17. Weakness
Es war wieder einer dieser Träume, stellte er fest, als er die sanfte Berührung spürte. Schemenhaft konnte er ihre Umrisse ausmachen, roch sogar ihren Duft. Es war früher Morgen, denn das sanfte Licht des Tages wagte bereits seinen Weg in die Höhle. Er genoss ihre Berührung, aber… gleichzeitig schmerzte es ihn. Kühle Finger glitten über seinen Oberkörper, und er blinzelte, um sie besser sehen zu können. Sie rückte in den Fokus. Konzentriert fixierte ihr Blick seinen Oberkörper. Sie wechselte den Verband.
Sehr realistisch. Selbst seine Träume waren nicht mehr, was sie einst waren, dachte er dumpf. Endlich hörte sie auf. Der Schmerz ebbte langsam ab, er driftete wieder dorthin ab, wo er keine Schmerzen spürte. Sie legte sich gähnend neben ihn. Nicht zu nah, merkte er.
Und es war anstrengender als sonst in seinen Träumen, aber er überwand den halben Meter, bis er ihre Wärme spürte. Seine Front berührte ihren Rücken, und träge hob sich seine Hand. Schwer legte er sie auf ihre Seite, ließ sie auf der Krümmung ihrer Taille ruhen, bis er sie tiefer rutschen ließ, sie über ihrem flachen Bauch lag, den er unter dem Leinen spüren konnte, und er sie mit geringem Muskelspiel gegen sich presste.
Fast übergangslos entspannte er sich, als seine Erektion langsam erwachte.
Und er wusste nicht, was es war. Vielleicht, dass es sich letztendlich… anders anfühlte als sonst in seinen Träumen. Vielleicht… war es, dass er merkte, wie sich ihr Körper anspannte. Vielleicht –
-es war kein Traum!
Seine Augen flogen auf. Seine Atmung ging schneller, er spürte den Verband deutlich. Und ohne irgendein Missverständnis lag sein Körper hinter ihrem, und sein Arm lag um ihre Mitte, und er hielt sie gegen sich, und er war sich zu beinahe hundert Prozent sicher, dass sie nicht schlief!
Fuck!
Sein Verstand raste. Noch schrie sie nicht. Noch war hier nichts eskaliert, sagte er sich, aber was machte er sich vor? So ziemlich alles eskalierte gerade. Absolut alles. Und dass sein Verstand ihm versuchte klarzumachen, dass es zwei Möglichkeiten gab, war fast zu viel! Denn… er musste sie loslassen! Er musste sofort weg von ihr! Das war die einzige Möglichkeit!
Sein Herz raste. Es war so viel besser, als in seinen Träumen. So viel realer, so unfassbar erregend, und er war ein Heuchler, ein verdammtes Arschloch!
Was er tat, änderte verdammt noch mal alles! Er hatte sich gestern echte Mühe gegeben, ein richtiger Wichser zu sein! Er hatte alles richtig gemacht, um sie davon zu überzeugen, wie widerlich er war und wie wenig er von ihr hielt!
Und jetzt… im stillen Licht des Tages… musste sie also wissen, dass es nicht stimmte, denn er strafte seine Worte Lügen. Es waren so viele Sekunden vergangen, fiel ihm auf.
Und ihm war nicht ganz klar, wie er sich so bewusst für das Falsche entscheiden konnte, aber sein Schwanz riet ihm sehr plötzlich dazu. Sein Körper nutzte die Gelegenheit schamlos aus, dass Draco noch nicht vollständig Herr über seine Sinne war.
Und er wusste, was es war. Es war verflucht noch mal zu verlockend, und natürlich absolut falsch. Er senkte den Kopf in ihre Schulterbeuge, atmete sie ein, gierig, mit offenem Mund, und seine trockenen Lippen fielen auf ihre bloße Haut.
Fuck! Dieser Moment! Fuck, fuck! Er starb jetzt gerade! Fast zitterte sein gesamter Körper vor Erregung. Und – wie alles Falsche – ging es viel zu leicht….
