34. Star-Crossed
Mit beinahe gelangweilter Präzision zielte Draco und warf das ehemalig stumpfe Messer, was sein neuer Zauberstab geschärft hatte, locker aus dem Handgelenk. Es gewann zirkelnd an Geschwindigkeit, surrte scharf durch die Luft und verfehlte den dösenden Graszüngler, der an der sonnigen Rinde Licht getankt hatte um einen Millimeter, wie Draco beabsichtigt hatte. Schwingend war das Messer stecken geblieben, und die kleine Echse schreckte aus ihrem Mittagsschlaf und verschwand in schnellen Bewegungen die Rinde empor.
Vielleicht war es nicht gerade produktiv, kleine Tiere zu ärgern, aber Spaß machte es allemal. Draco hatte sogar in seinen Schneiderkünsten dazu gelernt, hatte sich von den anderen Schiffen im Osten noch Fetzen von Leinen geholt, und sein neues Shirt besaß sogar eine Brusttasche.
Seufzend erhob er sich, versiegelte seine Höhle vorsichtshalber mit einem Zauber, ehe er apparierte und fest mit beiden Füßen im Sand landete.
Die frische Brise der freien See begrüßte ihn sofort, zog fast liebevoll an seinen Strähnen, schien ihn Richtung Wasser schieben zu wollen, und er wischte sich das helle Blond aus den Augen, atmete die Luft tief ein und genoss die warme Sonne auf seinem Gesicht.
Er wusste nicht, warum er den Strand gewählt hatte. Er hatte etwas anderes sehen wollen. Aber… das stimmte vielleicht nicht wirklich. Denn er wollte dem Rätsel des Wasser-Schimmerns auf den Grund gehen. Nicht, dass es eine Möglichkeit gab, soweit rauszukommen, aber… es wäre immerhin irgendetwas, was er tun könnte, anstatt sich selber zu bemitleiden und den goldenen Ring seiner Großmutter zwischen seinen Finger zu drehen, als würde er ihm irgendwann eine Antwort offenbaren.
Er musste weiter in den Westen, glaubte er. Einigermaßen motiviert apparierte er den Strand entlang. Die warme Sonne tat gut, war sie doch meist im Dschungel durch Blätter verborgen.
Er hielt unterwegs an, um eine Kokosnuss, die am Boden lag, mit dem Zauberstab zu öffnen, und trank genussvoll die warme Milch. Es war nicht unbedingt sein Lieblingsgetränk – gar nicht, aber es war etwas anderes als immer nur Süßwasser.
Er erlaubte sich gar nicht mehr an Frühstückstee oder Macallan Scotch zu denken. Es waren nur noch Ideen von Geschmack, weit hinten in seinem Nervenzentrum. Und Kokosmilch war wohl noch das Außergewöhnlichste hier.
Er kam gut voran, hatte seine bloßen Füße geschützt, so dass die Hitze des Sandes ihm nichts ausmachte, und als er das westliche Ende der Insel erreicht hatte, schirmte er seine Augen ab und blickte blinzelnd in die Ferne, dem Horizont entgegen. Das Schimmern konnte er nicht ausmachen. Er schätzte, wie weit es wäre.
Zehn Meilen? Vielleicht etwas weniger? Wasserdistanzen waren trügerisch. Sein Blick fiel auf den weichen Sand. Seine Spuren waren nicht die ersten, stellte er fest. Er erkannte es nur im Windschatten der Felsen hier, wo der Wind den Sand nicht verwirbelt hatte. Sie war ebenfalls hier gewesen, nahm er an.
Sie machte also Entdeckungstouren am Strand. Seine Schultern sanken langsam.
Er vermisste sie.
Ob sie ihn vermisste?
Er verzog kurz den Mund. War es wichtig? Half es ihm?
Er schloss die Augen. Er kotzte sich selber an. Denn ja. Verflucht, es war wichtig. Es half ihm. Vielleicht half es ihm nicht, einer Haftstrafe zu entgehen, aber es half seiner Seele. Und war das nicht verrückt?
Soweit die Insel ihn Lektionen lehrte, brauchte er immer endlos lange, irgendetwas zu begreifen, war ihm aufgefallen. Zwei Wochen war er jetzt alleine, und zwei Wochen lang wusste er, was ihm fehlte, aber zwei Wochen lang, war er jetzt zu stolz gewesen, irgendetwas zu tun.
Die Hand, mit der er seine Augen abschirmte, fiel an seine Seite.
