18. Epiphany

Die Spannung war greifbar. So verflucht allgegenwärtig.

Es half auch nicht, dass er sich mit jeder Sekunde widerlicher vorkam. Seit Tagen hatte er sich nicht mehr gewaschen. Das Risiko einer Infektion war noch zu hoch, obwohl er den Verband nicht mehr trug. Die Wunde war erstaunlich sauber verheilt. Die Narbe war unumgänglich, aber es störte ihn nicht. Sie passte zu den anderen.

Nein. An Narben dachte er erstaunlich wenig. Sogar der Affe schien die angespannte Stimmung zu spüren, denn er tigerte seit Stunden vor der Höhle auf und ab, nicht sicher, was er mit seinen Instinkten anfangen sollte.

Sie hatte die letzten drei Tage draußen geschlafen, hatte die Höhle nicht mehr betreten, wenn er in der Nähe war, und dass sie ihn ignorierte störte ihn mehr, als er gedacht hatte. Seine selbstgewählte Schlammblut-Schocktherapie hatte immerhin dafür gesorgt, dass er nicht mehr von ihr träumte. So ironisch es auch war.

Er wusste nicht, was ihn hielt. Er schob es auf die Wunde, auf die nötige Heilungszeit, denn die spannenden Visionen waren nicht unbedingt das, was ihn zum Bleiben nötigte. Und sie? Er wollte am liebsten rennen, weg von ihr! Er wollte nicht konstant daran erinnert werden, dass er sie angefasst hatte. Und seine Erinnerung tat ihm den Gefallen nicht, diesen ‚Unfall' zu vergessen. Er erinnerte sich. Deutlich. An jedes Detail.

An ihren Duft, an ihre Haut, an die Enge ihrer – fuck.

Er versuchte, ruhiger zu atmen. Sein Abgang war zwar unterirdisch lahm gewesen, aber immerhin konnte er so tun, als hätte ihn der letzte Rest Todesser-Stolz noch nicht verlassen gehabt.

Vielleicht gab es einen Ausweg von dieser Insel, aber er glaubte, er hatte es im Alleingang geschafft, dass sie diesen Ausweg niemals zusammen fanden.

Er konnte nicht über sich bringen, mit ihr zu sprechen. Sein Schamgefühl war übermächtig. Er war sich zu sehr dessen bewusst, was er getan hatte. Und ihre Anwesenheit half absolut nicht. Er aß ihr Essen heimlich, schlief erst, wenn er hörte, dass sie schlief, und der innere Konflikt war so schmerzhaft, wie ein stumpfes Messer in der Brust.

Sie hatte ihn nicht angeschrien. Nein, sie schwieg. Sie tat so, als wäre nichts geschehen. Dafür, dass er sie hatte liegen lassen, dafür, dass er gerannt war wie ein feiges Arschloch, besaß sie genug Würde, nicht verletzt auszusehen.

Er wusste nicht, inwieweit es Fassade war. Konnte er sie verletzen? Konnte er…?

Aber fast wünschte er es sich. Fast sehnte er sich danach, dass sie schrie.

Dass sie ihm einen Grund gab, zu gehen. Nicht, dass er nicht schon genug Gründe hätte, aber… es fehlte ihm der Anstoß. In zwei Tagen, wenn die Wunde vollkommen verheilt sein würde, dann hielt ihn nichts mehr hier. Physisch nicht.

Aber… er wollte ihr gerne versichern, dass er diesen Morgen bereute. Dass es nichts änderte, dabei wusste er, alles war anders. Er würde gerne sagen, er wünschte, er hätte es nicht getan. Und er wünschte, sie hätte ihn nicht gelassen – aber… das half nichts. Es war passiert. Wünsche halfen meistens wenig, wusste er mittlerweile. Und warum sie ihn gelassen hatte, war etwas, von dem sich seine Gedanken sehr entschieden fernhielten, denn… er hatte Angst, dass, wenn er sich erst mal damit auseinandersetzte, dass er zu einem gefährlichen Schluss kommen würde. Denn… dass sie womöglich zuließ, dass er diese Dinge tat, bedeutete noch lange nicht, dass er es durfte.

