35. The Boy

Es war ein Unwetter, was sich ihr offenbarte. Ein schreckliches Gewitter hatte sich am Himmel zusammengebraut, Wolken türmten sich in Nuancen von Schwarz und Grau. Und unten, im Wasser, schlingerte ein Boot. Es besaß ein weißes Segel, was in seinen Lochnieten hin und her gerissen wurde, und ein Mann saß am Heck, hielt mühsam mit beiden Händen die Ruderpinne, damit er nicht vom Kurs abwich. Wellen peitschten an den Seiten des Bootes empor, überschwemmten den Boden des Bootes, und mit verengten Augen stellte Hermine lediglich fest, dass sie den jungen Mann nicht kannte.

Der nächste schreckliche Blitz beleuchtete sein Gesicht. Die Vision zeigte ihn deutlich. Er trug eine klatschnasse Jeans, ein altes Shirt, und Anstrengung zeichnete sein Gesicht. Er konnte nicht viel jünger sein als sie, nahm sie an. Er hatte blonde längere Haare, die sich selbst unter der Nässe wellten, und seine hellen Augen waren angstvoll auf das Großsegel geheftet, denn es sah gefährlicherweise danach aus, als wolle es aus den Nieten reißen.

Die Muskeln seines rechten Arms zitterten, denn dieser hielt das Ruder nun allein, während der Mann mit der linken Hand den Zauberstab zog. Er war pechschwarz. Wie ihr Zauberstab! Hermine hatte keine Sekunde einen Zweifel daran, dass dieser Mann sich genau hier befand. Vor der Insel, draußen im Meer! Sie wusste es einfach.

Mit einem brüllenden Fluch stabilisierte er das Segel, aber Hermine erkannte, der Zauberstab musste beschädigt oder anderweitig eingeschränkt sein, denn der Stabilisierungszauber funktionierte nur bedingt.

Und dann hörte sie ein schreckliches Geräusch. Es war ein… tiefes Grollen, unheimlich und es übertönte selbst den sausenden Wind.

„Na los!", schrie der Mann jetzt blind, während er versuchte, Kurs zu halten. „Komm raus, du Mistvieh!" Herausforderung brannte in seiner tiefen Stimme.

Für einen kurzen, abwesenden Moment, kam es Hermine vor wie Moby Dick. Als würde ein verrückter Kapitän die Meere besegeln, auf der Suche nach dem einen Monster, dem einen Gegner, dem einen Wal.

Aber was sie sah, war kein Wal. Es war nichts, was sie jemals gesehen hatte, und ihr Atem stockte. Als hätte das Wesen den Mann verstanden, hob es langsam einen hässlichen schwarzen Kopf aus den Fluten. Hoch und lang ragte der schwarze, schuppenübersäte Hals bis über den schmalen Mast hinaus, und es sah aus wie ein Drache. Wie ein Wasserdrache. Hässlich und schwarz, das bösartige Gesicht umrandet mit scharfkantigen Schuppen, in mehreren Reihen, dass es fast wie eine Mähne wirkte. Wassertropfen fielen von seinem scheußlichen Gesicht ins Wasser zurück, perlten über die glänzenden Schuppen seines langen Halses, und dann schüttelte es instinktiv den riesigen Kopf, um das übrige Wasser loszuwerden.

Die schlangenartigen Nasenlöcher blähten sich, und die schwarzen Lefzen seines Mauls hoben sich, und fast sah es aus, als würde das Monster lächeln, während es zwei Reihen gefährlich scharfer, gefährlich spitzer Zähne entblößte.

Und dann öffnete es die Augen. Sie lagen tief verborgen unter schuppigen, wulstigen Augenbrauen, wirkten katzenartig, leuchteten beinahe, und sie waren so giftig gelb, dass sie am liebsten gar nicht zu lange hingesehen hätte.

Aber es war, was sie nicht mit bloßem Auge sehen konnte, was am deutlichsten hervortrat. Eine Gemeinheit und Boshaftigkeit umgab diese Bestie, und sie sprang Hermine praktisch in die Augen, ohne dass sie dieses Monster länger als eine Sekunde ansehen musste.

Hier gab es keine Kompromisse, nicht die Option, Freundschaft mit diesem Tier zu schließen, wie man es vielleicht unter Umständen mit Riesengorillas konnte.

Nein. Hier gab es nur den Kampf. Nur den Tod.