Tief ging sein Atem jetzt, und er spürte ihre Gänsehaut praktisch durch ihren Körper auf seinem vibrieren. Fuck. Mit dem leisesten Geräusch lösten sich seine Lippen von ihrer Haut, und genau jetzt atmete sie scharf ein.
Oh ja. Sie war wach, dachte er abwesend, während er unmissverständlich seine Erektion gegen ihr Hinterteil presste, und abgehackt verließ die Luft ihre Lungen wieder.
Aber… sie schrie nicht. Wie von selber glitt seine Hand verlangend tiefer, unter das Leinen und traf auf die Hitze ihrer Haut. Er spürte den weichen gekräuselten Ansatz ihrer Scham, und alles Rationale verließ ihn, keine Konsequenz dieser Welt konnte ihn mehr erschrecken!
Alle Warnungen verschwanden im grellen Nichts der Sensationen, die er selber gerade empfand, und er glitt durch den sanften Flaum, tiefer. Viel tiefer! Und keine Auflehnung ihrerseits war, nach seinem fragwürdigen Verständnis, die direkte Einladung, dass er weitermachen sollte. Seine Finger fanden den empfindlichen Punkt blind, und in dieser präzisen Sekunde verließ ein unterdrücktes Stöhnen ihre Lippen, und ihr Kopf fiel in den Nacken, ihr Körper bog sich unbewusst in seinen, und heiß trafen seine Lippen jetzt auf ihren Hals. Ihre Haare kitzelten seine Wange. Seine Zähne bissen fast sanft in die zarte Haut, seine Zunge leckte rau über ihren jagenden Puls, und ihr Atem ging so viel schneller als seiner. Die Hitze zwischen ihren Beinen vernichtete jeden wachen Gedanken, jedes echte Gefühl, und hart rieb er über ihren geschwollenen Punkt, verlor sich in diesem verflucht perfekten Moment, und das Verlangen, sie schmecken zu müssen, wurde so übermächtig, dass er sich auf dem anderen Arm aufstützte, so dass sie ein wenig mehr auf ihrem Rücken lag. Ihr Mund war halb geöffnet, die Augen in süßer Qual zusammen gepresst, und er senkte den Kopf unbeherrscht, und ihre Augen öffneten sich in der Sekunde, als er den Abstand schloss.
Kurz trafen sich ihre Blicke, als seine Lippen ihren Mund verschlossen, und er wusste, wenn er nicht aufhörte, gab es keinen Weg zurück. Keinen! Und er nahm es verdammt noch mal in Kauf! Fuck.
Bevor sie zur Besinnung käme, ihn höchstwahrscheinlich hierfür umbrachte, stieß er zwei Finger hart in ihre feuchte Enge, und keuchend öffnete sich ihr Mund vor Überraschung, und seine Zunge glitt verlangend zwischen ihre Lippen. Seine Augen schlossen sich übergangslos, und die Hitze ihrer Enge – die Hitze ihres Mundes – überwältigten ihn nahezu vollkommen.
Sie bebte unter ihm, und fast kam er in seiner scheiß Hose, bei dem Gefühl, wie sich ihr Muskel um seine Finger krampfte, und er spürte sehr plötzlich ihre Zunge an seiner, und ihr Orgasmus ließ sie erzittern, ließ sie jede Vorsicht, jede Angst vergessen, und er massierte ihre Zunge mit seiner, verlor sich in diesem Wahnsinn, und er presste seine Hand gegen ihre geschwollene Klitoris, und sie keuchte ein letztes Mal hilflos in die Hitze seines Mundes.
Er musste atmen, er musste sie ansehen und beendete den Kuss.
Der Zauber war vorbei, erkannte er schließlich.
Ihr Blick war noch verschleiert. Ihr Orgasmus klang ab, und er konnte nicht fassen, dass er das gerade wirklich getan hatte!
Er war noch immer steinhart, aber er zog seine Hand aus ihrer kurzen Hose zurück, vollkommen überfordert mit dieser Situation, und ihre Wangen waren in rote Hitze getaucht, ihr ganzer Körper schien angesteckt von dieser Hitze, und dann blinzelte sie, verscheuchte damit den verträumten Blick.
