38. The Golden Duo
Keiner von ihnen hatte große Lust verspürt, wieder zurückzukehren, außer um etwas zu essen zu besorgen. Denn sie waren hier! Sie hatten die Lösung gefunden! Denn… was sollte es sonst sein? Mit diesem Schwert würden sie zurückkehren können. Zumindest würden sie damit das Monster irgendwie in die Flucht schlagen.
Aber wie verdammt bekamen sie es aus dem verfluchten Stein?
Granger hatte irgendwann Feuer im Kamin der Hütte gemacht, als es dunkel geworden war. Wieder und wieder hatten sie es versucht. Zauber um Zauber hatten sie verwendet, jeder erfolgloser als der vorherige.
Wieso begriffen sie es nicht? Wieso nicht?! Wie bekam man das verdammte Schwert aus dem Stein? Mussten sie bitten und flehen? Mussten sie irgendein Opfer bringen? Was war es?
Granger kaute auf dem getrockneten Fleisch und starrte selbstvergessen in die Flammen. Draco verspürte keinen Hunger. Er wollte einfach nur das Rätsel lösen. Er hasste diese verfluchte Insel mit ihrer Scheiße und ihren versteckten Drecksprüfungen!
Und sie hatten seit einer Weile nicht gesprochen, schienen jeder nach der Antwort zu suchen, aber die Stille wurde langsam drückend.
Denn weiter wussten sie nicht. Sie hatten das Schiff, sie hatten das Schwert, aber das eine war nahezu marode und das andere ließ sich nicht bewegen.
„Fuck", murmelte er unterdrückt, als er den Rücken gegen die Wand zurücklehnte und keine Lust mehr hatte, das verdammte Loch im Boden zu studieren. Hier zu bleiben klang mittlerweile fast nach einer guten Option, dachte er dumpf.
Wieder ein Tag war vorbei. Und wieder standen sie vor mehr Fragen als Antworten.
Er beobachtete sie aus den Augenwinkeln. Sie saß auf dem alten Bettgestell und wirkte wesentlich ruhiger als er es war. Ihn machte es fertig, diese Dinge nicht zu wissen, nicht einmal erahnen zu können. Und dann atmete er aus, als er eine schmale Erkenntnis bekam.
„War es so?", fragte er sie, außerhalb jedem Kontext, und sie sah ihn verblüfft an. „Mit Potter? Mit Weasley?" Wieder erntete er lediglich ihren ratlosen Blick. „Als ihr…- im siebten Jahr", holte er aus, denn es war kein Geheimnis gewesen, dass die drei damals unterwegs waren, um… Merlin was zu tun. Und ihre Mundwinkel hoben sich tatsächlich ein Stück.
„Es war… anders", erwiderte sie. „Kein Dschungel, keine Insel. Lediglich England und der Wald von Kent", schloss sie still. „Aber dieses verdammte Schwert mussten wir auch finden, ja. Aber es war etwas einfacher. Es lag nur auf dem Grund eines Sees. Und Snape hat geholfen-"
„-Snape?", entfuhr es ihm stirnrunzelnd, aber sie machte eine wegwerfende Handbewegung, als wären es alte Geschichten.
„Es war anders", wiederholte sie abschließend und sah wieder in die Flammen.
„Habt ihr euch gestritten?", wollte er dann wissen, und sie schien kurz nachzudenken.
„Ja", sagte sie dann. „Allerdings ist es anstrengender, zu dritt in einem Zelt zu leben, als einen ganzen Dschungel zwischen sich haben zu können. Und wir werden hier nicht von Todessern verfolgt." Kurz stutzte sie. „Zumindest werde ich das jetzt nicht mehr", bemerkte sie spitz mit einem knappen Blick auf ihn.
Jetzt fiel sein Blick. Ja, wahrscheinlich war es ihr hier wie Krieg vorgekommen. Zu Beginn. Dann hob er den Blick. „Hey, es war für mich auch nicht leicht. Mit dir", erläuterte er dann. Sie lächelte kurz. „Aber… ihr habt alle Lösungen gefunden, richtig?"