Und als Hermine instinktiv die Augen schließen wollte, weil sie nicht mitansehen konnte, wie der fremde Mann starb, erhob sich der nächste Kopf aus dem Wasser, ebenso scheußlich wie der erste.

Es waren mehrere Monster, ging ihr atemlos auf. Ein dritter Kopf erschien, dann ein vierter, und Hermine verstand nicht. Dann hob sich nur ein Hals aus den Fluten, und sie erkannte, ein Kopf war hier sauber abgetrennt worden, die Haut bereits verheilt. Was?

Auf der anderen Seite des Bootes peitschte ein langer zackiger Schwanz aus dem Wasser, knallte wieder zurück und schickte eine neue Flut an Wasser ins Boot, was nun schon zur Hälfte unter Wasser stand.

Und sie wusste, der blonde Mann hatte nicht den Hauch einer Chance.

Der Mann zielte, schoss einen Fluch, aber der Zauberstab zeigte kaum wirkte, verbrannte das Monster nur marginal, aber abwesend nickte der Junge, als wäre ihm die Schwäche seines Zauberstab bewusst, ließ das Ruder los und das Boot schlingerte ein wenig im wilden Wasser. Unter der Bank zog er ein glänzendes Schwert hervor, hielt es mit beiden Händen und schwang es hart, als der erste Kopf hinab sauste, um ihn zu attackieren.

Er verfehlte den Hals, traf das Monster ebenso am Schädel, und fauchend wich es zurück.

„War das alles?", brüllte er heiser, und Hermine erfasste Angst. Passierte das jetzt? War hier noch jemand? Befand sich jemand jetzt gerade draußen im Meer und kämpfte gegen ein… Seeungeheuer mit acht Köpfen?!

Aber sie konnte sich nicht losreißen, konnte sich nicht rühren, starrte wie gebannt auf die Vision, auf den jungen Mann, der mutig das Schwert schwang und das Biest auf Abstand hielt. Wieder sauste ein Kopf hinab, ein zweiter, und wieder verfehlte der Mann, aber die Bestie wich zurück.

Und dann sah Hermine etwas anderes. Ein Glitzern, mitten im Wasser, selbst durch das Unwetter, was das Boot fast zum Kentern brachte. Das Glitzern! Sie hatte es neulich gesehen! War es das? Und sie erkannte, es war wie ein bunter Schleier, wie ein Prisma, das ohne Sonnenlicht funktionierte.

„Ja!", rief der Mann heiser, als auch er es sah. „Ein bisschen noch!"

Die Bestie fauchte jetzt hoch und hohl, zischend kam der nächste Kopf auf den Mann zu, aber dieses Mal traf er, rammte das Schwert direkt durch den Hals, und das Monster wich in schwimmenden Bewegungen zurück. Das Schwert steckte tief in der schuppigen Haut.

„Bitte, du Wichser!", rief der Mann. Sein Mundwinkel hob sich schwer atmend, aber das Boot sank mittlerweile. Er erkannte es, atmete aus und dann sprang er in die Fluten. Das Monster war abgelenkt, schien große Schmerzen zu haben, und Hermine konnte nur zusehen, wie der Mann in schnellen Zügen dem Schimmer entgegen schwamm.

Das Monster schrie auf, begann die Verfolgung, und Hermine hielt den Atem an.

„Schneller", murmelte sie tonlos, den Blick auf den Mann geheftet, der fast im Dunkel der tosenden Wellen unterging. Aber er näherte sich. Das Monster hinter ihm mühte sich, den Abstand zu schließen, und dann…- hatte er den Schimmer erreicht, und kaum berührte seine ausgestreckte Hand den Rand dieser seltsamen Illusion, verschwand sein Körper, und der Schimmer verschwand, verschloss scheinbar das seltsame… Portal, oder was es war!

Das Ungeheuer stieß einen frustrierten Laut aus, und dann tauchte es verwundet und zornig ab. Das Boot kippte, das Segel krachte ins Wasser, der Mast brach, aber es war egal, denn der Mann hatte es geschafft! Was auch immer er geschafft hatte.

Hermines Atem ging schnell in ihrer Brust, und als sich das Heck aus dem Wasser hob, blinzelte sie erschrocken.

Zwar stand es auf dem Kopf, aber sie konnte den Namen des Bootes nur zu deutlich erkennen. In schwarzen, gezeichneten Lettern stand er dort.

