste er. Er träumte auch von Zuhause, von seinem Vater und seiner Mutter. Dass hieß nicht, dass er sie allzu bald sehen würde. Dass er davon träumte, ein Schlammblut zu besitzen, so wie ein Mann eine Frau auf alle Arten besitzen konnte, hieß auch erst mal wenig, dachte er bitter. Es hieß erst mal, dass seine Potenz ihn auf die Tatsache aufmerksam machte, dass sie die einzige Frau in Reichweite war. Und die Träume zeigten ihm auf die stumpfeste Weise, wie er sich Erleichterung verschaffen könnte.

Sein wacher Verstand würde niemals so weit gehen. Niemals. Bei Bewusstsein war er noch normal. Und es half, dass er wusste, dass sie ihn umgehend töten würde.

Es beruhigte ihn, wenn sie ihn Arschloch nannte. Es kam niemals zu dem Punkt, wo Traum und Wirklichkeit verwischten. Er wusste, was krank war, und was nicht. Und seine Träume waren krank.

Er hatte nächtelang wachgelegen, um nicht zu träumen. Und er hatte sich gefragt, was Dumbledore ihm hatte mitteilen wollen. Dass sein Schwanz so tief gesunken war, Sex mit einem Schlammblut zu erwägen? Ja. Das wusste er bereits. Dafür brauchte er Dumbledores Wink mit dem Zaunpfahl nicht.

Und der Moment… er erinnerte sich, als wäre es vor zwei Minuten geschehen.

Er hatte das weiße Monster entdeckt und ohne Angst, ohne Zögern war er gerannt. Schneller und schneller – bis das Licht ihn so geblendet hatte, dass er die Augen schließen musste. Blind hatte er sich nach vorne gestürzt, den Säbel ausgestreckt, und dann hatte die Klinge etwas durchbrochen, und das triumphale Gefühl war berauschend gewesen. Denn das Monster fiel zu Boden, er hatte gegen das Licht geblinzelt, und erst dann war ihm aufgefallen, das Monster war nicht gerannt. Es… hatte ganz still gestanden, als… hätte es gewartet.

Dann erlosch das Licht, wie eine Kerze, die vom Wind erfasst wurde, und er wusste noch, wie schockiert er zurückgewichen war. Wie sich etwas Schreckliches in seiner Brust zusammengekrampft hatte, als er sah… als er verstand.

Und der alte Mann wirkte so, wie er immer gewirkt hatte. Erhaben, allwissend und… so real, dass Draco die Tränen zunächst nicht gespürt hatte. Und dann hatte er ihn geschüttelt, hatte seine Hände auf die tiefe Wunde gepresst, die der Säbel in Dumbledores Körper gerissen hatte, hatte den Zauberstab gezogen, aber er hatte keine Wirkung gehabt, Und Draco hatte nichts tun können, als zu schreien und zu flehen.

Er glaubte, er hatte tausend Entschuldigungen gestammelt, und Dumbledores Ausdruck war nicht unfreundlich gewesen. Draco erinnerte sich an die strahlend blauen Augen. Dumbledore hatte ihn so drängend angesehen, und dann hatten sich seine Augen geschlossen. Er war Draco entglitten, ohne dass er etwas hätte tun können. Das weiche Fabrikat seiner Kleidung hatte sich plötzlich unter Dracos Fingern aufgelöst, gleißendes Licht hatte ihn erneut geblendet, so dass er zurück gefallen war, und dann… wie die lächerliche muggelhafte Vorstellung eines Engels, war Dumbledores Körper verschwunden, war vom goldenen Licht verschluckt worden. Und Draco war wieder allein gewesen.

Die Schwäche überkam ihn wieder, und er ging zurück in den Schatten der Höhle. Es war zu heiß draußen. Viel zu heiß.

Und er hatte sich geschworen, dem Schlammblut nicht zu erzählen, was er getan hatte, sollte er sie noch einmal wiedersehen. Und er hatte nicht damit gerechnet, dass sie es wusste. Bei seinem Leben nicht. Und er hatte nicht geglaubt, dass sie ernsthaft davon ausging, dass dies nicht das Ende war. Brachte man Dumbledore um, so bedeutete das für ihn das Ende. Irgendwo tief in seinem Innern. Er war sich sicher, er hatte ihnen beiden damit keinen Gefallen getan, aber sie sah es anders.