Wieder schien sie nachzudenken. „Eventuell, ja", entgegnete sie. „Aber… selbst als wir die Horkruxe vernichtet hatten, hat es Jahre gedauert, bis wir endlich in der Lage waren, dem Krieg ein Ende zu setzen. Es ging nicht immer darum, Lösungen zu finden", erklärte sie achselzuckend. „Manche Dinge musste man… aussitzen. Manchmal brauchte man Geduld."
Er atmete aus. Er würde behaupten, sie waren hier sehr geduldig gewesen, mit dieser scheiß Insel. „Und du… und Weasley", begann er und sah sie direkt an, „ihr wart… zusammen?" Er registrierte, er benutzte die Vergangenheit, und kurz war er versucht, sich zu korrigieren, aber etwas in ihm sträubte sich. Denn jetzt gerade war sie nicht mit Weasley zusammen. Nicht, dass sie mit ihm ‚zusammen' war. Nein, dieses Wort würde er nicht benutzen, aber -
„-nie offiziell", war tatsächlich, was sie sagte und ihn aus seinen Gedanken riss. „Aber… ja", räumte sie stiller ein. „Ich denke, man konnte es so nennen." Er mochte nicht, wenn sie von Weasley sprach. Und nicht aus offensichtlichen Gründen, nicht einmal das. Nein, es war vielmehr, dass ihr Gesicht dann trauriger wurde, dass ihre Stimme belegter klang. Als wäre es kein schöner Gedanke, keine schöne Vergangenheit, sondern vielmehr… eine Qual. Als wäre es etwas, was seit langer Zeit feststand, womit sie aber eigentlich unglücklich war. Er konnte diese Gedanken nicht gut sortieren, und er würde sie auch nicht aussprechen.
Denn vielleicht irrte er sich schlicht und ergreifend dahingehend, dass es überhaupt keine Qual war, sondern vielmehr, dass sie Weasley hier mit ihm betrog – und das war es, was sie quälte.
Denn das wäre um Längen wahrscheinlicher, als dass Weasley derjenige war, der von Anfang an die falsche Person für sie gewesen war.
Er spürte, wie seine Mundwinkel bitter sanken.
Und dann änderte sich ihr Blick. „Wieso erzählst du mir nicht irgendwas?", forderte sie ihn heraus. Er runzelte die Stirn.
„Wie bitte?"
Sie verdrehte die Augen über ihn. „Merlin, du weißt alles über mich, und ich weiß nichts über dich."
„Du weißt nichts über mich?", wiederholte er ungläubig, und sie atmete entnervt aus.
„Was hast du so gemacht? Vorher? Vor dieser Insel?", wollte sie wissen, und er hob eine Augenbraue.
„Wirklich? Dich interessieren irgendwelche langweilige Späheraufgaben für Voldemort? Das bezweifle ich stark, Granger", behauptete er kopfschüttelnd.
„Hab etwas Hoffnung. Ich interessiere mich für viele langweilige Dinge", entgegnete sie lächelnd. Wieder schüttelte er den Kopf, aber mit verschränkten Armen begann er widerwillig zu erzählen.
„Ich – ahem – war in der zweiten Riege tätig. Das sind die Befehlsempfänger. Es war… die Drecksarbeit", schloss er reflektierend. „Harry Potter war Ziel Nummer eins, und ihn und seine Leute zu finden hatte oberste Priorität. Also… wurden wir ständig an entlegene Orte geschickt, um Rapport zu machen, und immer wieder zu bestätigen, dass Potter und seine Leute auch dort kein Versteck unterhielten. Langweilig, wirklich."
„Du hast uns also gesucht?", wiederholte sie relativ neutral.