Und es machte… keinen Sinn. Das Boot hieß SKILLS+VIOLET.

Die Vision endete. Das Bild verschwand. Die Höhle war wieder die Höhle. Blind starrten ihre Augen immer noch gebannt nach vorne, als sähe sie mehr als den nackten Felsen, und dann… endlich, fand sie ihre Stimme wieder.

„Draco!", rief sie, schrie sie fast, und dann noch mal. Und noch mal!

Bis er irgendwann kam.

Sofort war er zum Strand appariert, aber er hatte kein Unwetter gesehen, kein Monster mit hundert Köpfen, nichts. Das Meer hatte ruhig gelegen, wie es immer lag, und das Glitzern war ebenfalls nicht auszumachen.

Das nicht, und auch keine Überreste eines Bootes.

Er war schleunigst wieder zurückgekehrt, aber sie war noch immer gänzlich neben sich. Wieder und wieder erzählte sie ihm die Einzelheiten. Wieder und wieder, bis er glaubte, die Vision selbst gesehen zu haben. Sie erzählte von dem Boot, was Skills und Violet hieß, von dem Mann, der ein weniger jünger war, als sie es waren, von dem Monster mit den vielen Köpfen, von dem einer bereits fehlte.

Von seinem Zauberstab, der war wie ihr Zauberstab, der aber nicht funktionierte, von dem Schwert, und immer wieder von dem Mann.

Blond, groß, blaue Augen, wie er dem Glitzern entgegen geschwommen ist, und er hatte ihr erklärt, er hätte das Glitzern auch gesehen. Vor einigen Tagen.

Sie war gar nicht mehr zu beruhigen, fragte ihn, was dann geschah, was mit dem Jungen dann geschah, aber Draco wusste es nicht.

Er wusste nur eins.

„Vielleicht ist das der Weg", sagte er. Und er hatte es vor einigen Minuten schon einmal gesagt, aber sie war nicht bereit gewesen, ihm vollends zuzuhören.

„Der Weg hier weg? Der Weg nach Hause?", entkam es ihr heiser. „Wir… haben kein Boot", sagte sie kopfschüttelnd. Und wieder gingen ihre Gedanken zurück.

„Wie konnte das Boot so heißen? Wie?" Sie sah ihn an. „Draco!", sagte sie seinen Vornamen frustriert, und er schüttelte den Kopf, wusste nicht, warum es so hieß.

„Zufall?", schlug er nicht überzeugt vor, aber sie machte ein empörtes Geräusch.

„Zufall? Hier? Nein!", entschied sie zu sagen. „Und wer war der Mann? Vielleicht… haben wir die Insel verlassen gehabt, und er… kam nach uns?", vermutete sie, aber Draco war sich nicht sicher, ob es so funktionierte. „Ich meine…"

Verloren sah sie ihn an. „Wie konnte er in diesem Boot sitzen? Wie…?" Draco wusste es nicht. Und dann traten Tränen in ihre Augen. Sie war frustriert, und er verstand das. Aber er wusste keine Antwort. Aber er wusste eine Sache. Die Visionen kamen nur, wenn sie mussten.

Die erste kam, als sie verzweifelt gewesen war, gerade die Höhle gefunden hatte, vielleicht, um sie zu unterstützen, ihr zu zeigen, dass es nicht aussichtslos war, dass sie nicht vergessen waren.

Die zweite war das Einhorn gewesen. Die war erschienen, als sein Zauberstab kaputt gegangen war. Und zwar deshalb, weil sie einen neuen herstellen sollten. Die nächste war die Vision, die nur er gesehen hatte. Potter und Weasley. Und er hatte an sie gedacht, hatte nicht mehr genau im Sinn, was er gedacht hatte, aber er war überzeugt, dass es ihm mehr sagen sollte, als dass sie wieder nach Hause kämen. Denn mittlerweile war er überzeugt, Weasley trank, weil Granger nicht bei ihm war, sondern… bei ihm, Draco. So selbstsüchtig dieser Gedanke auch war.

Und bei dieser Vision…. Er sah sie an.

„Was hast du gemacht, bevor die Vision kam?", fragte er sie, und er hoffte, sie würde sich noch erinnern.

