23. Rules

Als er aufwachte, war es hell. Er war also doch eingeschlafen, aber er lebte noch. Seine Muskeln schmerzten, das Feuer war runtergebrannt, und auf den ersten Blick konnte er weder Skills, noch seine neue Affen-Freundin entdecken. Aber niemand hatte sie angegriffen, wie es schien. Er wandte den Blick zurück zum Felsen, aber Granger war nicht da. Er rieb sich müde die Augen.

Ein neuer Tag, ein neuer Streit.

Wo war sie wohl? Schwerfällig erhob er sich, streckte seine tauben Glieder, und auf dem Gras zu schlafen war zwar angenehmer als auf Blättermatten in der Höhle, aber wesentlich gesünder war es auch nicht, auch wenn er sich an den harten Boden bereits längst gewöhnt hatte. Kurz glitten seine Gedanken zu einer gemütlichen Federkernmatratze, und er seufzte lange auf.

Er schritt durch das satte Gras, bis er den kleinen Bergsee erreichte. Sie hockte vorm Wasser und schien ihre Ersatzkleidung auszuwringen. Ja, und er vermisste Jeans. Sehr sogar.

Im Moment war er sich nicht sicher, wo sie standen, aber er würde sein lächerliches Glück versuchen und mit ihr reden.

„Morgen", sagte er rau und kam näher. „Ich… habe Kaffee gekocht", machte er einen schwachen Witz, aber steif erhob sie sich und ihr Blick sprach Bände. Und ihr Blick sprach auch wesentlich mehr als ihr Mund, denn wortlos ließ sie ihn stehen. Er hatte sich für sehr clever empfunden, aber natürlich sah sie es anders. Er folgte ihr zügig. „Warte", rief er ihr nach, und mit dem tropfenden Leinenshirt in der Hand wandte sie sich wieder um, nur um ihn ungeduldig und auffordernd anzusehen. „Wegen gestern…", begann er unwillig, aber sie verdrehte die Augen.

„Fick dich, Malfoy", kürzte sie dieses Gespräch ab, drehte sich um, so dass ihre verrückten Locken wippten, und ließ ihn wieder stehen. Er hasste das! Sein Kiefer spannte sich an, und er folgte ihr wieder.

„Wir müssen reden", entfuhr es ihm, und er hasste diese Worte. Sie waren so… schrecklich erbärmlich.

„Ach ja? Worüber willst du reden?" Sie funkelte ihn wütend an, und er atmete aus. Gerne würde er ihr vorhalten, dass er sie gestern gerettet hatte, und dass sie von ihrem hohen Ross runterkommen könnte – aber er hatte ihr gestern ja verboten, dankbar zu sein, also war er selber schuld. Aber war man nicht immer selber schuld, fragte er sich dumpf.

„Wie wir weiter vorgehen. Wie du siehst, wachsen hier keine schwarzen Bäume, also-"

„-oh wow, Malfoy! Du bist so unfassbar schlau! Ich wüsste nicht, wie ich ohne dich zurechtkommen sollte!", rief sie gespielt verzweifelt aus, aber seine Augen verengten sich gereizt.

„Mach deine Witze, aber wenn du glaubst, das gestern war eine gefährliche Lage, dann wirst du dich freuen zu hören, dass es von hier an nur schlimmer werden kann", versicherte er ihr. „Die Nester der Affen werden sich nach einem halben Tagesmarsch sammeln, und wir brauchen einen Plan."

Sie sah ihn an, als wäre er der nervigste Mensch auf diesem Planeten, und es machte ihn nur wütender.

„Ich bin sicher, alle meine Pläne sind dir zu friedlich und zu rational, also warum überspringen wir nicht den alltäglichen Streit, und du machst einfach genau das, was du machen willst, Malfoy?", fuhr sie ihn an, und er konnte sich nur schwer beherrschen.

„Was soll das?", knurrte er jetzt, und ihre Augen weiteten sich.

„Ich bin mir nicht ganz sicher, was du willst!", erwiderte sie bissig. „Ich soll mich nicht bedanken, ich soll mich nicht entschuldigen, ich soll nicht alleine irgendwohin gehen – ich soll verdammt noch mal meinen Mund halten – also sag du es mir!" Merlin, sie raubte ihm alle Nerven auf einmal!

„Ich habe niemals-"

„-oh lass es einfach!", rief sie zornig. „Wofür fragst du mich?", fuhr sie ihn jetzt an, und er hob die Arme in die Luft.