Er wollte sie sehen. Und es war verdammt noch mal seine Entscheidung. Egal, ob es etwas änderte. Egal, ob es richtig war. Er konnte sie vermissen, wenn er in Askaban saß. Er musste sie nicht schon jetzt vermissen, wenn er verdammt noch mal auf derselben Insel mit ihr hockte!
Und er glaubte, das war der tiefsinnigste Gedanke, der in den letzten Wochen seinen Geist gestreift hatte.
Sein Selbstmitleid kotzte ihn an. Er war nicht schwach. Es würde schon gehen. Er würde es schon schaffen. Er würde sie nach Hause bringen, und das war alles. Was mit ihm passierte – war… egal.
Und anstatt über diese Erkenntnis in einen Schock zu verfallen, hoben sich seine Mundwinkel.
Und dann zog er den Zauberstab, drehte er sich um sich selbst und landete auf der Wiese vor der Höhle an den Fällen. Die Lagune. Ihre Lagune.
Er wusste nicht, ob sie ihn hasste, ob sie den Zauberstab ziehen würde, aber selbst diese Aussichten ließen sein Herz schneller schlagen. Denn es war alles besser, als mit sich selber und seinen scheiß Gedanken alleine zu sein.
„Hey", rief er knapp, kündigte sich an, während er den Zauberstab zurücksteckte, und als er die Höhle betreten wollte, verharrte er.
Erschrocken drehte sie sich zu ihm um.
„Malfoy", entfuhr es ihr tonlos, und sein Blick sog ihren Anblick auf. Sein Mund öffnete sich perplex. Denn… sie trug… ein Kleid?
Dann schluckte er schwer. Sein Blick verfing sich an dem seidigen Stoff, der eng um ihre Hüfte fiel, fließend wie Seide, und er konnte nicht wirklich denken.
Ihre Brustwarzen zeichneten sich durch den dünnen Stoff ab, und die schmalen hellen Träger traten leuchtend auf ihrer gebräunten Haut hervor.
Merlin, war sie schön. „Was-?"
Aber er kam näher, muss sie berühren, in diesem Kleid. Warum auch immer sie es trug, wo auch immer sie es herhatte! Er hoffte, seine Hände waren nicht schmutzig, aber schon legten sie sich auf ihre schlanken Hüften. Die Seide schmiegte sich kühl in seine Handflächen, und sein Blick fiel auf ihr Gesicht. Überfordert sah sie ihn an, und im Halbdunkeln der Höhle erkannte er schemenhaft die Röte auf ihren Wangen.
Und ohne Worte senkte er den Kopf, fing ihre Lippen, küsste sie fest und verlangend, und dann legten sich ihre Arme um seinen Nacken. Ungeduldig fuhren seine Hände über den seidigen Stoff, der sie umhüllte, suchten nach Knöpfen, einem Reißverschluss, aber seine Hände fanden nichts.
Gerade als er sich entschlossen hatte, die Träger über ihre Schultern zu schieben, unterbrach sie den Kuss, löste sich beinahe ertappt von ihm, als hätte sie gar nicht nachgeben wollen, als… besäße sie mehr Stolz als er.
„Was… was tust du hier?", entfuhr es ihr und sie wich tatsächlich vor ihm zurück, hatte aber das neu gebaute Bett schnell in den Knien.
„Ich wollte dich sehen", entkam es ihm rau, ohne sie aus dem Blick zu lassen. Seine Brust hob und senkte sich schneller, und noch immer sah sie so unglaublich wunderschön aus.
„Du… hast gesagt, du kannst meine Nähe nicht mehr ertragen", wiederholte sie die Worte schnell, die er nie gesagt hatte. Aber es war wohl einerlei, was er scheinbar nicht mehr hatte ertragen können. Und er könnte ihr die Dinge aufzählen, die er noch viel weniger ertragen konnte. Aber es war überflüssig, denn er war wieder hier.
„Ich bin ein Arschloch", sagte er schlicht. „Und es tut mir leid", ergänzte er rau.
„Aber du…" Sie biss sich auf die Lippe, rümpfte verdächtigerweise die Nase auf eine Weise, die ihm zeigte, dass sie vielleicht weinen würde. „Du kannst nicht einfach-"
„-ich weiß", unterbrach er sie still. „Es tut mir leid", wiederholte er, und wagte sich einen Schritt näher.
„Du weißt überhaupt nicht, was ich sagen will", behauptete sie kopfschüttelnd, um Beherrschung bemüht, aber er zuckte die Achseln.