Und nur die Spitze dieses giftigen Eisberges war die Tatsache, dass sie ein Schlammblut war. Das Problem an sich ging wesentlich tiefer als ihre politischen oder moralischen Auseinandersetzungen. Draco wusste das. Er wusste, er konnte sich nicht an ein verdammtes Feindbild klammern, wenn er eine steinharte Erektion bekam, nur beim Anblick ihrer scheiß Lippen.

Aber was es bedeutete, war weitaus mehr, als er zu investieren bereit war. Weit mehr, als er opfern könnte. Selbst hier. Selbst am Ende der Welt. Wo die Ehrlichkeit am erbarmungslosesten war. Er konnte nicht.

Er wollte zurück in den Dschungel, dachte er sehnsüchtig. Es vermittelte ihm eine Illusion der Ruhe. Und die Distanz und das eisige Schweigen zwischen ihnen, waren lauter als jeder Streit, den sie bisher gehabt hatten. Und er wollte nicht, dass diese Sache zwischen ihnen stand, als bedeute sie die verdammte Welt. Denn das tat sie nicht!

Plötzlich drang ein Leuchten aus der Höhle.

Zuerst begriff er nicht. Sie war einige Meter weit weg, kam aber auf die Beine – und dann durchfuhr es ihn! Eine Vision! Er sprang auf, so schnell er es konnte, während sie ihn bereits im Laufschritt überholte, und sie beide stolperten in die Höhle.

Er hoffte fast, seine Eltern zu sehen. Irgendwelche Auroren, die komplizierte Zauber ausführten, um sie letztendlich doch zu retten – irgendwas!

Aber vor Enttäuschung stöhnte er auf.

Wieder der Baum, der seltsame schwarze Baum. Und dann kam das Einhorn, senkte den Kopf, schüttelte die Mähne – was sollte das? Was hieß es? War es eine Metapher? Eine Symbolik, die er nicht verstand? Verdammte Scheiße! Er fuhr sich wütend durch die filzigen Haare. Er musste sich irgendwann um sein Äußeres kümmern, dachte er dumpf. Er widerte sich selber an.

Und dann verschwand die Vision so still, wie sie gekommen war, und sie standen wie zwei Vollidioten nebeneinander in der viel zu engen Höhle.

Selbstvergessen verharrte sie neben ihm, schien vergessen zu haben, dass sie doch jetzt drei Meter Abstand brauchte, und er erlaubte sich, sie anzusehen.

Und sofort – verdammt noch mal sofort – wanderten seine Gedanken zurück zu dem Morgen vor drei Tagen. Das Gefühl in seiner Brust wurde enger, und sie spannte sich plötzlich neben ihm an, schien sich an ihre selbst auferlegte Keuschheit zu erinnern, und sehr sanft stieg die Röte in ihre gebräunten Wangen.

Es funktionierte nicht. Das, was sie hier taten, funktionierte verflucht noch mal nicht!

„Hör auf, mich anzusehen", sagte sie tatsächlich, ohne den Blick zu heben, und der Klang ihrer Stimme überraschte ihn fast. „Oder willst du reden?", fragte sie ihn übergangslos, den Blick immer noch nach vorn gerichtet, und er schluckte schwer. Nein. Er wollte garantiert nicht reden! Es waren so abgedroschene Worte! Was sollte er sagen? Was genau sollte er sagen, was sie sich in ihrem verdammten Kopf nicht schon längst zusammengereimt hatte?!

„Nein", echote seine Stimme tonlos durch die schmale Höhle, und noch immer erkannte er die Röte in ihren Wangen, und fast spürte er die Hitze, die von ihr ausging. Und sie wandte sich eisig ab, und die Frustration die er spürte, zerrte an seinem Nervenkostüm. Er hasste sie dafür!

„Hör auf, wegzulaufen!", knurrte er, und sie wirbelte am Ausgang der Höhle zu ihm herum.

„Was willst du dann von mir?", schrie sie außer sich. „Du willst nicht reden – schön!", rief sie bissig. „Aber dann lass mich gehen!", warnte sie ihn bitter. Dass er nicht reden wollte hieß noch lange nicht, dass es nichts zu sagen gab!

Und so sehr er gewollt hatte, dass sie ihn wieder ansah – umso dringender wünschte er sich plötzlich, dass sie es nicht mehr tat.