„Mehr oder weniger", räumte er ein. „Mich hat es alles eher weniger… interessiert", gestand er jetzt achselzuckend. Sein Blick wanderte wieder zu den Flammen. „Aber mein Vater war… anderer Ansicht." Ja, Lucius hatte sehr klare Vorstellungen gehabt. Sie schwieg, hörte ihm zu. „Er hätte gerne, dass ich mich mehr engagiert hätte. Und nicht, dass ich es nicht versucht habe, aber…- es war… alles so sinnlos", schloss er dann. „Selbst wenn – also, selbst wenn wir gewonnen hätten, selbst wenn die Reinblüter irgendeine Macht erlangt hätten", fasste er seine Gedanken in Worte, „die Muggel wären nicht ausgestorben. Sie wären immer noch in der Überzahl, und wir müssten uns immer noch hinter magischen Grenzen verstecken. Immer in der Unterzahl."
Fast hatte er vergessen, dass sie noch da war. Ertappt hob er den Blick.
„Hast du das deinem Vater gesagt?", fragte sie, und er musste lächeln.
„Bist du verrückt?", wollte er trocken von ihr wissen. „Das Leben Zuhause war ohnehin nicht angenehm. Ich denke, hätte ich ihm gegenüber diese fatalistischen Gedanken geäußert, hätte er mich persönlich in Stücke geflucht. Nein, es ging immer um die die Ehre, um den Stolz."
„Was heißt das?", entkam es ihr ratlos. Und er atmete lange aus.
„Granger, du weißt, was es heißt", schloss er schließlich achselzuckend. Ihre Augenbraue hob sich skeptisch.
„Ich wusste nie wirklich, was es heißt. Und ich bezweifle, dass es bei dir anders ist", sprach sie fast herausfordernde Worte. „Was… du mir gesagt hast…- damals, an… deiner Höhle", begann sie fast zögernd, aber er erinnerte sich an die Dinge, die er gesagt hatte. Er wartete, was sie sagen würde. „Du kannst unmöglich mit ganzem Ernst immer noch dahinter stehen, Malfoy", schloss sie bitter, und sie benutzte seinen Nachnamen. Es schien mehr Distanz zu schaffen. Mehr emotionalen Schutz, als sein Vorname aus ihrem Mund, an den er sich bereits gewöhnt hatte.
„Wir sind verschieden", sagte er schließlich. „Immer noch", ergänzte er knapp.
„Aber?", fuhr sie ihm beinahe dazwischen, so unerschütterlich davon überzeugt, dass er seine Worte durch einen Einwand schwächen würde.
„Aber ich stehe nicht über dir", gönnte er ihr diesen Einwand, denn es stimmte. Tat er nicht. Ihre Augen weiteten sich fast überrascht. Und dann atmete sie lange aus.
„Aber du siehst immer noch Unterschiede? Zwischen uns?"
„Und du siehst nicht einen Unterschied?", wollte er direkt von ihr wissen, ließ sie nicht aus dem Blick, denn sie konnte unmöglich so tun, als wären sie ansatzweise kompatibel.
„Nicht die, die du vielleicht siehst", tanzte sie um seine Worte, und er verdrehte die Augen über sie. „Nein", fuhr sie mit einem demonstrativen Kopfschütteln fort, „deine Unterschiede betreffen das Blut. Meine… haben nichts damit zu tun!", erinnerte sie ihn deutlich.
„Unser Sohn", sagte er nun sehr ernst, und er sah, wie jeder Ausdruck ihr Gesicht verließ, wie alleine diese beiden Worte jeden Wind aus ihren vollen Segeln nahm, wie ihr Atem praktisch gefror, „würde alles verändern", schloss er kühl. Er hatte keine Lust mehr, ihn ‚den Jungen' zu nennen. Denn offensichtlich war es nicht lediglich irgendein Junge. Es war nicht irgendjemand Wildfremdes, den sie niemals kennen würden, nein. Es war nur zu real. Und er hatte keine Lust mehr so zu tun, als ginge es um Blut, oder um wusste Merlin was! Denn es ging nicht um Blut. Nicht im Ansatz.