Alles in ihm gefror, so offen war dieser Blick. So wund und verzweifelt und verletzlich und…- er wusste nichts zu sagen. Er hatte nicht gewollt, dass das passierte! Er… hatte nur nicht anders gekonnt. Ihre Verzweiflung wich absolutem Unglauben, und… er konnte nicht!
Der Moment war vorbei. Er hatte keine Ahnung, wie er so schnell auf die Beine gekommen war, aber ohne ein verdammtes Wort, ohne eine Erklärung, ohne eine Entschuldigung, hatte er die Höhle verlassen, denn ihr Blick jagte ihn.
Fuck, fuck, fuck! Draußen schenkte ihm der Affe einen trägen Blick, aber Draco ignorierte ihn, schritt zum See, fiel auf die Knie und hielt in die Hände das kühle Nass. Wieder und wieder benetzte er sein Gesicht, und er hasste sich so abgrundtief, denn er hatte keine Entschuldigung.
Er hatte das verdammte Schlammblut angefasst! Er war so erbärmlich! Es war so falsch von ihm, und sie…- sie hatte ihn gelassen!
Fuck….
Sie hockte auf dem Felsen über der Höhle, blickte mit leerem Blick über den See und wünschte, sie hätte bunte Flügel, wie die tropischen Vögel und könnte dieser Insel entfliehen. Skills hatte ihr neugierig Gesellschaft geleistet, war aber mittlerweile schon längst wieder runter geklettert, als ihm langweilig geworden war.
Sie war kein kleines Mädchen mehr, was sich verstecken konnte; was so lange weinte, bis ihre Eltern kamen und das Problem richteten. Denn es gab nichts zu richten. Reglos starrte sie in die untergehende Sonne.
Es war das erste Mal, dass sie einen Fehler gemacht hatte, den sie nicht in blinder Arroganz abtun konnte. Zwar war ihr Zauber fehlgeschlagen, hatte den Portschlüssel nicht zerstört, und man könnte gute Argumente vorbringen, weshalb der Fehler, jetzt hier auf der Insel gefangen zu sein, wesentlich schlimmer wog, aber… nicht in ihren Augen.
Tatsächlich glaubte sie, der Vorfall heute Morgen war ungleich katastrophaler, als hier gefangen zu sein. Ein Fehler war so lange ein Fehler, wie man ihn nicht ungeschehen machen konnte. Und sie glaubte, es gab einen Weg, diese Insel irgendwann, irgendwie zu verlassen. Aber diese Sache… diese Sache mit Malfoy… die wäre unwiderruflich. Zwar hieß es, wo kein Richter, da kein Henker, aber… sie würde nicht so tun können, als wäre nichts geschehen. Sie hatte das Gefühl, als hätten sich bereits tausend anklagenden Augen auf sie gerichtet, hätten sie beobachtete, während sie nichts anderes getan hatte, als da zu liegen.
Es gab keine Entschuldigung. Sie hätte aufspringen sollen, als sie seine Hand plötzlich auf ihrer Taille gespürt hatte. Sie hätte ihn ins Gesicht schlagen sollen und hätte rennen müssen. Sie hätte sich nicht aus Trägheit heute Morgen neben ihn legen sollen, nachdem sie die Nacht draußen verbrachte hatte!
Sie hätte ihn niemals überzeugen dürfen, mitzukommen.
Im Protokoll ließen sich unzählige Punkte finden, die ihr deutlich aufzeigten, was wann und wo schief gelaufen war. Aber sie hatte ihn nicht aufgehalten. Diese Tatsache war unüberwindlich.
Sie begriff nicht, wie ihr Körper sich seiner Berührung hatte zuwenden können, und ob es etwas mit simpler Anatomie zu tun hatte, dass Mann und Frau auf Dauer, isoliert von jeder menschlichen Gesellschaft, irgendwann den Punkt erreichten, dass der Zweck jedes Mittel heiligte. Ohne Grenzen. Ohne Ausnahme.
Sie versuchte, es nüchtern zu betrachten. Sie versuchte, zu verstehen, was passiert war. Aber ihr Intellekt verbot es ihr schlicht und einfach. Es musste sexueller Druck gewesen sein. Es musste irgendetwas Unvermeidliches dieser Art in ihnen ausgebrochen sein.