„Gemacht?", wiederholte sie hysterisch. „Was soll ich gemacht haben? Gar nichts! Ich saß im Bett, wollte aufstehen, wollte mich anziehen! Ich-" Und dann unterbrach sie sich plötzlich. Ihr Blick hob sich zu seinem Gesicht, etwas bleich, etwas leerer als vorher.

„Was?", entkam es ihm fast angstvoll.

„Ich… wollte verhüten. Ich…- wir hatten es vergessen gehabt, und…" Ihre Stimme verlor sich. Und sein Mund öffnete sich. Knapp verengten sich seine Augen.

Sie schwiegen beide betroffen und wussten beide nicht, warum.

Sie starrte mit weiten Augen auf keinen bestimmten Punkt, und er stützte sein Gesicht in seine Hand. Ok. Es machte keinen Sinn. Nicht für ihn. Aber er war darüber hinaus, den Visionen Takt oder sonst etwas zu unterstellen, denn die Visionen wollten keine Gefühle schonen. Die Visionen zeigten… Lösungen, sie zeigten die Zukunft, sie zeigten…, was sie zeigen mussten, damit es weiterging.

„Du… bist sicher, du kanntest ihn nicht?", fragte er sie ruhig, fast tonlos. Unbewegt schüttelte sie den Kopf.

„Nein", flüsterte sie jetzt.

„Wie… wie sah er aus?", wollte er behutsam wissen, und gleichzeitig wollte er es gar nicht hören. Tränen füllten ihre weiten Augen, die ihn plötzlich so verloren ansahen, dass es sein Herz schmerzte.

„Wie…" Und es war, als sähe sie ihn zum ersten Mal. „Wie…-" Sie schwieg mit einem Mal. Aber ihr Blick sprach mehr als jedes Wort. Wie er. Der Mann hatte wie er ausgesehen. Sein Mund öffnete sich unschlüssig.

Und es war einfach. Er würde sagen, es war einfach, was die Vision sagen wollte, aber… es zu verstehen, war nicht einfach. Es war unmöglich.

„Aber…", begann er kopfschüttelnd, und sie weinte nun heftiger. „Aber… warum war er auf der Insel?" Und er wusste, die Vision würde ihm darauf keine Antwort liefern. Der scheiß Vision war es egal.

„Draco, ich… ich verstehe nicht", wisperte sie verloren. „Das… das heißt…?" Sie erwartete, dass er etwas sagte, dass er es löste, dass er es erklärte, aber er konnte nicht.

„Ok…", begann er, weil sie es wollte, weil er es musste, damit sie begreifen konnte. „Nehmen wir an, du… sollst nicht verhüten, weil…" Er konnte nicht. Er konnte es kaum denken, geschweige denn, es sagen, aber… er hatte heute damit begonnen, keine Angst mehr zu haben, und deshalb tat er es. „Weil… dieser Junge…"

Ihr Mund öffnete sich, und ihr Blick war regelrecht panisch. Und er übersprang das Offensichtliche einfach. „Aber… was bei Merlin tut er hier auf der Insel? Selbst wenn…", begann er wieder, hob abwehrend die Hände, denn er wollte es nicht aussprechen, „selbst wenn… wir…- wir kommen nach Hause! Wir sind nicht hier! Wir… Potter hat es gesagt! Wir…" Er schüttelte den Kopf.

„Wie sollten wir wieder hierhin kommen… mit… ihm?" Denn das war das einzige, was absolut keinen Sinn ergab – neben dreitausend anderen Dingen, aber… soweit er Logik und Verstand walten ließ, war es alles möglich. Es war möglich, dass sie nicht verhüteten, dass sie… schwanger werden würde, dass das… unter Umständen, vielleicht, ihr Sohn war.

Merlin. Sein Magen schmerzte plötzlich, vor lauter schwerer Gedanken.

Aber… wie sollte er hier landen? Wie?

Und plötzlich… erinnerte er sich. „Die Geschichte vom Ende der Welt", sagte er entgeistert. Sie sah ihn verständnislos an. Er musste aufstehen. „Das Buch. Mein Buch", flüsterte er. „Das…- die Affen!", sagte er. „In dem Buch! Sie… sie sind purpurn, haben sechs Beine und leben in den Bergen!" Sie starrte ihn an, noch immer begriff sie nicht, und wie sollte sie auch! Aber er erinnerte sich. „Und die Insel wird beschützt durch… Centacepta. Den Tausendkopf", schloss er fassungslos.