„Merlin, ich weiß es nicht, Granger!", schrie er jetzt. „Ich dachte gestern, ich sterbe vor Angst, weil du verdammt noch mal nicht hier warst! Ich dachte, wir finden deinen Körper in irgendeiner Felspalte, verflucht!" Und ihr Mund schloss sich langsam. „Und ja!", knurrte er mit verengten Augen. „Ich weiß, wie abgefuckt das klingt, ok?", warnte er sie. „Und ich will nicht anfangen, das zu hinterfragen", fuhr er beherrschter fort. „Also verzeih mir, wenn ich noch nicht vollkommen klar denken kann! Und ich will nicht, dass du dich bei mir bedankst, weil es verdammt noch mal nicht nötig ist!", schloss er wütend. „Dass ich dich vor irgendeinem Tod hier bewahre, ist nicht der Rede wert! Du kannst dich bedanken, wenn wir weg sind, ok? Du kannst mir jeden Tag einen verfluchten Brief schreiben, wenn wir Zuhause sind!" Sein Atem ging schnell, und er atmete langsam aus. „Und ich kann das hier nicht alleine. Ich brauche deine Hilfe. Denn nachdem, was gestern mit dem verdammten Affenweibchen passiert ist, bin ich mir nicht mehr sicher, ob es eine gute Idee war, überhaupt hergekommen zu sein!"

„Der… der Baum steht hier oben, also… gibt es keine Wahl", erwiderte sie fast kleinlaut, und er deutete auf ihre Arme und Beine.

„Sieh dich an!", entgegnete er aufgelöst und deutete auf die schwarzblauen Blutergüsse. „Du bist nicht wirklich in einer Topverfassung, also… was ist der Plan?" Aber sie sagte nichts. Jeder Ausdruck war von ihrem Gesicht verschwunden, und sie wirkte fast so hilflos, wie er sich fühlte. „Abgesehen davon, dass du nirgendwo mehr ohne mich hingehst", schloss er durch zusammen gebissene Zähne, und sie blinzelte überrascht. Und er hörte wie unpassend und absolut besitzergreifend es klang. „Und das meine ich nicht so, wie…", ergänzte hastig, wusste aber nicht wirklich bessere Worte und schwieg schließlich.

„Die Insel ist gefährlich", räumte sie schließlich ein. „Das wussten wir. Wir brauchen Zauberstäbe", fuhr sie jedoch eindeutig fort. „Und… wir brauchen Abstand, Malfoy. Das sind die einzigen Dinge, die wir brauchen." Sie klang so… hoffnungslos. „Sonst bringen wir uns um." Er wandte den Blick von ihrem Gesicht und atmete aus. Sie übertrieb. Nicht viel, aber sie übertrieb.

„Du hast gestern gesagt, du willst keinen Abstand-"

„-ja, und das war dumm von mir gewesen", unterbrach sie ihn harsch. Er sah sie wieder an. Ihn überkam wieder dieses schlechte Gefühl. Dieses kranke Gefühl, was ihn innerlich lähmte. Dasselbe, was er gestern verspürt hatte, als sie ihm so nahe gewesen war, dass er den Duft ihrer Haare hatte riechen können.

Es war gefährlicher als jeder Abgrund und jedes wilde Affenweibchen. Es war gefährlicher als die gesamte Insel, dachte er resignierend.

Denn irgendwer von ihnen würde irgendwann nicht aufpassen. Er wäre irgendwann vielleicht nicht so klug und würde ihre Nähe nicht ablehnen. Mit jedem Tag nagte es an der wackligen Beziehung, die sie führten.

Die Sorge, die er gestern empfunden hatte, zeigte ihm, es wäre besser, sie in seiner Nähe zu haben, damit er bloß nicht über die Gefühle nachdenken musste, die in ihm aufstiegen, wenn er nicht wusste, wo sie war.

Und wie genau, sollte diese Geschichte ausgehen, fragte er sich unwillkürlich. Hörte es auf, sobald sie Zuhause waren? War es dann vergessen und weit entfernt? War er dann wieder… er selbst? Und wo würde er sein?

Er wusste die Antwort darauf. Hier gab es vielleicht eine Pause, eine Auszeit von der echten Welt, aber… er würde in Askaban sitzen. Eine ganze Weile lang. Denn die Vision hatte ihm nicht gezeigt, dass Potter und die Blutsverräter in Ketten gehalten wurden. Nein, es wirkte alles ziemlich eindeutig. Die Guten hatten gesiegt.

