31. Abandon

Es war dunkel, als er wiederkam. Auch aus der Entfernung erkannte er das Feuer vor der Höhle. Sie war wieder da. Das gehäutete Schwein schwebte konserviert hinter ihm, als er den See umrundete.

Geschäftig sah er ihre Gestalt die Höhle verlassen, dann bückte sie sich, hob etwas hoch und verschwand wieder im Innern. Er erreichte mit schweren Schritten das Feuer, ließ das Schwein darüber schweben, damit die Hitze das Fleisch durchziehen konnte. Mit Magie konnte man es praktischerweise beschleunigen. Es war… ein Abschiedsgeschenk, dachte er dumpf, als er die Höhle erreicht hatte.

Er lehnte am Höhleneingang und betrachtete ihr Werk. Sie schien schwere Äste besorgt zu haben, hatte dichte magische Blätterdecken hergestellt, und tatsächlich wirkte es wohnlicher, so seltsam es klang. Sie hatte aus den Ästen ein Bettgestell beschworen, und es wirkte wie eine solide Konstruktion. Und es schnürte ihm den Brustkorb zu.

„Nett", bemerkte er lakonisch, und sie hob den Blick in seine Richtung.

„Wo warst du?", fragte sie ihn, aber er nahm an, sie fragte nur so. Denn… wo sollte er schon gewesen sein? Sie wusste, wo. Er war auf der Insel, im Dschungel. Er war jagen. Zeit totschlagen, bis sie gehen würden und er nach Askaban kam.

„Im Dschungel", erwiderte er bloß.

„Abgeregt?", erkundigte sie sich, als sie auch ein neues Blätterkissen aufschüttelte und zurechtlegte. Er verzog den Mund.

„Hatte ich keinen Grund für", entgegnete er lediglich, und sie hob eine Augenbraue.

„Nein?", wollte sie eindeutig von ihm wissen. „Dann muss es jemand anderes gewesen sein, der vollkommen die Kontenance verloren hat heute, und sich nicht einmal von seinem Affen verabschiedet hat", schloss sie spitz, und er zuckte die Achseln. Es war alles nicht wirklich wichtig, nahm er an. Aber tatsächlich ließ sie es auf sich beruhen, nervte ihn nicht mit weiteren Fragen.

„Keine Vision bis jetzt", sagte sie schließlich. Er nickte bloß.

„Ok", sagte er dann. Und scheinbar las sie etwas in seiner Haltung, erkannte, dass etwas anders war, denn ihre Augen verengten sich sanft.

„Was… was ist los?", entfuhr es ihr, und wahrscheinlich spürte sie die Distanz. Er zumindest spürte sie deutlich. Aber er war es auch, der es darauf anlegte. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Es war anstrengend, sie zu sehen. Er wusste nicht, was passiert war, aber ihr Gespräch heute Morgen hatte ihm die Augen für etwas geöffnet, für was er bisher blind gewesen war. So überheblich und blind. So absolut dumm. Was konnte ihm ihr Körper schon bieten? Gar nichts, wirklich. Egal, wie oft er seinen Schwanz in ihren verdammten Körper schob – die Tage in Askaban würden dadurch nicht weniger werden, nahm er finster an.

„Ich…", begann er zögerlich, und hatte keine Ahnung, was er sagen sollte. Wahrscheinlich war es besser, wenn er aufhörte, sich Dinge vorzumachen, die unrealistisch waren. Sie konnten nicht weiter so tun, als wäre es normal, was sie taten. Als wäre es hilfreich. Der Zeitpunkt näherte sich, dass sie hier Verschwinden würden, und je schneller er sich an die Realität gewöhnte, desto besser.

„Was?", ging sie verständnislos auf sein Gestammel ein, und er hatte keine diplomatische Lösung für diese Dinge. Wollte er auch gar nicht mehr. Er sollte sich darum sorgen, dass die richtigen Allianzen Zuhause dafür sorgten, dass er vielleicht nur einige Jahre abzusitzen hatten – und Granger war die falsche Allianz. Er brauchte die Hilfe seines Vaters, nicht die eines unfähigen Schlammbluts, was nicht einmal verstand, weshalb er keine Lust hatte, harmonische Beziehung mit ihr zu spielen.