Er machte einen ziellosen Schritt in ihre Richtung, und es war dieser Moment, in dem die Fassade fiel.

„Nein!", sagte sie tonlos. „Du kommst nicht näher, Malfoy!", flüsterte sie, und sein Mund öffnete sich. Er hatte nicht – er… wollte gar nicht…! Er verharrte unschlüssig. Sie hatte Angst vor ihm. Und das hasste er noch mehr.

„Hör zu", begann er unschlüssig, „ich…"

„Was?", fuhr sie ihn an, als er nicht weiter sprach – Merlin, er wusste nicht mal, was er sagen sollte. Und dann sprach sie, und er wünschte sich, sie würde es nicht tun.

„Du willst es zurücknehmen?", fragte sie ihn zornig. „Du bereust es? Schön für dich, Malfoy!"

„Ja, das tue ich!", erwiderte er dunkel. „Ich-"

„-du kannst es aber nicht zurücknehmen!", unterbrach sie ihn eisig. „Du kannst es nicht mehr ändern, und einfach abzuhauen, macht dich nicht zum Helden-"

„-halt den Mund!", fuhr er sie an. Dachte sie, er wusste das nicht? Dachte sie das?

„Willst du das?", provozierte sie ihn bitter. „Willst du, dass ich meinen Mund halte, damit du dir einreden kannst, ein guter Todesser zu sein?", warf sie ihm bitter vor, und er schloss den Abstand, denn er konnte nicht! Es war… nicht richtig!

„Halt den Mund!", knurrte er lauter, aber blinder Schmerz loderte in ihrem Blick.

„-damit du dir einreden kannst, dass es nicht deine Schuld ist? Dass du keine Fehler machst? Dass-" Seine Hände hatten sich so plötzlich so fest um ihre Oberarme gelegt, dass sie nach Luft schnappte.

„Granger, halt deinen Mund oder ich stopfe ihn dir!", drohte er gepresst, und er hörte es eine Sekunde eher, als sie es hörte. Ihr Gesicht verlor jeden Ausdruck, und die Luft entwich seinen Lungen in nur einem Atemzug.

Und er hatte keine Ahnung, wie ein Name alles verändern konnte, aber plötzlich hatte er das Gefühl, nackt vor ihr zu stehen. Als hätte er gerade nicht ihren Namen gesagt, sondern sein schrecklichstes Geheimnis offenbart, im grellsten Scheinwerferlicht.

Es war, als wäre die letzte Grenze verwischt. Und es jagte ihm solche Angst ein, dass er sich nicht rühren konnte. Er kannte ihren Namen, sicher. Aber… bisher hatte sie in seinen Augen nicht wirklich einen Namen gehabt. Das Schimpfwort hatte ausgereicht. Aber jetzt… hatte er gewollt, dass sie hörte, dass sie… dass-

„Sag nicht meinen Namen!", flüsterte sie aufgelöst, und ihr Blick wurde glasig, aber er konnte nicht anders.

„Granger", wiederholte er rau, als wäre es die Lösung zu einem der vielen Rätsel dieser Insel, und eine Träne fiel auf ihre Wange. Sie zitterte in seinem Griff, und dann erfassten sie der Zorn und die schiere Verzweiflung. Sie stieß ihn vor die bloße Brust, und seine frisch verheilte Wunde schickte einen beißenden Schmerz durch seinen Körper. Kurz raubte dieser fantastische Schmerz alle Angst, und er fluchte unterdrückt.

Er presste ihre Arme an ihre Seite, zwang sie mit wenigen Schritten gegen die Felswand, und sie wehrte sich, bis die Kräfte sie verließen. Sanfter Schweiß stand auf seiner Stirn, denn es war alles viel zu anstrengend. Er hatte gegen Mordeos und einen tonnenschweren Tiger gekämpft, aber das hier war schlimmer! Ihr keuchender Atem traf seine Kehle, und er sah auf sie hinab. Tränen hatten ihre Wangen benetzt.

„Lass mich los", wisperte sie, blind vor Tränen, aber unbewegt schüttelte er den Kopf, wusste selber nicht, warum. „Lass mich los, Malfoy", flüsterte sie warnend, aber er hielt sie weiterhin unter sich gegen die Wand gefangen.