Und er war keiner von ihnen.

Und resignierend nickte er. „Wir brechen auf", schloss er kühler. Und sie sah ihn an.

„Skills ist noch nicht wieder da", sagte sie, und sie schien zu wissen, dass Skills und das Weibchen irgendwo waren.

„Gut", entfuhr es ihm bloß. „Er kann sowieso nicht mit."

Und das war das. Sie starrte ihn an. Sie konnten unmöglich zwei Affen mitnehmen, die mehr Aufmerksamkeit erregten, als alles andere. Sie konnten nicht riskieren, dass sie ihnen folgten, sich in Kämpfe verwickeln ließen und dass Skills vielleicht starb, weil er sich gezwungen fühlte, gegen ein ausgewachsenes Männchen zu kämpfen.

„Aber… er ist lediglich weiter unten. Wenn er wieder kommt und wir sind weg-"

„-dann wird er lernen, auf sich selber zu achten", unterbrach Draco sie und machte sich daran, zum Lager zurückzugehen und zu packen.

„Er hat noch nie gejagt", sagte sie und folgte ihm eilig.

„Dann lernt er es."

„Tiere, die so lange in Gefangenschaft aufwachsen, lernen nicht-"

„-Gefangenschaft?", wiederholte er ungläubig, und sie atmete gereizt aus.

„Meinetwegen dann Tiere, die viel zu lange als Haustiere gehalten werden. Er isst nicht mal rohes Fleisch, Malfoy", fuhr sie panischer fort. „Er wird elendig sterben", prophezeite sie jetzt.

„Du übertreibst. Und das wird er übrigens auch, wenn er mitkommt."

„Du willst ihn einfach zurücklassen?"

„Ich will gar nichts einfach so, ok?", fuhr er sie jetzt ungeduldig an. „Aber…" Er sah sie wieder an. Es war mittlerweile schwer, sie anzusehen. „Aber was stellst du dir vor? Wir können ihn so oder so nicht mitnehmen", schloss er dann.

„Ich weiß das", erwiderte sie beleidigt. „Du… du hättest ihn schon längst-"

„-oh komm mir nicht so!", rief er jetzt zornig. „Ja, meinetwegen habe ich noch einen riesigen Fehler gemacht, Granger!" Sie verschränkte die Arme vor der Brust.

„Du kannst jetzt nicht einfach entscheiden, abzuhauen und ihn zurückzulassen. So läuft es nicht. So funktioniert keine Beziehung, Malfoy."

„Ja. Du bist ja auch nicht einfach abgehauen, nicht wahr?" Und es waren so seltsam falsche Worte, dass sie beide stutzten.

„Du bist nicht abhängig von mir, Merlin noch mal!", ging sie jetzt wütend auf seine Anschuldigung ein. „Und du hast mich vertrieben! Und du hast gesagt, der Abstand-"

„-wenn du noch einmal das Wort ‚Abstand' sagst…!", warnte er sie rau, nahe dran, auszurasten.

„Fein!", fuhr sie ihn wütend an. „Du lässt ihn nicht zurück!", sagte sie fest. Er zählte innerlich, musste sich beruhigen. „Wenn… wenn wir Zauberstäbe haben, dann… können wir ihn… quasi neu programmieren."

„Was?" Er sah sie entgeistert an.

„Wir löschen seine Erinnerung, verpassen ihm… Jagdinstinkte – keine Ahnung. Aber nicht so, Malfoy. Nicht hinterhältig, nicht rücksichtslos. Sei einfach mal ein Mensch, Merlin noch mal."

Seine Zähne mahlten aufeinander, und er wollte sie schütteln. Sie war ein selbstgerechtes Miststück, und sie konnte froh und dankbar sein, dass er kein Mensch war, dass er all seinen Instinkten nicht nachgab. Und es kostete ihn seine gesamte Kraft. Hätte er sie einfach am Abgrund sterben lassen, dachte er beinahe wehmütig.

„Und du kannst mich ruhig hassen, Malfoy", bemerkte sie bitter, denn anscheinend sprachen seine Blicke Bände. „Aber ich habe Recht." Seine Oberlippe kräuselte sich unwillkürlich. Und dann schloss er den Abstand, und sie wirkte plötzlich wie versteinert vor ihm.