Und es war, als hätte er Hermine Granger zum Schweigen gebracht. Merlin, es war ein Bild für die Ewigkeit. Aber es währte nicht lange.
„Was… was meinst du damit?"
Er seufzte lange. „Zwischen uns", machte er es deutlicher. „Es wäre nicht halbherzig. Es wäre nicht kurzfristig, bis einer von uns mal wieder ausrastet und Scheiße baut." Sie blinzelte. Mehrfach.
„Was?" Sie wirkte ehrlich verstört. Und sie starrte ihn weiterhin an, schien nicht sicher zu sein, was sie sagen sollte.
„Ich bin bereit, in dieser Vision mehr zu sehen, als eine Laune dieser Insel", bestätigte er eindeutig. „Ich bin bereit, zu begreifen, dass jede Vision hier einen Sinn – einen Zweck – hatte."
Und sie sah ihn an, als hätte er sie beide soeben verraten und verkauft.
„Du willst nicht mal bis Frühling mit mir hier bleiben und erzählst mir jetzt, du hast dich damit abgefunden, dass wir einen Sohn haben würden?" Fassungslos sah sie ihn jetzt an. Wieder diese Sache! Was wollte sie damit sagen? Was wollte sie von ihm? Und nein!
„Ich habe mich nicht abgefunden, ich bin nur nicht so verbohrt, nicht einmal darüber nachzudenken! Und Merlin, was hat der verdammte Frühling damit zu tun?", fuhr er sie gereizt an.
„Wir halten es kaum zwei Tage aus, ohne uns anzuschreien, und du willst ein Kind haben?", entkam es ihr nun ungläubig, und er atmete laut aus.
„Ich will es garantiert nicht! Aber es sieht nicht unbedingt so aus, als hätten wir eine großartige Wahl, nicht wahr?"
„Wow. Na, wenn das nicht romantisch ist!", knurrte sie praktisch. „Warte, ich ziehe mich aus, und wir machen ein Baby. Das ist genau die richtige Stimmung dafür!" Ihre Stimme troff vor Sarkasmus.
„Es geht nicht darum, dass-"
„-doch, Malfoy!", unterbrach sie ihn wütend. „Man zeugt mit vollem Bewusstsein ein Kind, wenn man sich liebt, verdammt! Und nicht, weil eine Vision es vielleicht vorschlägt!" Wütend sah sie ihn an, und er hatte nicht wirklich ein Gegenargument dafür. „Nicht jeder Zweck heiligt die Mittel", schloss sie eisig.
„Was soll das heißen?", wollte er ungeduldig wissen.
„Dass wir nicht nur ein Kind zeugen, weil die Vision vielleicht suggeriert, dass das der Ausweg ist!", donnerte ihre Stimme.
„Ich glaube einfach nur nicht, dass die Visionen uns mögliche Varianten einer Zukunft zeigen."
„Du denkst, das ist die Zukunft?", wollte sie ungläubig wissen.
„Ich – ja", schloss er schroff. Sie schwieg daraufhin. Allerdings nicht sonderlich lange. Sie schien es physisch nicht zu können, dachte er dumpf.
„Weißt du, was es bedeutet? Wenn wir ein Kind hätten?", wollte sie ungläubig von ihm wissen, und der Trotz antwortete anstatt seiner.
„Dass du nicht Weasleys Kind bekommst?", vermutete er scharf, und ihre Augen weiteten sich sehr kurz. „Dass sie dich verstoßen würden? Dass es dann keinen einfachen Ausweg für dich gibt?" Fuck, er sollte wirklich den Mund halten.
„Es gibt schon jetzt keinen verdammten einfachen Ausweg!", fuhr sie ihn an. „Denkst du, ich will nach Hause, um einen einfachen Ausweg zu haben?"
„Du willst Weasley heiraten! Das war es doch, was du mir heute so verdammt klar gemacht hast!" Noch immer sprach der Trotz, er würde niemals solche Worte wählen.