„Ich… sollte gehen", sagte er endlich, und tatsächlich weiteten sich ihre Augen überrascht. Wie konnte sie so verdammt überrascht über seine Worte sein? Vielleicht, weil er die wichtigen Dinge nicht aussprach, sondern nur in seinem Kopf sagte, nahm er bitter an.

„Was?", wiederholte sie verblüfft und starrte ihn an.

Er mied ihren Blick, sah sich um, suchte die Worte, als verbargen sie sich irgendwo hier in der Höhle. „Ich war heute im Dschungel, bei der Höhle – meiner Höhle", fuhr er fort. Noch immer starrte sie ihn an. „Und… wir haben Zauberstäbe, ich habe alle gefährlichen Tiere in der Umgebung getötet, und… wahrscheinlich wäre es klüger, wenn wir getrennt voneinander hier existieren würden", schloss er, so ruhig er konnte.

„Getrennt?", griff sie seine Worte tonlos auf.

„Bis… wir nach Hause kommen", konkretisierte er es jetzt. Ihr Mund öffnete sich. „Ich meine", holte er wieder aus, denn er sah ihre Worte kommen „am besten behandeln wir es wie einen Job." Die Worte verließen nicht als Frage seinen Mund. Es war eine Feststellung. Ein Schluss, zu dem er längst gekommen war, in den stillen Stunden im Dschungel. „Lass mich wissen, wenn… eine Vision erscheint, die… hilfreich ist, und… wir lösen das Problem. Aber wir sollten nicht mehr zusammen… leben." Ja, er beschränkte sich auf diese Wort. Es fasste zusammen, was er sagen wollte.

Und es war genauso furchtbar, wie er es sich ausgemalt hatte. Es fühlte sich so seltsam an. Es war wie eine Trennung. Von einer Frau, mit der er nicht einmal zusammen war. Nicht mal zusammen sein wollte.

„Wieso?" Sie fragte das tatsächlich. Sie ging nicht blind auf seine Worte ein. Sie schrie ihn nicht sinnlos an – sie fragte ihn tatsächlich einfach schlicht und ergreifend, wieso. Und das schien einen weiteren Unterschied in ihrer Beziehung auszumachen. Sie erwartete, dass er es logisch erklären würde.

„Es… ist anstrengend", räumte er schließlich ein, und ihr Mund öffnete sich. Und er sah genau, wie der Anflug von Wut über ihre Züge glitt. Aber nicht nur das. Seine Worte verletzten sie tatsächlich. Und sie bezog es auf sich, erkannte er. Sie glaubte, sie sei ihm zu anstrengend. Merlin, dass er all das erkennen konnte, zeigte ihm, dass sie bereits viel zu weit gegangen waren!

„Was genau?", entkam es ihr tonlos, und er sah, sie wappnete sich, legte sich bereits ihre Argumente zurecht, würde er es auch nur wagen, anzudeuten, dass sie der Grund dafür war, dass er ging.

Und leider wusste Draco nicht, wie man Beziehungen beendete, ohne den anderen zu verletzen. Er hatte es nicht gelernt. Und er war nicht unbefangen. Und dass sie nicht verstand, ärgerte ihn ebenfalls.

„Was für eine Zukunft hat das alles?", fragte er sie also. Und sie runzelte die Stirn, aber er glaubte, für eine Sekunde verstand sie. Sie wusste, wovon er sprach. Sie schien es nur lieber zu ignorieren. Und sie antwortete nicht. „Wir… sollten das nicht weiter kultivieren. Wir sollten… keinen Sex mehr haben", sprach er es aus, und sie wirkte tatsächlich überfordert.

„Ich will dich nicht bekämpfen, Granger", stellte er klar. „Ich will nicht dein Feind sein, aber…" Aber… eigentlich wäre es sinnvoller, wenn er ihr Feind wäre. Das würde er so oder sein, nicht wahr? Kämen sie erst mal nach Hause.

„Aber du willst nicht mehr in meiner Nähe sein", beendete sie seinen Satz. Blind nickte sie, und er sah, wie ihre Offenheit langsam verschwand. Sie verschränkte die Arme vor der Brust. Er atmete lange aus.

„Ich… muss mich auf unsere Rückkehr vorbereiten. Und das kann ich nicht in deiner Nähe", machte er es sehr deutlich.