„Das wird dann deine kleine Aufgabe sein, Schlammblut", knurrte er. „Ich freue mich schon, wenn du vor der Entscheidung stehst, den unschuldigen Affen hinterhältig und rücksichtslos in die Wildnis zu locken, bewusstlos zu hexen, zu manipulieren, nur um dir danach selber zu versichern, dass du der bessere Mensch von uns bist", flüsterte er fast. „Das ist der Unterschied zwischen uns, Herzchen", benutzte er das Wort mit größter Herablassung. „Du bist so unfassbar selbstgerecht und überzeugt von deiner selbstauferlegten Heiligkeit, dass alle anderen Abschaum sind, die deinen Standard nicht erreichen. Was für ein Standard das auch sein mag", ergänzte er bitter, und sie blinzelte heftig, während sich ihr Mund geöffnet hatte. „Du bist es vielleicht gewöhnt, dass alle nach deiner Pfeife tanzen, dass dein Wort ungeschriebenes Gesetz ist, aber lass mich dir versichern – das ist bei mir nicht der Fall! Und deine Methoden sind genauso schlecht wie meine." Ihr Mund öffnete sich entrüstet, aber er war noch nicht fertig. „Wenn nicht sogar schlechter, denn immerhin bin ehrlich."

Und sie schien sich gar nicht fassen zu können, und wie sie ihn ansah! Es war fast zu leicht, ihre Schwachstellen zu finden und sie zum Kochen zu bringen, stellte er fest.

„Du denkst, du bist ehrlich, Malfoy?", flüsterte sie empört, und er atmete gereizt aus.

„Ehrlicher als du? Ja", bestätigte er demonstrativ, und sie fixierte ihn finster.

„Warum hast du das weiße Wesen umgebracht?", fragte sie ihn wieder, und seine Laune sank noch weiter. „Warum hast du alles riskiert an diesem Nachmittag? Mich – wieder einmal – vertrieben? Warum?", wiederholte sie wütend, aber er schwieg verbissen. „Du bist doch so ehrlich! Du hast doch alle Lebensweisheiten mit Löffeln gegessen, also warum-"

„-das hat nichts mit Ehrlichkeit zu tun, du dummes Miststück!", fuhr er sie haltlos an.

„Hör auf, mich zu beleidigen!", schrie sie jetzt heiser. „Du tust es schon wieder! Du bist so ein Heuchler! Du bist nicht ehrlich, Malfoy. Du weichst meinen Fragen aus, du behältst die Dinge für dich, die wesentlich sind, und deshalb widert mich dein Charakter so sehr an, dass ich den verdammten Abstand zu dir brauche!", schloss sie so laut, dass ihre Stimme von den Felsen hier widerhallte. Er wollte erwidern. Er wollte… sie einfach umbringen! Er… wusste nur nicht, wie. „Und ich will mich nicht mit dir anlegen, glaub mir!", fuhr sie erschöpft fort. „Ich bin fertig damit, dich zu bekämpfen und dich töten zu wollen, weil du ein scheiß Todesser bist! Ich bin drüber weg, ok?", log sie dreist, aber sie gab ihm keine Chance, das zu kommentieren. „Du zerstörst alle Brücken, nicht ich! Garantiert nicht ich!"

Merlin, wie dringend er sie ins Gesicht schlagen wollte. Er wollte sie packen und zerbrechen und dann wollte er in Flammen aufgehen und verbrennen.

Sein Kiefermuskel spannte sich an, und er war bereit, ihr ein klein wenig von seiner verdammten Ehrlichkeit einzuschenken, denn was sie tat, war nicht besser, als das, was er tat! Er lehnte sich nicht an ihre Schulter, überschritt nicht alle notwendigen Grenzen, die sie brauchten, um verflucht noch mal nicht verrückt zu werden! Er zwang ihr nicht diese verdammten Entscheidungen auf, die er überhaupt nicht treffen konnte! Er ließ sie gehen, obwohl er wusste, dass der verdammte Abstand zwischen ihnen nicht das Problem war!

Das Problem war, dass es diesem elenden Miststück gefiel, wenn er sie anrührte! Aber sie war zu fein und nobel, zu gut und sauber, um auch nur ein einziges Wort darüber zu verlieren! Und war das nicht ironisch?! Aber er würde diese Bürde nicht tragen! Er war nicht alleine schuld an dieser verfluchten Scheißsituation!