„Du hast wahrscheinlich recht, also ist es egal, oder nicht?"
„Malfoy-", begann sie warnend, aber er war nahe genug, um sie wieder zu berühren. Nur ihr Blick hielt ihn auf. „Du bist gegangen, du…" Und er wusste, er hatte sie verletzt. „Du hast gesagt, Dinge ändern sich nicht über Nacht", griff sie Worte auf, die er tatsächlich gesagt hatte.
„Tun sie auch nicht", bestätigte er ruhig und nahm ihre Hände in seine, verschränkte seine Fingern mit ihren, und mit weiten Augen sah sie ihn an. „Aber jetzt habe ich keine Angst mehr", schloss er sanft, und ihr Kiefer gab leicht nach. „Es ist mir egal, was passiert."
„Was passiert?", wiederholte sie mit bebender Stimme.
„Hier nach", konkretisierte er seine Worte. „Nach… meinem Urlaub", wiederholte er nun ihre Worte, und kurz zuckten ihre Mundwinkel unkontrolliert. Sie verdrehte die Augen und blickte scheu zur Seite. „Ich war lange genug alleine, Granger", sagte er mit mehr Nachdruck. „Mir reicht es. Ich will nicht mehr alleine sein, wenn… wenn ich bei dir sein kann."
Und es war ein so eigenartiges Geständnis. Ihr glasiger Blick hob sich zu seinen Augen, und wieder biss sie sich auf die Unterlippe. „Wenn du mich hier noch willst", fügte er vorsichtiger hinzu.
Dann fiel ihr Blick. Kurz sah sie zu Boden, schüttelte sanft den Kopf, und lächelnd hob sich ihr Blick wieder.
„Ok", sagte sie heiser. Er spürte das Lächeln auf seinen Zügen, und es war definitiv etwas, was er nicht alle Tage tat.
„Ok", wiederholte er, senkte langsam den Kopf, und sie schloss die Augen, als er ihre weichen Lippen mit seinem Mund verschloss. Er löste seine Finger von ihren, ließ sie zu ihren Schultern wandern und schob nun sanft die Träger über ihre Haut. Der zarte Stoff fiel von ihrer Haut, und jedes freie Stückchen Haut mussten seine Lippen küssen, nachdem er diesen Kuss beendet hatte.
Seine Zunge fuhr über ihre Haut, über ihr Schlüsselbein, aber schnell hielt sie ihn auf, zog ihm das Shirt von den Schultern, und er half ihr, den Rest seiner Kleidung loszuwerden. Seine Hände wanderten über ihren Körper, und mittlerweile kannte er ihre Rundungen, kannte ihre Sommersprossen auf ihrem Körper, und sie zog ihn zum Bett. Sie fiel zuerst, und er folgte ihr, war über ihr, und er küsste sie erneut. Es kam ihm vor, als wäre eine Ewigkeit vergangen, seitdem sie das getan hatten.
Seine Erektion war steinhart, schon seit einigen Minuten. Ihr Duft, das Gefühl ihres Körpers unter seinem, schickte eine ungeduldige Hitze in seinen Körper. Hart fuhren seine Hände ihre Seiten entlang, griffen in ihre Hüften, und sie öffnete sich ihm, spreizte die Beine, und seine Hand legte sich um ihren festen Oberschenkel, hob ihn an, legte ihn um seine Hüfte, und er konnte sich nicht mehr aufhalten und drang vorwärts.
Ihr Eingang teilte sich, heiß und feucht für ihn, und er glitt tiefer. Seine Atmung ging flacher, als das fantastische Gefühl ihrer Enge ihn erfasste. Seine Augen schlossen sich, als seine Lippen auf ihren Hals fielen, ihre Haut einatmeten, und er stieß sich nach vorne.
Ein Stöhnen verließ ihren Mund, und er presste sie härter in die organische Matratze, die sie gebaut hatte. Ihr beider Atem erfüllte die Höhle, und er fühlte sich befreit von all seinen Ängsten, spürte nur noch sie und den Einklang ihrer Körper, während ihre Fingernägel sanft über seinen Rücken kratzten.
Kraftvoll waren seine Bewegungen und er wollte sie besitzen, wollte sie haben, wollte, dass sie seinen Duft annahm – und hier, auf dieser Insel, war sie seins, nach seinem Verständnis, soweit er es begreifen konnte.