Denn er blieb ein Todesser, der sie Schlammblut nannte. Gestern Abend waren sie im Streit auseinander gegangen, Merlin noch mal! Wieso hatte er es getan?
Sie fühlte sich nicht zu ihm hingezogen. Und er hatte mehr als deutlich gemacht, dass er sie ebenfalls verabscheute! Es gab keine bedeutungsschweren Blicke, keine elektrischen Momente, keine verbotenen Berührungen.
Sie erkannte sich nicht wieder. Vielleicht war das das Ende der Transformation? Sie hatte sich so sehr verändert auf dieser Insel, vielleicht war dies nun der letzte Schritt. Sie war emotional so abgestumpft und gleichgültig, dass sie die Nähe eines Todessers in Erwägung zog, um nicht allein zu sein. Das Ende ihrer blinden Ballonfahrt, und jetzt war das Gas ausgegangen und sie raste der Erde entgegen.
Sie kaute abwesend auf ihrer Unterlippe. Es war so widersprüchlich! Er hatte ihr deutlich gemacht, dass er sie abstoßend fand. Zu zahllosen Anlässen. Und er hatte gelogen. Ihr Mund verzog sich bitter. Und deshalb ließ sie es zu? Und sie wusste nicht, was schlimmer war – dass sie – oh Merlin! – tatsächlich unter seiner Berührung gekommen war, oder dass er danach abgehauen war, als wäre sie… absolut widerlich.
Ihr Herz hatte so schnell geschlagen. Heiße Schuldgefühle stiegen wieder in ihr empor.
Denn… es mochte alles stimmen. Sie waren Feinde. Sie hatten monatelang versucht, sich umzubringen. All das stimmte.
Aber das Gewicht seines Körpers auf ihrem, die primitive Harmonie des Ganzen. Die Gänsehaut, die praktisch elektrisch war, als… als…- Sie schluckte schwer, denn auch jetzt empfand sie ein übelkeiterregend gutes Gefühl, wenn sie daran dachte, wie unglaublich dieser Orgasmus gewesen war. Wie alle ihre Nerven auf ihn reagiert hatten.
Was sie ihn hatte tun lassen…! Und… was hätte sie ihn tun lassen, hätte er nicht aufgehört…? Wäre er nicht gegangen…?
Verräterisch laut schlug ihr Herzschlag in ihren Ohren. Sie wusste es nicht.
Und das war das Schlimmste, glaubte sie. Und… letztlich hatte er gelogen. Er hatte ihr versprochen, die einzige Gefahr, die von ihm ausginge, wäre, dass er sie umbringen würde. Und fast wünschte sie sich, das wäre es, was er heute Morgen getan hätte.
Sie war immer froh gewesen, hier nicht ihren Verstand verloren zu haben, aber… sie glaubte, das hatte sich ab heute geändert. Sie war so stolz auf sich gewesen. Und jetzt hasste sie ihren Körper dafür, sie hintergangen zu haben.
Mit steifen Glieder erhob sie sich und kletterte den Felsen hinab. Sie sprang den letzten Meter, landete vor dem Eingang, und er saß einige Meter weiter im Gras, den Blick ebenfalls auf den See gerichtet, und sie wusste, es gab andere Dinge, um die sie sich kümmern mussten. Dann… war es eben passiert, sagte sie sich trotzig. Dann hatten sie halt den Kopf verloren! Dann konnte sie sich von jetzt an schämen, dass er sie befriedigt hatte, sie es genossen hatte und er dann abgehauen war. Es war sein Pech, versuchte sie, sich zu überzeugen.
Es bedeutete nichts. Gar nichts.
Sie musste ein Feuer machen, sie musste im letzten Licht des Tages einige Fische fangen, denn ihr Magen knurrte. Und alles andere… all die giftigen Fehler und Berührungen, die Küsse und die nackte Haut… bedeuteten nichts. Und wenn sie glaubte, er würde sich entschuldigen, es erklären oder irgendetwas tun – dann konnte sie wohl lange warten. Sie würde nicht behaupten, dass sie ihn gut genug kannte, aber sie wusste, Entschuldigungen und Erklärungen waren nicht seine Stärke. Er mochte Stärken besitzen, aber Feingefühl und Takt besaß er nicht.