Und bevor er auch nur den Mund öffnen konnte, verdunkelte sich der Himmel in nur zwei Sekunden und Donner dröhnte über ihren Köpfen so laut hinweg, dass er zusammenzuckte.

Fuck. Hart kam der Regen nach unten, und der Moment war vorbei. Sie liefen beide zum Felsvorsprung, pressten sich geduckt gegen den kühlen Stein, aber sie waren beide bereits klatschnass. Der Regen war so laut hier oben, dass sie sich nicht mal die Mühe machen mussten, weiterzuschreien. Wahrscheinlich würden sie bloß heiser werden.

Die beiden Affen kamen von weiter unten auf all ihren Beinen angehechtet, um sich ebenfalls unterzustellen. Das Wasser schien ihnen nicht viel auszumachen, aber Skills schien nach seiner eigenen Abwesenheit, Dracos Bestätigung zu suchen, und abwesend klopfte ihm Draco auf den nassen blauen Rücken.

Er wollte Skills nicht zurücklassen. Und sie wusste das auch! Das dämliche Schlammblut wusste das! Nur weil er die Dinge aussprach, machte ihn das nicht zum allerletzten Arschloch. Und das wusste sie auch.

Er schwieg verbissen, auch nachdem der Starkregen nachgelassen hatte. Und sie hatte keine Ahnung, was jetzt passieren würde. Sie hatten einfach wieder einmal eindeutig klargestellt, dass sie am besten kein Wort mehr miteinander wechseln sollten.

Der Himmel war zugezogen, aber es war nicht wirklich kalt. Es war angenehm kühl. Und sie seufzte schwer. Sie wusste, es ging nicht wirklich nur um Skills, um ihre Unterschiede, um… das Oberflächliche. Es ging auch um die anderen Sachen. Und sie wusste, gestern hatte sie den Fehler gemacht. Und nicht er. Und sie zerstörte Brücken genauso gut.

„Hör zu", sagte sie schließlich in seine Richtung, „ich… habe gestern den Fehler gemacht, und ich weiß das." Sie hatte das Gefühl, sein Blick gefror für eine Sekunde. Sie schluckte schwer und sprach weiter. „Ich… habe mich schlecht gefühlt, und ich… habe etwas menschliche Nähe gebraucht", räumte sie stiller ein, und es war so schwer. Ihm gegenüber solche Sachen einzugestehen war schwerer, als gegen hundert Riesengorilla zu kämpfen. „Und… du hast gestern nichts falsch gemacht." Merlin, der bittere Nachgeschmack dieser Worte war widerlich.

Und hatte sie geglaubt, er würde ihr entgegenkommen, ihr vielleicht endlich verraten, was Dumbledore ihm damals gesagt hatte, so hatte sie sich geirrt. Er stieß sich von der Felswand ab und verschwand im Nieselregen, ohne ein weiteres Wort. Sie hatte keine Ahnung, wohin er ging, aber sie kannte ihn mittlerweile gut genug, dass sie annahm, er ging sich abreagieren und vielleicht musste eine arme Bergziege herhalten…. Ihr Magen knurrte.

Vielleicht schaffte sie es ja, irgendwie Feuer zu machen. Das Gras unter dem Felsvorsprung war mäßig trocken. Vielleicht würde es reichen, für ein kleines Feuer. Sie würden ohnehin warten müssen, bis das schlechte Wetter weiterzog, denn der Nebel und der Regen hier oben nahmen ihnen jede Sicht.

Sie stritt sich nicht gerne. Generell nicht, und auch nicht mit ihm. Sie hielten sich beide gegenseitig unangenehme Spiegel vors Gesicht, und Hermine wusste, sie musste aufpassen. Sie durfte sich von seinen Worten nicht vertreiben lassen, sie durfte ihn nicht derartig provozieren, dass er vielleicht ging. Und sie durften einander verdammt noch mal nicht so nahe kommen, dass sie mit einem Mal vergaß, dass sie ihn verabscheute. Dass sie sich plötzlich erinnerte, an seine Lippen, seine… Hände. Sein Gewicht auf ihrem Körper. Seine Zunge an ihrer eignen –

Sie schloss die Augen, als sie das verdammte Ziehen in ihrer Mitte spürte. Sie wartete, bis es abebbte, bis ihr Herzschlag sich beruhigte, und unglücklich atmete sie aus.

Das war alles. Das waren die Regeln.