Und schlagartig war es anders.

„Nein", entkam es ihm dunkel. Sie hob den verweinten Blick, und ihre Nähe, ihr Duft erfüllten ihn. „Scheiße", entkam es rau seiner Kehle, als er fast grob den Kopf senkte, und beinahe verzweifelt presste er seinen Mund auf ihren, zwang sich gegen sie, spürte die Nässe ihrer Tränen, aber gleichzeitig schnappte sie keuchend nach Luft, atmete ihn ein, und stöhnend schob er seine Zunge vorwärts, und es gab nichts, was ihn hiervon abhalten konnte. Seine Hände griffen blind um ihre Taille und seine Finger gruben sich in ihre Hüften, während seine Zunge gierig vordrang, tief in ihren Mund, und sie reagierte so heftig, dass seine Erektion schlagartig erwachte.

Ihre Finger krallten sich in seine Oberarme, und seine Muskeln spannten sich hart an, als sie versuchte, nicht zu stöhnen. Es war so gut, dass er glaubte, unter ihrem heißen Atem verbrennen zu müssen. Er ging ein wenig in die Knie, um diesen epischen Kuss aus einem anderen Winkel zu vertiefen, und seine Arme schlangen sich um ihre Taille. Eine Gänsehaut erfasste seinen Rücken, als ihre Hände zitternd in seinen Nacken griffen und ihre Nägel über seine Kopfhaut kratzten.

Und es war das verständnislose Keckern des Affen, was sie nach einer gefühlten Ewigkeit auseinanderfahren ließ. Skills stand im Höhleneingang, wohl angelockt durch ihren Streit, und jetzt wirkte er tierisch ratlos.

Ihr Atem ging laut, und auch er atmete mit geöffnetem Mund. Fuck. Seine Erektion schmerzte so sehr, dass er glaubte, keinen Schritt tun zu können. Ihr Blick fiel vom Affen wieder zurück auf ihn, und ihre Lippen waren geschwollen von dem Kuss, ihre Wangen gerötet, aber… ihre Augen…. Etwas von seinem eigenen Schock und seinem eigenen Unglaube spiegelten sich darin, und wenn er könnte, dann würde er alles zurücknehmen! Verflucht noch mal alles! Er hatte keine Ahnung, was in ihn gefahren war. Sie hatte jedes Recht ihn umzubringen!

Denn… wie sah es aus?! Verdammt. Es sah aus, als…-

Er schloss die Augen, und fuhr sich durch die filzigen Haare. Er atmete tief ein, öffnete die Augen wieder, und bewegungslos stand sie noch immer vor ihm. Noch immer ging ihr Atem schnell, aber sie sah ihn nicht mehr an. Ihr Blick hatte sich ungläubig in die Ferne gerichtet. Er machte einen Schritt zurück, dann noch einen und lehnte sich schließlich gegen die gegenüberliegende Wand.

Fuck. Fuck, fuck! Was bei Salazar war mit ihm los? War er auf einmal so verzweifelt, dass er sie haben musste? Seit wann war das so?!

Zitternd machte sie einen Schritt von der Wand weg, gegen die er sie gepresst hatte, und ihr Blick traf ihn. Er hatte keine Ausrede.

„Du… du kannst das nicht machen!", flüsterte sie unter Tränen. „Du kannst das nicht mit mir machen, Malfoy!", informierte sie ihn zitternd.

„Ich weiß", sagte er tatsächlich. Denn er wusste das. Merlin, er wusste das. Und er musste es wieder sagen. Dieses Wort… ihren Namen. „Granger, ich-"

„-nicht", flüsterte sie rau. Sie wollte nicht, dass er ihren Namen sagte. Und er wusste nicht mal, warum es das noch schlimmer machte. Jetzt war es auch egal, wie sie sich nannten, oder nicht? Oder nicht…?

Merlin, er war genau der erbärmliche Versager, der er versucht hatte, nicht zu sein. Seit seinem ersten Traum von ihr hatte er dagegen gekämpft, hatte sich nicht blenden lassen, von drittklassigen Illusionen, die ihm vormachten, sie wäre eine Frau, die er… wider besseren Wissens… in Besitz nehmen wollte.