„Was?" Sie sah ihn an.

„Es… es ist wie in meinem Buch. Wir… wir haben Dumbledore und Hagrids Hütte nicht… mitgenommen, wir…"

„-wir haben es erschaffen?", flüsterte sie ungläubig, beendete seinen Gedankengang, und er nickte bloß. Und plötzlich richtete sie sich auf. Vollkommen gerade saß sie auf dem Bett. Sie sah ihn an.

„Der Portschlüssel! Merlin, ich… weiß es!", entkam es ihr plötzlich. „Gott, wir…- ich erinnere mich!", wisperte sie, und ihr Atem beschleunigte sich. „Zwei Seelen, die auf den Mobiliuszauber wirken! Ich hatte es gelesen für den Aufsatz in Verwandlung, den wir über den Apparier-Zauber schreiben mussten!", holte sie ein wenig abwesend aus. „Ich hatte… dieses Buch gefunden. Ein geographischer Wälzer, keine Ahnung", entfuhr es ihr ungeduldig. „Und… es war weit ab vom Thema, ich habe ihn nur überflogen, und… dort stand, dass zwei Seelen den Mobiliuszauber manipulieren können und eine eigene Welt erschaffen, jenseits aller Karten und Kontinenten", schloss sie rau.

Und dann öffnete sich ihr Mund in stiller Erkenntnis. „Wir müssen den Ort zusammen verlassen. So wie wir ihn betreten haben."

Er konnte nicht fassen, dass sie plötzlich dieses Wissen abrufen konnte.

„Verlassen?", wiederholte er mit zitternder Stimme.

„Ja. Wir können nicht apparieren, wir können niemanden rufen, aber… wir können über das Wasser die Insel verlassen!", entfuhr es ihr. „Das Schimmern!", rief sie aus. „Das ist der Ausweg! Der Junge wusste das!", rief sie. „Und… das Unwetter, das Monster…", zählte sie auf. „Jeder Ort macht es den Besuchern auf seine Weise schwer, ihn zu verlassen – das ist die letzte Prüfung!"

Und Draco konnte ihr nur zusehen, konnte nur beobachten, wie ihre Augen zu leuchten schienen, wie sie… in ihrer grangerhaften Brillanz die Lösung schneller erreichte als er.

„Oh Merlin! Das Schiff! Das Schiff im Dschungel! Wir können es reparieren! Wir haben jetzt zwei Zauberstäbe! Damit verlassen wir die Insel! Draco!", rief sie, und er glaubte ihr. Er glaubte ihr aufs Wort.

„Das ist die Lösung. Das war die Lösung von Anfang an", flüsterte sie.

Er nickte bloß, denn… was sollte er sonst tun?

„Dann… sollten wir das Boot reparieren", entkam es ihm tonlos.

„Ja", bestätigte sie ein wenig verloren. Dann sah sie ihn wieder an. „Draco, ich… ich werde trotzdem verhüten", sagte sie dann. „Weil…" Aber sie sprach nicht weiter.

Aber im Moment war es ihm wirklich egal. Er brauchte nicht noch ein weiteres Problem, um das er sich nicht würde kümmern können, wären sie erst mal wieder Zuhause. Sein Verstand hatte sich noch nicht um diese Tatsache geschlungen.

Und dann erfüllte sich diese Vision eben nicht. Soweit es ihn betraf, taten sie diesem Jungen – sollte er tatsächlich der sein, für den Draco ihn hielt – einen immensen Gefallen, wenn sie ihn keiner Gefahr aussetzten – wie auch immer der Junge wieder auf diese Insel kommen sollte.

„Ok", sagte er eilig, damit sie es nicht erklären musste. „Kluge Entscheidung", ergänzte er nickend.

„Ja", bestätigte sie. „Ich meine…"

„Schon klar", machte er es deutlicher. „Wir werden ja nicht mal zusammen sein, wenn wir erst wieder Zuhause sind, also wäre… eine Schwangerschaft eine absolut dumme Entscheidung."

„Ja", schien ihr plötzlich aufzugehen. Und erst, als er es ausgesprochen hatte, verstand er es überhaupt. Sie würden nicht zusammen sein.

Sie waren auch jetzt nicht wirklich zusammen. Sie waren einfach nur… zusammen hier.

Und wieder schienen sie betroffen zu schweigen, und wieder war er sich nicht ganz sicher, warum.