Jetzt hob sich ihr Blick noch verständnisloser zu seinem Gesicht, und es nervte ihn. Es ärgerte ihn, dass sie die Dinge schwerer machte. Am liebsten wäre es ihm, wenn sie geschrien hätte, wenn sie ihn verscheucht hätte, ohne überhaupt seine Hintergründe wissen zu wollen. So wie früher.

„Ich verstehe nicht, was-"

„-wirklich nicht?", unterbrach er sie jetzt gereizt, und sie runzelte die Stirn. „Seit wann verstehst du irgendetwas nicht?", blaffte er sie an, denn sie verstand doch sonst alles Lichtjahre schneller als er! „Wir werden nach Hause kommen. Es ist… nicht nur eine Theorie, ok? Die Möglichkeit ist jetzt greifbar. Es ist… eine Frage der Zeit."

„Aber… das ist doch gut! Das ist das, was wir die ganze Zeit wollten!", fuhr sie ihn verständnislos an.

„Ja!", bestätigte er zornig. „Aber…" Er unterbrach sich, denn er wollte nicht darüber reden. Es war schon schlimm genug, sich den ganzen verdammten Tag diese Gedanken gemacht zu haben. Und dann auch noch mit ihr darüber zu sprechen. Ausgerechnet, denn sie hatte ja keine Probleme!

„Aber was?" Fast verzweifelt sprach sie die Worte. „Was, Malfoy?", wollte sie ungeduldig von ihm wissen.

„Wo denkst du, führt mich mein Weg hin, verflucht noch mal?", wollte er jetzt eindeutig von ihr wissen. „Du hast es heute doch verdammt klar gemacht, Granger." Überfordert sah sie ihn an.

„Was?"

„Askaban, Granger", erklärte er dunkel. „Mein Weg führt direkt nach Askaban."

„Malfoy-", begann sie tonlos.

„-und meinetwegen", sagte er hastig, denn er wollte nicht hören, dass sie ihm erklärte, dass er das doch schon längst wusste! Dass es ganz natürlich war! Er wollte nicht mit dem Zaunpfahl darauf hingewiesen werden, dass niemals auch nur der Hauch eines Zweifels daran bestanden hatte, dass sich ihre Wege so oder so trennen würden. „So läuft Krieg. Die Verlierer bekommen ihre Strafe." Sie schwieg. Und er wusste, sie sah es so. Das war ihr Gerechtdenken. Denn sie glaubte auch, dass er die Strafe verdiente. „Und es ist so, dass ich… nicht das Glück hatte, unerkannt zu fliehen, wie wahrscheinlich viele andere Todesser, die sich irgendwie rausreden konnten! Die Beweislast ist erdrückend. Für mich", fügte er eindeutig hinzu und deutete um sich. „Wir werden wiederkommen, und…"

Sie wirkte, als wolle sie sprechen, aber er wollte es nicht hören.

„Und ich muss mich darauf vorbereiten", schloss er unbeirrt. „Zu wissen, dass du nach Hause kommst und einfach existieren wirst, ist… gut, wirklich", beeilte er sich, zu sagen, aber es klang nicht gänzlich aufrichtig. Das lag daran, dass er es nicht ehrlich meinte. Selbst wenn er wollte, könnte er die Worte nicht ehrlich meinen. „Aber ich habe nicht das Glück, und… so ist es eben."

Und dann sah er es in ihrem Blick. Den Ansatz von Mitleid. Den Hauch von Herablassung. Und deshalb sprach er die nächsten Worte trotzig, ohne nachzudenken.

„Gut, für dich läuft auch nicht alles perfekt, aber du wirst Weasley vergeben, er wird sich beruhigen und-"

„-was?", unterbrach sie ihn jetzt scharf. „Wovon sprichst du, Merlin noch mal?"

Und ihm fiel sehr schnell wieder ein, dass er ihr diese eine Sache gar nicht erzählt hatte. Sein Mund schloss sich schließlich. Er ruckte mit dem Kopf.

„Von gar nichts", wiegelte er ab. Aber ihre Augen verengten sich. Und wie sie ihn ansah! Unbewusst hatte er die Luft angehalten.

„Woher… weißt du das?", entfuhr es ihr plötzlich stiller.

„Was?", entgegnete er schnell. Vielleicht zu schnell.