Und es wäre niemals ok! Sie zu berühren, ihren Körper spüren zu wollen – es wäre verdammt noch mal niemals ok!

Aus tausend Gründen, obwohl er jetzt gerade in dieser Sekunde keinen einzigen mehr benennen konnte.

Fuck. Zorn brannte in ihm. Zorn und Verzweiflung. Und noch immer konnte er den Blick nicht von ihr wenden. Der Feuerschein zeichnete eigenartige schwarze Schatten auf ihre Haut. Als wuchsen Wurzeln ihre Beine empor.

….

„Granger…!", flüsterte er plötzlich, und sein Blick weitete sich. Wurzeln…. Jedes Gefühl verließ ihn plötzlich, als grelle Fetzen einer längst vergessenen Erinnerung durch seine Synapsen rauschten.

„Ich wünschte, du würdest nicht-", aber er hörte ihr nicht zu, denn die Erkenntnis traf ihn so mächtig, dass sie stockte und ihn anstarrte.

„Ich weiß es!", entkam es ihm tonlos.

„Was?" Schwach verließ das Wort ihre Lippen.

„Der Elderbaum!", entkam es ihm verstört, und sie sah ihn an. „Der schwarze Baum ist ein Elderbaum. Aus… aus der Geschichte der drei Brüder!", sprudelten die Worte aus seinem Mund. Ihr Mund hatte sich geöffnet, und er sah ihr an, dass sie noch nicht ganz da war, nicht ganz begriff. Aber langsam kroch das Verständnis in ihre Züge, langsam kehrte sie zurück zu ihrer gemeinsamen Realität, die nichts mit Berührungen und Küssen zu tun hatte, die es gar nicht geben sollte! Sie blinzelte schließlich ungläubig.

Er wusste, die Geschichte des Elderbaums war… ein Märchen, aber Legenden sagten, nachdem der Tod einen Ast in den Elderstab verwandelte, änderte sich der gesamte Baum, und in einem seiner Märchenbücher hatte er diese Zeichnung gesehen! Es hatte ihn gegruselt, denn der Baum war pechschwarz gewesen, mit knotigen Ästen, giftigen Blättern, und lange Zeit hatte er dieses Bild nicht vergessen. Es war wie ein Baum des Todes, so dunkel und gefährlich. Und so mächtig, dass ein Ast alleine, mit einem Hauch Magie zu einem Zauberstab wurde!

„Das… ist unmöglich", wisperte sie, aber sicher klang sie nicht.

„Und blaue Riesengorillas sind möglich?", wollte er aufgelöst wissen und zeigte demonstrativ auf Skills, der verstört am Höhleneingang stand. „Nichts, was hier ist, ist möglich", flüsterte er, denn er wusste, er hatte Recht. Und ihre Augen weiteten sich.

„Ich… habe Baumvolk gesehen", sagte sie plötzlich heiser. „Ganze Scharen", entkam es ihr tonlos. Er sah sie an. Auch das Baumvolk existierte nicht. Ein solches Volk war auch nur eine der blumigen Legenden der Zentauren. Und es bestätigte ihn in seiner Theorie.

„Der Baum ist hier!", beharrte er aufgeregt. „Einhornhaar!", rief er plötzlich, als es Sinn ergab. Denn… allein ein Schweifhaar eines Einhorns enthielt so viel Magie, dass…- „Das Elderholz, kombiniert mit Einhornhaar-!", sprach seine Stimme zitternd, aber sie beendete den Satz.

„-die Vision will, dass wir Zauberstäbe machen?", flüsterte sie mit weiten Augen.

Gebannt sah sie ihn an. „Oh mein Gott", schloss sie, als diese Erkenntnis sie erfüllte.

Sie starrten sich an.

„Ja", bestätigte er rau.

„Oh mein Gott", wiederholte sie aufgelöst, und andere Tränen traten in ihre Augen. Freudentränen. „Es gibt einen Weg fort von hier", flüsterte sie, als hätte sie letztlich doch daran gezweifelt.