„Ich will ihn nicht heiraten!", schrie sie praktisch, und dann wurde sie still. Sie mied sogar seinen Blick. Wollte sie nicht? „Es ist egal", ergänzte sie, um mehr Ruhe bemüht. „Du wärst in Askaban und… und ich nicht", schloss sie kopfschüttelnd.
„Du… willst ihn nicht heiraten?" Er war noch nicht ganz so weit wie sie, denn… war es nicht das, was sie ihm erst vor wenigen Stunden versichert hatte? Dass sie zurückkehren würde, um ihr altes Leben fortzuführen? Hatte er sich da verhört? Und sie besaß die Dreistigkeit, genervt auszusehen.
„Nein", bestätigte sie kurz angebunden. Aber er zog die Stirn in Falten.
„Entschuldige, aber ich bin davon ausgegangen", entgegnete er ebenfalls gereizt. „Wieso… hast du es dann gesagt? Heute Morgen?" Er kam nicht drüber weg.
„Was?", blaffte sie unwirsch, aber er schüttelte den Kopf.
„Wieso, Granger? Wolltest du mich verletzen, oder-"
„-verletzt es dich denn?", unterbrach sie ihn fast herausfordernd, und er begriff sie nicht. Nicht im Ansatz. Ungläubig weiteten sich seine Augen.
„Was konkret?", wollte er bitter wissen. „Dass du mich als Ersatz benutzt, wenn es dich juckt? Dass du mich manipulieren kannst, um Sex zu haben? Nein, Granger. Wieso sollte irgendjemand so etwas als verletzend empfinden?" Seine Stimme troff vor böser Ironie. „Ich meine, würdest du es gut finden, wenn ich dich mit dem wachen Gedanken vögel, dass es alles nichts bedeutet, sobald wir nach Hause kommen?"
„Malfoy", ermahnte sie ihn gepresst, „du wärst in Askaban!", fuhr sie ihn jetzt an.
„Na und?" Er schrie zum ersten Mal. „Was verdammt noch mal ändert das?", wollte er wütend von ihr wissen. „Du hättest mich nicht magischerweise vergessen, oder? Du kämst nicht nach Hause und würdest nahtlos weiterleben, wie vorher, oder? Kannst du mir ernsthaft sagen, dass du aufwachen würdest, und nicht an mich denkst?" Es war in diesen Momenten, wenn die Ehrlichkeit am deutlichsten hervortrat. Es waren diese Momente, wenn er die Worte, die er sagte, nicht mehr zurücknehmen konnte. Nicht ohne weiteres.
„Es würde nichts helfen", erwiderte sie scheu.
„Nichts helfen?", wiederholte er blind vor Zorn. „Nein, Granger. Darum geht es nicht. Es geht darum, dass du nicht anders könntest, als an mich zu denken!" er wusste nicht, warum er diese Worte schrie. Er wusste nicht, warum es wichtig war. Er wusste nicht, warum er sich ihrer so sicher war. Und jetzt war sie wütend.
„Wieso sollte ich dir gegenüber irgendwelche Zugeständnisse machen, wenn du nicht einmal bis Frühling bleiben willst?", entgegnete sie ebenso laut, und er verstand es nicht! Was wollte sie, verflucht noch mal?!
„Oh Merlin! Nicht schon wieder dieser verdammte Frühling! Wieso sollten-"
„-weil du mir nicht einmal sagen kannst, dass du mich vermisst, Malfoy!", donnerte ihre Stimme. „Du willst nicht einmal ein paar Wochen länger bleiben!"
Sein Mund öffnete sich. Merlin. Dieses Mädchen. Sie war so unfassbar dämlich. Merlin!