„Dass wir nach Hause kommen. Du sagst es, als… wäre es selbstverständlich. Als… wüsstest du, dass-"

„-wir haben die Zauberstäbe, oder nicht?", unterbrach er sie eindeutig. „Natürlich kommen wir nach-"

„-und wieso muss Ron sich beruhigen? Wofür sollte ich ihm vergeben?", ignorierte sie ihn mit bohrender Stimme.

„Ich nehme an, dass er die Art Mensch ist, der sich sehr leicht aufregt", log er schlicht. Aber sie kaufte es ihm nicht ab.

„Malfoy", sagte sie warnend, und er atmete aus. Erschöpft fiel sein Kopf in den Nacken, bevor er sie wieder ansah.

„Wir… kommen nach Hause, und… scheinbar… ist Weasley unglücklich – ich weiß es nicht!", schloss er gereizt. Sie starrte ihn an.

„Woher-?"

„-es gab eine Vision", beantwortete er still ihre ungestellte Frage. Sie blinzelte.

„Wann? Heute?" Sie wirkte regelrecht aufgeregt. Und als er sprach, wusste er schon, dass er hätte lügen sollen.

„Nein", entgegnete er kopfschüttelnd. „Als… als du vorgegangen bist. Als-"

„-was?!", fuhr sie ihn erschüttert an. „Das ist ewig her!", zischte sie. „Was ist? Hast du… zufällig vergessen, es zu erwähnen?" Sie war ziemlich wütend.

„Weißt du, es war nicht gerade eine leichte Zeit, ok?" Ihr Ärger entfachte seinen in Sekundenschnelle. „Du hast dich verlaufen, wärst fast gestorben, wir-"

„-du hattest genug Zeit, Malfoy!", knurrte sie jetzt. „Du hattest immerhin genügend Zeit, mich zu vögeln!", rief sie zornig. Sein Mund öffnete sich empört.

„Ich habe es verdrängt, ok?", entgegnete er außer sich. „Es war nicht wichtig!" fuhr er sie jetzt an.

„Nicht wichtig?", wiederholte sie erschüttert, und er war kurz davor die Augen zu verdrehen. „Für dich vielleicht nicht, du Arschloch!", presste sie hervor. „Aber es sind meine Freunde! Meine Familie! Du hast nicht für eine Sekunde gedacht, dass es für mich wichtig sein könnte, ja?" Und er versuchte, ruhiger zu atmen, aber es war verdammt schwer.

„Ich dachte, es wäre verdammt noch mal hinderlich, wenn du die ganze Zeit lang weinen würdest, weil-"

„-weil was?", fuhr sie ihm scharf dazwischen, und er manövrierte sich immer tiefer in die Scheiße.

„Weil…" Er wollte nicht mehr darüber reden. Er wusste nicht einmal, was er gesehen hatte!

„Weil?", wiederholte sie böse, und er hasste sie dafür.

„Weil du nicht bei ihnen warst, ok? Weil Weasley ein alkoholkranker Wichser ist!", fuhr er wütend fort. „Weil er dich betrogen hat, weil er nicht auf dich gewartet hat! Und tut mir leid, wenn ich dir solche glücklichen Nachrichten vorenthalten habe, aber ich war auf deine Zurechnungsfähigkeit angewiesen!" Sie starrte ihn ausdruckslos an. „Und ich habe diese Information immerhin nicht ausgenutzt, um dich…" Er unterbrach sich wieder. Nein. Er müsste einfach mal seine verdammte Klappe halten. Wut trat wieder in ihren Blick.

„Wie großzügig von dir", flüsterte sie heiser. „Schön, dass du von mir bekommen hast, was du wolltest."

„Granger-"

„-nein, verpiss dich einfach!", fuhr sie ihn endlich an. „Du bettelst doch regelrecht darum, von mir wegzukommen!" Er wollte den Abstand schließen, wollte irgendetwas tun, aber in nur einer einzigen Bewegung hatte sie den Zauberstab gezogen. Unverwandt hatte sie ihn auf seine Brust gerichtet.

Er gefror in der Bewegung. „Was wird das?", entfuhr es ihm ruhig. Er würde sich nicht rühren, denn dieser Zauberstab war weitaus mächtiger als jeder vorherige, und jeder simple Fluch aus ihrem Mund, könnte mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen Tod bedeuten.