„Ja", erwiderte er. „Wir brauchen bloß Magie", schloss er. Sie brauchten bloß Zauberstäbe! Das sagte die Vision, oder nicht? Er war überzeugt, das war die Lösung.

Wilder Tatendrang trat auf ihre Züge. „Das… das Baumvolk! Es wird wissen, wo der Baum steht! Ich… kann bestimmt noch einmal mit einem von ihnen reden! Vielleicht…" Ihre Hand fuhr abwesend durch ihre Haare, aufgeregt wanderte ihr Blick, als plane sie bereits die nächsten Schritte. Die Euphorie über seine Erkenntnis legte sich jedoch langsam. Das Hochland war gefährlich. Der Weg war weit.

„Was?", entkam es ihr, als sie seinen Umschwung bemerkte, aber er ruckte mit dem Kopf.

„Nichts", sagte er nur. „Es ist… einfach nur ein… harter Weg dorthin", schloss er erschöpfter als vorher. Wieso machte es die Insel so schwer? Wieso war alles eine Überwindung, eine Strafe?

Und ihr schien ihre eigene kleine unangenehme Situation wieder einzufallen. Ihr Ausdruck wirkte wieder verschlossen, ihre Euphorie ebenfalls gedämpft.

„Es wird Zeit kosten", erkannte sie mit leerem Blick. Ja. Und es würde sie zwingen, zusammen zu arbeiten. Das war die bittere Konsequenz, oder nicht? Zwei Köpfe waren klüger als einer, wusste er. Er setzte sich, als seine Wunde wieder zu schmerzen begann. Und er hatte nur einen einzigen Job – er musste sich unter Kontrolle kriegen. „Malfoy", begann sie jetzt zaghaft, und er hob gequält den Blick, „diese… Sache", fuhr sie unglücklich fort, „wir… wir können nicht-"

„-ich weiß", sagte er bloß wieder. Und dass er wusste, dass sie das nicht machen konnten, half nicht wirklich. Das wusste er seit Monaten. Und dann schien sie eine Spur ehrlicher zu werden.

„Ich… liebe Ron", schloss sie ernst. Langsam hob sich sein Blick. Sein Mund öffnete sich, nur um sich wieder zu schließen. Was? Wieso sagte sie ihm das?! Seit wann gingen ihre Gespräche in eine solche Richtung? Wieso glaubte sie, dass ihn das interessierte?

„Gut für dich?", erwiderte er ausdruckslos. Aber er begriff…. Sie war einfach eine dumme Frau. Sie glaubte, es wäre mehr. Mehr als…-

„Und ich will nicht, dass-"

„-schon verstanden", unterbrach er sie knapp, beinahe eilig, wollte nicht einmal hören, was sie nicht wollte! Denn sie schmeichelte sich selbst. Das alles war rein körperlich! Merlin, dass er Interesse an ihrem Körper hatte, bedeutete nicht, dass seine Gedanken weitergingen als das! Die Chancen standen ohnehin gering, dass sie den rothaarigen Blutsverräter überhaupt wiedersah, aber garantiert war er keine Konkurrenz für Ronald Weasley! Bei Leibe nicht! Er war… einfach nur neben sich, ließ seinem Körper Dinge durchgehen, die er bald wieder unter Kontrolle haben würde!

„Wenn… wenn wir hier wegkommen", sagte er schließlich, bedacht darauf, dass sie ihm zuhörte und dass sie verstand, „wirst du mich nie wiedersehen müssen", versprach er ihr blind, von ganzem Herzen, denn er wollte sie nach diesem Albtraum auch niemals wiedersehen müssen. So viel wusste er.

Und dann erschien die Fassade wieder auf ihren Zügen. Hart und kühl. Und fast war er dankbar.

„Gut", sagte sie, als nehme sie ihn beim Wort. „Ich… hole mehr Wurzeln", schloss sie, mit knappem Blick auf seine Wunde, aber dass sie ging oder dass sie wiederkam, merkte er letztlich nicht mehr. Die Erschöpfung hatte ihn letztendlich eingeholt und er war in einen traumlosen Schlaf geglitten. Gemischte Gefühle besuchten ihn in seinen Träumen, aber er konnte sich am nächsten Morgen nicht mehr besinnen, so tief schlief er diese Nacht.

Tief und gesund.