Sein Mund fand ihre geöffneten Lippen, und seine Zunge schob sich zwischen ihre Zähne, und sie reagierte sofort, zwang ihn durch eindeutige Bewegungen, den Rhythmus anzuziehen, und er folgte ihrem Wunsch, nahm sie härter, während ihre Zungen kämpften, und er sich zu gerne verlor….
Sie lag in seinem Arm, den Kopf auf seine haarlose Brust gelegt. Ihre Finger zeichneten unbewusst seine Narben nach, die sich unzählig auf seinem Oberkörper sammelten. Sie hingen ihren Gedanken nach, seit einer Weile schon.
„Woher hast du das Kleid?", fragte seine raue Stimme sie nach einem langen Moment, sie musste lächeln, weil seine Stimme durch seine Brust in ihrem Ohr vibrierte.
„Am Strand habe ich einen Koffer gefunden", erzählte sie ihm also.
„Ernsthaft?", wollte er fast amüsiert wissen. „Einfach so? Und da war ein Kleid drin?"
„Ja", bestätigte sie. „Und ein Anzug", ergänzte sie lächelnd.
„Hm", machte er bloß.
„Es ist ein Hochzeitskleid", fuhr sie fort. „Es hat noch einiges mehr an Tüllschichten. Und einen seltsamen halblangen Überwurf, um den Oberkörper sittlich zu verstecken." Sie hörte sein raues Lachen.
„Und was? Du ziehst jetzt jeden Tag ein Hochzeitskleid an?", wollte er von ihr wissen, und sie lächelte gegen seine Brust.
„Nicht jeden Tag."
„Ok", machte er, wenig überzeugt. „Bedeutet es irgendwas?", fragte er dann.
„Wahrscheinlich nur, dass wir Hochzeit spielen könnten, wenn wir das wollen." Wieder zeichneten ihre Finger die Verfärbungen auf seiner Haut nach. Er schwieg daraufhin.
„Ich… habe einen Ring", sagte er dann nach einer Weile. Sie hielt in ihrer Bewegung inne.
„Du hast einen Ring?", wiederholte sie etwas ungläubig, aber sie spürte ihn nicken.
„Lange Geschichte", sagte er nur.
„Ich habe Zeit, Malfoy", bemerkte sie spöttisch. Er machte es sich bequemer, legte den Arm um ihre bloße Taille, und sein Daumen zeichnete nun Kreise auf ihrer Hüfte.
„Ich saß mittags auf dem höchsten Baum im Dschungel, und genau dort hatte das Baumvolk auch seinen Schatz versteckt."
„Seinen Schatz?", unterbrach sie ihn ungläubig.
„Ja", sagte er nur. „In einer Höhle im Stamm. Verrückt, nicht? Jedenfalls kamen die kleinen Männer, haben mich bedroht, und dann habe ich gemerkt, dass in dem Stamm jemand gefangen war. Ich habe das Mädchen befreit, und zum Dank habe ich ihre Krone bekommen."
„Ah ja", bemerkte sie grinsend. Wie unbefangen sie mittlerweile die abstrusesten Geschichten einfach zu Kenntnis nahmen. „Und die Krone war ein Ring?", schloss sie und schüttelte ungläubig den Kopf gegen seine Brust.
„Ja. Und nicht nur das", fuhr er nachdenklich fort. „Ich hatte den Ring verloren, als ich klein war. Er gehört meine Großmutter Cressida", schloss er still. Und plötzlich fokussierte ihr Blick. Sie stützte sich auf und sah ihm ins Gesicht. Könnte es sein, dass…-
„Wofür steht ADM?", fragte sie ihn, ein wenig atemlos.
„Keine Ahnung?", entgegnete er. „Wofür steht es?", wollte er wissen, aber sie schüttelte den Kopf.
„Es… sind Initialen. Sie stehen auf… auf dem Koffer, den ich gefunden habe." Und dann verengten sich seine Augen.
„Abraxas Darien Malfoy", entfuhr es ihm. „Die… Initialen stehen auch in Großmutters Ring", schien ihm unmittelbar einzufallen.
Hermines Mund öffnete sich unschlüssig. „Dann… dann ist es auch das Kleid deiner Großmutter?", vermutete sie verwirrt, und seine Stirn runzelte sich.
„Das… mag sein?"
„Gruselig", war alles, was sie sagte, denn wirklich überraschen konnte sie Insel nicht mehr.
„Ja", bestätigte er bloß.
Und der Moment war… einigermaßen unangenehm, auch wenn sie sich nicht sicher war, warum. Jetzt hatte sie jedenfalls nicht mehr das zwingende Bedürfnis, das Kleid anzuziehen.