„Du denkst, ich will unbedingt zurück wegen mir? Weil ich es nicht erwarten kann, nach Askaban zu kommen?", entfuhr es ihm so ungläubig, dass er regelrecht sehen konnte, wie ihr Verstand arbeitete, wie sie versuchte, zu analysieren, was er sagte. „Merlin, Granger, du bist unfassbar!", knurrte er aufgebracht. „Jeder Tag hier mit dir macht, dass ich nicht gehen will. Und deshalb müssen wir gehen, ok? Denn wir können nicht bleiben. Ich will nicht schuld daran sein, dass du länger hier sein musst, als es nötig ist! Verstehst du das nicht?", fuhr er sie zornig an. „Ich… kann nicht egoistisch sein bei dieser Sache. Es wäre… falsch", rang er sich die Worte ab.
„Warum?", flüsterte sie plötzlich, sah ihn unverwandt an, und er verdrehte die Augen.
„Weil ich will, dass du nach Hause kommst", machte er es deutlich.
„Warum?", wiederholte sie atemloser.
„Warum was?" Es nervte ihn, dass sie fragte. Wieder und wieder.
„Warum willst du das?" Ihre Stimme war ein Hauch.
„Weil…" Seine Stimme brach abrupt.
„Weil?", wisperte sie, und er konnte nicht mehr sprechen. Es wog schwer in seinem Bauch. Die Gedanken, die Bedeutungen dahinter. Weil…- er konnte nicht. Er konnte es nicht sagen.
Beinahe abgehackt atmete er angespannt die angehaltene Luft aus. Ihr Blick war so unangenehm ehrlich und hart, und er fühlte sich unwohl. So furchtbar unwohl. In diese Richtung hatte er nicht gehen wollen. Absolut nicht.
Und dann ging sie. Er reagierte sofort.
„W-wo gehst du hin?" Fast hilflos klangen seine Worte, und er hasste das. Sie schüttelte starr den Kopf, sah ihn nicht an.
„Raus", sagte sie bloß.
„Granger-", begann er, denn sie waren nicht fertig. Sie waren hier noch nicht fertig, verdammt!
„-ich brauche frische Luft", sagte sie abwehrend, und unfähig, irgendetwas zu tun, war er stehen geblieben, die Fäuste geballt, und sein Blick folgte ihrer Gestalt, als sie die Hütte verließ. Laut fiel die Tür ins Schloss, und er war allein.
Warum wollte er, dass sie nach Hause kam?
Warum scherte es ihn?
Weil…- weil er der Held dieser Geschichte sein wollte. Nur einmal.
Weil… er gelogen hatte heute Morgen. Genauso wie sie. Sie wollte Weasley nicht heiraten, und er wollte nicht nach Hause. Denn er würde sie vermissen.
Aber… das konnte er nicht laut sagen. Er konnte es kaum sich selber eingestehen, wie sollte er es dann in ihr Gesicht sagen können?
Was er ihr hatte klarmachen wollen, war eigentlich nur gewesen, dass… wenn sie ein Kind bekämen, würde sie ihn nicht einfach aus ihrem Leben streichen können. Und für eine schwache Sekunde hatte er wissen wollen, welche Gefühle das in ihr auslösen würde.
Aber er hatte seine Antwort bekommen, oder nicht? Sie hatte keine Sekunde darüber nachgedacht, sein Kind zu bekommen. Nicht, dass er großartig darüber nachdachte. Aber er hatte darüber nachgedacht.
Und was es bedeutete, war, dass sie verbunden sein würden. Auch in Askaban.
Und er wäre zwar nicht da, um ihr diese Verbindung immer wieder zu bestätigen, aber das alleine war die Preisfrage, nicht wahr?
Welche Zukunft hatte ihre Beziehung?
Erschöpft presste er die Handflächen vor sein Gesicht. Vielleicht würden sie ihn freisprechen, weil er Hermine Granger nach Hause gebracht hatte…. Vielleicht würden Niffler anfangen zu fliegen und Doxyheere beherrschten die magische Welt. Seine Freiheit wäre so unwahrscheinlich wie jede Kinderfantasie.
Wahrscheinlich war das die Antwort. Ihre Beziehung hatte keine Zukunft.
Schlaff fielen seine Hände an seine Seiten zurück.
Verdammt.