Sie griff sich den Speer, der am Eingang der Höhle lehnte. Er lag gewohnt glatt und angenehm schwer in ihrer Hand. Sie marschierte zum See, an ihm vorbei, watete ins Wasser, und ihre Augen erfassten konzentriert den ersten Fisch, der vor ihr floh.
Gezielt sauste ihr Speer hinab, durchbohrte den Körper, und sie zog ihn aus dem Wasser. Ihre Hand zog den kalten Fischkörper von der Spitze, warf ihn achtlos an Land, und als wäre es eine seltsame Therapie, entdeckte sie den nächsten Fisch, rammte den Speer durch seinen schmalen Körper, zerrte auch diesen von der Spitze, warf ihn an Land, und irgendwann merkte sie es nicht mal mehr.
Sie zählte nicht mit, rammte den Speer irgendwann blind ins Wasser, machte sich nicht mal die Mühe, die Fische an Land zu werfen, sondern schleuderte sie nur noch ins Wasser, bis ihre Kleidung irgendwann vollkommen durchnässte war, und um ihre bloßen Beine die Leichen von einem Dutzend blauer, großer Fische dümpelten.
Sie hatte nicht gemerkt, dass sie angefangen hatte, zu weinen, aber ihr zitternder Arm hatte innegehalten. Ihre Brust hob und senkte sich schnell, und dann sank ihr Arm resignierend. Sie warf den Speer an Land und begann, die toten Fische einzusammeln.
Es wäre genug für sie alle. Mehr als genug. Und kein Fisch würde sein Leben umsonst gelassen haben, in ihrem Wahn. Sie würde sie alle braten.
Sie spürte seinen Blick deutlich, als sie aus dem Wasser stieg, und sie sah ihn endlich an. Ihr ewiger Stolz verließ sie nicht. Nicht einmal nach heute. Nachdem er sie zurückgelassen hatte. Seine Haare waren filzig, nach all der Zeit. Sein Bart war ungepflegt und wild. Schmutz klebte an seinem Körper, aber es schien ihn nicht zu stören. Und scheinbar hatte es auch sie nicht gestört. Nein, es half, ihn nicht als Malfoy zu sehen. Sondern als das, was er jetzt war.
Denn auch er hatte eine Transformation hinter sich. Wenn auch eine wesentlich Blutigere als ihre.
Und es war ihr nicht vorzuwerfen! Dann hatte sie diese Situation eben auch ausgenutzt! Er hätte jeder sein können. In ihrem Kopf hatte sie nicht ihn vor sich gesehen. Sie wusste, sie bewegte sich auf gefährlichem Terrain, wenn sie so dachte. Wenn sie auch nur versuchte, sich vorzustellen, es wäre Ron gewesen, Rons Hand, Rons Küsse. Denn sie wusste... das stimmte nicht. Aber sie brauchte das.
Denn sie konnte sich nicht innerhalb eines Tages damit abfinden, dass sie… ihn vielleicht plötzlich anders wahrnahm. Er wirkte noch distanzierter, und jedes Gefühl der Gemeinschaft, der Kameradschaft war verschwunden.
Sie waren wieder am Anfang. Oder zumindest an einem anderen Anfang.
„Ich habe keinen Hunger", kommentierte er ihr kleines Massaker kalt, erhob sich und verschwand in Richtung der Bäume. Sie biss die Zähne fest zusammen. Und mit aller Macht zwang sie sich, nicht nachzudenken.
Denn sie war kein Schlammblut. Sie war nicht widerlich.
Sie hasste ihn plötzlich, denn all seine Beleidigungen trafen sie für gewöhnlich nicht. Nicht tief, nirgendwo, wo es wirklich wehtat.
Aber jetzt gerade schmerzte es deutlich. An einer Stelle, die sie seit Monaten nicht mehr gespürt hatte. Ihr Herz schmerzte.
Und das Arschloch hatte kein Recht, sich dorthin Zutritt zu verschaffen!