Es war das erste Mal, dass er ihr gegenüber etwas anderes empfunden hatte als Hass und Scham und Ekel. Sie hatte ihn nicht dafür umgebracht, dass er Dumbledores Erscheinung getötet hatte. Sie schien es… gewusst zu haben!

Fast wünschte er sich, dass sie ihn fortgejagt hätte. Aber… es hatte ihn beeindruckt. Sie glaubte, Dumbledore wollte sie zusammen bringen, wollte, dass sie gemeinsam arbeiteten. An einer Lösung oder was auch immer.

Und sie setzte blind ihre Hoffnung auf… eine solche Unmöglichkeit.

Salazar, wenn sie nur den geringsten Einblick in seine widerlichen Träume hätte… dann würde sie nicht ihre gesamte Hoffnung in ihn legen, dachte er finster.

Oder wusste sie auch das bereits? Mittlerweile traute er ihr vieles zu. Aber nein. Er verhielt sich ihr gegenüber ekelhaft genug.

Solange er bei Verstand war, würden seine Träume das bleiben, was sie eben waren. Hirngespinste. Gut verborgen vor allen Blicken. Tagsüber seine eigene Hölle. Und nachts… sein perverses Paradies.

„Halt still", sagte sie wieder, als er sich wand. Sie ignorierte alles an ihm. Die unzähligen Narben auf seiner haarlosen, muskulösen Brust. Das Dunkle Mal auf seinem Unterarm, was durch seine starke Bräune allerdings mit bloßem Auge nur schwer auszumachen war. Sie ignorierte seinen tiefen Atem, das Gefühl seiner Haut unter ihren Fingern, und sie wrang das heiße Leinen über dem hohlen Stein aus, den sie mit heißem Wasser gefüllt hatte.

Scharf zog er die Luft ein, als sie das Tuch ein weiteres Mal gegen seine Wunde presste.

„Sie ist nicht sauber", murmelte sie, einigermaßen entschuldigend, während der matte Feuerschein ihn beleuchtete. Es war bereits dunkel, und sie war froh, dass die Weißwurzeln in der Sonne so schnell getrocknet waren. „Es wird weh tun", warnte sie ihn, aber er schnaubte arrogant auf, als wären Schmerzen nichts, was in seinem Vokabular vorhanden war. Arschloch, dachte sie kopfschüttelnd, und dann presste sie die rohen Wurzeln gegen die Wunde.

Und dieses Mal unterdrückte er das tiefe Stöhnen nur fast. Seine Hand ballte sich zur Faust, und sie murmelte die Worte, ohne nachzudenken.

„Es tut mir leid. Es tut mir wirklich leid", wiederholte sie still, und sie hob den Blick. Der Schmerz hatte seine Augen verlassen.

„Halt einfach den Mund", rang er sich gepresst ab, und sie wickelte das Leinen um seine Brust, berührte ihn nicht übermäßig, und sie war froh, dass sie ihre Hosenbeine gekürzt hatte, denn somit hatte sie genügend Stoff übrig, um ihn zu verbinden.

Sie griff sich fast liebevoll den Zauberstab und murmelte einen simplen Klebefluch.

Plötzlich zischte das Holz zwischen ihren Fingern. Der Zauberstab glühte ein allerletztes Mal auf, und fast hätte sie ihn fallengelassen vor Schreck.

„Oh nein", flüsterte sie. Sie griff fester um das Holz. „Lumos!", flüsterte sie wahllos einen simplen Spruch. Aber nichts geschah. „Oh nein, oh nein!", wederholte sie. „Lumos!", sagte sie fester, aber der Zauberstab reagierte nicht. Er war… nur noch ein Stück Holz. „Er ist kaputt", wisperte sie. Sie hob den Blick zu seinem Gesicht. Er wirkte beinahe nachdenklich, und sein genereller Ausdruck war für sie nicht zu deuten. Er war ein neuer Malfoy.

„Mh", machte er dann. „Dann habe ich wohl Glück, hier zu sein", sagte er schließlich, ohne sie anzusehen. „Ohne Feuer wären Skills und ich aufgeschmissen", ergänzte er, und sie wusste nicht, ob er einen Scherz machte. Er sah sie an, und es war so ein unangenehmes Gefühl, dass sie unbewusst zurückwich. Nicht weit, aber sie brachte emotionalen Abstand zwischen sich und Malfoy.