Auch wenn sein hungriger Blick unbezahlbar gewesen war.
„Hast du Hunger?", fragte er sie schließlich, und sie ruckte mit dem Kopf.
„Ich könnte was essen", erwiderte sie achselzuckend. Mühsam richtete er sich auf, streckte die Arme über den Kopf, und auch auf seinem Rücken häuften sich die Narben. Wie von selbst legte sich ihre Hand über seine Haut. „Wieso entfernst du sie nicht?", fragte sie abwesend. Sein Blick wandte sich.
„Was?", wollte er verständnislos wissen.
„Die Narben", murmelte sie. „Du hast einen Zauberstab", machte sie deutlich.
„Nein", sagte er bloß, als er sich erhob. „Ich trage sie lieber." Er zog sich die Hose über, aber sie wandte nicht den Blick von seinem wohlgeformten Hinterteil. Fast musste sie lächeln. „Aber…", sagte er plötzlich und angelte sich den Zauberstab aus der Tasche, „ich frage mich, ob er stark genug ist."
Mit gerunzelter Stirn sah sie ihm zu, als er den Zauberstab in seinen Unterarm presste. Zuerst begriff sie nicht. „Perpurgo!", sagte er, und leuchtend schwarz trat sein Dunkles Mal auf seiner gebräunten Haut hervor – bevor… es verschwand!
„Oh mein Gott", flüsterte sie, hob den Blick zu seinem Gesicht, aber er wirkte merklich zufrieden.
„Das ging leichter, als ich angenommen hatte."
„Was hast du getan?", wisperte sie entgeistert. Verständnislos sah er sie an.
„Was soll ich damit?", stellte er tatsächlich ernsthaft die Gegenfrage, und sie konnte nicht anders, als ihn anzustarren. „Es ist nicht so, als ob es mir noch irgendwelche Türen öffnen würde."
Aber es war so verdammt erheblich, dass sie nicht fassen konnte, dass er einen simplen Reinigungszauber angewandt hatte, um… um seine ganze Identität zu löschen! Und seine Mundwinkel hoben sich plötzlich und er kehrte zum Bett zurück, um sich zu setzen.
„Hey, alles ok?", fragte er sie tatsächlich.
„Du… du hast es… entfernt", flüsterte sie ungläubig.
„Hättest du es lieber dort behalten?", fragte er sie tatsächlich.
„Ich- nein!", sagte sie hastig. „Aber…-"
„-es war ein hässliches Tattoo, ok?", schien er ihr versichern zu wollen, aber perplex wandte sie den Kopf.
„Ich weiß das", murmelte sie. Sein Lächeln vertiefte sich.
„Ok, das nächste Mal frage ich dich, bevor ich irgendwas entferne…", bemerkte er spöttisch.
„Aber… bedeutet es dir nichts? Ich meine-"
„-es bedeutet, dass ich für lange Zeit ins Gefängnis komme, wenn wir Zuhause sind. Und ganz ehrlich – ich brauche kein scheiß Tattoo, was mich daran erinnert. Ich vergesse es schon nicht", schloss er schlicht.
Und sie verstand. Er war wirklich anders. So vollkommen anders. Und er hatte keine Angst mehr. Sie hatte direkt viel mehr Angst.
„Vielleicht… können wir das verhindern. Vielleicht-" Aber er lehnte sich einfach vor und küsste ihre Lippen. Sie schwieg abrupt, aber schon beendete er den Kuss wieder.
„Vielleicht", räumte er sanft ein. „Wir lösen das Problem, wenn es sich stellt, ok?"
„Aber-"
„-ok?", unterbrach er sie, wiederholte die Bestätigung mit Nachdruck, und sie begriff, er würde darüber nicht weiter reden wollen. Ihr Blick fiel.
„Ok", bestätigte sie still.
„Ich besorge was zu essen", schloss er, zog sich an, und verließ die Höhle.
Kopfschüttelnd krabbelte sie aus dem weichen Blätterbett und zog wieder ihre Leinenshorts und das Shirt an. Sie mochte den neuen Malfoy. Aber gleichzeitig machte er ihr Angst. Mehr als der alte.
Und siedend heiß fiel es ihr ein.
„Verhütung, Hermine!", murmelte sie streng und suchte ihren Zauberstab.
Und aus dem Nichts, gleißend hell, wie sie es in Erinnerung gehabt hatte, erschien die nächste Vision, und Hermine vergaß ihren Zauberstab, als sie fast stürzte, vor Schreck.