„Bleib weg von mir", flüsterte sie zitternd. „Was hast du mir noch alles verheimlicht, Malfoy?", wollte sie wütend von ihm wissen. Gepresst atmete er aus.

„Gar nichts, ok? Was sollte ich-?"

„-du hast deine ganze Hand voller Geheimnisse, ich weiß! Du bist ein scheiß Arschloch, das weiß ich auch! Und du willst gehen? Weil du begriffen hast, dass du von uns beiden der Bösewicht bist – schön! Tut mir leid, dass du nach Askaban kommst, aber das ist wohl kaum meine Schuld!"

„Granger-"

„-nicht!", warnte sie ihn jetzt.

„Ich brauch dein Mitleid nicht. Und ich habe keine Geheimnisse", knurrte er jetzt.

„Mir egal! Verschwinde einfach!" Und seine Augen verengten sich. Denn ja, vielleicht hatte er Geheimnisse. Aber die gingen sie schlicht und ergreifend nichts an! Aber eigentlich war es jetzt auch egal.

„Und warum ich das verdammte Wesen umgebracht habe", griff er zornig ihre ewige Frage auf, die sie dreihunderttausend Mal gestellt hatte, aber sie schüttelte heftig den Kopf.

„Ich will es nicht wissen!", rief sie unter Tränen, aber es war vollkommen egal, denn sie wusste es doch! Es war doch verdammt noch mal offensichtlich!

„Weil ich es nicht mehr ertragen konnte!", schrie er jetzt so laut, dass sogar die Vögel in den Bäumen verstummten. „Es hat deine Gestalt angenommen! Und dass ich dich wollte, obwohl ich es nicht durfte, obwohl es krank und falsch ist – habe ich nicht mehr ertragen, ok?", sprudelten die Worte aus seinem Innern an die Oberfläche. „Ich habe wochenlang von dir geträumt, wusste schon nicht mehr, was real war und was nicht! Und all das, Granger", begann er mit ausladenden Gesten, „all die Zeit, macht es nicht richtig! Und das wird dir Weasley sagen, das wird dir Potter sagen – verflucht noch mal, jeder wird es dir sagen können!" Stumme Tränen fielen auf ihre Wangen, als wären es brandneue Informationen für sie! Als lebe sie hier ihren Inseltraum, vögelte ihn nebenher – und alles andere war egal!

„Wieso tust du das?", flüsterte sie unter Tränen, und der Zauberstab, den sie immer noch unverwandt auf ihn gerichtete hielt, zitterte mittlerweile in ihrer schmalen Hand.

„Was?", rief er ungläubig. „Ich bin ein Todesser!", donnerte seine Stimme über die Fläche. „Ich bin Reinblüter. Das ändert sich nicht über Nacht, verflucht noch mal!"

Sein Atem ging schnell in seiner Brust, und sie starrte ihn an, den Mund leicht geöffnet, ihr Blick so verwundbar. Und sie wartete angsterfüllt. Er wusste nur nicht, worauf sie wartete. Und dann blinzelte er. Sie wartete auf das Wort. Es schien hinter all seinen Worten und Drohungen und Offenbarungen zu lauern.

Seine Schultern fielen plötzlich, und er fühlte sich elend. Schrecklich elend.

Sein Blick sank. Er hatte Angst. Und ja, er war neidisch, dass sie eine harmonische Zukunft erwartete, während er für seine Taten bestraft wurde, aber… seine größte Angst war, dass es nicht vorbei wäre. Für ihn zumindest nicht. Dass sie nach England kämen, und dass er… weiterhin von ihr träumte.

Aber das konnte er ihr nicht sagen.

Und genau deshalb musste er gehen. Deshalb durfte er nicht bleiben, denn… es gab keine Zukunft für diese kranke Scheiße, die sie veranstalteten. Es war egal geworden, wie er sie nannte. Denn selbst, wenn er sie Schlammblut nannte, bliebe er weiterhin der Versager, der liebend gerne seine Nächte bei ihr verbrachte.

„Keine Sorge", sagte er dann. „Ich gehe", versprach er tonlos.

Und das tat er. Denn wenn er nicht ging, dann… wusste er nicht, wie es weitergehen sollte.