„Ha ha", machte sie, aber anstatt selbstbewusst zu klingen, klang sie noch unsicherer als vorher. „Und jetzt?"

„Jetzt… gibt es keinen Zauberstab mehr."

Und kurz nagte die Panik an ihrem Bewusstsein. Wie sollten sie ohne Zauberstab hier wegkommen? Sie hatten nun keine eigene Magie mehr. Schwer schluckte sie.

Und dann geschah es. So plötzlich, als hätte sie einen Fernseher eingeschaltet.

Erschrocken fiel sie zurück, als die Höhle plötzlich erstrahlte. Auch Malfoy wandte sich überrascht um, und ihnen offenbarte sich eine Szene, so klar, als wären sie da.

„Die Vision!", flüsterte sie überflüssigerweise, und gebannt starrte sie auf die Lichtung. Es war nicht im Dschungel, erkannte sie, denn die Bäume standen weniger eng, und sie erkannte die Berge nahe im Hintergrund. Und… Wasser? War es ein See? Es musste im Norden sein, dort wo die Wege steinig und beschwerlich waren. Dort, wo die Riesenaffen leben mussten, wie Malfoy sagte. Aber sie war sich sicher – es war hier! Auf der Insel!

Ein Baum stand in der Mitte der Vision. Er war nachtschwarz, schluckte alles Licht, und knotige Äste woben sich in der Krone zusammen. Auch die Blätter waren pechschwarz. Er wirkte dunkel, aber… magisch schön, dachte sie dumpf. Beinahe elegant. Doch dann weiteten sich ihre Augen. Sie hörte das Schnauben durch tierische Nüstern, und das Geräusch von schweren Tritten, und die Vision offenbarte ein schneeweißes Einhorn, was unbeobachtet näher schritt, den hübschen Kopf neigte, während das Horn über den Boden kratzte, während es grüne Halme fraß.

Es schnaubte leise, hob wieder den Kopf, um ihn zu schütteln, und seine silberne Mähne bewegte sich wie flüssige Seide im Wind. Als es den Blick hob und sie direkt anzusehen schien, verschwand die Vision, und die nackten Höhlenwände blieben zurück. Nur noch der Feuerschein von draußen warf obskure Schatten an den Stein.

„Was war das?", entkam es ihm ungläubig. Und Hermines Stirn zog sich in Falten.

„Ich… weiß es nicht", erwiderte sie. „Was soll es uns sagen?", ergänzte sie ratlos und sah ihn an.

„Keine Ahnung", entfuhr es ihm frustriert. „Dass es einen Streichelzoo im Hochland der Insel gibt?", schloss er enttäuscht und etwas wütend.

„Ich… verstehe es nicht", murmelte sie verständnislos.

„Merlin, was will diese verdammte Insel denn?", entfuhr es ihm entnervt.

Auch Hermine war enttäuscht, dass sie nach all den Wochen des Wartens lediglich einen Baum und ein Einhorn zu Gesicht bekamen. Einhörner waren keine Portschlüssel! Wie sollte ein Einhorn ihnen helfen?

Resignierend sank ihr Kopf. Sie hatte sich mehr erhofft, von der ersten Vision, seitdem sie hier lebte. Aber sie riss sich zusammen. Sie durfte jetzt nicht die Hoffnung verlieren. „Vielleicht… wird die nächste Vision besser", sagte sie zuversichtlich. „Vielleicht war das eher ein Testbild", fuhr sie fort.

„Ein was?", fragte er verstört, aber sie erklärte es nicht.

„Vielleicht braucht die Höhle Anlaufzeit", erläuterte sie achselzuckend. „Es wird noch eine Vision kommen", versicherte sie sich selber nickend. Malfoy wirkte nicht überzeugt. „Und… die Wurzeln wirken nur, wenn du dich entspannst", informierte sie ihn schließlich, allerdings schien ihm danach nicht der Sinn zu stehen.

„Oh. Na dann", entfuhr es ihm. „Vielleicht kann die Vision wiederkommen, mit noch ein paar entspannenden Froschgeräuschen. Oder sie zeigt das nächste Mal einfach das Meer, damit man sich garantiert entspannen kann!", fuhr er sie an.

„Hey!", sagte sie jetzt wütend. „Ich mache die Visionen nicht! Und es wird irgendetwas bedeuten, ok? Nur weil du zu blöd bist, wertzuschätzen, dass-"

„-ich bin müde", unterbrach er sie eisig, und abrupt schwieg sie. Ihre Kiefer mahlten aufeinander. Sie glaubte nicht, dass sein Blick weniger zornig war als ihrer, und er log, denn er wirkte einfach nur wütend, nicht müde. Er wollte sie bloß loswerden.

„Gut. Dann hältst du wenigstens den Mund. Ich glaube, das ist das Beste für uns alle", erwiderte sie trocken. Säuerlich kräuselte sich seine Oberlippe. Geschmeidig erhob sie sich und sah auf ihn hinab.

Sie hatte nicht mit seinem Dank gerechnet, nein. Sie hatte auch nicht damit gerechnet, dass es einfach wäre, dass sie zusammen funktionieren würden. Denn das taten sie nicht! Und das mussten sie auch nicht. Sie mussten es einfach nur schaffen, sich nicht umzubringen. Und vielleicht hatte sie gehofft, dass seine erste Reaktion über eine tatsächlich etwas nichtssagende Vision nicht direkt Herablassung wäre, aber… es war ok. Sie wusste, er war ein Arschloch. Und dann fiel ihr eine der vielen Sachen ein, die sie ihm seit vier Wochen hatte vorwerfen wollen. „Nicht, dass dein Temperament durchgeht und dir nichts Besseres einfällt, als mich davonzujagen, weil dir gerade danach ist." Seine Augen verengten sich langsam.

„Dieses Gespräch ist vorbei", erklärte er kalt.

„Oh glaub mir, ich habe auch kein näheres Interesse daran, zu wissen, wie dein krankes Gehirn funktioniert, Malfoy. Aber jetzt gerade… bist du in der unterlegenen Position." Und er schenkte ihr einen so demonstrativen Blick, der ihr höchstwahrscheinlich sagen sollte, dass er, selbst in diesem Zustand, ein besserer Kämpfer war als sie.

„Das kannst du dir gerne einreden, Schlammblut", erwiderte er mit ätzend schnarrender Stimme, und sie hasste diese blinde Überheblichkeit.

„Mhm", machte sie, nicht überzeugt. „Wie vor einem Monat? Wo du so überlegen warst, und absolut kein bisschen Angst hattest, vor dem, was Dumbledore dir gesagt oder gezeigt hatte?" So einfach würde er nicht davonkommen. Sie glaubte nicht, dass sie nachtragend war, aber Malfoy hatte überreagiert damals. Er hatte kopflos gehandelt, hatte ihrer beider Leben riskiert, und etwas legte sich über seine Züge. Etwas Dunkles.

„Willst du dich mit mir anlegen?", fragte er sie hart, und störrisch verschränkte sie die Arme vor der Brust.

„Du bist so ein Arschloch! Dich hat das vielleicht alles kalt gelassen, das war vielleicht ein ganz normaler Malfoy-Tag für dich!", fuhr sie ihn wütend an. „Aber für mich war es nicht so einfach, ok? Wir hatten einen Deal!", rief sie zornig. „Und innerhalb von zwei Sekunden, flippst du aus – und…" Sie unterbrach sich, denn was hatte es für einen Sinn? Was hatte es jetzt noch für einen Sinn? Er wirkte gänzlich entrückt, er sah aus, als bemitleide er sie eher, als dass er irgendeine Art der Schuld fühlte.

„Ich werde mich nicht entschuldigen", warnte er sie tatsächlich bitter, als hätte er ihre Gedanken erraten.

„Ich habe mich auch nicht vier Wochen in den Schlaf geweint, weil du dich nicht entschuldigt hast, Malfoy. Gott!", rief sie verzweifelt. „Vergiss es einfach", schloss sie jetzt resignierend. „Absolut dumm von mir, überhaupt mit dir zu reden!"

„Ja", bestätigte er tatsächlich. „Aber du bist nun mal ein Schlammblut. Und absolut dumm zu sein, gehört untrennbar dazu", schloss er kalt. Und fast glaubte sie, er tat es mit Absicht. Sagte diese Dinge in vollem Bewusstsein, um sie wahnsinnig zu machen. Ihre Fäuste hatten sich geballt.

„Ich hoffe, du stirbst im Schlaf", sagte sie leichthin und verließ die Höhle.

„Ja, das hoffe ich auch", hörte sie seine dumpfe Stimme, als sie schon draußen stand und die kühle Nachtluft atmete und hasste ihn nur noch mehr.